mini|hochkant=1.22| mini|hochkant=1.22| mini|hochkant|Kilometerstein 140 mini|Ortszentrum mini|Baiersdorf Innenstadt, Luftaufnahme (2015)
Baiersdorf (, fränkisch: Beiaschdoff;D. Fastnacht: Erlangen: ehemaliger Stadt- und Landkreis, S. 21. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: bâi̯ɒšdǫv. früher auch Bayersdorf geschrieben) ist eine Stadt im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Geografie Lage Die Stadt liegt auf der größtenteils hochwasserfreien Terrasse der 500 Meter entfernten Regnitz, acht Kilometer nördlich von Erlangen und acht Kilometer südlich von Forchheim, auf halbem Wege zwischen Nürnberg und Bamberg an der Bundesautobahn 73.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Baiersdorf (Hauptort) Baiersdorfermühle (Einöde) Hagenau (Flüchtlingssiedlung) Igelsdorf (Dorf) Wellerstadt (Dorf)
Es gibt die Gemarkungen Baiersdorf und Wellerstadt. Die Gemarkung Baiersdorf hat eine Fläche von 10,066 km². Sie ist in 4557 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Baiersdorfermühle, Hagenau und Igelsdorf.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Forchheim, Poxdorf, Langensendelbach, Bubenreuth, Möhrendorf, Röttenbach und Hausen.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert mini|Schlossruine Scharfeneck um 1790, abgebrochen 1892 Der Ort wurde 1062 als „Peieresuorahe“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich von einem gleichlautenden Flurnamen ab, dessen Grundwort foraha, fohra (ahd. für Föhre, Kiefer) mit angehängtem Kollektivsuffix -ahi ist und demnach Föhrenwald bedeutet. Das Bestimmungswort ist Peier, wohl der Personenname des Grundstückbesitzers. Erst 1123 wurde der Ort erstmals als „Baieresdorf“ erwähnt.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 33. Im Jahr 1353 wurden „Beyrstorf“ die Stadtrechte verliehen.
Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches gehörte Baiersdorf zum Fürstentum Bayreuth. Es war dabei der Verwaltungssitz des Oberamtes Baiersdorf, das auch die Dorf- und Gemeindeherrschaft über den Ort ausübte. Nachdem das Fürstentum im Jahr 1792 in den Besitz des Königreich Preußens übergegangen war, unterstand die Stadt von 1797 bis 1807 dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. Dessen Gebiet fiel im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und durch den Pariser Vertrag 1810 an das Königreich Bayern.
Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1813 der Steuerdistrikt Baiersdorf gebildet. Zu diesem gehörten Baiersdorfermühle, Bubenreuth und Wellerstadt. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt 1818 entstanden drei Ruralgemeinden: Baiersdorf mit Baiersdorfermühle Bubenreuth Wellerstadt Die Munizipalgemeinde Baiersdorf war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen (1919 in Finanzamt Erlangen umbenannt) zugeordnet. Ab 1862 gehörte Baiersdorf zum Bezirksamt Erlangen (1939 in Landkreis Erlangen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit hatte das im gleichen Jahr gebildete Stadt- und Landgericht Erlangen (1879 in Amtsgericht Erlangen umgewandelt).
Der 1835 bis 1846 erbaute Ludwig-Donau-Main-Kanal führte östlich an Baiersdorf vorbei. Es gab dort eine Ladestelle (Anlände) für den Güterumschlag. Diese diente hauptsächlich dem Export von Agrarerzeugnissen und dem Import von Kohle und Baustoffen. 1950 wurde der Ludwigskanal aufgelassen. Die ehemalige Anlände, die dank ihres Bahnanschlusses an die Ludwig-Süd-Nord-Bahn bereits 1844 einen trimodalen Güterumschlag Schiff/Schiene/Straße bot, ist heute mit der A 73 überbaut. Nur der Kilometerstein 140, der transloziert wurde, erinnert noch an die dort ehemals vorhandenen Anlagen des Ludwigskanales.
Baiersdorf hat einen großen Anteil am europäischen Meerrettich-Anbau und dessen Verarbeitung; es gibt dort zwei weitbekannte Firmen, die Meerrettich-Produkte herstellen und vertreiben. Markgraf Johann der Alchemist (1406–1464) ließ zum ersten Mal in Baiersdorf als Beginn des Anbaus in Mittel- und Oberfranken Meerrettich pflanzen. Das Spezialunternehmen Schamel wurde 1846 in Baiersdorf gegründet und ist der älteste Meerrettichbetrieb der Welt. Auch die Wurzeln des aus Baiersdorf stammenden (jedoch nicht mehr vor Ort produzierenden) Unternehmens KOCHs im Meerrettichhandel reichen über hundert Jahre zurück.
