mini|Freiwillige Feuerwehr Zagelsdorf ist ein Ortsteil der amtsangehörigen Stadt Dahme/Mark im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming.
Geografische Lage Der Ortsteil liegt im Nordosten des Stadtgebietes von Dahme im Südwesten des Landkreises Teltow-Fläming. Er erstreckt sich mit dicht gereihten Gehöften linear entlang der von Nordwest nach Südost führenden Dorfstraße als prägende Durchgangsstraße, von der ein Abzweig in der Ortsmitte über eine schmale, partiell Niedermoor überwindende Verbindung nach Dahme im Südwesten führt.Darstellung der Stadt Dahme mit Umland auf der Schmettauschen Karte M 1: 50.000, Sektion 90, 2. Hälfte 18. Jahrhundert (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz). Östlich des Dorfes verläuft sie nach Nordosten in Richtung Görsdorf sowie nach Südwesten in Richtung Rosenthal.
Geologie Wegen der Vielgestaltigkeit der hier anzutreffenden eiszeitlichen Ablagerungen sind die Bodengesellschaften häufig heterogen und setzen sich aus Ablagerungen der Grundmoränen, Altmoränen und Sander zusammen. Für die Geomorphologie beziehungsweise Landschafts- und Bodengenese des südlichen Teils des Landkreises Teltow-Fläming waren die Prozesse der Saale-Kaltzeit prägend. Das Baruther Urstromtal trifft im Süden im Raum zwischen den Städten Burg und Dahme auf die Altmoränenplatten der saalezeitlichen Vereisungsgrenze des zum Südlichen Landrückens gehörenden Flämings.
Geschichte
Mittelalter Die Gründung des 1346 als „Zagelstorff“ ersterwähnten Zagelsdorf erfolgte unabhängig von der slawischen Vorbesiedlung der Region. Deren Spuren zeichnen sich etwa durch eine in 1,1 km Luftlinie in südsüdwestlicher Richtung vom Ortskern/der Kirche entfernt am Rand der Dahme-Niederung liegende slawische Befestigungsanlage ab.51°52′47.4″N 13°26′36.2″E (WGS 84); 51.879824, 13.443397 (Dezimalgrad WGS 84); R: 4599498.256 (E), H: 5750512.913 (N; Gauß-Krüger). Die ringförmige Anlage von ˜71 m Durchmesser (äußere Wallkante) ist weitestgehend eingepflügt und zeichnet sich auf Luftbildern durch abgesetzte Bewuchsmerkmale im Grabenbereich ab. Südöstlich scheint eine Vorburgsiedlung gelegen zu haben, die nicht zum hier im 13. Jahrhundert einsetzenden ländlichen Befestigungswesen des Landesausbaus zu zählen ist. Es wird in Zagelsdorf vom Turmhügel am nordwestlichen Ortsrand im Bereich eines jüngeren Gutshauses, der sog. „Villa“ (s. u.), repräsentiert.Fundplatz 2, vgl. Amtsblatt für den Landkreis Teltow-Fläming, 19. Jahrgang Nr. 21 (Luckenwalde 2011) 14. Er entstand mit dem Dorf in der zweitenVgl. Gringmuth 1995, 112 sowie ders. 1996, 17. beziehungsweise während der HochphaseVgl. Henker 2007, 15. der hochmittelalterlichen Ostsiedlung nordöstlich Dahmes und von einer PassageDie Passage über Hangsanden und Fließerden periglazial-limnischer Füllungen führte vorbei an einer moorigen Niederung zum vom Stadtgebiet besetzten, als Zollpunkt dienenden Übergang des Dahmefließes. in Anbindung an einen Seitenarm der sogenannten Lüneburger Salzstraße und ist mit diesem als ortsfestes Bodendenkmal „Mittelalterlicher und Neuzeitlicher Dorfkern Zagelsdorf“ in der Denkmalliste des Landes Brandenburg erfasst (Bodendenkmalnummer 131098). Wiederholt war der Bereich des Bodendenkmals Ziel archäologischer Baubegleitungen.Baubegleitungen fanden etwa auf den Grundstücken Dorfstraße 8 durch Holger Grönwald (ZTF 2010:BG/112; Sachkatalog-Nr. 2016-563; vgl. Grabungsbericht Grönwald 2016 H. Grönwald 2016: Archäologische Begleitung des Bauvorhabens „Errichtung eines Speiseraums mit Toilettenanlage als Anbau am Haus Josua“ auf dem Grundstück Dorfstraße 8 der Gemarkung Zagelsdorf (Dahme/Mark) (Webseite academia.edu, abgerufen am 15. Februar 2020) sowie Dorfstraße 10b durch Gerson H. Jeute statt. Dabei wurden überwiegend in Art und Charakter spätmittelalterliche, frühneuzeitliche und neuzeitliche Befunde erschlossen. Urgeschichtliche Funde sind vom ebenfalls für Flur 1 ausgewiesenen urgeschichtlichen Hügelgräberfeld bekannt (Bodendenkmalnummer 131172).
