Lippstadt () ist eine große kreisangehörige Stadt im Osten des Bundeslands Nordrhein-Westfalen und gehört seit der kommunalen Neugliederung 1975 zum Kreis Soest. Mit rund 69.000 Einwohnern ist es die größte Stadt des Kreises und ein bedeutendes regionales Zentrum. Geografisch liegt Lippstadt etwa 65 Kilometer östlich von Dortmund, 40 Kilometer südlich von Bielefeld und 30 Kilometer westlich von Paderborn im östlichen Teil der Westfälischen Bucht. Die Stadt erstreckt sich beidseits der Lippe, die dem Ort auch seinen Namen gab, und ist von einer flachen bis leicht hügeligen Landschaft geprägt.
Lippstadt wurde im Jahr 1185 als Planstadt gegründet und gilt damit als die älteste Gründungsstadt in Westfalen. Im Spätmittelalter war Lippstadt Mitglied der Hanse und entwickelte sich zu einem wichtigen regionalen Handelsplatz. Frühzeitig trat es zur Reformation über und war im 17. Jahrhundert eine der wenigen Städte mit einem paritätischen (konfessionell geteilten) Kirchenwesen. Während des Zweiten Weltkriegs spielte Lippstadt eine strategische Rolle durch seine Eisenbahnverbindungen und die ansässige Industrie. Ab 1944 wurde die Stadt mehrfach Ziel alliierter Luftangriffe. Im März und April 1945 kam es im Zusammenhang mit der alliierten Rheinüberquerung zur Schlacht um Lippstadt, bei der US-amerikanische Truppen im Rahmen der Schließung des Ruhrkessels (Ruhr Pocket) die Stadt einnahmen. Die Innenstadt wurde dabei nur teilweise zerstört und in der Nachkriegszeit rasch wiederaufgebaut.
Heute besteht Lippstadt aus 18 Ortsteilen und ist geprägt durch eine teilweise mittelalterliche Altstadt, moderne Infrastruktur und weitläufige Grünanlagen. Bedeutende historische Bauwerke wie die Große Marienkirche, die Jakobikirche und Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung zeugen von seiner langen Geschichte. Wirtschaftlich ist die Stadt ein bedeutender Industriestandort, insbesondere in den Bereichen Automobilzulieferung, Lichttechnik und Maschinenbau mit international tätigen Unternehmen wie Hella. Die Stadt ist seit 2009 Hochschulstandort mit einem der beiden Campus der Hochschule Hamm-Lippstadt.
Geographie mini|hochkant|Burgruine Bernhards II. nahe Lipperode
Lage Lippstadt, die größte Stadt im Kreis Soest, liegt am Fluss Lippe im nordöstlichen Teil des Kreises zwischen dem südlich gelegenen Haarstrang sowie dem Münsterland und dem Paderborner Land und grenzt an die Nachbarkreise Paderborn, Warendorf und Gütersloh.
Nachbargemeinden Innerhalb des Kreises Soest liegt östlich die Stadt Geseke, südlich die Stadt Erwitte, südwestlich die Gemeinde Bad Sassendorf und im Westen die Gemeinde Lippetal. Weiter im Uhrzeigersinn stellen die zum Kreis Warendorf gehörende Gemeinde Wadersloh, die zum Kreis Gütersloh gehörende Gemeinde Langenberg und die Stadt Rietberg sowie die zum Kreis Paderborn gehörenden Städte Delbrück und Salzkotten die Nachbarn dar.
Schutzgebiete für die Natur Im Stadtgebiet gibt es 12 Naturschutzgebiete, 20 Naturdenkmäler, 13 Geschützte Landschaftsbestandteile und 6 Landschaftsschutzgebiete.
Stadtgliederung mini|Ortsteile von Lippstadt mini|Die Postkarte aus der Zeit um 1900 zeigt die Gebäude der heutigen LWL-Einrichtungen in Lippstadt-Eickelborn und -Benninghausen.
