mini|St Briavels Castle St Briavels Castle ist eine Burg im Dorf St Briavels in der englischen Grafschaft Gloucestershire. Bekannt ist die Burg für ihr riesiges Torhaus aus der Zeit König Eduards I.

St Briavels Castle wurde ursprünglich zwischen 1075 und 1129 als königliches Verwaltungszentrum für den Forest of Dean errichtet. Im 13. Jahrhundert wurde die Burg zuerst zum bevorzugten Jagdschloss von König Johann Ohneland und dann zum wichtigsten Zentrum für die Fertigung von Bolzen in England, von denen große Mengen für Armbrüste in der mittelalterlichen Kriegskunst benötigt wurden. Im 14. und 15. Jahrhundert ging der Besitz der Burg mehrmals zwischen königlichen Günstlingen hin und her und langsam nahm ihre Bedeutung ab und ihr Erscheinungsbild verschlechterte sich. St Briavels Castle diente hauptsächlich als Gerichtsgebäude und berüchtigtes Schuldgefängnis. Die Haftbedingungen dort wurden 1775 vom Gefängnisreformer John Howard dokumentiert. Nach örtlichen Umtrieben und einer Parlamentsuntersuchung in den 1830er-Jahren setzten Reformen im 19. Jahrhundert der Nutzung der Burg als Gefängnis ein Ende.

Ausgedehnte Renovierungsarbeiten an der Wende zum 20. Jahrhundert sorgten dafür, dass St Briavels Castle 1948 als Jugendherberge übernommen werden konnte. Auch heute noch erfüllt es diese Rolle, wird von English Heritage verwaltet und ist öffentlich zugänglich. Die Burg ist als historisches Bauwerk I. Grades gelistet und gilt als Scheduled Monument.

Architektur St Briavels Castle liegt auf einem prominenten Sporn über dem River Wye an der Westgrenze des Forest of Dean. Das Gebäude ist vornehmlich aus örtlichem Old-Red-Sandstein und Kalkstein errichtet. Das Burggelände ist von einem verfüllten Graben umgeben, der heute ein Garten ist. Der Graben war ursprünglich ein Wassergraben, der von einer Quelle darunter gespeist wurde.

mini|Plan von St Briavels Castle Anfang des 14. Jahrhunderts: A: Torhaus; B: Königsgemächer und Kapelle; C: Donjon; D: Rittersaal; E: „The Peel“; F: Turm; G: Burggraben. Der Donjon der Burg, der einstürzte und im 18. Jahrhundert abgerissen wurde, hatte ursprünglich einen rechteckigen Grundriss im normannischen Stil, 15,6 Meter × 13,9 Meter, und stand auf einem Mound aus Ton und Stein. Der intakte Donjon war etwa 20 Meter hoch und sah denen von Goodrich Castle und White Castle ähnlich, die beide etwa zur gleichen Zeit im selben Stil in der Region entstanden.

Der Donjon wurde durch eine steinerne Kurtine geschützt, die heute noch existiert und den Burghof einfriedet. Ihr unregelmäßig-vielseitiger Grundriss legt den Schluss nahe, das sie an der Stelle eines früheren Erdwerkes entstand. Sie hatte ursprünglich einen kleinen, runden Turm an der Südostecke und vermutlich ein Tor in der Südmauer neben den Donjon. Andere, heute abgerissene Gebäude waren eine Schmiede und zugeordnete Gebäude entlang der Nordostseite des Burghofes. Auf der Nordwestseite des Burghofes finden sich aber noch etliche mittelalterliche Wohngebäude, z. B. ein Rittersaal, ein Solar und eine Kapelle. Dort waren ursprünglich die Unterkünfte für den Konstabler der Burg und den König. Diese Gebäude wurden im 19. Jahrhundert restauriert, so, wie sie heute sind. Einige Details, wie das Rittersaalgebäude, der offene Kamin und die Kapitelle scheinen aus dem 13. Jahrhundert zu stammen. Der Rittersaal und der Solar bilden ein zweistöckiges Gebäude mit einem Grundriss von 23 Metern × 10 Metern. Daneben steht die Kapelle aus dem 14. Jahrhundert, in der sich spätere Einbauten und Fenster aus dem 17. Jahrhundert finden. An einem Ende des Wohntrakts befindet sich der bekannte “Forester’s-Horn”-Kamin, verziert mit dem Horn des Jagdaufsehers, einem Symbol für das Forstrecht und die Autorität der Burg. Die Gebäude enthalten auch ein Kellerverlies; Graffiti von 1671 zeigen, dass es zu dieser Zeit noch in Gebrauch war.

