Reginald John Farrer (* 17. Februar 1880 in 3 Spanish Place, Marylebone, London; † 17. Oktober 1920 in Nyitadi, Burma) war ein englischer Schriftsteller, Maler und Pflanzensammler.
Leben Sein Vater, James Anson Farrer (1849–1925), war ein wohlhabender Rechtsanwalt, Autor und Landbesitzer aus Clapham im North Riding von Yorkshire, seine Mutter Elizabeth („Bessie“) Georgina Ann Reynell-Pack Tochter eines Berufsoffiziers. Er hatte noch einen jüngeren Bruder.
Farrer wurde mit einer Hasenscharte und einem Wolfsrachen geboren und deshalb als Kind wiederholt operiert. Durch die Missbildung des Gaumens hatte er Schwierigkeiten bei der Artikulation. Bis ins Alter von 15 Jahren verstand nur seine Mutter, was er sagte.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 16. Deshalb wurde er zu Hause in Clapham und der Newnham Rectory erzogen. Zeitlebens hatte Farrer jedoch eine schrille und unangenehme Stimme.Jill Didur: The perverse Little People of the Hills, Unearthing Ecology and Transculturation in Reginald Farrer’s Alpine Plant Hunting. In: Global Ecologies and the Environmental Humanities: Postcolonial Approaches. Taylor and Francis, London 2015, S. 60. Seine Mutter war in der Kirche und wohltätigen Organisationen tätig. Farrer interessierte sich bereits als Kind für Pflanzen. Als sein Vater 1889 das Gut Ingleborough in Yorkshire erbte, entwarf der 14-jährige Farrer den Steingarten neu. Er publizierte einen Artikel über ein örtliches Vorkommen des Sandkrautes Arenaria gothica auf dem Ingleborough Fell im Journal of Botany. Auch später pflegte er Besucher des Gutes auf die Fells zu führen, um ihnen die dortige Pflanzenwelt zu zeigen.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 48. Von 1898 bis 1902 studierte er klassische Literatur „Greats“ (Literae Humaniores) am exklusiven Balliol College, Oxford, das er, vielleicht krankheitsbedingt, mit einem sehr schlechten Ergebnis (third) abschloss.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 22. Während seiner Studienzeit half er dem Pfarrer H. J. Bidder, den Steingarten des St John’s Colleges einzurichten. Außerdem freundete er sich mit seinen Kommilitonen Aubrey Herbert, einem zukünftigen Diplomaten, und Raymond Asquith an und gründete den Debattierclub „Ganymede“.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 20. Er entdeckte seine homoerotischen Neigungen, die er unter den Bedingungen der Zeit jedoch verbarg.Francis Gordon: The great Escape. In: The English Garden, Oktober 2020, S. 97. Jill Didur: The perverse Little People of the Hills, Unearthing Ecology and Transculturation in Reginald Farrer’s Alpine Plant Hunting. In: Global Ecologies and the Environmental Humanities: Postcolonial Approaches. Taylor and Francis, London 2015, S. 60. In Japan hatte Farrer angeblich eine Affäre mit einer Geisha, heiratete aber nie. In einigen seiner Werke wird der Kontrast zwischen Gattin und Konkubine beleuchtet.
1901 gründete Farrer eine Gärtnerei in Clapham, die auf Steingartenpflanzen spezialisiert war. Sie gewann mehrere Preise auf der Chelsea Flower Show.northcravenheritage.org.uk Sie musste jedoch 1914 bei Kriegsbeginn schließen, da die englischen Gärten nun der Selbstversorgung dienen sollten.
In Japan machte Farrer die Bekanntschaft der englischen Reiseschriftstellerin Gertrude Bell und ihres Bruders Hugo Bell.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 24. Er begann hier, Pflanzen zu sammeln. Ferner studierte er die Gartenkunst Japans, die ihn begeisterte, die aber durch verderbliche westliche Einflüsse bedroht war.Jill Didur: The perverse Little People of the Hills, Unearthing Ecology and Transculturation in Reginald Farrer’s Alpine Plant Hunting. In: Global Ecologies and the Environmental Humanities: Postcolonial Approaches. Taylor and Francis, London 2015, S. 62. Nach der Reise publizierte er ein Buch über "Asiatische" Gärten. Auf der Rückreise von Japan schrieb Farrer seinen ersten Roman, der 1906 veröffentlicht und unter anderem von Virginia Woolf im Times Literary Supplement gelobt wurde.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 31. Sein nächstes Buch beruhte auf der Theorie der Seelenwanderung. Wie Orlando hatte es eine Heldin, die ihr Geschlecht wechselte. Es wurde von der Kritik jedoch ebenso wie seine folgenden Romane schlecht aufgenommen. Farrers Romane enthalten scharf und zuweilen bösartig beobachtete Einzelheiten des Lebens der Britischen Oberklasse, seine Biografin Nicola Shulman beurteilt ihre Handlung jedoch als „unnötig kompliziert“.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 35.
