mini|Blick auf die Burganlage und Stadt von „der schönen Aussicht“ auf dem Wedelbuck
Burg Harburg (laut Eigenbeschreibung: Schloss Harburg), eine der größten, ältesten und am besten erhaltenen Burganlagen Süddeutschlands, ist eine Höhenburg am südöstlichen Rand des Nördlinger Ries. Die Anlage steht oberhalb der Stadt Harburg und geht auf das 11. und 12. Jahrhundert zurück. Die Burg zeigt sich heute überwiegend im baulichen Zustand des 18. Jahrhunderts. In ihrer Ausdehnung übertrifft sie die größte deutsche staufische Kaiserpfalz in Wimpfen. Die Höhenburg auf gehörte, wie auch die Schlösser Wallerstein, Baldern und Hohenaltheim, dem fürstlichen Hause Oettingen-Wallerstein. Seit dem Jahr 2000 ist die Harburg im Besitz und Eigentum der Gemeinnützigen Fürst zu Oettingen-Wallerstein Kulturstiftung. Zweck dieser Stiftung ist der Erhalt der Anlage in Gegenwart und Zukunft.
Lage mini|Lageplan
Die Harburg befindet sich hoch über dem Tal der Wörnitz auf einem steilen nach drei Seiten abfallenden Bergsporn am südöstlichen Eingang des Rieses an der Romantischen Straße. Die Burganlage ist ohne Bezug zu einer älteren Talsiedlung entstanden, ein Vorgang, der im hohen Mittelalter außerordentlich selten war. Erst im Anschluss an die Burg entwickelte sich auf dem engen Talboden zwischen der Wörnitz und dem Burgfelsen die Burgsiedlung, die heutige Stadt Harburg.
Geschichte Anfänge mini|Luftbild der Burg von Westen. Oben links die steinerne Brücke über der Wörnitz, die dort eine Furt bildet. Die strategische Lage des Burgberges dürfte bereits in der Bronzezeit am südöstlichen Eingang des Rieses mit der Wörnitzfurt und an einem wichtigen europäischen Fernhandelsweg als günstig genutzt worden sein. Dieser Handelsweg führte von Norden zur Donau, die als wichtige Ost-West-Verbindung diente. Wie die Wallanlage auf dem Ipf am westlichen Ausgang des Rieses könnte auch der Burgberg in Harburg am südöstlichen Eingang diesen Weg kontrolliert haben. Datierte Bodenfunde im Bereich der Burg sowie Bodendenkmale im direkten Umfeld geben Hinweise darauf, dass während der frühen und späten Eisenzeit eine prähistorische Wallburg bestand. Die Reste der verstürzten Trockenmauer dieser Höhenburg lassen sich unter der mittelalterlichen Mauer der oberen Kernburg sowie der unteren Vorburg vermuten.
Später nutzten die Römer am Ende des 1. Jahrhunderts ebenfalls diese Verbindung als Grenzstraßen nördlich der Donau für den Bereich des Limes in der Provinz Raetia. Der Burgberg dürfte aber in römische Zeit keine Rolle gespielt zu haben, da die römische Armee keine befestigten Höhenburgen errichtete, sondern umwehrte Kastelle baute.
Erst wieder im 9./10. Jahrhundert dürfte dieser aufgrund der Spornlage als ottonische Landesburg gegen die Ungarneinfälle während dieser Zeit befestigt worden sein und auch als Fliehburg gedient haben. Dadurch wird auch die strategische Bedeutung der Harburg zu Zeiten der Ottonen und Salier am Eingang des Wörnitztales bestätigt. Mit dem Aufkommen der ersten steinernen Höhenburgen im Laufe des 11. Jahrhunderts wurde vermutlich die Harburg zunächst im Bereich der oberen Burg, der kleineren Kernburg, ausgebaut.
Die erste schriftliche Erwähnung der Harburg lässt sich aus der Nennung des Cuno de Horburc in Quellen zur Gründung des Benediktinerstifts Berchtesgaden spätestens um das Jahr 1100 ableiten. Kuno von Horburg/Harburg war ein Halbbruder des Berchtesgadener Stiftsgründers Berengar von Sulzbach und offenbar Besitzer der Harburg am Ende des 11. Jahrhunderts. Jürgen Dendorfer stellte in seiner Forschung die These auf, dass, als Kuno von Harburg kinderlos am 30. Juni 1139 starb, die Harburg als sein Erbe möglicherweise als Mitgift der Gertrud von Sulzbach diente und durch Heirat mit Konrad III. an das Stauferhaus gelangte, wodurch die staufische Erwerbspolitik im Ries begann.