mini|links|Das Torhaus aus der Zeit Eduards I. Das Torhaus von St Briavels Castle beschreibt Nikolaus Pevsner in seinem Werk The Buildings of England als „(…) großartig (…) ein sehr schönes Beispiel königlicher Maurerarbeit aus dieser Zeit.“ Es handelt sich um ein massives Gebäude mit zwei großen D-förmigen Türmen, die eine breite und 14,8 Meter lange Torpassage flankieren. Sie sind oben durch einen großen Raum verbunden. Diese Art Torhaus wird oft wegen der massiven Größe der Verteidigungsanlagen innen und außen „Donjon-Torhaus“ oder „Torhaus-Donjon“ genannt. Das erste Torhaus dieser Art wurde auf Caerphilly Castle gebaut, weitere Exemplare finden sich in Nordwales und auf Tonbridge Castle. Einmalig am Torhaus von St Briavels Castle ist, dass es durch drei Fallgatter gesichert ist, auch wenn einige Torhäuser, wie z. B. auf Harlech Castle und auf Beaumaris Castle, mit Schlitzen für drei Fallgatter ausgerüstet wurden; es wurden jeweils nur zwei Fallgatter installiert. Bemerkenswert ist auch die Existenz kleinerer Fallgatter zur Verteidigung der Eingänge von der Passage zu den Portierslogen. Das Torhaus war ursprünglich höher als es heute ist und der Eingang war wohl mit einer Zugbrücke ausgestattet, die im 20. Jahrhundert entfernt wurde.

Die Fundamente des Torhauses sind durch große „Eckblätter“ vor Unterminierung geschützt. Dieses Konstruktionsdetail ist typisch für Burgen in den Welsh Marches, z. B. Goodrich Castle und Tonbridge Castle, aber anders als diese hat St Briavels Castle eine solide, achteckige Anordnung anstatt einer rechteckigen, was mit der Form der runden Türme korrespondiert. Das Torhaus ist gut geschützt mit Ausnahme der oberen Fenster auf der Rückseite. Die oberen Geschosse waren für hochgestellte Gäste gedacht und diese Fenster sorgten für adäquate Beleuchtung der Schlafgemächer. Die Südostseite des Torhauses ist aber relativ modern, da sie nach einem Einsturz in der Vergangenheit neu aufgebaut wurde.

Geschichte 11. und 12. Jahrhundert mini|Die achteckigen Eckblätter zur Verhinderung der Unterminierung St Briavels Castle scheint aus normannischer Zeit zu stammen, auch wenn der Ort selbst in früherer Zeit gegründet wurde. Die Gegend erhielt William FitzOsbern, der erste Earl of Hereford, 1067. Er ließ eine Reihe von Burgen in der gesamten Region bauen, z. B. Chepstow Castle, Monmouth Castle, Clifford Castle und Wigmore Castle. Es scheint aber, das FitzOsbern keine Burg auf dem Gelände in St Briavels errichten ließ, und die Revolte von FitzOsberns Sohn, Roger de Breteuil, führte zur Übernahme des Dorfes durch die königlichen Verwalter des Forest of Dean.

St Briavels Castle wurde irgendwann zwischen 1075 und 1129 auf königliches Geheiß hin gebaut, aber der genaue Bauzeitraum ist nicht bekannt. Walter de Gloucester, der Sheriff von Gloucester und sein Sohn, Miles de Gloucester, machten St Briavels Castle zum Verwaltungszentrum des Forest of Dean. Der Standort der Burg liegt weit hinter der englisch-walisischen Grenze, wo es vor der Invasion nur wenig walisische Präsenz gab. Daher scheint die Burg eher zum Zweck der königlichen Regentschaft denn zum Schutz der Welsh Marches nach Westen errichtet worden zu sein. Ähnliche Fälle im Südwesten Englands sind z. B. Restormel Castle und Lydford Castle in Devon und Cornwall, beide regionale königliche Verwaltungszentren. Eine andere Sichtweise geht davon aus, dass St Briavels Castle zusammen mit den königlichen Burgen Bristol Castle und Gloucester Castle zum Schutz des Ästuars des Severn im Süden gedacht war. Diese frühe Burg war eine Motte, deren Donjon vermutlich aus Holz war.

