mini|250px|WADA Logo Die Welt-Anti-Doping-AgenturDeutschsprachige Bezeichnung in Veröffentlichungen der WADA, z. B. Welt-Anti-Doping-Code 2015 (WADA, englisch World Anti-Doping Agency) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Montreal, die weltweit Maßnahmen gegen Doping im Leistungssport organisiert.
Organisation Die WADA wurde am 10. November 1999 als Ergebnis einer vom IOC initiierten Welt-Anti-Doping-Konferenz mit dem Ziel gegründet, die Anti-Doping-Programme auf internationaler und nationaler Ebene in Hinsicht auf die Entdeckung, Abschreckung und Verhinderung von Doping zu harmonisieren und koordinieren. Die nationalen und internationalen Sportfachverbände wollten die finanzielle Verantwortung für falsch-positive Dopingfälle abgeben, da sie durch den Fall der British Athletics Federation gewarnt waren. Der Britische Leichtathletikverband hatte Konkurs anmelden müssen, da er die sechs Jahre Prozesskosten im Fall Diane Modahl nicht aufbringen konnte. Zwar gründete sich der Verband als UK Athletics (UKA) am nächsten Tag neu, so dass nur der Sportlerin mehr als 500.000 Euro Verlust blieb, aber dies war eine Warnung für alle Verbände, das finanzielle Risiko auszugliedern.Barrie Houlihan: Dying to win: doping in sport and the development of anti-doping policy. Council of Europe Publishing, Straßburg, 2002, ISBN 978-92-871-4685-4, S. 190–191. Ivan Waddington, Andy Smith: An introduction to drugs in sport: addicted to winning? Routledge, London / New York, 2. Auflage, 2009, ISBN 978-0-415-43125-5, S. 230 ff.
Am 2. Juni 2002 wurde das Hauptquartier der WADA von Lausanne nach Montreal, Kanada, verlegt, da IOC-Vizepräsident Richard Pound der Vorsitzende wurde. Seit dem 1. Januar 2020 ist der ehemalige polnische Leichtathlet Witold Bańka der Präsident der WADA.President Witold Bańka World Anti-Doping Agency, abgerufen am 19. Juli 2024.
Die WADA sorgt für die Kontrolle der Sportler während der Trainingsphasen und während der Wettkämpfe. Dazu dienen angemeldete ebenso wie überraschend angesetzte Besuche an den Trainingsorten oder zu Hause bei den Athleten.
Untersuchungsmethoden sind Urintests, Bluttests und andere medizinisch angezeigte Maßnahmen. In insgesamt 34 autorisierten WADA-Labors werden die doppelt erhobenen Proben (A- und B-Probe) auf verbotene Substanzen (beispielsweise EPO) oder Methoden (zum Beispiel Blutdoping) untersucht. Grundlage dieser Bestrebungen ist der WADA-Code und die jährlich aktualisierte Verbotsliste (Prohibited List). Diese Verbotsliste gilt weltweit und für alle Sportarten, die dem Welt-Anti-Doping-Code (WADC) unterliegen.
Nationale Organisationen Für die Umsetzung der WADA-Richtlinien auf nationaler Ebene bestehen in den einzelnen Ländern nationale Anti-Doping-Agenturen, beispielsweise: Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) in Deutschland Nationale Anti-Doping Agentur Austria (NADA Austria) in Österreich Swiss Sport Integrity in der Schweiz Agence Française de Lutte contre le Dopage (AFLD) in Frankreich UK Anti-Doping (UKAD) im Vereinigten Königreich United States Anti-Doping Agency (USADA) in den USA Rusada in Russland Im Dezember 2016 wurde die ehemalige russische Stabhochspringerin Jelena Gadschijewna Issinbajewa zur Präsidentin der russischen Anti-Doping-Agentur berufen, was vom IOC mit Irritierung aufgenommen wurde. Nado Italia (NADO) in Italien
Anti-Doping-Regeln Die WADA verfolgt eine rigorose Null-Toleranz-Haltung gegenüber Doping. Die derzeitigen Anti-Doping-Regeln sehen vor, dass Athleten sieben Tage die Woche eine Stunde lang für unangemeldete Kontrollen verfügbar sein müssen. Ferner müssen sie verbindlich 3 Monate im Voraus festlegen, wo sie wann auffindbar sind. Die Kontrolleure sind angehalten, im Zweifelsfalle, also auch bei kleinen Formalfehlern gegen den Athleten zu entscheiden. Drei Verstöße binnen 12 Monaten gelten als positive Dopingprobe und ziehen eine automatische Sperre nach sich.Matt Slater: Legal threat to anti-doping code. BBC, 22. Januar 2009, abgerufen am 19. Januar 2016.