Staufische Reichsburg und oettingisches Eigentum mini|Stauferlöwe an der Schildmauer der Harburg Die erste Nennung der Burg stammt aus dem Jahr 1150. Damals schrieb der 13-jährige Staufer Heinrich (VI.), Sohn und Mitkönig von König Konrad III. und Gertrud von Sulzbach, einen Brief nach Konstantinopel an seine Tante, die Kaiserin Eirene von Byzanz, und deren Gatten Manuel Komnenos, in dem er von der Schlacht bei Flochberg gegen Welf VI. berichtete. Dabei erwähnte er, dass er sich zu dem Zeitpunkt auf der Harburg aufhielt, die zu dieser Zeit eine staufische Reichsburg war. Die Schlacht bei Flochberg stellte einen Höhepunkt der konfliktreichen Auseinandersetzungen zwischen Welf VI. und Heinrich dem Löwen gegen König Konrad III. in seiner Regierungszeit dar, der aber zu diesem Zeitpunkt am Zweiten Kreuzzug teilnahm.
Wie in diesem Brief beschrieben, wurde der Bereich zwischen Burg Flochberg und Harburg als „terra nostra“ (unser Land) von König Konrad III. und seinem Sohn bezeichnet und er kann deshalb als Beleg für staufisches Königsland im Ries gewertet werden.
Während der staufischen Epoche von der Mitte des 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgte der Ausbau zur großflächigen Reichsburg, in der die Vorburg einbezogen wurde. Aus dieser Zeit stammen die Bausubstanz der beiden Bergfriede, der Palas (vermauert im späteren Fürstenbau), Teile der Schlosskirche St. Michael und die Ringmauer der heutigen Hauptburg sowie das Innere Tor. Bergfriede und Inneres Tor sind auf quadratischen Grundrissen erbaut und bestehen aus Buckelquadern. Dies lässt den Rückschluss zu, dass die Vorburg mit dem inneren Tor bereits zu staufischer Zeit ein Teil der Burganlage war.
Östlich der Harburg wurde ebenfalls in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts in direkter Sichtachse die Burg Wellwart erbaut, die in Verbindung mit der Harburg den südlichen Eingang zum Ries kontrollieren sollte und der Harburg wie der Name Wellwart andeutet, als Warte und Vorwerk diente.
Die Harburg wurde in staufischer Zeit von Burgmannen verwaltet. Zum Ende des 12. Jahrhunderts war dies „Otto de Goshaim sive de Horiburch“, der als Ministerialer mit der Reichsburg Gosheim und Harburg vertraut war. Im Mai 1239 wohnte König Konrad IV. auf der Harburg und urkundete dort.
Nach dem Interregnum wurde die Burg im Jahr 1299 von König Albrecht I. aus dem Haus Habsburg an die Grafen von Oettingen verpfändet. Die mit 900 Pfund Heller hohe Reichspfandschaft über das alte Reichsgut wurde mehrmals erhöht und bestätigt. König Ruprecht fasste 1407 alle oettingischen Reichspfandschaften zu einer unteilbaren Gesamtpfandschaft zusammen, die nur in einer Summe einlösbar sein sollte. Kaiser Sigismund erklärte im Jahr 1418 die Unablösbarkeit dieser Reichspfandschaft und bestätigte auch das Eigentum der Grafen von Oettingen an der Harburg.
Residenz der Grafen zu Oettingen mini|Burg Harburg im Jahr 1513, Zeichnung von Wolf Huber Graf Wolfgang I. und dessen Sohn Karl Wolfgang nutzten von 1493 bis 1549 die Harburg als Residenz. Hieronymus Wolf fand dort im Jahr 1530 eine Anstellung als Schreiber. Hochrangige Gäste auf der Harburg durften in dieser Zeit ihren Namen und ihre Titulatur mit Jahreszahl mittels einer Diamantnadel auf dem achteckigen gläsernen Oettingen-Willkomm eingravieren. Die Inschriften reichen mit der Signatur Georg Kargs von 1548 bis 1650 und spiegeln die territorialen und dynastischen Verbindungen des Hauses Oettingen sowie die politischen Wirren der Religionskriege wieder. Der Willkomm befindet sich seit Juli 2022 im Deutschen Historischen Museum.Das Deutsche Historische Museum hat den Willkomm-Becher der Fürsten von Oettingen-Wallerstein im Jahr 2022 erworben. Dieser wurde für die Sammlung Angewandte Kunst angekauft.
mini|Oettingen-Willkomm skizziert von Wolf Huber auf der Rückseite der oberen Zeichnung
Unter den Oettinger Grafen wurde die Burganlage weiter ausgebaut. Hussitenzeitlich, das heißt aus der Zeit um 1420/30, ist der südlich und westlich vorgelagerte, turmreiche Zwinger. Die nördlich anschließende Vorburg wurde im späten 15. Jahrhundert ausgebaut. In der Kernburg stellte man 1496 unter Graf Wolfgang I. von Oettingen den Dürnitz fertig.
