Die Karl-Theodor-Brücke in Heidelberg, besser bekannt als die Alte Brücke, ist eine Brücke über den Neckar. Sie verbindet die Altstadt mit dem gegenüberliegenden Neckarufer am östlichen Ende des Stadtteils Neuenheim. Die Alte Brücke wurde 1788 unter Kurfürst Karl Theodor als insgesamt neunte Brücke an dieser Stelle nun aus regionalem roten Sandstein errichtet. Die großräumige Bedeutung dieser Brücke liegt in der Ermöglichung einer sicheren Nord-Süd-Passage am rechten Rheinufer in Deutschland. Sie war über Jahrhunderte die erste Brücke über den in Mannheim in den Rhein mündenden Neckar, die Fahrzeugen ganzjährig eine sichere Querung des Neckars im Nord-Süd-Warenverkehr ermöglichte.Tilmann Bechert: Vor- und Frühgeschichte Heidelbergs, S. 31. Er schreibt das schon über die erste Römerbrücke in: Elmar Mittler: Heidelberg. Geschichte und Gestalt. Winter, 1996. ISBN 3-921524-46-6.
Heute gehört sie neben der Ruine des Heidelberger Schlosses zu den Sehenswürdigkeiten im Stadtbild Heidelbergs. Im modernen dreiteiligen Logo der Stadt aus Mauerkrone-Fluss-Brücke ist sie ebenfalls präsent. Geschichte Mit einem Alter von etwas unter 250 Jahren ist die 1788 fertiggestellte Alte Brücke bautechnisch noch jung. Ihren (inoffiziellen) Namen erhielt die Alte Brücke, nachdem 1877 mit der weiter westlich gelegenen Friedrichsbrücke (heute Theodor-Heuss-Brücke) in der Stadt eine zweite Brücke gebaut worden war.Oliver Fink: Kleine Heidelberger Stadtgeschichte. Friedrich Pustet, Regensburg 2005, S. 82. An der Stelle der Alten Brücke hatten sich seit dem 13. Jahrhundert bereits acht Vorgängerbrücken, meistens aus Holz, befunden, auf deren Fundamenten die Brücke gebaut ist. Auch das Brückentor mit den zwei Türmen am Südende der Brücke existiert schon seit dem Mittelalter. Bereits früher gab es in Heidelberg ganz in der Nähe eine römische Neckarbrücke.
Ihre Relevanz für den Nord-Süd-Verkehr heute: Sie kann von Fußgänger- und Radverkehr genutzt werden und ist mon- bis freitags vor 11:00 Uhr und nach 16:00 Uhr auch für den Autoverkehr von Anliegern zugelassen. Meist ist sie der vielbesuchte „Selfie-Point“ für Kurzzeit-Touristen in Richtung Schlossruine. Als Brücke hat sie nur noch untergeordnete Bedeutung, da sich im Stadtgebiet östlich zwei Fußgängerquerungen und eine Straßenbrücke und nach Westen drei breite Straßenbrücken befinden.
Vorgängerbauten mini|Spiegelverkehrte Ansicht von Heidelberg in Sebastian Münsters Calendarium Hebraicum (1527) Die ersten Brücken im Gebiet des heutigen Heidelberg waren bereits in römischer Zeit gebaut worden: Im 1. Jahrhundert n. Chr. errichteten die Römer eine Holzbrücke über den Neckar, die um das Jahr 200 durch eine Steinpfeilerbrücke ersetzt wurde.Fink: Kleine Heidelberger Stadtgeschichte, S. 14. Diese befand sich aber weiter westlich zwischen den heutigen Stadtteilen Neuenheim und Bergheim. Nachdem die Römerbrücke verfallen war, blieb Heidelberg für fast ein Jahrtausend brückenlos. Der Neckar konnte im Sommerhalbjahr nur durch Furten überquert werden.
Erst nach der planmäßigen Stadtgründung Heidelbergs, die Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts stattfand, entstand wieder eine Brücke über den Neckar. Wann genau diese Brücke gebaut wurde, ist unbekannt, erstmals urkundlich erwähnt wird sie im Jahr 1284. Diese Brücke befand sich an der Stelle der heutigen Alten Brücke. Ihre Lage war genau auf den Stadtgrundriss Heidelbergs mit dem Marktplatz angepasst. Gründe für den Brückenbau dürften die Verbindung zum rechts des Neckars gelegenen Kloster Schönau sowie wirtschaftliche Interessen gewesen sein, denn man hoffte den bislang an Heidelberg vorbeigegangenen Nord-Süd-Verkehr durch die Stadt umleiten zu können.Jochen Goetze: Die Brücke im Rahmen der Heidelberger Stadtentwicklung. In: Helmut Prückner (Hrsg.): Die alte Brücke in Heidelberg. Braus, Heidelberg 1988. S. 17–24. Hier S. 19 f. Es handelte sich bei der Brücke um eine sogenannte Außenbrücke, weil sie nicht zwei Stadtteile miteinander verband, sondern aus der Stadt heraus- bzw. hineinführte. Tatsächlich stellte die Brücke sogar lange die Außengrenze der Kurpfalz dar, denn bis 1460 gehörte das nördliche Neckarufer zu Kurmainz. Dementsprechend war die Brücke im Rahmen der Stadtbefestigung Heidelbergs durch ein Brückentor gesichert.
