Die Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen in Straduny () ist ein Bauwerk aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Bis 1945 war sie das evangelische Gotteshaus für das ostpreußische Kirchspiel Stradaunen; heute ist sie die römisch-katholische Pfarrkirche von Straduny in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Straduny liegt am Flüsschen Lyck (), sieben Kilometer nördlich der Kreisstadt Ełk (Lyck) im Osten der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Durch den Ort verläuft die polnische Landesstraße 65 (einstige deutsche Reichsstraße 132).
Der Standort der Kirche befindet sich nördlich des Flüsschens Lyck im östlichen Dorfzentrum an der ul. Mikołaja Kopernika.
Kirchengebäude Bereits in vorreformatorischer Zeit existierte in Stradaunen eine Kirche, vermutlich eine Holzkirche, die dem Hl. Leonhard geweiht gewesen sein soll. Diese jedoch verbrannte mit großen Teilen des Dorfes im Jahr 1736.
Es erfolgte ein Neubau, der 1738 fertiggestellt war. Es war ein chorloser Feldsteinbau mit querhausartigen Erweiterungen und vorgesetztem Turm.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 125, Abb. 580. Der Innenraum erhielt eine flache Decke. An den Seiten befanden sich Emporen. Der Kanzelaltar war ein Werk aus dem Jahre 1845, bei dem ältere Teile verwertet worden waren. Ein Taufengel stammte aus dem 17. Jahrhundert, aus dem 18. Jahrhundert elf Ovalbilder mit Darstellungen Christi und seiner Jünger.
Die Orgel wurde 1742 von Adam Gottlob Casparini in der Kirche aufgestellt, der hierfür jedoch ein älteres Instrument benutzte, das man aus der Ev. Kirche zu Marggrabowa erworben hatte. Sie wird von einer Baldachinkrone aus der Zeit um 1670 geschmückt. Nach ihrer Aufstellung hatte sie 12 Register auf einem Manual. 1922 errichtete Bruno Goebel eine neue Orgel mit zwei Manualen, Pedal und 15 Registern.Werner Renkewitz, Jan Janca, Hermann Fischer: Geschichte der Orgelbaukunst in Ost- und Westpreußen. Band II, 1: Mosengel, Caspari, Casparini. Pape Verlag, Berlin 2008, S. 252, 326 und 331–334. Dieses Instrument mit seinem historischen Prospekt aus der Zeit um 1670 ist bis heute erhalten., gesehen am 11. Juli 2017.
Aus drei Glocken setzte sich das Geläut der Kirche zusammen.
Im Jahr 1923 nahm der Kirchenmaler Fey aus Berlin eine Innenausmalung der Kirche vor.
Bis 1945 war die Kirche evangelisches Gotteshaus, danach wurde sie zugunsten der römisch-katholischen Kirche enteignet. Diese weihte das Gebäude neu und gab ihm den Namen Kościół Matki Bożey Królowej Polski („Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen“ (Muttergotteskirche)). Zuvor waren innen bauliche Veränderungen entsprechend der neuen liturgischen Nutzung der Kirche vorgenommen worden. mini|Höhenmarke der königlich-preußischen Landesaufnahme am Kirchengebäude
Aus alter Zeit stammt noch ein im Stil Albrecht Dürers angefertigtes Gemälde der Kreuzigung Jesu aus der Zeit um 1570, das vormals in der Turmhalle seines Platz hatte. Auch existieren noch Grabsteine aus dem 16. und 17. Jahrhundert von Angehörigen der Familien von Glaubitz, von Packmohr und von Lehndorff.
Kirchengemeinde Evangelisch Bereits in vorreformatorischer Zeit war Stradaunen ein Kirchdorf.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 494. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hielt hier die Reformation Einzug, als lutherische Geistliche ihren Dienst an der Kirche aufnahmen. Das Kirchspiel Stradaunen gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Lyck in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Das Patronat oblag vorzeiten dem König, danach den staatlichen Behörden.
Im Jahr 1925 zählte das Kirchspiel Stradaunen 3050 Gemeindeglieder, die in einem weiträumigen Kirchspielbereich wohnten. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung brachten das evangelisch-kirchliche Leben längerfristig zum Erliegen.