20. und 21. Jahrhundert Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 6,746 km².
Der Gemeindeteil Hagenau gehörte bis zur Gemeindegebietsreform 1978 zur Nachbargemeinde Poxdorf. Die Siedlung war 1939 entstanden. Zunächst wurden ein Luftwaffenlager eingerichtet, dann eine Barackensiedlung gebaut, in der französische Kriegsgefangene und nach 1945 Vertriebene aus dem Sudetenland einquartiert wurden. Ab 1946 wurde die Siedlung Hagenau gebaut. Vom 1. bis zum 3. September 2006 fand die 60-Jahr-Feier statt.
Am Abend des 21. Juli 2007 wurde das Gemeindegebiet nach ungewöhnlich starken Regenfällen überschwemmt. Rund tausend Häuser standen unter Wasser, die Bundesautobahn 73 musste für den Verkehr gesperrt werden. Der Schaden wurde auf etwa 100 Millionen Euro geschätzt.
Chronik Jahr Baiersdorf mit den Stadtteilen Wellerstadt, Igelsdorf und Hagenau 1007 Erste urkundliche Erwähnung Wellerstadts in der Schenkungsurkunde von König Heinrich II. 1062 Erste urkundliche Erwähnung von Baiersdorf in der Schenkungsurkunde von König Heinrich IV. 1133 Erstmalige Erwähnung der Baiersdorfer Sankt-Nikolaus-Kirche 1158 Nürnberger Burggrafen erhalten das Schirm- und Schutzrecht über Baiersdorf 1348 Erste urkundliche Erwähnung von Igelsdorf im Bamberger Urbar (Güterverzeichnis der Bischöfe) 1353 König Karl IV. erlässt das Recht, Baiersdorf zu einer Stadt auszubauen 1368 Erstmalige Erwähnung einer „Veste Bayersdorf“, welche später auch Scharfeneck genannt wird 1473 Erste Nennung einer jüdischen Gemeinde in Baiersdorf 1474 Großer Stadtbrand. Von der Kirche blieb nur der Turm und das Sakrament übrig. 1525 Thomas Beck – ehemaliger Mönch – wird als erster evangelischer Geistlicher vom Stadtrat eingesetzt. 1528 Baiersdorf wird evangelisch und 1558 Sitz des Dekanats. 1602 Die Pest tritt auf – dem Gerücht nach durch einen Bettler eingeschleppt. 1611 Baiersdorf wird Sitz des Oberrabbinats. 1632 Fünfte Zerstörung von Baiersdorf mit dem neu gebauten Schloss durch die Bamberger 1698 Baiersdorf wird zum Oberamt erhoben. 1711 Bau einer Synagoge in der JudengasseIm Jahr 1609 betrug mit 350 Personen der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung Baiersdorfs ein Drittel, somit mehr als in anderen Gemeinden der Landeshauptmannschaft Neustadt. Vgl. 1774 Weihe der Kapelle am Johannisfriedhof 1792 Baiersdorf wird preußisch. 1810 Anschluss an das Königreich Bayern. Außerdem werden Ämter nach Erlangen abgezogen. 1812 Das Justizamt und damit die letzte überörtliche Verwaltungsbehörde wird abgezogen. 1814 Baiersdorf verliert den Sitz des Dekanats. 1819 Baiersdorf verliert den Sitz des Oberrabbinats. 1892 Abbruch der Schlossruine Scharfeneck 1905 Einweihung des Kindergartens in der Seligmannstraße 1911 Errichtung der Jahnturnhalle 1925 Bau der seit der Reformation ersten katholischen Kirche Sankt Josef 1938 Zerstörung der Synagoge beim Novemberpogrom 1946 Hagenau wird von den eintreffenden Heimatvertriebenen gegründet 1965 Bau der zweiten katholischen Kirche 1969 Bau der Industriestraße zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben 1972 Im neuen Baugebiet In der Point entstehen die ersten Wohnhäuser. 1983 Einweihung der neuen Hauptschule und der dazugehörigen Mehrzweckhalle. Im Stadtteil Hagenau wird das Pfarrzentrum Sankt Marien eingeweiht. 1998 Beginn der Ausweisung des Baugebietes In der Hut (heute ca. 1000 Einwohner) 2007 In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli wird Baiersdorf von einer riesigen Flut der Regnitz heimgesucht. Im gesamten Stadtgebiet entstehen enorme Schäden in Millionenhöhe 2008 Einweihung der neu errichteten Stadtsporthalle 2010 In Baiersdorf leben 7800 Menschen. 2000 Personen sind in der Stadt beschäftigt und rund 600 Unternehmen und Gewerbetreibende ansässig. 2011 Fertigstellung der Sanierungsmaßnahmen nach der Flutkatastrophe 2012 Baiersdorf feiert 950 Jahre Baiersdorf – Erste urkundliche Erwähnung
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. April 1971 die Gemeinde Wellerstadt eingegliedert. Ebenso wurden der Ort Igelsdorf der Nachbargemeinde Langensendelbach (Landkreis Forchheim) mit damals mehr als 600 Einwohnern und der Ort Hagenau der Gemeinde Poxdorf (ebenfalls Landkreis Forchheim) mit etwa 600 Einwohnern eingegliedert.