Bad Waldliesborn ist ein staatlich anerkanntes Heilbad. Der Ort geht zurück auf einen Teil der Bauerschaft Suderlage, die zu der bis 1975 eigenständigen Gemeinde Liesborn gehörte und ihren Namen seit dem 1. Mai 1913 trägt. Vor 1975 gehörte die Gemeinde Liesborn dem Kreis Beckum an (heute großteils Kreis Warendorf). Die Bedeutung als Heilbad verdankt es den Thermal-Solequellen, durch die es zu einem renommierten Zentrum für Herz- und Rheumarehabilitation aufsteigen konnte. Cappel ist von der Kernstadt Lippstadts baulich kaum noch getrennt und geht insbesondere durch ein innerstädtisch gelegenes Industriegebiet (Hella Werk 2, Rothe Erde) in diese über. Bedeutsam für den Ort ist das spätestens 1139 erbaute Prämonstratenserinnenkloster und spätere protestantische, freiweltliche Damenstift Cappel; politisch angegliedert wurde es dem damaligen Kreis Lippstadt erst 1949. Lipperode stellte wie Cappel einen der letzten Teile Lippstadts dar, die bis 1949 als Exklave zum Kreis Detmold gehörten und erst danach dem Kreis Lippstadt angegliedert wurden. Für die Legende, dass Lipperode der Ursprungsort der Stadtgründer Lippstadts ist, gibt es keine gesicherten Quellen. Die eigentliche Burg Lipperode wurde erst 1248 gebaut. Die Dienstleute dieser Wasserburg bildeten die ursprüngliche Bevölkerung Lipperodes. Eickelborn ist insbesondere durch das LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) geprägt. Die Ortsgeschichte geht zurück bis ins Jahr 1262 und beginnt mit dem Rittergut der Herren von Eickelborn. Benninghausen, das sich östlich an Eickelborn anschließt, beherbergt ebenfalls eine psychiatrische Einrichtung, die LWL-Klinik Lippstadt. Erstmals wurde die Ortschaft im 9. Jahrhundert erwähnt. Sie erlangte vor allem durch das 1240 erbaute Zisterzienserinnen-Kloster Bedeutung, das 1820 in ein Landarmenhaus umgewandelt wurde und die Grundlage für die heutige psychiatrische Klinik bildet. Lohe, ursprünglich ein Vorort zum Kloster Benninghausen, ist auch heute noch sehr dörflich geprägt. Erstmals urkundlich erwähnt ist es als „Ruversloh“ 1313. Der Menninghof wurde erstmals um 1500 erwähnt und ist damit eines der ältesten Bauerngehöfte der Umgebung. Hellinghausen ist Lippstadt im Westen vorgelagert. Aufgrund einer Legende um ein „versteinertes Brot“ gehörte dieser 1235 in der Pfarrei Friedhardtskirchen gegründete Ort im Mittelalter zu den religiösen Attraktionen der Gegend. Herringhausen gehörte ebenfalls Friedhardtskirchen an. Das etwas abseits vom Ortskern gelegene Schloss Herringhausen wurde zwischen 1720 und 1730 errichtet und dient seit dem 15. Jahrhundert bis heute der Familie von Schorlemer als Herrensitz. Overhagen ist an der Westseite Lippstadts mit diesem fast verschmolzen. Auch dieser Ort gehörte ursprünglich zur Pfarrei Friedhardtskirchen. Das zentral gelegene Wasserschloss Overhagen beherbergt heute ein staatlich anerkanntes privates Gymnasium sowie ein kleines Theater. Esbeck liegt am linken Lippeufer und wird in der Busdorf-Urkunde als „Ebike, das bei Hörste liegt“ erstmals 1036 erwähnt. Wichtig für die Geschichte Esbecks ist die Bauernbefreiung 1807 durch den Freiherrn vom Stein. Dedinghausen wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts durch einen Bruder des Hildesheimer Bischofs Altfrid gegründet und besitzt ebenfalls eine eigene Kirche. Dedinghausen ist der einzige Stadtteil mit einem DB-Haltepunkt (Linie RB 89). Rixbeck liegt direkt an der Ostseite Lippstadts und ist durch ein Industriegebiet mit diesem verzahnt. Eine kleine Hügellandschaft, die „Rixbecker Alpen“, prägt das Ortsbild. Hörste ist ein Dorf, welches 981 wahrscheinlich aus einer altsächsischen Ansiedlung an der Lippe entstanden ist. Hörstes Pfarrkirche St. Martinus existiert bereits seit der Mitte des 12. Jahrhunderts. Garfeln, ehemals zum Kreis Büren gehörend, wurde erstmals 1248 urkundlich erwähnt. Der Ort ist stark bäuerlich geprägt und hat keine Kirche. Rebbeke liegt dem Ortsteil Hörste an der Lippe gegenüber. Dem stark landwirtschaftlich geprägten Ortsteil gehören auch die Drubbel Mettinghausen und Niederdedinghausen an. Erste Bauernfamilien in Rebbeke sind seit 1653 verzeichnet. Bökenförde im Südosten des Stadtgebietes ist ein