Sein konservativer Vater hatte Farrers hohe Ausgaben auf der Japan-Reise missbilligt und kürzte seine Apanage. Die nächsten zehn Jahre musste Farrer auf dem väterlichen Gut verbringen, wo er seine Gärtnerei ausbaute und mehrere Gärten anlegte. Da ihm sein Vater nicht genügend Arbeiter zur Verfügung stellte, musste Farrer sie weitgehend selbst betreuen, damals eine Neuheit.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 52. Farrers Steingarten, auf einer Klippe des Ingleborough angelegt, galt als der einzig natürliche Steingarten Englands. Um ihn anzulegen, musste sich Farrer abseilen, angeblich schoss er auch von einem Boot aus Samen aus seinem Gewehr auf die steilen Felsen.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 36. Von der Anlage ist heute nichts mehr erhalten. mini|Von Farrer gepflanzter Rhododendron in Clapham
Farrer war wie sein Vater Mitglied der Liberalen Partei und wurde Friedensrichter für West-Yorkshire. Er kandidierte 1910 als Abgeordneter für Ashford in Kent. In der Wahl sprach er sich für den Freihandel aus. Er verlor die Wahl jedoch gegen den konservativen Kandidaten Lawrence Hardy,Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 59. vielleicht auch, weil er angeblich die 1000 Pfund, die ihm sein Vater, Mitglied des Unterhauses für Skipton, für Wahlausgaben zur Verfügung gestellt hatte, verwendete, um Cypripedien zu kaufen. Zudem hatte er wenig Gespür für Öffentlichkeitsarbeit und verließ etwa ein Benefiz-Konzert der Liberalen Partei wegen dessen mangelnder Qualität.
Auf seiner Ceylon-Reise wurde Farrer 1907 zum Entsetzen seiner Familie Buddhist, wie seine Base Edith Sitwell berichtet.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 35–37. und posierte danach für Photos in orientalischen Gewändern.
Farrer wurde 1916 nach seiner Rückkehr aus China für wehruntauglich erklärt und arbeitete als Journalist im britischen Informationsministerium unter John Buchan, bis dieses 1918 aufgelöst wurde. Es war das einzige Mal, dass er einer bezahlten Arbeit nachging. Der Propaganda-Journalismus ekelte ihn jedoch an.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 101 f.
Farrer verstarb 1920 in der Nähe der britischen Hill Station Nyitadi östlich des Irrawaddy im Min Shan, wo er Pflanzen sammelte und an einem neuen Roman arbeitete, laut dem nicht anwesenden Cox an Diphtherie. Dies scheint jedoch zweifelhaft, da er diese Krankheit bereits während seiner Studentenzeit in Oxford überstanden hatte. Farrer wurde in Kawngglanghpu begraben,Abbildung. In: kew.org nicht, wie Cox behauptet, in Konglu. Ein kleiner Gedenkstein im Familien-Garten in Ingleborough trägt die Worte He died for love and duty in search of rare plants. Das Tagebuch seiner letzten Reise wurde von seiner Mutter zerstört, das Manuskript seines letzten Romans The empty House sowie die gesammelten Samen waren an seinem Todesort zurückgeblieben.Nicola Shulman: A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. Short Books, London 2002, S. 119. Sein detailliertes Herbarium sowie Briefe an seine Mutter und Pflanzensammler wie Edward Augustus Bowles und Isaac Bayley Balfour werden im botanischen Garten von Edinburgh aufbewahrt.GB 235 RJF/1 Seine Familie übergab dem Botanischen Garten 2005 weitere Schriftstücke und Zeichnungen. Die Fotografien sind teilweise eine Dauerleihgabe der Lakeland Horticultural Society.archiveshub.jisc.ac.uk
Werke Farrer hatte eine Karriere als Schriftsteller geplant und veröffentlichte fünf Romane und zwei Versepen, die jedoch heute weitgehend vergessen sind. Er schätzte die Romane von Jane Austen, die nach Ansicht von J. Mather auch seine Reisebeschreibungen beeinflussten.Jeff Mather: Camping in China with the Divine Jane: The Travel Writing of Reginald Farrer. In: Journeys, The International Journal of Travel and Travel Writing, 2009, 10/2, S. 45–64. Herod through the Opera Glass. A tragedy in three acts [A parody of Stephen Phillips’ “Herod”]. Oxford, B. H. Blackwell (1901) The life of Frederic William Farrar, sometime dean of Canterbury. London, James Nisbet: 1904 The Garden of Asia, Impressions from Japan. London, Methuen & Co. 1904. The House of Shadows. London, Edward Arnold (1906) The sundered Streams. The history of a Memory that had no full stops. London, Edward Arnold (1907); gutenberg.org My Rock Garden. London, Edward Arnold (1907) The Dowager of Jerusalem: a romance in four acts [Versepos]. London, Edward Arnold (1908) Alpines and Bog Plants. London, Edward Arnold (1908) The Ways of Rebellion. London, Edward Arnold (1908) The Anne-Queen’s Chronicle, being a history of the last five months, faithfully recounted, in the life of the Anne Boleyn, Marquis of Pembroke, Queen-Consort of England. London, Alston Rivers (1909) In a Yorkshire Garden. London, Edward Arnold (1909) In Old Ceylon. London, Edward Arnold (1910) Among the Hills, a book of Joy in high Places (1911) Through the ivory Gates. (1912) The Rock Garden (1912) Vasanta the beautiful, a homily in four acts. London, Bradbury, Agnew & Co. (1913). The Dolomites, King Laurin’s Garden (1913) On the Eaves of the World, A botanical exploration of the borders of China and Tibet. London, Edward Arnold (1917) The Void of War: letters from three Fronts. London, Constable & Co. (1918) The English Rock Garden. London, T. C. & E. C. Jack (1919) The Rainbow Bridge. London, Edward Arnold (1921) Artikel in „Gardener’s Gazette“ Übersetzungen aus dem FranzösischenNicola Shulman, A Rage for Rock Gardening. The Story of Reginald Farrer, Gardener, Writer and Plant Collector. London, Short Books 2002, 23