Demographie Einwohnerentwicklung Gemeinde Baiersdorf Jahr 1987 2008 2010 2015 2016 2017Einwohner 6073 7222 7208 7489 7560 7728Häuser 1571 2156 2182 2190Quelle
Ort Baiersdorf mit Baiersdorfermühle (= Gemeinde Baiersdorf bis 1971) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939Einwohner 1408 1537 1562 1570 1557 1332 1271 1293 1411 1410 1264 1255 1308 1361 1393 1348 1400 1449 1501HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2017 als Wohngebäude. 337 198 207 223 202 211 267 Quelle Laut dem Historischen Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 1542 Einwohner. Jahr 1946 1950 1952 1961 1970 1987Einwohner 2202 2388 2721 3010 2863 2949Häuser 314 507 745Quelle
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren 29,2 % römisch-katholisch, 28,9 % der Einwohner evangelisch und 41,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Die 8842 Einwohner gehörten (mit Stand Januar 2025) mit 26,3 % der katholischen Kirche an, 25,2 % der Einwohner waren evangelische Kirchenmitglieder und 48,5 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Stadt Baiersdorf Zahlen, Daten, Fakten, abgerufen am 1. Juli 2026
Politik Stadtrat Der Stadtrat besteht in der Wahlperiode 2020 bis 2026 aus 20 Mitgliedern und dem getrennt gewählten Ersten Bürgermeister.
Die Stadtratswahl am 15. März 2020 führte zu folgendem Ergebnis:Stadtratswahl Baiersdorf 2020, Amtliches Endergebnis, abgerufen am 27. Oktober 2020 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CSU 29,3 % 6 Grüne 23,6 % 5 SPD 18,8 % 4 Freie Wähler 14,6 % 3 FDP 4,2 % 1 Junge Liste 7,3 % 1 Wählergemeinschaft für Familien in Baiersdorf (WGFB) 2,2 % 0 Wahlbeteiligung: 60,5 %
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Sebastian Erner (CSU). Er ist Nachfolger von Eva Ehrhardt-Odörfer (SPD), die bei der Bürgermeisterwahl im März 2022 mit 51,9 Prozent der Stimmen gewählt wurde, nachdem ihr Vorgänger Andreas Galster (CSU) das Amt aufgrund der Folgen eines Verkehrsunfalls niederlegen musste.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-schwarz.
Städtepartnerschaften : Mit der Marktgemeinde Ulrichsberg in Oberösterreich besteht seit 1974 eine Städtepartnerschaft. : Seit 2000 ist auch die Stadt Pacé Partnerstadt, nach der der Park nahe der Point benannt wurde. : Die Partnerschaft mit der Gemeinde Brenna wurde im Juli 2007 zur Tausendjahrfeier von Wellerstadt besiegelt.
Wirtschaft Aufgrund der günstigen Lage an der A 73 und der Bahn hat Baiersdorf eine gute Verkehrsanbindung, die ein bedeutender Standortfaktor für Industrie und Handel ist.
Zwei Industriegebiete, der rund 15.000 Quadratmeter große Gewerbehof Heinlein im Süden der Stadt und der im Nordosten gelegene Gewerbepark, bilden das Rückgrat des örtlichen Gewerbes. Dort stellt das 1846 gegründete Unternehmen Schamel Meerrettichprodukte her. Daneben haben sich moderne Handelsunternehmen unterschiedlicher Branchen angesiedelt.