Döbern () ist eine amtsangehörige Stadt des Amtes Döbern-Land im Landkreis Spree-Neiße im Südosten von Brandenburg (Deutschland). Die Stadt führt seit Dezember 2013 den offiziellen Namenszusatz Glasmacherstadt.
Geografie mini|links|Döbern, Blick Forster Straße hinab Richtung Cottbus Lage Die Entfernungen zu den Mittelzentren Forst (Lausitz), Spremberg und Weißwasser betragen jeweils etwa 20 Kilometer, zum Oberzentrum Cottbus etwa 25 Kilometer.
Landschaft mini|links|Döbern und der Hohe Berg mit Radarturm Die Landschaft in und um Döbern ist leicht hügelig. Markanter Punkt ist der Hohe Berg, die mit 184 m höchste Erhebung der Gegend (dritthöchster Gipfel im Land Brandenburg). An seinen Nordausläufern entspringt die Malxe. Typisch für die Gegend um Döbern sind Kiefernwälder, in der Stadt selbst besteht ein umfangreicher Laubbaumbestand, welcher der Stadt ihr grünes Antlitz verleiht.
Geologische Besonderheit Die Gegend um die Stadt Döbern ist gekennzeichnet vom Muskauer Faltenbogen. Ein Gletscher formte durch gewaltigen Druck den deutlich erkennbaren Faltenbogen in Form eines Hufeisens, das sich in seiner Ausdehnung von Döbern über Weißwasser und Bad Muskau bis nach Trzebiel in Polen erstreckt. In seinem Bereich finden sich Sand-, Ton- und Kohleschichten. Sichtbar wird diese geologische Struktur durch Restseen der ehemaligen Braunkohlefördergebiete und durch so genannte Gieser (bis 50 m lange, 20 m tiefe sowie 30 m breite Geländefurchen, teils mit Wasser gefüllt), die sich hufeisenförmig über den gesamten Faltenbogen ziehen.
Klima In Döbern herrscht Kontinentalklima mit einer größeren Amplitude zwischen Sommer und Winter. Pro Jahr fallen etwa 550 mm Niederschlag, auch durch die Wirkung der Orographie (Einfluss von Erhebungen auf die Niederschlagsmenge, hier möglich durch den Muskauer Faltenbogen). Erheblichen Einfluss auf das regionale Klima haben auch umliegende Tagebaue. So wird durch großflächig vegetationsfreie Zonen eine besondere Thermik verursacht. Auch die Grundwasserabsenkung dieser Förderstellen bringt diverse Auswirkungen mit sich. Die Flutung der Lausitzer Seenlandschaft könnte über einen mittelfristigen Zeitraum eine neue Situation herbeiführen. Da es sich um eine große Fläche handelt, bleibt abzuwarten, wie das Gesamtklima sich verändert.
Stadtgliederung Zu Döbern gehören der Gemeindeteil Eichwege (Dubrawka) und die Wohnplätze Birkenhain (Brjazyna), Döberner Grenze (Derbnojska Granica) und Döberner Mühle (Derbnojski Młyn).
Geschichte mini|hochkant=0.7|Evangelische Christuskirche mini|hochkant=0.7|Katholische Kirche Corpus Christi Döbern, dessen Name vom altsorbischen Wort debṙ für Vertiefung oder Schlucht hergeleitet werden kann, liegt im äußersten Süden der Niederlausitz. Bei einer Befragung bezeichneten sich hier im Jahr 1850 noch 12 Prozent der 342 Einwohner als wendisch, 1867 kein einziger.
Nachdem das Königreich Böhmen im Prager Frieden das Markgraftum Niederlausitz 1635 an das Kurfürstentum Sachsen abgetreten hatte, wurde Döbern 1815 zusammen mit der Niederlausitz im Ergebnis des Wiener Kongresses zur preußischen Provinz Brandenburg geschlagen. Es lag von 1818 bis 1945 im Landkreis Sorau, dessen westlicher Rumpf bis 1952 von der kreisfreien Stadt Forst aus verwaltet wurde. Danach gehörte Döbern zum neugebildeten Kreis Forst im DDR-Bezirk Cottbus, der ab 1990 als Landkreis Forst im Land Brandenburg fortbestand und 1993 im Landkreis Spree-Neiße aufging.
Döbern erhielt mit Wirkung vom 3. Oktober 1969 Stadtrecht.
Sein Gründungsdatum aber bleibt ungewiss. Seit spätestens dem 15. Jahrhundert existiert Döbern als ein Vasallendorf der Herrschaft Forst, die bis 1667 im Besitz des Adelsgeschlechts der Bieberstein war und danach, ehe sie ganz unter sächsische Hoheit kam, an das Herzogtum Sachsen-Merseburg fiel.
