Der Landkreis Aurich mit Sitz in Aurich befindet sich im äußersten Nordwesten Ostfrieslands an der Nordsee. Mit etwa 190.000 Einwohnern, die sich auf rund 1287 Quadratkilometer verteilen, ist der Landkreis sowohl nach Einwohnerzahl als auch nach Fläche der größte Landkreis Ostfrieslands, das aus den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der kreisfreien Stadt Emden besteht. Aurich ist nach Einwohnern der neuntgrößte Landkreis Niedersachsens (der zehntgrößte unter Einberechnung der Region Hannover).

Der Landkreis entstand im Zuge der niedersächsischen Kreisreform 1977 aus dem früheren Landkreis Aurich (Ostfriesland) und dem Landkreis Norden. Er hat heute 24 kreisangehörige Städte und Gemeinden. Elf dieser Gemeinden haben sich zu zwei Samtgemeinden zusammengeschlossen. Vier Kommunen haben Stadtrecht: Aurich, Norden, Norderney und Wiesmoor. Die drei Orte Hage, Pewsum (Gemeinde Krummhörn) und Marienhafe (Gemeinde Brookmerland) sind stadtähnliche Siedlungen mit Marktrecht, sogenannte Flecken.

Überregional bekannt ist der Landkreis Aurich vor allem als Feriengebiet mit den drei Inseln Juist, Norderney und Baltrum sowie Küstenbadeorten wie Norddeich und Greetsiel. Gemessen an der Zahl der Übernachtungen ist Aurich der tourismusstärkste Landkreis Niedersachsens.

Geografie Lage Das Kreisgebiet umfasst den nordwestlichen Bereich Deutschlands mit den vorgelagerten Ostfriesischen Inseln Juist, Norderney und Baltrum.

Der Landkreis bildet das Zentrum der historischen Landschaft Ostfriesland.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Osten beginnend an die Landkreise Wittmund und Leer sowie an die kreisfreie Stadt Emden. Im Westen und Norden bildet die Nordseeküste eine natürliche Grenze.

Geschichte

Landkreise wurden in Ostfriesland im Zuge der preußischen Kommunalreform von 1885 eingeführt. Sie lösten dabei die vorherige Ämterstruktur ab, die Preußen zunächst aus der hannöverschen Zeit übernommen hatte. Der Kreis Aurich wurde 1885 gemäß der neuen Kreisordnung für die Provinz Hannover aus dem alten Amt Aurich und der selbständigen Stadt Aurich gebildet.Kreisordnung für die Provinz Hannover (1884) Daneben bestanden in Ostfriesland seit 1885 die Landkreise Emden, Leer, Norden, Weener und Wittmund (zu dem bis zum 1. April 1919 auch die Stadt Wilhelmshaven als Exklave gehörte) sowie die kreisfreie Stadt Emden. Der Kreis Aurich war von der preußischen Kreisreform des Jahres 1932 nicht betroffen.

In den 1930er Jahren kam es im Landkreis Aurich zu einer Reihe von Gemeindefusionen, bei denen unter anderem die beiden neuen Gemeinden Middels und Ihlowerhörn entstanden. Am 1. April 1951 wurde aus mehreren Gemeinden und Gutsbezirken der Landkreise Aurich und Wittmund eine vergrößerte Gemeinde Wiesmoor gebildet, die dem Landkreis Aurich zugeordnet wurde.Gesetz über die Bildung der Gemeinde Wiesmoor, Landkreis Aurich vom 28. März 1951 Die Fläche des Landkreises Aurich wuchs hierdurch von 627,1 km² auf 653,2 km².

Bei der niedersächsischen Gemeindereform wurden am 1. Juli 1972 aus ursprünglich 64 Gemeinden größere Einheitsgemeinden gebildet.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Emden - Norden - Aurich - Wittmund vom 23. Juni 1971 Am 1. Januar 1973 wechselten die Gemeinden Boekzetelerfehn, Hatshausen, Iheringsfehn und Neuefehn vom Landkreis Aurich in den Landkreis Leer, wo sie in die Gemeinden Moormerland bzw. Neukamperfehn eingegliedert wurden.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden in den Räumen Leer und Aschendorf-Hümmling vom 20. November 1972 Der Landkreis Aurich umfasste seitdem auf einer Fläche von 628,4 km² die Stadt Aurich sowie die vier Einheitsgemeinden Großefehn, Ihlow, Südbrookmerland und Wiesmoor.

Der Landkreis Aurich in seiner heutigen Ausdehnung entstand am 1. August 1977 im Zuge der niedersächsischen Kreisreform durch den Zusammenschluss des alten Landkreises Aurich (Ostfriesland) mit dem Landkreis Norden. Der Zusatz (Ostfriesland) entfiel bei der Fusion. Zum Kreissitz wurde Aurich bestimmt, in Norden verblieb lediglich eine Außenstelle der Kreisverwaltung mit Ämtern, die von Bürgern im Allgemeinen stärker frequentiert werden, wie Sozialamt und Straßenverkehrsamt. Noch heute sind vor allem in der Lokalpolitik gelegentlich gewisse Trennungslinien zwischen den ehemaligen Landkreisen zu beobachten. Es wird zuweilen noch stets von den Altkreisen Aurich und Norden gesprochen.

