mini|300px|Rathaus Remscheid und Theodor-Heuss-Platz mit Löwendenkmal mini|Remscheids Skyline von Osten, links der Rathausturm mini|Ansichtskarte des Remscheider Rathauses um 1910
Remscheid ist eine kreisfreie Großstadt im nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Düsseldorf.
Die Stadt ist Mitglied im Landschaftsverband Rheinland sowie ein Bestandteil der Metropolregion Rhein-Ruhr und des Bergischen Städtedreiecks. Außerdem ist sie als Mittelzentrum in Nordrhein-Westfalen klassifiziert.
Die Einwohnerzahl Remscheids überschritt 1929 mit Bildung der „neuen“ Stadt Remscheid die Schwelle von 100.000 Einwohnern, wodurch sie Großstadt wurde.
Aufgrund der weitreichenden Handelsbeziehungen seiner Metall- und Werkzeugindustrie nach Übersee nennt sich Remscheid volkstümlich-traditionell seit den 1880er Jahren die „Seestadt auf dem Berge“.
Geographie Remscheid liegt auf den Höhen des Bergischen Landes im Innern des großen Wupperbogens, über den tief eingeschnittenen Tälern des Eschbachs, des Morsbaches und der Wupper und ihrer Seitentäler östlich von Solingen und südlich von Wuppertal, welche zugleich die beiden nächsten größeren Städte sind.
Die höchste Stelle des Stadtgebiets von Remscheid befindet sich in Hohenhagen auf dem Brodtberg und beträgt , die tiefste Stelle befindet sich an der Wupper bei Wiesenkotten und beträgt . Die größte Nord-Süd-Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt 9,4 km, die größte West-Ost-Ausdehnung 12,4 km. Der Temperaturunterschied innerhalb des Stadtgebietes beläuft sich auf 5 °C.
Bedingt durch den Steigungsregen ist Remscheid sehr stark von Niederschlägen betroffen, die Niederschläge speisen eine Reihe von künstlich angelegten Seen. Vor allem in den Wintermonaten gehört die Stadt zu den niederschlagsreichsten Orten in Deutschland. So fallen in Extremfällen teilweise bis zu 100 l/m² im Monat. (PDF; 91 kB)
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Remscheid, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt:
Radevormwald und Hückeswagen (beide Oberbergischer Kreis), Wermelskirchen (Rheinisch-Bergischer Kreis) sowie Solingen und Wuppertal (beides kreisfreie Städte).
Stadtgliederung Stadtbezirke und Stadtteile mini|Statistische Stadtteile von Remscheid Das Stadtgebiet Remscheids besteht heute aus vier Stadtbezirken: Alt-Remscheid, Remscheid-Süd, Lennep und Lüttringhausen. Früher war der Stadtbezirk Alt-Remscheid unterteilt in die Stadtbezirke Innenstadt, Nord/Hasten und West, so dass es damals insgesamt sechs Stadtbezirke gab. Jeder Stadtbezirk hat seine eigene Bezirksvertretung, deren Vorsitzender der jeweilige Bezirksbürgermeister ist.
Die Stadtbezirke sind in Stadtteile mit eigenem Namen und diese weiter in Wohnplätze mit eigenem Namen unterteilt. Dabei handelt es sich entweder um historisch überlieferte Bezeichnungen von alten Siedlungen oder um Neubaugebiete. Die Grenzen dieser Stadtteile und Wohnplätze sind meist nicht genau festgelegt.
Wohnplätze Zu den mehr als 240 Wohnplätzen mit eigenem Namen gehören unter anderem in
Alt-Remscheid Aue, Birgden I, Blumental, Büchel, Büchen, Fürberg, Gerstau, Güldenwerth, Haddenbach, Hasenclev, Hasten, Hölterfeld, Hof Heidhof, Hohenhagen, Holz, Honsberg, Hütz, Ibach, Kremenholl, Küppelstein, Lobach, Morsbach, Papenberg, Platz, Rath, Reinshagen, Rosenhügel, Siepen, Steinberg, Tyrol, Vieringhausen und Westhausen. Remscheid-Süd Baisiepen, Berghausen, Bliedinghausen, Menninghausen, Bökerhöhe, Ehringhausen, Falkenberg, Handweiser, Loborn, Mixsiepen, Neuenkamp, Preyersmühle und Struck. Remscheid-Lüttringhausen Birgden III, Blume, Buscher Hof, Clarenbach, Clemenshammer (nur teilw. Lüttringhausen), Farrenbracken, Garschagen, Goldenberg, Großhülsberg, Grund, Grüne, Gründerhammer, Grünenplatz, Halbach, Hermannsmühle, Heusiepen, Klausen, Kranenholl, Langenhaus, Leyermühle, Linde (nur teilw. Lüttringhausen), Neuland, Nüdelshalbach, Oelingrath, Spelsberg, Spelsberger Hammer, Stollen, Stursberg, Tackermühle, Westen und Wüste. Remscheid-Lennep Auf der Hardt, Bergisch Born, Birgden II, Böhlefeld, Buchholzen, Dörpholz, Dörpmühle, Durchsholz, Endringhausen, Engelsburg, Forsten, Grenzwall, Hackenberg, Hasenberg, Henkelshof, Kräwinklerbrücke, Leverkusen, Lüdorf und Trecknase.
