mini|Lage von Amphipolis in Griechenland mini|Lageplan von Amphipolis

Amphipolis () war eine antike griechische Polis, die durchgehend bis in die Spätantike als städtische Ansiedlung existierte. Sie erstreckt sich im Umkreis von mehreren Kilometern um die Akropolis der antiken Stadt. Die Funde aus der Region sind im Archäologischen Museum in Amfipoli ausgestellt.

Lage Das antike Amphipolis liegt in der Landschaft Thrakien, rund 80 Kilometer östlich von Thessaloniki an der Europastraße 90 (E 90). Die Akropolis grenzt im Süden unmittelbar an den modernen Ort Amfipoli, die einzelnen Ausgrabungsstätten verteilen sich um die Akropolis. Der Fluss Strymon umfließt Amphipolis im Norden, Westen und Süden und mündet wenige Kilometer südlich davon in das Ägäische Meer.

Geschichte

Vorgeschichtliche Zeit Die Gegend um Amphipolis wurde seit der späten Jungsteinzeit (4000 bis 3000 v. Chr.) besiedelt. Funde aus dieser Zeit stammen von dem so genannten Hügel 133. Spuren von Bewohnern aus der Bronzezeit (3000 bis 1600 v. Chr.) fanden sich im Tal des Strymon und in Höhlen des Pangaion-Gebirges. Artefakte aus der späten Bronzezeit (1600 bis 1100 v. Chr.) weisen auf den Kontakt der Bewohner zu den Einwohnern Mykenes auf der Peloponnes hin. Während der Eisenzeit wurde die Entwicklung der Region durch Reisende aus Mitteleuropa und der Gegend des südöstlichen Balkans beeinflusst. Während der klassischen Periode (700 bis 500 v. Chr.) wurde die Besiedlung durch thrakische Stämme nachgewiesen. Die Grabbeigaben aus dieser Zeit sind gemischten Ursprungs. Während Schmuck und Waffen aus einheimischer Fertigung stammen, wurden die Tonwaren in Athen oder Korinth getöpfert.

Attische Zeit Nach dem griechischen Sieg in den Perserkriegen versuchte Athen über Jahrzehnte hinweg, Kontrolle über das Pangaion-Gebirge mit seinen Edelmetall- und Holzvorkommen in der thasischen Peraia zu erhalten. Ihr Stützpunkt war ab 476 v. Chr. das an der Mündung des Strymon (ursprünglich Aioneios) gelegene Eion. Von dort aus versuchten die Athener bereits im Jahr 464 v. Chr. erfolglos, weiter nördlich entlang des Strymon Fuß zu fassen, wurden aber vom Stamm der Edoner in der Schlacht von Drabeskos zurückgeschlagen. Die athenischen Bemühungen fruchteten erst 437 v. Chr., als der Feldherr Hagnon an der Stelle der Siedlung Ennea Hodoi (griechisch „Neun Wege“) Amphipolis gründete. Dieses war in der Folgezeit ein wichtiger Stützpunkt für Athen in Thrakien.

Bereits nach wenigen Jahren erlangte Amphipolis mit Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs zusätzliche Bedeutung, unter anderem wegen der Beschaffung von Holz für den Schiffbau, Einnahmen aus den Bergwerken der Umgebung, Zöllen sowie der strategischen Position. Allerdings dauerte die athenische Herrschaft über den Ort nur 13 Jahre. Die Stadt ergab sich 424 v. Chr. kampflos dem Spartaner Brasidas,Thukydides, Der Peloponnesische Krieg 4,106. wobei der athenische Strategos Thukydides, der spätere Historiker, zu spät eintraf, um die Stadt noch für Athen zu retten; er musste daraufhin ins Exil gehen. Im Jahr 422 v. Chr. griff der athenische General Kleon Brasidas bei Amphipolis an. In der Schlacht von Amphipolis, in der Sparta Sieger blieb, kamen beide Generäle ums Leben. Kurz darauf wurde der Nikiasfrieden geschlossen. Die Einwohner bestatteten den Spartaner innerhalb der Mauern. Sie betrachteten ihn als den zweiten Gründer ihrer Stadt und verehrten ihn mit Spielen und kultischen Feiern als Heros.

Gemäß dem von Nikias im Jahr 421 v. Chr. ausgehandelten Frieden sollte Amphipolis wieder unter Kontrolle Athens gestellt werden; die Bevölkerung der Stadt lehnte das aber ab. Durch mehrere militärische Kampagnen versuchte Athen, seine Rechte zwangsweise durchzusetzen. General Euetion, verbündet mit Thrakern und Makedonen, scheiterte 414 v. Chr., als seine Belagerung von Amphipolis erfolglos blieb. Weitere erfolglose militärische Aktionen unternahmen die Generäle Simmichos im Jahr 364 v. Chr., Protomachos 370 v. Chr. und Timotheos 363 und 360/359 v. Chr. Dem makedonischen König Perdikkas III. gelang es im Jahr 362 v. Chr. letztlich, Makedonien als Schutzmacht der Stadt zu etablieren.