mini|links|Der berühmte „Forest-Horn“-Kamin auf St Briavels Castle Miles de Gloucester und sein Partner Pain FitzJohn verstärkten ihren Griff auf die walisische Grenze in den letzten Jahren der Regentschaft von Heinrich I., aber nach dem Tod des Königs 1135 glitt England in den Bürgerkrieg der Anarchie, da die Fraktionen von König Stephan und Kaiserin Matilda um die Kontrolle über das Land kämpften. Pain FitzJohn fiel schon früh in den Kämpfen, aber Miles de Gloucester bekannte sich zu Matilda und erlangte die Kontrolle über die Burg in eigenem Namen. 1141 bestätigte die Kaiserin Miles de Gloucester als Earl of Hereford und verlehnte ihm offiziell St Briavels Castle. Unter Miles de Gloucester entkam die Burg den schlimmsten Kämpfen der Anarchie. Miles‘ Sohn, Roger FitzMiles, behielt die Burg bis in die Regentschaft von Heinrich II., dem Sohn der Kaiserin. Aber eine Konfrontation mit dem neuen König sorgte dafür, dass ihm das Earldom aberkannt und die Burg wieder in königliches Eigentum überführt wurde, erneut als Teil des Forest of Dean. König Heinrich II. ließ in den 1160er-Jahren den hölzernen Donjon durch ein steinernes Exemplar ersetzen.

Die königlichen Wälder unterlagen im Frühmittelalter besonderer, königlicher Rechtsprechung; das Forstrecht war “schroff und willkürlich, einzig eine Frage des königlichen Willens”. Die Wälder sollten dem König Jagdgründe bieten und ihn mit Rohmaterial, Gütern und Geld versorgen. Im Forest of Dean konnte man jagen, aber er war für den König wegen der großen Ressourcen an Bäumen, die man zu Holzkohle verarbeiten konnte, und den Eisenlagerstätten im Kalkstein der Region noch wichtiger als größeres Zentrum für Metallverarbeitung. Die vor Ort gefertigten Güter aus Eisen wurden in der Burg gelagert, bevor sie zu anderen königlichen Liegenschaften transportiert wurden. Die gefertigten Mengen waren beträchtlich; 1172 z. B. erhielt Heinrich II. 100 Äxte, 1000 Pickel, 2000 Schaufeln und 60.000 Nägel von St Briavels Castle. König Richard Löwenherz nahm 50.000 Hufeisen von St Briavel mit sich auf den Kreuzzug. Der Konstabler von St Briavels Castle hatte eine große Zahl von Verantwortlichkeiten im Wald, z. B. die Verwaltung der Rechte und Privilegien der Metallarbeiter, was durch den Miners' Court und den Hundreds Court (dt.: Gericht der Bergleute und Gericht der Harde) auf der Burg gewährleistet wurde.

13. Jahrhundert mini|Die Innenseite des Torhauses von St Briavels Castle König Johann Ohneland jagte jedes Jahr im November im Forest of Dean und nutzte St Briavels Castle als Operationsbasis für diese Ausflüge. Der König bewirtete den walisischen Herrn Gruffyd ap Cadwallon 1207 auf der Burg. Dieses royale Interesse führte zu weiteren Bauarbeiten und wesentlichen Investitionen; für £ 291 wurde in den folgenden vier Jahren gebaut. Eine steinerne Kurtine ersetzte das frühere, hölzerne Exemplar zwischen 1209 und 1211, komplett mit Turm und Tor. Im Burghof wurden etliche Wohngebäude für den König errichtet. 1236–1237 wurde eine hölzerne Kapelle in der Burg gebaut. Der Ausbau der Burg wurde vermutlich durch die erhöhten Steuern auf die Metallarbeiten in der gesamten Gegend finanziert und zum Ende von Johann Regierungszeit war die Burg fast schon fertig ausgebaut.

1217 wurde die Carta de Foresta genehmigt, teilweise, um die schlimmsten Exzesse königlicher Rechtsprechung zu mildern. Das Forstrecht aber erlaubte es, eine große Zahl an Geldstrafen für örtliche Bauern zu verhängen, die zahlreiche Vorschriften brachen, sodass sowohl Wild als auch Bäume im Wald geschützt wurden. In den Gerichtsverhandlungen, die auf St Briavels Castle abgehalten wurden, wurden relativ viele Geldstrafen, sowohl für illegalen Holzeinschlag als auch für Wilderei verhängt. Die Burg diente bald danach auch als Gefängnis, zum Teil für Straftäter nach dem Forstrecht als auch für Leute, die ihre Geldstrafen nicht zahlen konnten.

Nach dem Tod von Johann Ohneland wurde St Briavels Castle das wichtigste Zentrum der englischen Bolzenproduktion. Die Armbrust war ein wichtiger militärischer Fortschritt gegenüber dem alten Pfeil und Bogen. In der Zeit König Richard Löwenherz‘ war sie die bevorzugte Waffe. Viele Armbrüste und noch mehr Bolzen wurden zur Versorgung der königlichen Truppen benötigt. Armbrüste wurden vorwiegend im Tower of London gefertigt, aber St Briavels Castle, wohin der umgebende Wald die Rohstoffe lieferte, wurde zum nationalen Zentrum für die Herstellung von Bolzen.