Zum Teil wurden die Namen der Wohnplätze auch für die Bezeichnung der Stadtteile gewählt, in denen sie liegen.
Naturräume Die Liste der Naturschutzgebiete in Remscheid enthält 23 Naturschutzgebiete von insgesamt 715,49 ha. Das entspricht einer Fläche von 9,59 % des Stadtgebiets. Sie befinden sich größtenteils auf dem Gebiet der Fluss- und Bachtäler. Als Landschaftsschutzgebiet sind 4.500 ha ausgewiesen. Das sind über 60 % des Stadtgebiets.
Flora Eine Reihe von Pflanzen, die im Bergischen Land eher als rar bezeichnet werden, findet sich in den Natur- und Landschaftsschutzgebieten der Großstadt. Die meisten von ihnen stehen unter Naturschutz. Sie alle sind im Original an ihrem jeweiligen Standort aufgenommen: Regensburger Zwergginster im Bereich der Hofschaft Westen Lungen-Enzian im Naturschutzgebiet Lennep Gefingerter Lerchensporn im Leyerbachtal Fichten- oder Buchenspargel Monotropa hypopitys subsp. hypophegea im Naturschutzgebiet Diepmannsbachtal nahe Goldenberg Aronstab im Stadtwald Lüttringhausen Teichkanne oder Seekanne im Stadtwald Lüttringhausen
Siebenstern bei Oberfeldbach Sumpf-Schafgarbe im Naturschutzgebiet nahe der Panzertalsperre Wasser-Hahnenfuß im Hinsbergs Park nahe Grüne Heidenelke im Bereich Goldenberg Breitblättrige Stendelwurz – Orchidee – nahe Heintjeshammer im Eschbachtal Teufelsabbiss im Lenneper Naturschutzgebiet nahe der Panzertalsperre
Wegwarte bei Westen Zittergras im Eschbachtal Sumpfdotterblume im Diepmannsbachtal
Parkanlagen Der Stadtpark, ehemals „Bürgerpark“ genannt, befindet sich in der Innenstadt von Remscheid. In ihm liegen eine Konzertmuschel und der im Jahre 2006 eröffnete „Garten der Sinne“, der nach Vandalismuszerstörungen seit 2010 aus finanziellen Gründen nur noch in vereinfachter Form betrieben werden kann. auf der Website der Stadt Remscheid Direkt angrenzend zum Stadtpark liegen der Schützenplatz (mit einer Volkssternwarte, im ehemaligen Bismarckturm) und der Edelhoffpark. Bökerspark (nahe dem Stadtzentrum; zwischen der Stadtkirche und dem Friedrich-Ebert-Platz). Der Honsbergpark liegt an der Elberfelder Straße/Ecke Wilhelmstraße. Zwischen Heidhof und Ronsdorfer Straße befindet sich der Sieper Park, der seinen Namen dem nördlich angrenzenden Ortsteil Siepen verdankt. Im Stadtbezirk Lennep liegt der nach Hermann Hardt benannte Hardtpark. Er ist durch die Wupperstraße geteilt und beheimatet ein historisches Gartenhaus sowie einen kleinen Rosengarten, direkt an der ehemaligen Stadtmauer von Lennep gelegen. Stadtgarten mit dem Prof.-Hermann-Platz (an Röntgen- und Teichstraße).
Geschichte Remscheid stammt vermutlich aus altfränkischer Zeit, wurde im 12. Jahrhundert gegründet und gehörte als Teil des Amtes Bornefeld und des Amtes Beyenburg (Ortsteil Lüttringhausen) zur Grafschaft bzw. zum Herzogtum Berg.
Der Ort wurde 1173/89 zum ersten Mal schriftlich als Remscheit erwähnt. Weitere Nennungen folgen 1217 Remissgeid, 1251 Remscheid, 1308 Renscheit, 1312 Rymschyt, um 1350 Rembscheidt, 1351 Rymscheid, 1400 Reymsceit, 1402 Reymschei, 1405 und 1407 Rympscheit, 1413 Remscheyt, 1441 Remscheit und Remschett, 1487 Reymscheyd und 1639 Rembscheid.Ernst Erwin Stursberg: Remscheid und seine Gemeinden. Remscheid 1969, S. 247. Ursprünglich war von einem „Hohen Wald“ zwischen Eschbach und Morsbach die Rede. Die Endsilbe „scheid“ bezeichnet einen Höhenkamm oder eine Wasserscheide.
