Gütersloh () ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im Landesteil Westfalen und gehört zum Regierungsbezirk Detmold (Ostwestfalen-Lippe). Sie ist Verwaltungssitz des Kreises Gütersloh und hat somit den Status einer großen kreisangehörigen Stadt. Am zählte die Stadt Einwohner.
Geografische Lage Gütersloh liegt südwestlich des Teutoburger Waldes am nordöstlichen Rand der Westfälischen Bucht in der Emssandebene. Nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands wird die naturräumliche Grundeinheit, die Gütersloher Sandebene, den Ostmünsterländer Sanden innerhalb der Emssandebene zugeordnet.
Das Stadtgebiet weist keine nennenswerten Erhebungen auf. Der niedrigste Punkt liegt mit in den Emsniederungen in der Nähe des Gütersloher Flughafens, der höchste Punkt mit im Osten des Stadtteils Friedrichsdorf.
Im Grenzbereich zu Rheda-Wiedenbrück erstreckt sich mit dem Rhedaer Forst ein größeres Waldgebiet, überwiegend mit Nadelbäumen. Große Flächen haben darüber hinaus parkähnlichen Charakter.
Die Dalke durchfließt die Stadt von Osten nach Westen, durchquert dabei den Stadtpark sowie die Innenstadt und mündet unweit der Stadtgrenze in die Ems. Zuvor nimmt die Dalke in der Nähe der „Neuen Mühle“ im Stadtteil Pavenstädt den Wapelbach auf. Durch den nordöstlich der Kernstadt liegenden Stadtteil Isselhorst fließt die Lutter, die bei Harsewinkel ebenfalls in die Ems mündet.
Geologie mini|Geothermische Karte von Gütersloh Im Stadtgebiet herrschen saure, nährstoffarme Podsol-Böden vor, die aus Ablagerungen während des Quartärs einerseits aus glazialem Schmelzwasser und andererseits durch Fluss-Sedimente hervorgegangen sind. Stellenweise sind die Ablagerungen von Flugsanden überdeckt und bilden Podsol-Regosol-Böden. Solche Böden lassen sich zum Beispiel im Rhedaer Forst finden. Insgesamt ist das Stadtgebiet also von einem unfruchtbaren, fein- bis mittelsandigen Boden geprägt.
Gütersloh eignet sich mittelmäßig bis gut, in einigen nordöstlichen Lagen sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die Gesamtfläche der Stadt Gütersloh beträgt 111,99 km². Die größte Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt etwa 13,5 km, in Ost-West-Richtung etwa 15 km.
Die Nutzung der Landfläche teilt sich zu je etwa einem Drittel auf Weiden/Wiesen (32 Prozent), Äcker (32 Prozent) und Siedlungsflächen (28 Prozent) auf. Die verbleibenden acht Prozent entfallen auf Wälder. Im Zeitraum von 1975 bis 2005 wurden etwa acht km² Fläche versiegelt, hauptsächlich zu Lasten von landwirtschaftlicher Fläche.
Stadtgliederung Zur Stadt gehören neben dem amtlichen Stadtteil „Gütersloh“ die sieben bis 1969 bestehenden Gemeinden Avenwedde, Ebbesloh, Friedrichsdorf, Hollen, Isselhorst, Niehorst und Spexard, die im Rahmen der nordrhein-westfälischen Kommunalreform eingegliedert wurden.
alt=|mini|Gliederung der Stadt Gütersloh
+Eckdaten der Stadtteile von Gütersloh, Stand 1. Januar 2022 Amtlicher Stadtteil Einwohner Einw.in % Flächein km² Flächein % Einwohnerpro km² 20px|klasse=noviewer|Avenwedde Avenwedde 17.476 16,9 21,65 19,3 807 20px|klasse=noviewer|Ebbesloh Ebbesloh 60 0,1 3,47 3,1 17 20px|klasse=noviewer|Friedrichsdorf Friedrichsdorf 1.578 1,5 0,94 0,8 1.679 20px|klasse=noviewer|Gütersloh Gütersloh 68.922 66,6 50,70 45,3 1.359 20px|klasse=noviewer|Muster Hollen 311 0,3 4,03 3,6 77 20px|klasse=noviewer|Isselhorst Isselhorst 4.978 4,8 6,86 6,1 726 20px|klasse=noviewer|Niehorst Niehorst 780 0,8 9,14 8,2 85 20px|klasse=noviewer|Spexard Spexard 9.346 9,0 14,95 13,3 625 20px|klasse=noviewer|Gütersloh Gütersloh (gesamt) 103.451 100,0 112 100,0 926
Der Stadtteil Gütersloh existiert in seiner amtlich ausgewiesenen Größe jedoch nur auf dem Papier. Tatsächlich besteht er aus den sieben verschiedenen Stadtteilen Gütersloh (Stadtmitte), Pavenstädt, Flughafen, Blankenhagen, Nordhorn, Sundern und Kattenstroth (siehe gestrichelte Linien in der Grafik), die nur amtlich zu einem Stadtteil „Gütersloh“ zusammengefasst werden, da sie bereits 1910 eingemeindet wurden und somit länger als die anderen Stadtteile mit der Kernstadt Gütersloh in Verbindung stehen. Im Bevölkerungsbewusstsein, im öffentlichen Verkehr sowie in lokalen Medien werden diese jedoch durchaus unterschieden und haben ebenso wie die anderen Stadtteile eigene Identitäten und Gebiete. Sie werden auch von der Stadt selbst als sogenannte umgangssprachliche Stadtteile anerkannt. Eine Ausnahme ist ein Teil des Flughafengeländes, das im Bewusstsein der Bevölkerung eher zum benachbarten Pavenstädt gerechnet, aber von der Stadt Gütersloh als eigener „umgangssprachlicher Stadtteil“ ausgewiesen wird.