Von einer planmäßigen Neuanlage des Dorfes für eingewanderte Neusiedler ist auszugehen. Das Niedermoor der Umgebung war zur Zeit der Stadtgründung Dahmes im 12. Jahrhundert deutlich größer ausgebildet und diente als natürlicher Schutz des Stadtgebietes. Zagelsdorf entstand an dessen Rand auf einer länglichen Talsandinsel fluviatiler Ablagerungen.Vgl. Karte zur Geologie des Landkreises Teltow-Fläming; UmLand – Landkreis Teltow. Landschaftsrahmenplan, Karte 3 – Geologie (Stand 2009). Die Form des Straßendorfs folgte dabei einem Erstanlageschema des klassischen äußeren Landesausbaues.Vgl. Ogrissek 1961, 133, Born 1977, 141 und Gringmuth 1995, 114. Gegenüber spätslawischen Ansiedlungen offener Anwesen in Wassernähe wurde der Ort auf einer trockenen, höher gelegenen Fläche angelegt.
Erst 1414 wird das Gut des Ortes erstmals erwähnt, das parallel zur zugehörigen Dorfkirche am nordwestlichen Ortsende, hinter der sich das ehemalige Gutsgehöft ausdehnt, etabliert worden sein dürfte.Vgl. Preuß 2011, 208.
Die Kirche entstammt entsprechend ihrem Grundriss mit eingezogenem Turm mit paarigen Schallöffnungen, den beiden Zugängen sowie der Mauerwerksausführung wohl dem ausgehenden 14. Jahrhundert.Das Schiff der aus einem eingezogenen quadratischem Westturm mit angeschlossenen Schiff aus unregelmäßigen Feldsteinmauerwerk bestehenden Kirche wurde 1680 wohl nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg erneuert, wobei die seitlichen Fenster sowie die Äußeren der früheren Dreifenstergruppe im Osten rechteckig vergrößert wurden (das frühere, vermauerte Mittelfenster ist noch erkennbar). Aus dieser Zeit stammen die schlichte Kanzel und das Chorgestühl. Im Westen erfolgt der Zugang durch eine neuzeitliche Pforte. Gemeindeportal und Priesterpforte auf der Südseite sind zugesetzt, ihre Backsteingewände aber noch sichtbar. Obwohl der Abschluss des Gemeindeportals vom linken Fenster geschnitten wird, dürfte er wie jener der Priesterpforte spitzbogig gewesen sein. An der Nordseite der Kirche befindet sich der Anbau einer verglasten Patronatsloge. Sie ist im unteren Bereich verputzt, darüber setzt Fachwerk auf. Eine Erneuerung der Kirche erfolgte nach Ausweis der Jahreszahl im Ostgiebel 1885 (vgl. Dehio et al. 2012).
Die Erschließung Zagelsdorfes diente durch die Gewinnung hier anstehender, eisenerzhaltiger Gesteine und von Raseneisenerz dem Ausbau der Stadt Dahme, die als Dama 1164 beziehungsweise 1171 erstmals Erwähnung fand.Vgl. Heinrich 1985, 158 nach Beck et al. 1964, 194–197 und 622 ff. Entsprechende Materialien fanden etwa bei der Errichtung der Stadtmauer Dahmes Verwendung. Die landwirtschaftliche Produktion arbeitete unter anderem der Tuchmacherei beziehungsweise Wollweberei der Stadt zu, die im Zuge des Landesausbaus 1185 unter Bischof Wichmann nach dem Land Jüterbog den Besitzungen Magdeburgs angegliedert wurde. Das „Burgwardium Dama“Zur Datierung vgl. Westphal 2002, 67 nach Grabungsergebnissen auf der Burg Dame (SK-Nr.: 1996-682). verwaltete die Region und wird 1186 unter den Besitzungen des Domkapitels zu Brandenburg erwähnt.Vgl. CdB VIII 114/115 Urkunde Nr. XXVII. Prinzipiell gehörte die Region während des gesamten Mittelalters dem Erzstift Magdeburg, dessen häufig wechselnde Statthalter auf der Burg von Dahme residierten. Aufgrund ständig verlagerter Verpfändungen gestalteten sich die Verhältnisse allerdings komplex.Vgl. Beck et al. 1964, 194 und Armbruester 2010, 7f. Zwischen 12. und 14. Jahrhundert entwickelten sie sich dennoch aufstrebend, befördert durch die ab Beginn des 13. Jahrhunderts von den brandenburgischen Markgrafen und den kirchlichen Landesherren protegierte, die slawische Bevölkerung einschränkende Ansiedlung flämischer Siedler.Vgl. Enders et al. 2000, 96. Den von diesen eingeführten Bautraditionen wird neben dem Ausbau der Burg von Dahme in Stein und Ziegel nach deren Brand 1441 ein genereller Wandel im städtischen und ländlichen Bauwesen zugeschrieben. Er vollzog sich trotz eines wirtschaftlichen Niedergangs der Region in der Folgezeit, den negative klimatische Entwicklungen, Epidemien und Unruhen bedingten. Als besonders einschneidend werden stets Zerstörungen in Folge der Hussitenstürme geltend gemacht, ohne dass der Bezug zu den reformatorischen Bestrebungen genauer umrissen und analysiert wird. Für anhaltende Beeinträchtigungen kann vielmehr der Entsatz der kaiserlichen Heere ausschlaggebend gewesen sein. Besonders schwer dürfte das städtische Umfeld während der Belagerung Dahmes 1457 durch Truppen des im Folgejahr zum böhmischen König gekrönten Georg von Podiebrad beziehungsweise Jirí z Kunštátu a Podebrad gelitten haben. Ebenso unterwarfen die Folgen weiterer Stadtbrände 1498 und 1563 die umliegenden Gemeinden schweren Anforderungen.