ehemaliges Eigengut des Bistums Paderborn mit Mühle und Kirche. Die Pfarrkirche St. Dionysius wurde bereits im 12. Jahrhundert erbaut; sie ist seit 1719 eine Wallfahrtsstätte,Vgl. Dirk Ruholl (Hrsg.): Bökenförde – Ein Dorf an Gieseler und Pöppelsche. Bökenförde 2005, S. 258–261. ebenso wie die 1864 erbaute Feldkapelle am „Brünneken“. Bekannt ist das zu Bökenförde gehörende Wasserschloss Schwarzenraben, welches 1765 von Johann Matthias Kitz erbaut wurde. Lipperbruch, die jüngste Ortschaft Lippstadts, entstand im Umfeld des ehemaligen Fliegerhorstes nach dem Zweiten Weltkrieg aus ehemaligen Kasernenanlagen und einigen bäuerlichen Nebenerwerbshöfen. Seine Bevölkerung bestand zunächst überwiegend aus Kriegsflüchtlingen, Vertriebenen und ansässig gewordenen Soldatenfamilien. Zwischenzeitlich bestand wieder eine Kaserne, die nördlich der Luftwaffenkaserne, auf dem ehemaligen Flugfeld, von den Britischen Besatzungstruppen errichtet wurde und ab 1958 als Lipperland-Kaserne von der Bundeswehr übernommen wurde. Dort waren bis in die frühen 1990er Jahre Teile der Luftlandebrigade 27 stationiert. Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Auflösung der 1. Luftlandedivision zog das Transportbataillon 801 in die Kaserne. Im Zuge der Neustrukturierung der Bundeswehr wurde die Kaserne im Jahr 2007 geschlossen. Rund die Hälfte des ehemaligen Bundeswehrkasernengeländes wird gewerblich genutzt, im südlichen Teil entsteht seit 2014 Wohnbebauung. Im Lipperbrucher Ortskern befinden sich das private Gymnasium und das Berufskolleg Marienschule.
Klima
Geschichte Mittelalter Lippstadt wurde 1184 oder 1185 (das genaue Gründungsjahr ist nicht sicher bekannt) vom Edelherrn Bernhard II. zur Lippe unter dem Namen Lippe als erste echte Planstadt Westfalens gegründet. Die Erlaubnis zum Bau der Stadt erhielt Bernhard von Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa.
Erste Siedlungsansätze mini|hochkant|Denkmal Bernhards II. in Lippstadt auf dem Bernhardbrunnen, von Albert Pehle
Bereits vor dieser Gründung gab es allerdings erste Ansiedlungen im heutigen Stadtgebiet; vor allem das heutige Nicolaiviertel und der Vorgängerbau der heutigen Nicolaikirche waren als Ansiedlung von Kaufleuten und als Marktviertel bedeutend. Diese Bedeutung rührte von der Lage her, welche die Stadt an der Lippefurt für den Handel in Deutschland hatte: Sie lag am Kreuzungspunkt der Handelsstrecke zwischen Frankfurt am Main und Lübeck und der Straße zwischen Paderborn und Münster. Des Weiteren gibt es Annahmen, nach denen im nordwestlichen Bereich der Stadt bereits seit 1120 eine Wasserburg der Herren zur Lippe gestanden haben soll, einen archäologischen Nachweis dafür gibt es nicht. Bereits 1139 wurde das Prämonstratenserinnenkloster im heutigen Stadtteil Cappel von Bernhard I. und seinem Bruder Hermann I. gegründet. Die Annahme, dass der Stammsitz der Edelherren zur Lippe sich in der Burg Lipperode an der Lippe, nordöstlich der heutigen Kernstadt, befunden habe, gilt als widerlegt. Die dortige Burg ist nur kurz vor ihrer ersten urkundlichen Erwähnung 1248, also lange nach der Stadtgründung, errichtet worden.Albert K. Hömberg: Die Entstehung der Herrschaft Lippe. In: Lippische Mitteilungen. Band 29, 1960, S. 5–64, hier S. 6f. Es wird angenommen, dass Bernhard II. in dem von ihm gegründeten Stift oder in unmittelbarer Nachbarschaft residierte.Wilfried Ehbrecht: Stadtentwicklung bis 1324. In: Ders. (Hrsg.): Lippstadt. Beiträge zur Stadtgeschichte, Bd. 1. Lippstadt 1985, S. 31, 76.
Im Laufe des Sächsischen Krieges (1177 bis 1181) wurden die bereits bestehenden Teile der Siedlung, vor allem das Nikolaiviertel und die dort vorhandene Kirche, von den Truppen des Kölner Erzbischofs Philipp I. von Heinsberg 1179 zerstört, der sich damit für die Unterstützung der Truppen von Heinrich dem Löwen durch Bernhard II. rächen wollte. Nach der Verbannung des Sachsenherzogs und der Rückkehr Bernhards II. gelang es diesem im Jahr 1184, von Kaiser Friedrich I. die Erlaubnis für den Bau einer Stadt zu bekommen. 1185 gründete Bernhard II. daraufhin die Stadt Lippe, die heute als Lippstadt bekannt ist.
Gründung und Stadtentfaltung mini|Große Marienkirche mini|hochkant=.8|Jakobikirche