+Eckdaten der Bereiche des amtlichen Stadtteils Gütersloh, Stand 2009 Umgangssprachlicher Stadtteil Einwohner Flächein km² Einwohnerpro km² Gütersloh-Blankenhagen 3.500 12,03 291 Gütersloh-Flughafen 0 3,08 0 Gütersloh-Kattenstroth 17.000 12,75 1.333 Gütersloh-Kernstadt ? 1,25 ? Gütersloh-Nordhorn ? 6,42 ? Gütersloh-Pavenstädt 11.000 7,89 1.394 Gütersloh-Sundern ? 7,28 ? Amtlicher Stadtteil Gütersloh (gesamt) 62.640 50,70 1.236
Nachbargemeinden Gütersloh grenzt an sieben Städte und Gemeinden: im Norden an Steinhagen, im Nordosten an Bielefeld, im Osten an Verl, im Südosten an Rietberg, im Südwesten an Rheda-Wiedenbrück, im Westen an Herzebrock-Clarholz und im Nordwesten an Harsewinkel. Mit Ausnahme der kreisfreien Stadt Bielefeld liegen alle diese Städte und Gemeinden im Kreis Gütersloh.
Klima mini|hochkant=1.1|Klimadiagramm am Flughafen Gütersloh 1961–1990
Gütersloh gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an. Es liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig-warm. Im langjährigen Mittel von 1961 bis 1990 betrug die Jahrestemperatur in Gütersloh 9,2 °C. Damit ist das Klima in Gütersloh wärmer als im deutschen Mittel (8,4 °C). Der wärmste Monat ist der Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 17,2 °C, der kälteste Monat der Januar mit 1,3 °C.Deutscher Wetterdienst: Mittelwerte der Periode 1961 bis 1990
Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen im langjährigen Mittel an der am 27. Oktober 2013 geschlossenen Wetterstation am Flughafen 762 mm Niederschlag je Jahr, an der innenstadtnah gelegenen Station Wasserwerk 734 mm Niederschlag. Somit fällt mehr Niederschlag als im deutschen Mittel (700 mm), allerdings deutlich weniger Niederschlag als an den Südwesthängen des angrenzenden Teutoburger Waldes, wo aufgrund von Steigungsregen bis zu 1.200 mm Niederschlag je Jahr fallen.
Geschichte mini|hochkant=0.9|Der „Pavenstädter Riesenbecher“ (Replik des Originals) im Stadtmuseum Gütersloh Eines der ältesten Zeugnisse menschlicher Besiedlung in Gütersloh ist der „Pavenstädter Riesenbecher“, der auf das 17. Jahrhundert vor Christus datiert wird. Der Becher aus gelbem, grobgemagertem, brüchig-mürbem Ton ist 40 cm hoch und fasst 12 Liter. Der Riesenbecher wurde 1951 in Pavenstädt im Mündungsgebiet von Dalke und Wapel gefunden und befindet sich heute im LWL-Museum für Archäologie in Herne.
Mittelalter und Frühe Neuzeit Die Ortschaft Gütersloh wurde erstmals im Jahr 1184 in einer Urkunde des Bischofs von Osnabrück erwähnt. Heute zum Stadtgebiet gehörende Orte und Stadtteile wurden z. T. wesentlich früher erstmals erwähnt: Isselhorst bereits im Jahr 1050, Spexard, Pavenstädt und Nordhorn im Jahr 1088, Ebbesloh im Jahr 1151.
