mini|Zentrale der Sōka Gakkai in Tokio

Sōka Gakkai (jap. , dt. „Werteschaffende Gesellschaft“) ist eine neue religiöse Bewegung, die 1937 in Japan von Makiguchi Tsunesaburō (formal) gegründet wurde und teilweise auf den Lehren des Nichiren-Buddhismus basiert.Jacqueline I. Stone, Original Enlightenment and the Transformation of Medieval Japanese Buddhism (Studies in East Asian Buddhism), University of Hawaii Press 2003, ISBN 978-0-8248-2771-7, S. 454. Bis zu ihrem Ausschluss im Jahr 1991 der Nichiren-Shōshū angegliedert, entwickelte sich die Sōka Gakkai als reine Laienbewegung besonders nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan zu einer großen Religionsgemeinschaft. Derzeitiger Präsident der Organisation ist Minoru Harada.

Gründung und Geschichte mini|Sōka Gakkai Makiguchi Memorial Hall, Tokio

Die Sōka Gakkai wurde ursprünglich 1930 durch den Pädagogen Makiguchi Tsunesaburō unter dem Namen Sōka Kyōiku Gakkai (, dt. „Werteschaffende Erziehungsgesellschaft“) in Tokio gegründet, wobei die erste Generalversammlung erst im Jahr 1937 stattfand.Levi McLaughlin: Handbook of Contemporary Japanese Religions. Brill Handbooks on Contemporary Religion, ISBN 978-90-04-23435-2, S. 282.Jacqueline I. Stone, Original Enlightenment and the Transformation of Medieval Japanese Buddhism (Studies in East Asian Buddhism), University of Hawaii Press 2003, ISBN 978-0-8248-2771-7, S. 454.Vor allem die SGI selbst bezieht sich, als Gründungsjahr, gerne auf das Jahr 1930. Der 18. November 1930 war das Erscheinungsdatum der Sōka kyōiku-gaku taikei (System der wertschaffenden Erziehung) einer Schrift von Tsunesaburō Makiguchi. Die formale Gründung als Organisation erfolgte jedoch erst 1937.

Nicht aus Opposition zur japanischen Expansionspolitik, sondern vielmehr aus religiösen Gründen wurde die Organisation während des Zweiten Weltkriegs verboten.Brian Daizen Victoria, Senior Lecturer Centre for Asian Studies, University of Adelaide: Engaged Buddhism: A Skeleton in the Closet? Noch im Jahr 1942 äußerte sich Makiguchi unterstützend zum Chinesisch-Japanischen Krieg, dennoch setzten er und sein Nachfolger Toda Jōsei sich gegen die Anbringung eines shintoistischen Talismans in den Tempeln der Nichiren-Shōshū zur Wehr und wurden 1943 wegen „kriegsfeindlicher Aktivitäten“ inhaftiert.Makiguchi, The Instruction Manual Summarizing the Experiments and Testimonials of Life based on the Philosophy of Value of the Supreme Goodness. 10. August 1942.Zitat nach Lesart der Nichiren Shoshu: “You must sacrifice your own skin to slash the opponent’s flesh. Surrender your own flesh to saw off the opponent’s bone.’ With their faithful implementation of this well-known Japanese fencing (Kendo) strategy into actual practice during the war, the Japanese military is able to achieve her glorious, ever-victorious invincibility in the Sino-Japan conflict and in the Pacific war, and thus, easing the minds of the Japanese people. This (strategy of sacrifice) should be held as an ideal lifestyle for those remaining on the home front and should be applied in every aspect of our daily life.” Zitat nach Lesart der SGI: “Allow an opponent to cut your skin while you cut his flesh. Allow him to cut your flesh while you cut his bone.’ This is the quintessential strategy of Japanese swordsmanship. This strategy should be applied to ensure the security of the people. Since it was properly implemented in Sino-Japan war and Great East Asia War, Japan saw victory after victory in all the battles she was engaged in. This essential spirit of swordsmanship is fundamentally applicable for bringing an ideal victory to every aspect of one’s daily life on the home front while the war goes on afar.” Ab 1945 wurde die Sōka Gakkai unter der Leitung von Josei Toda wieder aktiv.