Die WADA wertet darüber hinaus (Artikel 2.3) eine nicht sofortige Dopingkontrolle bzw. „Unterbrechung des visuellen Kontaktes mit dem betreffenden Sportler“ automatisch als „absichtliche Verhinderung des Tests“. Dies wird ebenfalls als positiver Test gewertet und führt zu einer nicht verhandelbaren Sperre von 12 Monaten. Ebenfalls wird immer davon ausgegangen, dass für eine verspätete Dopingprobe immer der Sportler in der Bringschuld steht und nicht der Kontrolleur.
Aktuell gilt der Anti-Doping Code 2009 und seit Jahresbeginn 2015 trat ein neuer Code der WADA in Kraft.Katja Arthofer: Klug: Anti-Doping-Gesetz wird verschärft. Österreichischer Rundfunk, 12. September 2014, abgerufen am 19. Juni 2016.World Anti-Doping Agency (Hrsg.): WADA Anti-Doping Code 2009. Montreal, 2009, abgerufen am 19. Juni 2016 (pdf; 1,3 MB). Die Änderungen beinhalten im Wesentlichen: Die Standard-Sperre wird bei schweren Vergehen von zwei auf vier Jahre erhöht. Die Zusammenarbeit zwischen den Anti-Doping-Organisationen und den strafrechtlichen Ermittlungsorganen wird geändert, sodass Zeugen in einem Anti-Doping-Verfahren bei Nichterscheinen künftig von einem ordentlichen Gericht vorgeladen werden können. Athleten ist es künftig untersagt, mit verurteilten Trainern, Betreuern oder Funktionären zusammenzuarbeiten.
Mit Januar 2015 sind diese Änderungen weltweit eingeführt worden und in Kraft getreten.Philipp Albrechtsberger: Neue Waffen für die Doping-Jagd. Kurier, 12. September 2014, abgerufen am 19. Juni 2016.
Meldesystem ADAMS mini|Marion Rodewald, Athletensprecherin für das Online-Meldesystem ADAMS
Seit Anfang 2009 benutzt die WADA ein Online-Meldesystem namens ADAMS, mit der Athleten ihrer Meldepflicht (s. o.) nachzukommen haben. Dieses System wurde wegen technischer und ethischer Unzulänglichkeiten von verschiedenen Seiten kritisiert.
Hockeyspielerin und Athletensprecherin Marion Rodewald kritisierte ADAMS als „nicht selbsterklärend und in der praktischen Handhabung sehr umständlich“. Die schärfste Kritik kam aber vom Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Peter Schaar. Er sieht die Einhaltung der Menschenwürde der Athleten nicht gewahrt, kritisiert die „lückenlose Aufenthaltskontrolle, unzureichenden Datenschutz und den Generalverdacht gegen Athleten“ und nannte ADAMS äquivalent mit einer elektronischen Fußfessel. Besonders der Mangel an Datensicherheit und die fehlende Anonymisierung wurde kritisiert.
Kritik an ADAMS wies WADA-Generaldirektor David Howman als „Berührungsängste“ mit einer neuen Technologie zurück. Diese Ansicht wurde von DOSB-Präsident Thomas Bach verteidigt, der zwar zugibt, dass das System „Athleten einiges zumutet“ und nicht perfekt sei. Er führte an, dass das Meldesystem „freiwillig“ und nur für Leistungssportler sei: Vorwürfe einer lückenlosen Überwachung seien somit unzutreffend. Außerdem sei seiner Ansicht nach die schweigende Mehrheit der Athleten für dieses System.
Motivation mini|Jacques Rogge, IOC-Präsident (2001–2013)
John Fahey, damals Chef der WADA, begründet das harte Vorgehen mit dem Abschreckungseffekt und sah rigoroses, flächendeckendes Testen als bestes Mittel gegen Doping.Matt Slater, Simon Austin: Drugs chief warns Olympic cheats. BBC, 24. Januar 2008, abgerufen am 19. Januar 2016. Der österreichische Dopingexperte Hans Holthaus führte an: „Ich bin überzeugt, dass eine neue Generation von Sportlern heranwächst, und dass die Generation, die systematisch gedopt hat, ausstirbt.“IOC und Wada sehen Abschreckungswirkung. dpa-Artikel in der Frankfurter Rundschau, 25. August 2008, abgerufen am 19. Juni 2016.