Zur Zeit der napoleonischen Herrschaft gehörte die Siedlung ab 1806 zum Kanton Ronsdorf im Arrondissement Elberfeld des Großherzogtums Kleve und Berg und erhielt als Kommune ersten Grades mit 6135 Einwohnern erst 1808 das Stadtrecht, als das wirtschaftliche Wachstum der gesamten Rhein-Ruhr-Region zu einem Bevölkerungszuwachs in Remscheid führte. Maschinenbau und die Werkzeugproduktion sind bis heute die Hauptindustriezweige der Stadt. Nach dem Übergang an Preußen 1815 kam die junge Stadt Remscheid zum Landkreis Lennep und bildete eine eigene Bürgermeisterei. Die Kreisstadt Lennep hingegen hatte schon 1230 das Stadtrecht erhalten und wurde zur gleichen Zeit befestigt. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Lennep zu einer bedeutenden Handelsstadt, trat sogar der Hanse bei und erlangte damit höhere Bedeutung als das benachbarte Remscheid. Nach dem Übergang an Preußen 1815 wurde Lennep Sitz des gleichnamigen Landkreises.
mini|hochkant|Steilabschnitt der ehemaligen Straßenbahnlinie nahe der Stadtkirche in der Alten Bismarckstraße mini|Gedenkstein am Marktplatz der ehemaligen Straßenbahnlinie
Die Industrialisierung verschaffte Remscheid einen entscheidenden Entwicklungsschub, so dass die Stadt bald ihre ältere Nachbarstadt Lennep überflügelte. Am 1. Januar 1888 schied sie aus dem Kreis Lennep aus und wurde eine kreisfreie Stadt. 1893 erhielt Remscheid eine Straßenbahn, die ab 1930 bis nach Wermelskirchen und nach Burg an der Wupper führte. Lennep verlor immer mehr an Bedeutung.
Infolge des Kapp-Putsches in Berlin kam es auch in Remscheid im März 1920 zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen bürgerlichen Freiwilligenverbänden, Freicorps, Reichswehrangehörigen und lokalen bewaffneten Arbeiterverbänden, die durch aus dem Ruhrgebiet nachgerückte Verbände verstärkt worden waren. Für die mehr als 50 Toten der bürgerlichen, Festschrift auf fabriciusklinik.de, S. 26–28 (PDF; 1,3 MB) und für die mehr als 20 Toten der örtlichen kommunistischen Teilnehmer an diesen Kämpfen finden sich Mahnmale in Reinshagen und im Stadtpark.Hans-Jürgen Roth: Geschichte unserer Stadt – Remscheid mit Lennep und Lüttringhausen. RGA-Buchverlag, Remscheid 2008, ISBN 978-3-940491-01-5, S. 191–193. Im Rahmen der Ruhrbesetzung rückten französische Truppen am 6. Februar 1923 in Lennep und am 7. März 1923 in Remscheid ein. Im Laufe weniger Wochen musste das Realgymnasium, das Lyzeum und die Steinberger Schule geschlossen und für Truppen in Garnisonsstärke als Unterkunft zur Verfügung gestellt werden. Die Versorgung der Stadt mit Nahrungs- und Produktionsmitteln sowie der Warenabsatz waren durch die zum unbesetzten Lüttringhausen hin verlaufende Zollgrenze stark behindert, ein Stadtbewohner wurde beim Schmuggeln im September 1923 erschossen. Die Besatzung endete am 22. Oktober 1924 mit dem Abzug der letzten 500 Besatzungssoldaten.Hans-Jürgen Roth: Geschichte unserer Stadt – Remscheid mit Lennep und Lüttringhausen. 2008, S. 91 f.
Am 1. August 1929 erfolgte schließlich eine kommunale Neugliederung des gesamten rheinisch-westfälischen Industriegebiets. Infolgedessen wurde die kreisfreie Stadt Remscheid mit den Städten Lennep und Lüttringhausen zu einer neuen kreisfreien Stadt mit dem Namen Remscheid vereinigt. Die neue Kommune überschritt die 100.000-Einwohner-Grenze und wurde damit Großstadt. Aus dem Kreis Lennep wurde der Kreis Solingen-Lennep, der 1931 in Rhein-Wupper-Kreis umbenannt wurde und bis 1975 bestand.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden über 170 Juden und mehr als 30 politische Widerstandskämpfer aus Remscheid in Konzentrationslager deportiert und umgebracht. Vor allem in dem Quartier um die Martin-Luther-Straße in der Innenstadt lebten viele Remscheider Bürger jüdischen Glaubens. über Todeszahlen während der NS-Zeit (PDF, Projekt Stolpersteine)