Die in ihrer Anfangszeit militante religiös-politische Sekte, die im Februar 1964 4,3 Millionen Anhänger für sich beanspruchte, zielt darauf, die „wahre Religion des Nichiren“ wieder zu beleben.Japans Kurs liegt fest: Zum Guten oder zum Bösen (Schluß): Nationalsprache aus Glas, Stahl, Beton vom 16. Oktober 1964 Sie wird zu den neuen religiösen Bewegungen, den Shinshūkyō, gezählt. 1975 entstand die Sōka Gakkai International (SGI) als Dachverband der nationalen Sōka-Gakkai-Gemeinschaften, der heute nach eigenen Angaben weltweit etwa zwölf Millionen Anhänger in 190 Ländern angehören. Die große Mehrheit der Anhänger lebt in Japan, ihre Zahl beläuft sich dort nach Angaben der SGI auf ca. 8,27 Mio.http://www.relnet.co.jp/relnet/brief/r3-01.htm Von Außenstehenden wird diese Zahl immer wieder angezweifelt, wobei das Amt für kulturelle Angelegenheiten im Jahr 2000 von ca. 5,42 Mio. Anhängern in Japan ausging. Somit dürfte die Anzahl von Anhängern nicht klar zu beziffern sein.http://www.relnet.co.jp/relnet/brief/r3-01.htm

Mitte der 1990er Jahre wurde das Vermögen der Gruppierung auf 100 Milliarden US-Dollar geschätzt. Zwar bestritt die Gruppierung diese Summe, doch erfolgte im Gegenzug nie eine Offenlegung der Finanzen.Sensei’s World, Forbes, 5. September 2004.

Grundlagen, Ziele und Engagement mini|Der Nichikan-Gohonzon, wie er Anhängern der SGI verliehen wird. Es handelt sich hierbei um eine Kopie des Originals, das ursprünglich vom 26. Hohepriester der Nichiren-Shōshū bzw. des Taiseki-ji, Nichikan (1665–1726), erstellt wurde.

Die Gemeinschaft wurde ursprünglich als Laienbewegung innerhalb der Nichiren-Shōshū gegründet, von dieser aber 1991 ausgeschlossen. Sie bezieht sich auf den buddhistischen Gelehrten und Reformer Nichiren, der im 13. Jahrhundert das Lotos-Sutra als die Essenz und Inbegriff der Lehre des Religionsstifters Buddha deklarierte.

Die zentrale Praxis ist die wiederholte Rezitation (Chanten genannt) des Mantras: „Namu Myōhō Renge Kyō“ (Daimoku) vor einem Gohonzon. Durch das Chanten soll die im Menschen grundsätzlich existierende Buddha-Natur manifestiert werden.

Unter dem Einfluss des dritten Präsidenten und lebenslangen Ehrenpräsidenten von Sōka Gakkai International, Daisaku Ikeda, gewann die so genannte Meister-Schüler-Beziehung innerhalb der SGI immer größere Bedeutung. Die ersten drei Präsidenten der SGI, Makiguchi Tsunesaburō, Toda Jōsei und Daisaku Ikeda, werden als die Drei Ewigen Meister/Mentoren bezeichnet. Besonders betont wurde jedoch die Meister-Schüler-Beziehung zwischen Daisaku Ikeda und den Anhängern der Sōka Gakkai, denen nahegelegt wurde, diese Beziehung zu vertiefen und zu kultivieren. In diesem Zusammenhang wurde in den Medien der Begriff Ikedaismus geprägt, als Abgrenzung zum eigentlichen (Nichiren-)Buddhismus.https://www.nippon.com/en/in-depth/d00966/

Die japanische Sōka Gakkai zählt gegenwärtig, nach eigenen Angaben, etwa acht Millionen Haushalte. Sie ist damit die größte religiöse Organisation in Japan.

Charakteristisch für die Sōka Gakkai Japan ist auch ihr Engagement in der japanischen Politik, welches zur Gründung der Kōmeitō führte. Seit 1970 darf zwischen der Kōmeitō und der Sōka Gakkai keine Ämterkumulation stattfinden, dennoch sagt man der Sōka Gakkai Einfluss auf die Programm- und Personalpolitik der Partei nach.

Sōka Gakkai International mini|Sōka-Universität, Daisaku-Ikeda-Auditorium, Tokio

1975 wurde als weltweite Dachorganisation die Sōka Gakkai International (SGI) mit Sitz in Tokio gegründet. Die in Landesgruppen, Regionalgruppen und in Einzelgruppen organisierte SGI ist in 190 Ländern aktiv und seit 1983 als Nichtregierungsorganisation (NGO) bei den Vereinten Nationen vertreten.Bundeszentrale für politische Bildung Sie hat beratenden Status im UN Economic and Social Council (ECOSOC) und seit 1989 in der UNESCO. Für diese Aktivitäten betreibt die SGI zwei Büros in New York und Genf. Sie gibt an, in fünf Themenbereichen aktiv zu sein: Frieden und Abrüstung, nachhaltige Entwicklung, Umwelt und Klimaschutz, Menschenrechtserziehung, Geschlechtergleichheit und die Stärkung von Frauen.