Makedonische Zeit Im Jahr 356 v. Chr. wurde Amphipolis von Philipp II. von Makedonien erobert. Da die Athener an ihren Ansprüchen auf die Stadt festhielten, spielte der Konflikt um Amphipolis in den Folgejahren (bis 338 v. Chr.) eine wichtige Rolle in der Entwicklung der makedonisch-athenischen Beziehungen. Während der Feldzüge Alexanders des Großen in den Osten (Alexanderzug) diente Amphipolis als Sammelpunkt für Truppen und stellte auch selbst eine Kavallerie-Einheit.

In der Zeit der Diadochenkriege nahm Kassander 316 v. Chr. Alexander IV. Aigos, den minderjährigen Sohn und legitimen Thronfolger Alexanders des Großen, mit dessen Mutter Roxane, der ersten Ehefrau Alexanders des Großen, in Amphipolis unter Hausarrest. Nach einigen Jahren ließ er beide dort 310/309 v. Chr. durch den Befehlshaber Glaukias ermorden, womit das makedonische Herrschergeschlecht der Argeaden endete.Johann Gustav Droysen: Geschichte des Hellenismus. Zweiter Teil: Geschichte der Diadochen. Nachdruck, Wissenschaftliche Buchgemeinschaft, Tübingen 1952, S. 257 f.

Im Dritten Makedonisch-Römischen Krieg standen sich der römische Feldherr Lucius Aemilius Paullus und der Makedonische König Perseus in der Schlacht von Pydna gegenüber. Nach dieser verlorenen Schlacht flüchtete Perseus mit seinem Gold nach Amphipolis, Aemilius Paullus nahm die Stadt ein und setzte ihn gefangen, womit das Makedonische Königreich endete. Im Jahre 167 v. Chr. verhandelte die Senatskommission in Amphipolis über die Aufteilung der Gebiete, und die Stadt wurde zum Protektorat Roms erklärt.Cassius Dio, Fragment von Buch 20 (englische Übersetzung).

Römische Zeit und Untergang In römischer Zeit spielte die Stadt eine wichtige wirtschaftliche Rolle, nicht zuletzt durch ihre Lage an der Via Egnatia als einer wichtigen Fernverkehrsstraße. Zudem diente sie als Verwaltungssitz eines der vier Bezirke, in die die Provinz Macedonia aufgeteilt war.Dimitris Damaskos, Dimitria Malamidou: Amphipolis. Geschichte und Grabungen auf der Stadtakropolis. In: Antike Welt. Ausgabe 6/2021, S. 39–48, hier S. 40. Amphipolis wird auch in der Apostelgeschichte des Lukas im Neuen Testament als Reisestation des Apostels Paulus von Tarsus und seines Mitarbeiters Silas erwähnt .

Nach einer Blütezeit in der Spätantike, in der es zahlreiche Kirchenneubauten, aber auch bereits einen Bevölkerungsrückgang gab, kam es in den unruhigen Zeiten der slawischen Landnahme zu einem allmählichen Rückbau der Stadt während des Frühmittelalters. Zunächst wurde die untere Stadt aufgegeben und die Bewohner zogen sich in den Bereich um die Akropolis zurück; später führte der Rückgang der Bevölkerung zu einem kompletten Verlust der städtischen Strukturen. Letztmals wird im späten 8. Jahrhundert ein Bischof von Amphipolis erwähnt. Im 10. und 11. Jahrhundert existierte die Stadt Amphipolis nicht mehr, ihre Rolle übernahm das etwa 5 Kilometer entfernte Chrysoupolis.

Berühmte Einwohner der Stadt Ein berühmter aus Amphipolis stammender kynischer Redner und Sophist war Zoilos von Amphipolis. Auch der ursprünglich von Kreta stammende Nearchos, Admiral Alexanders des Großen, lebte in Amphipolis.

Grabungsgeschichte Die Ausgrabungen fanden vorwiegend in der Zeit von 1956 bis 1984 unter der Leitung des Archäologen Demetrios Lazaridis (1917–1985) statt.Demetrios Lazaridis: Amphipolis. Ministerium für Kultur, 1997, ISBN 960-214-126-3. Nach seinem Tod führte seine Tochter Kalliope Lazaridis die Arbeiten bis 1989 fort. 2012 wurde, unter der Leitung der Archäologin Katerina Peristeri, mit Ausgrabungen auf dem Kasta-Hügel begonnen, bei dem die größte bisher in Griechenland entdeckte Grabanlage freigelegt wurde.