Heute allerdings leben in Straduny einige wenige evangelische Kirchenglieder. Sie halten sich zur Kirchengemeinde in der Stadt Ełk (Lyck), einer Filialgemeinde der Pfarrei in Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel Stradaunen gehörten bis 1945 neben dem Pfarrort 16 Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort.
Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Felsenhof Skup *Przytullen (ab 1927)Seefrieden Przytuły Groß Malinowken Großschmieden Malinówka Wielka Rumeyken Romejki Johannisberg Janisze *Rydzewen Schwarzberge Rydzewo Klein Malinowken Kleinschmieden Malinówka Mała *Schikorren (ab 1927)Wellheim Sikory Juskie Milchbude Mleczkowo *Soffen Krokocie Oratzen (ab 1928)Wittenwalde Oracze *Szameyten (ab 1928)Wittenwalde Oracze *Piasken (ab 1927)Klein Rauschen Piaski Zappeln Czaple *Plotzitznen Bunhausen Płociczno *Zeysen Sajzy
Pfarrer An der Kirche Stradaunen amtierten zwischen 1558 und 1749 jeweils zwei Geistliche gleichzeitig. Die Stelle des zweiten Geistlichen wurde 1749 an die Kirche Gonsken (1938–1945 Herzogskirchen, polnisch Gąski) im Kreis Oletzko verlegt, wo eine neue Kirchengemeinde errichtet worden war.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 139–140.
Raphael Niecicowius, 1554 Caspar Niecicowius, 1567/1580 Felix Brosin, 1558–1608 Jonas Niecicowius, 1600–1604 Thaddäus Kelch (Chelcowius),bis 1656 Georg Carönicke, 1657 Jacob Jeglinski, 1657–1690 Christoph Preuß, 1657–1664 Georg Bronatius, 1658 Martin Sperling, 1661 Albert Rohde, 1664–1689 Friedrich Mietzkowius, 1670 Aegidius Rohde, 1681–1731 Christoph Jeglinski, 1690–1733 Georg Wasianski, 1721–1737 Christoph Mäding, 1733–1749 Andreas Slopianka, 1738–1742 Paul Christian Drigalsi, 1742–1768 Carl Heinrich Breitenbach, 1768–1771 Wilhelm Jackstein, 1771–1807 Ludwig Raphael, 1808–1813 Friedrich Thimotheus Krieger, 1813–1820 Johann Carl Thomaszik, 1820–1823 Johann Christoph Gayk, 1823–1825 Heinrich Skrodzki, 1825–1837 Karl Leopold Weber, 1836–1854 Eduard (Heinrich) Surminski, 1854–1877Angehöriger des Corps Masovia Johann Julius G. Rimarski, 1878–1885 Reinhold Ludwig (Louis) Jacobi, 1888–1906Wie sein Vorgänger Masure, vertrat Jacobi (1840–1906) den Königsberger Senioren-Convent auf dem oKC 1866. Alfred Gottlieb Petersdorff, 1906–1913 Alexander Bernhard Theodor Klatt, 1914–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarrei Stradaunen haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig verwahrt: Taufen: 1814 bis 1874 Trauungen: 1837 bis 1874 Begräbnisse: 1837 bis 1874.
Römisch-katholisch Die seinerzeit wenigen katholischen Kirchenglieder in Stradaunen waren bis 1945 in die Pfarrkirche St. Adalbert in Lyck () eingepfarrt. Die Gemeinde in der Kreisstadt gehörte zum Dekanat Masuren II mit Sitz in Johannisburg (polnisch Pisz) im Bistum Ermland. Nach 1945 siedelten sich in Straduny zahlreiche Neubürger, meist aus dem ehemaligen Ostpolen und katholischer Konfession an. Das bisher evangelische Gotteshaus übernahmen sie als Eigentum, und so entstand hier eine neue römisch-katholische Pfarrgemeinde,Parafia Straduny die in das Dekanat Ełk-Święty Rodziny im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen einbezogen ist.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1730er Jahren Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Maria-Königin-von-Polen-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Ełk (Landgemeinde)