Die drei Gemeinden der Samtgemeinde Dornum (Dornum, Dornumersiel und Nesse) wurden am 1. November 2001 zur Einheitsgemeinde Dornum zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung 400px|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Aurich (Datenquelle: Zensus 2011.)

Die Einwohnerzahl des Landkreises Aurich wurde 1977 durch die Eingliederung des Landkreises Norden deutlich erhöht.

Jahr Einwohner 1890 36.303 1900 39.201 1910 42.339 1925 47.164 1939 52.312 1950 71.594 1960 69.700 Jahr Einwohner 1970 80.300 1976 79.000 1980 167.422 1985 169.283 1990 170.521 1995 180.118 1999 185.102 Jahr Einwohner 2003 189.243 2005 190.128 2012 186.673 2016 190.066 2020 190.178 2022 192.072

Politik

Der Landkreis Aurich gilt als eine der Hochburgen der SPD in Deutschland. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte die Partei im Wahlkreis Aurich/Emden, zu dem der Landkreis sowie die Stadt Emden zählen, mit 55,9 Prozent der Stimmen das beste Zweitstimmenergebnis in Deutschland. Im Kreistag hat die SPD die Mehrheit, in vielen Gemeinderäten stellt sie ebenfalls allein die Mehrheit oder ist Teil einer Mehrheitsgruppe. Mehrere Bürgermeister gehören ebenfalls der SPD an. In jüngerer Zeit haben sich aber vermehrt parteilose Kandidaten bei den Bürgermeister-Wahlen durchsetzen können, darunter auch in der Kreisstadt Aurich.

Kreistag Dem Kreistag des Landkreises Aurich gehören 58 gewählte Abgeordnete und der Landrat an. Dies ist die festgelegte Anzahl für einen Landkreis mit einer Einwohnerzahl zwischen 175.001 und 200.000 Einwohnern. Die Abgeordneten werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die allgemeine Wahlperiode beginnt am 1. November nach der letzten Wahl und endet nach fünf Jahren zum 31. Oktober.§47 NKomVG-Wahlperiode Neben den 58 in der Kreiswahl gewählten Mitgliedern ist außerdem der amtierende Landrat sitz- und stimmberechtigt.

Die letzte Kommunalwahl vom 13. September 2026 ergab das nachstehende Ergebnis (mit den Ergebnissen der vorherigen Wahlen):

Parteien und Wählergemeinschaften Stimmen2026Ergebnis der Kommunalwahl 2026 Sitze2026 Stimmen2021landkreis-aurich.de Ergebnis der Kommunalwahl 2021 Sitze2021 Stimmen2016landkreis-aurich.de Ergebnis der Kommunalwahl 2016 Sitze2016 Stimmen2011 Ergebnis der Kommunalwahl 2011 Sitze2011 Stimmen2006 Ergebnis der Kommunalwahl 2006 Sitze2006 Stimmen2001nls.niedersachsen.de Ergebnis der Kommunalwahl 2001 Sitze2001 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 33,92 % 20 42,46 % 25 39,71 % 23 45,22 % 26 47,14 % 28 49,9 % 31 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 19,15 % 10 22,31 % 13 24,85 % 14 23,62 % 14 28,27 % 17 27,6 % 17 Grüne Bündnis 90/Die Grünen 6,93 % 4 10,52 % 6 8,51 % 5 12,46 % 7 5,73 % 3 5,3 % 3 FW Freien Wähler – Wählergemeinschaften im Landkreis Aurich (FW) 9,75 % 6 4,75 % 3 4,53 % 3 9,15 % 5 10,78 % 6 – – FDP Freie Demokratische Partei 2,96 % 2 4,71 % 3 3,72 % 2 1,91 % 1 3,69 % 2 2,7 % 1 AfD Alternative für Deutschland 17,3 % 10 3,31 % 2 6,08 % 4 – – – – – – Linke Die Linke 5,19 % 3 2,77 % 1 3,27 % 2 3,08 % 2 3,47 % 2 1,4 % – BSW Bündnis Sahra Wagenknecht 0,72 % – – – – – – – – – – – AWG Auricher Wählergemeinschaft 1,93 % 1 1,69 % 1 1,90 % 1 – – – – – – UWG UWG – – 1,47 % 1 – – – – – – – – BSBL Bündnis Südbrookmerland 0,90 % 1 – – – – – – – – – – S.W.K. Soziale Wählergemeinschaft Krummhörn (SWK) – – 1,37 % 1 0,99 % 1 1,18 % 1 0,26 % – – – GFA Gemeinsam Für Aurich 0,73 % – 1,31 % 1 2,14 % 1 2,43 % 2 – – – – WIR Wir für Aurich 0,27 % – – – – – – – – – – – MOIN MOIN 0,50 % – 1,11 % 1 – – – – – – – – BfB BfB – – 1,08 % 1 – – – – – – – – LtB Liste „tom Brook“ – – – – 1,90 % 1 – – – – – – EB Einzelbewerber Roß – – – – 0,95 % 1 – – – – – – KLG Krummhörner-Liste-Greetsiel-KLG – – – – 0,28 % – 0,37 % – 0,38 % – – – Gesamt 58 58 58 58 58 59 Wahlbeteiligung64,91 %58,39 %56,67 %53,26 %58,5 %60,0 % Die Linke: 2001 als PDS angetreten.