1288 wurde die erste bekannte Brücke durch Eisgang zerstört. Auch den nächsten Brücken, die allesamt keine allzu lange Lebensdauer erreichten, war das gleiche Schicksal beschieden: Die zweite Brücke wurde 1308, die dritte Brücke 1340, die vierte Brücke um 1400 und die fünfte Brücke 1470 jeweils durch Eisgang zerstört.Ludwig Merz: Die Ahnen der Alten Brücke. In: Prückner, Weber: Die alte Brücke in Heidelberg. 1988. S. 25–29. Hier S. 25. Von den fünf ersten Brücken sind keine bildlichen Darstellungen überliefert. Anders bei der sechsten: Von dieser kennen wir zwei Darstellungen aus der Feder Sebastian Münsters, weshalb man sie auch als „Münster-Brücke“ bezeichnet. Ein kleiner, runder Holzschnitt in Münsters Calendarium Hebraicum aus dem Jahr 1527 zeigt eine einfache Ansicht von Heidelberg samt der Brücke. Detaillierter ist die Darstellung im Heidelberg-Panorama aus Münsters Cosmographia (1550). Aus diesen bildlichen Überlieferungen wird ersichtlich, dass es sich um eine Brücke mit acht steinernen Pfeilern und einer gedeckten, an den Seiten offenen hölzernen Brückenbahn handelte. Am Südende der Brücke befand sich bereits das Brückentor mit seinen doppelten Türmen, auf dem siebten Pfeiler stand am Nordende der Affenturm mit dem berühmten Brückenaffen.Merz: Die Ahnen der Alten Brücke, S. 26.
mini|Matthäus Merian: Große Stadtansicht Heidelbergs, 1620, Ausschnitt mini|Alte Brücke und Brückentor im Thesaurus Palatinus (1747–1752) Ein Eisgang zerstörte am 2. Februar 1565 den hölzernen Oberbau der Brücke. Auf den erhaltenen Steinpfeilern wurde die siebte Brücke gebaut, die man, weil sie von Matthäus Merian in seiner großen Heidelberger Stadtansicht von 1620 verewigt wurde, auch als „Merian-Brücke“ kennt. Ihr Aussehen entsprach dem ihrer Vorgängerin, außer dass zusätzlich die Brückenbahn zwischen dem Affenturm und dem neu geschaffenen Renaissancetor auf dem letzten Brückenpfeiler am Neuenheimer Ufer überdacht war. Die Eroberung Heidelbergs 1622 durch Tilly im Dreißigjährigen Krieg überstand die Brücke noch unbeschadet, am 2. März 1689 wurde sie aber im Pfälzischen Erbfolgekrieg bei der ersten Verwüstung der Stadt von den Franzosen unter Mélac gesprengt.Merz: Die Ahnen der Alten Brücke. S. 26 f.
Zunächst behalf man sich fast zwanzig Jahre mit Schiffsbrücken und Fähren. 1706–1708 wurde schließlich die achte Brücke errichtet. Hierzu setzte man die Pfeiler der Vorgängerbrücke wieder instand und baute auf sie eine gedeckte und seitlich geschlossene Konstruktion, wiederum aus Holz. Der Affenturm wurde ebenso wenig wiedererrichtet wie das Tor am nördlichen Ende. Dafür trugen der zweite und siebte Pfeiler, auf denen heute die Denkmäler Karl Theodors und der Minerva stehen, jeweils ein Wachhäuschen. Der Raum zwischen den Ufern und den Wachhäusern wurde von zwei steinernen Bögen überspannt, die später in die Karl-Theodor-Brücke integriert wurden und so heute noch erhalten sind. Die Türme des Brückentors, das die Zerstörung der Stadt von 1689 überstanden hatte, wurden 1714 mit welschen Hauben gedeckt. Am Neuenheimer Ufer stellte man 1738 eine Statue des Heiligen Johannes von Nepomuk auf, dem die achte Brücke auch die Bezeichnung als „Nepomuk-Brücke“ verdankt.Merz: Die Ahnen der Alten Brücke. S. 28 f.