Frühe Neuzeit Das 1532 durch Erzbischof Albrecht von Magdeburg als Lehen an die Familie von Schlieben vergebene Zagelsdorf trafen wie auch die 1631 von kaiserlichen Truppen eroberte Stadt Dahme die Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges schwer. Nachdem das Land mit dem Frieden von Prag 1635 an Kursachsen gelangte, fiel das Dorf weitestgehend wüst. Gründe waren die anhaltende Landflucht der Bevölkerung, die Schutz innerhalb der Mauern der 1636, 1637 und 1638 durch schwedische Truppen belagerten Stadt Dahme suchte, verbunden mit Zerstörungen an der Dorfkirche sowie die Auswirkungen der Pest. 1638 wurden nur noch zwei Bewohner verzeichnet.Vgl. Kube 1934, 21–23. Für Dahme ist in dieser Phase trotz der Pest eine Ausweitung des Stadtareals kennzeichnend.
Trotz der das Umland der Stadt geißelnden Plünderungen setzte man die Vieh- und Weidewirtschaft fort. Sie bildete weiterhin die Grundlage der Tuchproduktion in Dahme, mit deren Erträgen sich die Stadt erholen konnte. Von 1657 bis 1746 gehörte das Amt Dahme zwischenzeitlich unter der Linie Sachsen-Weißenfels zu den Besitzungen des Fürstentums Querfurt. In dieser Phase pachteten und bewirtschafteten die Familie von Schlieben, ab 1711 die Grafen von Solms-Sonnewalde, ab 1717 Heinrich Wilhelm I. Nathusius aus Luckau (1670–1737; Pächter von Drehna) und ab 1721 Graf Otto Ernst von Schönburg nach Heirat mit Wilhelmine Christiane von Solms-Sonnewalde das Gut Zagelsdorf.Vgl. Preuß 2011, 208. Otto Ernst von Schönburg verkaufte seine Rechte an diesem allerdings noch im selben Jahr an den in Dahme residierenden Johann Adolf II. von Sachsen-Weißenfels für 10.800 Taler. Als Küchengut für das in seinem Auftrag auf den Resten der Dahmer Burg ab 1715 errichtete Schloss erfuhr der Ort mit seinem Umfeld einen grundlegenden Wandel.Zwischen Dahme und Zagelsdorf entstand etwa eine Fasanerie, an die heute noch ein entsprechender Flurname erinnert. Als neues Gutshaus (mitunter euphemistisch als Schloss bezeichnet) entstand in Zagelsdorf parallel ein schlichtes zweigeschossiges Gebäude mit siebenachsiger Fassadengliederung, unter dessen Dach sich als sog. Drempel ein Halbgeschoss befand.Vgl. ders. 2011, 211. Die schlichte Fassadendekoration mit horizontalen Stuckleisten wich Renovierungsmaßnahmen nach 1949 und ist nicht mehr erhalten. Die konsolidierte Region fiel mit dem Aussterben der Sachsen-Weißenfelser Linie 1747 wieder Kursachsen zu und Dahme stieg in Folge sogar zur Residenzstadt auf. Zagelsdorf bot in Folge, weiter in Zeit- und Erbpacht übergeben, eine lohnende Einnahmequelle: Ein Georg Haberland erhielt es ab 1772 gegen 400 Taler jährliche Pacht und 1774 übernahm der Leipziger Wollhändler Johann Michael Schütte für 11 Jahre das Gut, um hier Schafzucht zu betreiben beziehungsweise fortzuführen. Er verkaufte das Anwesen an Johann Gottlieb Klunker, dessen Witwe es 1804/06 an Marie Dorothea Scharssig veräußerte.
19. Jahrhundert