Landrat Der Landrat ist seit 2003 der Hauptverwaltungsbeamte des Landkreises Aurich und wird alle acht Jahre in einer Direktwahl von den Wahlberechtigten des Landkreises in einer Mehrheitswahl gewählt.

Bei der Landratswahl vom 26. Mai 2019 setzte der sich der parteilose Olaf Meinen im ersten Wahlgang mit 53,5 Prozent der Stimmen gegen den bisherigen Amtsinhaber Harm-Uwe Weber (SPD) durch, der nur 32 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte. Der ebenfalls parteilose Bernd Iken errang 14,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,4 Prozent.

Bei der Wahl am 13. September 2026 trat Meinen nicht wieder an. Im ersten Wahlgang konnte kein Bewerber die absolute Mehrheit auf sich vereienen, so dass Olaf Wiltfang (SPD) und Detlev Krüger (Freie Wähler) in die Stichwahl gingen. Diese entschied Wildfang für sich. Er tritt damit am 1. November 2026 die Nachfolge von Meinen an.

Bisherige Landräte 1885–1893: Johann Georg Neupert 1893–1904: Lümko Iderhoff 1920–1933: Wilhelm Barkhausen (1875–1933) 1944–1945: Gotwin Krieger (NSDAP); Landrat und Regierungspräsident 1946–1949: Wilhelm Hansen (CDU) 1949–1952: August Knippert (SPD) 1952–1962: Heinz Neier (CDU) 1962–1964: Robert Onnen (SPD) 1964–1968: Heinz Neier (CDU) 1968–1977: Hermann Hildebrand (SPD) 1977–2002: Hinrich Swieter (SPD) 2003–2011: Walter Theuerkauf (SPD) (erster direkt gewählter Landrat im Landkreis Aurich) 2011–2019: Harm-Uwe Weber (SPD) 2019–November 2026: Olaf Meinen (parteilos) ab November 2026: Olaf Wiltfang (SPD)

Ehemalige Oberkreisdirektoren Der Oberkreisdirektor war bis 2003 der Hauptverwaltungsbeamte, während der ehrenamtliche Landrat nur repräsentative Aufgaben wahrnahm., abgerufen am 1. Januar 2017 1945–1955 Robert Onnen (SPD) 1955–1986 Friedrich Schuver 1986–1993 Hilko Schaumburg 1993–2003 Walter Theuerkauf (SPD), abgerufen am 1. Januar 2017

Abgeordnete in Landtag und Bundestag Bei Landtagswahlen ist das Gebiet des Landkreises Aurich dreigeteilt. Der Wahlkreis Aurich befindet sich komplett auf Kreisgebiet. Hinzu kommen die Wahlkreise Emden/Norden (mit der Stadt Emden) und der Wahlkreis Wittmund/Inseln, der den Landkreis Wittmund sowie aus dem Auricher Kreisgebiet die Kommunen Wiesmoor, Dornum, Norderney, Juist und Baltrum umfasst. Abgeordnete aus der Region sind seit der Landtagswahl in Niedersachsen 2022 Matthias Arends (Emden/Norden, SPD), Wiard Siebels (Aurich, SPD) und Karin Emken (Wittmund/Inseln, SPD).

Der Wahlkreis 24 Aurich – Emden umfasst die Stadt Emden und den Landkreis Aurich.Anlage 2 Bundeswahlgesetz – Wahlkreise für die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag, (PDF 185,4 kB), abgerufen am 25. Februar 2025. Bei der Bundestagswahl 2025 wurde der Sozialdemokrat Johann Saathoff direkt wiedergewählt. Über Listenplätze der Parteien zog kein Kandidat der Parteien aus dem Wahlkreis in den Bundestag ein.

Beteiligungen Die Auricher Kreisverwaltung verfügt über eine Reihe von privatrechtlich organisierten Betrieben und hält Anteile an Unternehmen. Die Ubbo-Emmius-Klinik gGmbH ist zu 100 Prozent im Besitz des Landkreises und betreibt zwei Krankenhäuser in Aurich und Norden. Zu 25 Prozent ist der Kreis an der Behindertenhilfe Norden gGmbH beteiligt. Zu 100 Prozent beteiligt ist der Kreis zudem an der Kreisvolkshochschule und der Musikschule, zu 87,75 Prozent am Rettungsdienst des Landkreises. Zu zwei Dritteln gehört dem Kreis die Kreisbahn Aurich. Außerdem besitzt der Kreis Anteile an Tourismus-Förderunternehmen.Ostfriesischer Kurier, 10. Januar 2008, S. 10

Wappen

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Gewerbegebiet in Aurich-Sandhorst mit Produktionshallen des Windkraftanlagenherstellers Enercon mini|Molkerei Rücker in Aurich (2011)