Eishochwasser 1784 und Bau der Karl-Theodor-Brücke mini|links|hochkant|Hochwassermarken am süd-westlichen Brückenpfeiler mini|Ferdinand Kobell: Die Alte Brücke in Heidelberg nach dem Eisgang, 1784 mini|Pfahlschuh von 1786 (Dritter von links)
Den Unmut Kurfürst Karl Philipps, der 1719 im Zerwürfnis mit den Heidelberger Bürgern drohte, die Brücke abzureißen, um die Stadt der Verarmung zu überlassen, überstand die achte Brücke ebenso wie einen Eisgang im Jahr 1724.Merz: Die Ahnen der Alten Brücke. S. 28. Sie wurde aber schließlich im katastrophalen Eishochwasser vom 27. Februar 1784 zerstört. Der Winter 1783/1784 war außergewöhnlich kalt und schneereich gewesen. Als Ende Februar schließlich Tauwetter einsetzte, führte dies zum schwersten Hochwasser, das Heidelberg in historischer Zeit erlebt hat. Die Folgen der Flut wurden durch den Eisgang verschärft. Weil die Heidelberger Bürger auf das Hochwasser vorbereitet waren und die Katastrophe tagsüber eintrat, hatte die Stadt keine Todesopfer zu beklagen, der Sachschaden war aber enorm: Neben der Brücke wurden 39 Gebäude zerstört und 290 beschädigt.Werner Fricke: Der Bericht von E. F. Deurer über das Eishochwasser von 1784. In: Prückner, Weber: Die alte Brücke in Heidelberg - 1788—1988. Heidelberg, 1988. S. 41–60. Hier S. 43.
Gerade einmal zwei Wochen nach dem Hochwasser begannen die Planungen für den Wiederaufbau der Brücke. An diesen beteiligten sich alle führenden kurpfälzischen Beamten: Der Heidelberger Baudirektor Johann Andreas von Traitteur schlug in seinem Gutachten vor, die Brücke in Stein zu bauen und die vorhandenen Pfeiler zu erhöhen, um sie weniger anfällig für Hochwasser zu machen.Nachricht an die Einwohner der Stadt Heidelberg über die gefährliche Lage des Eises an der Neckerbrücke .. 1784 (Google Books) Der kurfürstliche Oberbaudirektor Nicolas de Pigage legte Pläne für eine hölzerne Bogenbrücke auf Steinpfeilern vor.Wiltrud Heber: Die Entwürfe des Nicolas de Pigage für die Alte Brücke. In: Helmut Prückner (Hrsg.): Die alte Brücke in Heidelberg. Braus, Heidelberg 1988. S. 75–80. Zwischenzeitlich hatte man sich bereits für den Vorschlag des württembergischen Obristlieutenants von Mylius, der eine hölzerne Brücke auf Steinpfeilern vorsah, festgelegt. Uneinigkeit herrschte noch darüber, ob die Brücke an ihrem alten Ort oder weiter westlich auf Höhe der Haspelgasse wieder aufzubauen sei. Letztlich erteilte der Bauherr und Namensgeber der Brücke, Kurfürst Karl Theodor, am 1. Juli 1785 aber überraschend dem bis dahin eher unbekannten Bauinspektor Mathias Mayer für seinen nachträglich eingereichten Vorschlag, die Brücke auf den vorhandenen Pfeilern aus Stein zu bauen, den Zuschlag.Markus Weis: Die Alte Brücke als Baudenkmal. In: Prückner, Weber: Die alte Brücke in Heidelberg - 1788—1988. Heidelberg, 1988. S. 62–73. Hier S. 64 f. (mit verschiedenen alten Zeichnungen der Vorgängerbauten)
Die Bauarbeiten begannen 1786 unter Aufsicht Mayers und wurden im Oktober oder November 1788 zum Abschluss gebracht. Die Kosten beliefen sich auf 165.282 Gulden. Damit war die Brücke nach dem Mannheimer Schloss das teuerste Bauwerk in der damaligen Kurpfalz. Das Geld hatte die Stadt Heidelberg aufbringen müssen. Hierzu verschuldete sie sich beim Hoffaktor Aron Elias Seligmann und legte ihren Bürgern eine Sondersteuer auf.Weis: Die Alte Brücke als Baudenkmal, S. 66.
Kämpfe im 19. Jahrhundert mini|Friedrich Rottmann: Bestürmung der Heidelberger Brücke 1799 Zweimal war die Alte Brücke im 19. Jahrhundert Schauplatz von Kämpfen. Das erste Gefecht fand während der Koalitionskriege nach der Französischen Revolution statt: Am 16. Oktober 1799 versuchten die französischen Revolutionstruppen mit mehreren tausend Mann Heidelberg über die Alte Brücke zu erobern. Verteidigt wurde die Brücke von österreichischen Ulanen unter Fürst Schwarzenberg und Tiroler Infanteristen. Nachdem sieben Angriffe fehlgeschlagen waren, zogen sich die Franzosen nach Handschuhsheim zurück. Die österreichischen Verteidiger, nur 300 Mann an der Zahl und mit einer einzigen Kanone ausgestattet, erkannten aber die Aussichtslosigkeit ihrer Lage im Fall, dass die Franzosen mit Verstärkung erneut angreifen sollten, und zogen in der Nacht heimlich ab. Am nächsten Tag rückten die Franzosen kampflos in Heidelberg ein.Ludwig Merz: Zwei Kämpfe um die Alte Brücke. In: Prückner, Weber: Die alte Brücke in Heidelberg - 1788—1988. Heidelberg, 1988. S. 103–105. Hier S. 103.