Auf Klagen, dass die bestehenden Anti-Dopingregeln in die Privatsphäre eindringen, zeigt Fahey wenig Verständnis und führt an: „Es ist doch viel leichter anzugeben, wo du dich gerade aufhältst, als Flugtickets umzutauschen.“ Financial Times Deutschland
Evi Simeoni von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verteidigte die WADA-Regeln mit dem Argument, dass dopende Sportler nur mit strengen Regeln zu stoppen seien.Evi Simeoni: Nicht bloß Pipifax. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Februar 2009, abgerufen am 19. Juni 2016. IOC-Präsident Jacques Rogge gab zu, dass die Regeln Sportler unter Generalverdacht stelle, aber er stellte sich hinter die WADA: „Der Sport muss [für Glaubwürdigkeit] einen gewissen Preis zahlen.“Drug test rules upset Isinbayeva. BBC, 20. Februar 2009, abgerufen am 19. Januar 2016.
Unter Sportlern befürworten Tennisspieler Roger Federer sowie Eisschnellläuferin Anni Friesinger diese Regelungen. Friesinger führte an, dass Privatpersonen schon jetzt freiwillig, u. a. für Online-Einkäufe, persönliche Daten herausgeben würden.Michael Wittershagen: Sascha Goc, Anni Friesinger: Pro & Contra Ist der Anti-Doping-Kampf noch verhältnismäßig? Pro: Anni Friesinger: „Ich bringe keine Opfer“. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. März 2009, abgerufen am 19. Juni 2016.
Medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE) Bei einer medizinischen Ausnahmegenehmigung (TUE von ) handelt es sich um eine Erlaubnis für die Verwendung verbotener Substanzen oder Methoden zu therapeutischen Zwecken. Diese müssen bei nationalen Wettbewerben von nationalen, bei internationalen von internationalen Ärzten auf Antrag von Athlet und behandelndem Arzt beantragt werden. Der Antrag muss 21 Tage vor dem Wettkampf beim Verband vorliegen.WADA-Code: Schema und Hinweise zur Medizinischen Ausnahmegenehmigung – Standardverfahren (TUE). Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland, 22. August 2005, abgerufen am 19. Juni 2016 (PDF; 27 kB). 2023 wurden in Deutschland 96 TUEs ausgestellt. Auch wenn solche TUEs erforderlich sind um z. B. im Seniorensport, in dem häufig rezeptpflichtige Medikamente im Interesse der Lebensqualität eingesetzt werden (müssen), nicht zu viele Sportler auszuschließen, so liegt doch ein erhebliches Missbrauchspotenzial vor.Arnd Krüger: Olympische Spiele als Mittel der Politik. In: Eike Emrich, Martin-Peter Büch, Werner Pitsch (Hrsg.): (= Schriften des Europäischen Instituts für Sozioökonomie e. V., 4). Universitätsverlag des Saarlandes, Saarbrücken, 2013, ISBN 978-3-86223-108-9, S. 35–54, bes. S. 46–47. Die Dokumentation sport inside berichtete am 11. Dezember 2016 darüber, dass TUE's inflationär ausgestellt werden, weil sie bei Spitzensportlern so beliebt sind. , auf: ardmediathek.de, abgerufen 12. Dezember 2016 Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD akzeptiert das TUE-Verfahren nicht. (franz.)
Cannabis Mitte September 2021 gab die WADA nach einer Sitzung des Exekutivkomitees in Istanbul in einer Mitteilung bekannt, dass die Überprüfung des Status von Cannabis auf der Verbotsliste eingeleitet werden soll.Nicolas Walter: Flash-News des Tages – WADA prüft Status von Cannabis, Notizen, auf: leichtathletik.de, vom 16. September 2021, abgerufen am 17. September 2021 Damit reagierte sie auch auf den positiven Fall der US-Amerikanerin Sha’Carri Richardson, die aufgrund einer 30-tägigen Sperre nach Marihuana-Konsum die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio verpasste.
Kritik
Die Reaktionen seitens der Athleten auf die harte WADA-Linie sind sehr verschieden. Insbesondere vom Fußball wird die WADA hart kritisiert.
Einstimmig beschreiben die Fußballorganisationen FIFA (Weltfußballverband), UEFA (europäischer Fußballverband) und der DFB die WADA-Methoden als übertrieben. FIFA-Präsident Sepp Blatter bezeichnete die Überwachung als „Hexenjagd“ und hält die Dopingtestpflicht während eines Urlaubes als „inakzeptabel“. Dieses Urteil wurde auch im Namen der UEFA gefällt, und auch DFB-Präsident Theo Zwanziger nannte die WADA-Maßnahmen „übertrieben“. WADA-Sportdirektor David Howman reagierte auf diese Äußerungen „entsetzt“ und drohte mit einem Olympiaausschluss für die Sportart Fußball.Wada entsetzt über Blatter-Angriff. Spiegel Online, 25. März 2009, abgerufen am 19. Juni 2016.