In einer nordöstlich von Amphipolis gelegenen Nekropole () wurden erstmals 1956 intensivierte Ausgrabungen vorgenommen.Chaido Koukouli-Chrysanthaki: Excavating Classical Amphipolis. In: M. Stamatopoulou, M. Yeroulanou: Excavating Classical Culture (= BAR International Series. Band 1031). British Archaeological Reports, Oxford 2002, S. 57–73 (Digitalisat).

Archäologie Die Akropolis mini|Teil eines Mosaiks der Basilika C Die Akropolis von Amphipolis besteht aus zwei flachen Hügeln, die von einer mehrfach erneuerten Mauer eingefasst sind. Die dort sichtbaren Gebäudereste stammen aus der frühchristlichen und byzantinischen Zeit. Es ist nachgewiesen, dass sich darunter Reste von früheren Bauwerken befinden. So wurde auf dem höheren der zwei Akropolishügel ein Haus aus der Klassischen Zeit ausgegraben. Durch Inschriften und literarische Quellen ist die Existenz eines Marktplatzes (Agora) und verschiedener Heiligtümer (unter anderem für die taurische Artemis, griechisch „Artemis Tauropolos“) auf der Akropolis nachgewiesen, die sich jedoch nicht genauer lokalisieren lassen.Dimitris Damaskos, Dimitria Malamidou: Amphipolis. Geschichte und Grabungen auf der Stadtakropolis. In: Antike Welt. Ausgabe 6/2021, S. 39–48, hier S. 43 und 47–48. Zudem wurde eine Zisterne mit mehreren Becken freigelegt.

Die die Akropolis umgebende Mauer hat eine Länge von 1105 Metern und eine Breite von 1,65 bis 2,75 Meter; in der Höhe ist sie zwischen 0,50 und 1,15 Metern erhalten. Sie wurde des Öfteren repariert und wieder aufgebaut. Der südliche Teil der Mauer ist der älteste, nur der östliche Teil ist homogen aus Steinen erbaut – nur in diesem Teil wurden keine Spolien vermauert. Die Mauer wies fünf Tore auf, neben drei kleineren Toren fand man zwei größere an der Ostseite. In römischer Zeit entstand eine Quermauer, durch die die befestigte Fläche der Akropolis reduziert wurde.

Bei vier der fünf Kirchenbauten auf der Akropolis handelt es sich um Basiliken. Deren Böden waren überwiegend mit Mosaiken geschmückt. Neben geometrischen Figuren wurden verschiedene Tiere dargestellt. In zwei dieser Mosaike, die zu ihrem Schutz überdacht wurden, befinden sich Hirsche als Mittelpunkt, umgeben sind sie mit Vögeln und Fischen. Die anderen verbliebenen Mosaike, innerhalb der Grundmauern der Basiliken, wurden mit Folien und darüber liegendem Sand oder feinem Kies geschützt. Nur an wenigen Stellen sind sie für den Besucher zu sehen.

Das architektonisch herausragende Kirchengebäude ist die Rotunde. Das Innere der Basilika ist als Sechseck geformt, das von einer runden Außenmauer umgeben ist. Dadurch entsteht ein vier Meter breiter Gang, der das Innere des Gebäudes umgibt. Der Boden des Hexagons war mit marmornen Platten in der Form eines Kreuzes belegt. Die architektonische Form der Basiliken differiert, allen gemeinsam ist der Aufbau des Kirchenschiffs in der Form von Narthex, Navis, Apsis mit davor liegendem Altar. Links und rechts entlang der Navis nahmen die Gläubigen Platz (Evangelienseite, Epistelseite).

Die römische Villa Fast unmittelbar an die Akropolis angrenzend, befinden sich im Zentrum der Stadt die Überreste einer römischen Villa. Sie wurde im 3. Jahrhundert erbaut, ihre Bauart und Ausstattung lassen vermuten, dass es sich um ein öffentliches Gebäude handelte. Der bisher freigelegte Teil der Villa war um ein Atrium herum gebaut, welches mit rechteckigen Marmorplatten belegt war. Die Wände der Räume waren verputzt und mit farbigen geometrischen Mustern bemalt. Von besonderem Interesse sind die vorgefundenen Mosaike (teilweise im Museum ausgestellt). Eines zeigt die Entführung der Europa durch Zeus in Form eines Stieres. Zwei weitere Mosaike zeigen Darstellungen aus der griechischen Mythologie. In der Nähe der römischen Villa, in nordöstlicher Richtung wurde ein weiterer römischer Komplex ans Licht gebracht.

Das Hellenistische Haus mini|Fresken im hellenistischen Haus Die bisher im Stadtgebiet freigelegten Häuser stammen aus der klassischen und hellenistischen Periode. Typischerweise wurden die Räume um ein offenes Atrium herum gebaut. Die Bauweise war solide, die Größe der Häuser generös.