Der ehemalige Sōka-Gakkai-Präsident und Präsident der SGI Daisaku Ikeda (1928–2023) veröffentlichte seit 1983 jährlich einen Friedensvorschlag zur internationalen Friedensförderung, der sowohl konkrete Maßnahmen als auch spirituelle Aspekte aus buddhistischer Sicht enthielt. Für seinen Einsatz erhielt er 1983 die Friedensmedaille der Vereinten Nationen. Durch seine Initiative gründete die Sōka Gakkai International (SGI) zahlreiche offene Einrichtungen in der Friedensforschung, höheren Bildung und Kulturförderung, darunter das Toda Institute for Global Peace and Policy Research, Ikeda Center for Peace, Learning, and Dialoguehttps://www.daisakuikeda.org/sub/events/archives/2009/jul/di_090726ikeda_ctr.html, die Sōka-Universität in Tokio und Kalifornien sowie die Min’on-Konzertvereinigung, das Tokyo Fuji Art Museum und das Institut für Orientalische Philosophie (IOP).

Die SGI Europe ist Mitglied der Europäischen Buddhistischen Union.Members of the European Buddhist Union

Ausschluss durch die Nichiren-Shōshū Immer wieder tauchten Konflikte zwischen der Sōka Gakkai und Nichiren-Shōshū auf. Beide Seiten führten hierfür Unterschiede in der Interpretation der Lehre Nichirens als auch machtpolitische Gründe an.

Erste Konflikte traten bereits im Jahr 1952 anlässlich des 700. Jahrestages der erstmaligen Proklamation des Mantras Namu-myoho-renge-Kyo durch Nichiren auf. Unter Führung Josei Todas und Daisaku Ikedas zwang ein aufgebrachter Mob gewalttätiger Anhänger der Sōka Gakkai einen Nichiren-Shōshū Priester, Jimon Ogasawara, sich für seine vermeintliche Kooperation mit dem japanischen Militärregime am Grab Tsunesaburo Makiguchis auf dem Gelände des Taiseki-ji zu „entschuldigen“.Daniel B. Montgomery: Fire in the Lotus. Mandala 1991, S. 186–187.Murata, Kiyoaki (1969). Japan’s new Buddhism: an objective account of Soka Gakkai ([1st ed.]. ed.). Weatherhill, New York, ISBN 978-0-8348-0040-3.

Im Jahr 1974 führten Auseinandersetzungen zum Ausschluss der Myōshinkō (heutiger Name: Kenshōkai) und im Jahre 1980 zur Gründung der Shōshinkai (, „Gesellschaft des rechten Glaubens“) einer Gruppierung von Laiengläubigen sowie ca. 200 Priestern der Nichiren-Shōshū. Offizielle Shoshinkai Website (japanisch) Beide Gruppierungen kritisierten nebst Richtungs- und Nachfolgestreitigkeiten innerhalb der Nichiren-Shōshū auch den zu großen Einfluss der Sōka Gakkai.

Während der späten 1970er Jahre versuchte Daisaku Ikeda die Beziehung zwischen Laien und Priestern neu zu definieren, was die Priesterschaft der Nichiren-Shōshū auf den Plan rief. Aufgrund dieser Ambitionen musste Daisaku Ikeda am 24. April 1977 als Präsident der Sōka Gakkai zurücktreten, wobei er weiterhin als Ehrenpräsident der Sōka Gakkai fungierte und weiterhin die Präsidentschaft der Sōka Gakkai International innehielt.Ulrich Dehn, in: Birgit Staemmler (Hg.): Soka Gakkai. Lit Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-643-90152-1, S. 208.Daniel A. Metraux: “Why Did Ikeda Quit?” Japanese Journal of Religious Studies, Band 7, Nr. 1 (März 1980), S. 56.

Zum endgültigen Bruch kam es dann am 28. November 1991, als die Nichiren-Shōshū der Sōka Gakkai / Sōka Gakkai International ihren Status als Laienorganisation der Nichiren-Shōshū entzog. Bis zum 20. September 1997 jedoch betrachtete sie die einzelnen Anhänger der Sōka Gakkai/Sōka Gakkai International als Gläubige der Nichiren-Shōshū (Hier sei angemerkt, dass nur Gläubige das Innere des Taiseki-ji Tempels betreten dürfen).https://www.nichiren.com/en/history-e.htmlStandpunkt der Nichiren Shoshu