Eine detaillierte Federzeichnung der Westansicht der Harburg fertigte Wolf Huber während einer Reise im Jahr 1513 an. Zu sehen ist dort in der Mitte des Bildes ein hoher staufischer Wehrturm, welcher heute nicht mehr vorhanden ist. Mit einer auskragenden, erweiterten Wehrplattform überragt er die beiden anderen Bergfriede deutlich. An der gefährdetsten Stelle der Burg kontrollierte dieser alle drei Tore und die Torzwinger. Heute befindet sich an dessen Stelle die um 1560 erbaute Burgvogtei.
Frühe Neuzeit mini|Gemeinsame Münze der Grafen Karl Wolfgang, Ludwig XV. und Martin aus dem Jahr 1545 Graf Karl Wolfgang teilte sich die Regierung mit seinem Bruder Ludwig XV. und herrschte von der Harburg aus über die Gebiete der Grafschaft Oettingen, die sich südlich der Eger befanden. An seine Residenz holte Karl Wolfgang als Hofprediger Paul Warbeck und führte die Reformation im Jahr 1524 ein. Die Schlosskirche St. Michael wurde damit die erste evangelische Predigtstätte im Ries. 1539, nach dem Bauernkrieg, berief Karl Wolfgang eine Synode in Harburg ein, auf der alle Pfarrer seiner Grafschaft über dir evangelische Konfession diskutierten und schließlich wurde die Augsburger Konfession eingeführt.
mini|Rekonstruktionszeichnung: Burg Harburg am Ende des 16. Jahrhunderts
Während des Schmalkaldischen Krieges blieb Graf Karl Wolfgang neutral und trat dem Schmalkaldischen Bund nicht bei. Jedoch wurde die Burg Harburg im September 1546 von Truppen des Schmalkaldischen Bundes besetzt. Nach deren Kapitulation plünderten kaiserliche Truppen den damaligen Markt Harburg und besetzten die Burg. Die Folge des Schmalkaldischen Krieges war, dass Karl Wolfgang, trotz seiner Neutralität, im Dezember 1546 abgesetzt wurde. Er starb kinderlos 1549 auf Burg Harburg, wo ein Epitaph in der Schlosskirche an ihn erinnert. Mit seinem Tod fiel Harburg an die katholischen Grafen Friedrich V. und Wolfgang II. Der Bruder Karl Wolfgangs, Ludwig XV., der aktiv dem Schmalkaldischen Bund angehört hatte, erhielt die Reichsacht und wurde verbannt. Er setzte aber das reformatorische Werk von Karl Wolfgang nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 mit dem Grundsatz „Cuius regio, eius religio“ fort, indem alle Gebiete, somit auch Harburg, wieder evangelisch wurden. Unter den Söhnen Ludwigs XV. kam es zur konfessionellen Teilung des Hauses Oettingen und die Burg blieb bei der evangelischen Linie Oettingen-Oettingen.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden unter Graf Gottfried zu Oettingen-Oettingen Fürstenbau, Kastenbau, Pfisterbau und Burgvogtei erneut ausgebaut. Die Hauptburg erhielt dadurch größtenteils ihr heutiges Aussehen. Auch wurden die Wehreinrichtungen modernisiert und das untere Tor mit einer Zugbrücke 1594 fertiggestellt.
Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges überstand die Harburg. Sie wurde im Gegensatz zu den anderen Burgen im Ries wie Burg Niederhaus, Schloss Alerheim, Flochberg und Wallerstein nicht zerstört.
mini|Burg Harburg im 18. Jahrhundert. Gut zu erkennen ist der im Jahr 1721 fertiggestellte Saalbau.
Unter Fürst Albrecht Ernst II. zu Oettingen-Oettingen sollte die Burganlage im 18. Jahrhundert noch durch bauliche Veränderungen zur barocken Residenz ausgebaut werden. Doch nur ein Teil, zu dem die Schlosskirche, der Fürstenbau und der Saalbau mit dem Faulturm gehören, wurden verändert. Der Charakter einer wehrhaften Burganlage blieb bestehen. Mit dem Tod von Albrecht Ernst II. erlosch die Linie Oettingen-Oettingen und die Harburg ging 1731 an die katholische Linie Oettingen-Wallerstein über. Diese richtete ein Oberamt und eine Fronfeste ein. Nach 1806 wurde die Harburg Sitz eines Justizamts, wenig später eines fürstlichen Herrschaftsgerichts und um 1850 einer königlichen Gerichts- und Polizeibehörde.
Seit den napoleonischen Kriegen mini|Gesamtansicht von Schloss und Stadt Harburg, Stahlstich von Joseph Maximilian Kolb nach einer Zeichnung von Eduard Gerhardt, um 1870