Das heutige Stadtgebiet Güterslohs gehörte im 16. Jahrhundert zu fünf historischen Territorien: der Herrschaft Rheda, zu der das Dorf Gütersloh selbst gehörte, dem Hochstift Osnabrück, der Grafschaft Rietberg, der Grafschaft Ravensberg und dem Hochstift Münster. mini|Grafschaft Rietberg, Karte erstellt 1645 bis 1662 Ab 1524 entstand zwischen der Herrschaft Rheda unter Graf Konrad von Tecklenburg-Schwerin und dem Hochstift Osnabrück ein offener Machtkampf um die Grenzen und Rechte der Herrschaft Rheda. Das von Wiedenbrück aus verwaltete Amt Reckenberg des Hochstifts Osnabrück war durch seine geografische Lage als Exklave ohne direkte Anbindung an das Hochstift militärisch schwach und leistete gegen die Territorialansprüche des Grafen anfänglich kaum Widerstand, so dass die Herren von Rheda im Kirchspiel Gütersloh erheblich an Einfluss gewannen. Nach dem Tod des Grafen 1557 wurden im Bielefelder Rezess 1565 bzw. im Wiedenbrücker Vertrag vom 9. Juni 1565 die Streitigkeiten beigelegt und die Grenzen neu festgelegt: Die Bauerschaften Blankenhagen, Pavenstädt und Nordhorn einschließlich der noch nicht selbstständigen Bauerschaft Sundern fielen an die Herrschaft Rheda, die Bauerschaften Avenwedde, Kattenstroth und Spexard verblieben beim Hochstift Osnabrück.
mini|1757: Die französischen Feldlager unter dem Befehl von Marschall Louis-Charles-César Le Tellier; Kupferstich von Jakobus van der Schley mini|Fachwerkring am Alten Kirchplatz mini|hochkant|Martin-Luther-Kirche Im Siebenjährigen Krieg bezog 1757 der französische Marschall d’Estrées Quartier in der Nähe von Gütersloh. Am 1. Juli 1758 besiegten in einem Gefecht bei Gütersloh fünf preußische Husarenschwadronen unter Narzinski zwei französische Husarenregimenter.
Auf der kolorierten Landkarte »Comitatus Marchia et Ravensberg« von 1634 wird Gütersloh als „Gutzloo“ gekennzeichnet. Und auf der von 1645 bis 1662 erstellten Karte der Grafschaft Rietberg als „Gutersloh“.
19. Jahrhundert 1803 wurde das Hochstift Osnabrück und damit Avenwedde, Kattenstroth und Spexard nach dem Reichsdeputationshauptschluss dem Kurfürstentum Hannover zugeschlagen, das wiederum 1806 an Preußen fiel. Nach dem Sieg Napoleons über Preußen gehörte dieser Teil des heutigen Stadtgebiets ab 1807 zum Kanton Wiedenbrück im Distrikt Paderborn des Departments der Fulda im Königreich Westphalen. Die Herrschaft Rheda wurde 1808 von Napoleon seinem Satellitenstaat Großherzogtum Berg. zugeschlagen. Gütersloh wurde Sitz einer Mairie (Bürgermeisterei) im Kanton Rheda des Großherzogtums. Neben Gütersloh gehörten auch die Bauerschaften Blankenhagen, Nordhorn, Pavenstädt und Sundern zur Bürgermeisterei. Die Grenze zwischen dem Königreich Westphalen und dem Großherzogtum Berg in der heutigen Innenstadt von Gütersloh war die Dalke. 1815 fielen sowohl das frühere Amt Reckenberg als auch die frühere Herrschaft Rheda und damit das gesamte heutige Gütersloh endgültig an Preußen. Die Bürgermeisterei Gütersloh bildete seit 1816 einen Verwaltungsbezirk im Kreis Wiedenbrück.
Am 8. Dezember 1825 verlieh König Friedrich Wilhelm III. von Preußen in einer Kabinettsorder Gütersloh die Stadtrechte.Hermann Eickhoff: Geschichte der Stadt und Gemeinde Gütersloh, Gütersloh 1904, S. 233 Die Einführung der Ratsverfassung (Stadtverordnetenversammlung, Magistrat, gewählter Bürgermeister) erfolgte erst mit der Annahme der preußischen revidierten Städteordnung im Jahre 1842.Amtsblatt der Regierung Minden 1843, S. 6 Die Bauerschaften Blankenhagen, Nordhorn, Pavenstädt und Sundern schieden als neue Gemeinde Gütersloh-Land aus der Bürgermeisterei aus. Am 12. Januar 1844 erhielt Gütersloh vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. ein Stadtwappen.