Innerhalb einer langen Reihe adliger Besitzerfamilien erwarb im Jahr 1838 Johann Wilhelm August von Friedrich das Döberner Rittergut. Er ließ 1850 auf seinem Land eine Braunkohlengrube anlegen, eine der ersten in der Niederlausitz. Sie wurde schon 1852 wieder stillgelegt. Ebenfalls auf Gutsland wurde 1857 durch den neuen Besitzer Heinrich Bruhn die Grube Heinrich in Betrieb genommen, die bis 1870 arbeitete. Hinzu kam 1864 die bis 1934 betriebene und sehr ergiebige Providentia. Mit der immer größer werdenden Kohleproduktion, die vor allem in den Fabriken der umliegenden Städte abgesetzt wurde, hatte für das kleine, gärtnerisch geprägte Döbern, das zuvor nur eine Wassermühle, eine Ziegelei und eine Brauerei besaß, die Entwicklung zum Industrieort begonnen.
Das galt erst recht, als in unmittelbarer Nähe der Grube im Jahr 1867 die Tafelglashütte Gebrüder Hirsch ihre Arbeit aufnahm und 1882 die Glashüttenwerke Fettke & Ziegler gegründet wurden. Die Bevölkerungszahl von Döbern stieg stark an. Die Bebauung zu beiden Seiten der Chaussee nach Muskau, einige hundert Meter abseits der Dorfstelle gelegen, verdichtete sich weiter. Vor und nach der Jahrhundertwende folgten den ersten beiden Glasbetrieben zahlreiche andere, begünstigt durch den 1891 mit der Bahnstrecke Weißwasser–Forst vollzogenen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Es entstand eine Brikettfabrik. Um aufkommenden Absatzschwierigkeiten bei Tafelglas zu begegnen, begann die Produktion von Behälterglas eine größere Rolle zu spielen. Auch die Kristallschleiferei nahm zu.
Ein bedeutendes Unternehmen war ab den 1930er Jahren auch die Destillation des Johann Kocemba, die zahlreiche Likörsorten, Fruchtsäfte, Sirups und Limonaden herstellte und bis in die 1950er Jahre eine reichhaltige Produktpalette aufwies. Das aufgelöste Firmenarchiv mit Hunderten Etiketten von ca. 1930 bis 1960 wurde später bei Internetauktionen angeboten.
mini|Verwaltungsgebäude des VEB Glaswerk Döbern (ca. 1970) Kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die größten Glasunternehmen enteignet, weitere aus Döbern und Umgebung traf es dann in den 1950er Jahren. Für diese Betriebe, die den VEB Glashüttenwerk Döbern bildeten, errichtete man 1968 einen großen Hütten- und Verwaltungsneubau. In das Glashüttenwerk wurden 1972 auch noch die letzten privaten und halbstaatlichen Betriebe eingegliedert.
Döbern, das bis 1910 nach Groß Kölzig eingepfarrt war, erhielt 1908 eine eigene evangelische Kirche. Über die eigene Schule verfügte es bereits seit 1877. Die meist zugezogenen Einwohner katholischen Glaubens erhielten ihre Gemeindeschule 1902, ihre Kirche 1906.
Zur Stadt Döbern gehört seit 1974 die früher selbstständige Gemeinde Eichwege, die bis 1938 Dubraucke hieß und nach 1945 nicht mehr zurückbenannt wurde.
Döbern verfügt heute, von einigen Fabrikantenvillen und öffentlichen Gebäuden abgesehen, nur noch über eine bescheidene Zahl wertvoller baulicher Zeugnisse der Industrie- und Gemeindegeschichte. Das 1750 auf dem Gelände einer mutmaßlichen Wasserburg errichtete Gutshaus ist vernachlässigt, der Gutspark als solcher unkenntlich.
mini|Amtsverwaltung Döbern Verwaltungsgeschichte Döbern gehörte seit 1816 zum Kreis Sorau in der preußischen Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Forst im DDR-Bezirk Cottbus. Seit 1993 liegt die Stadt im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße.
Die Stadt Döbern hat keine eigene Verwaltung, sondern wird durch das Amt Döbern-Land verwaltet. Das Amt wurde mit Genehmigung des Innenministeriums des Landes Brandenburg am 31. Juli 1992 gebildet. Ihm gehörten anfänglich 14 Gemeinden an. Nach einer Gemeindegebietsreform reduzierte sich deren Gesamtanzahl durch Fusion auf acht. Diese Gemeinden bedienen sich der gemeinsamen Verwaltung, der Amtsverwaltung mit dem Sitz in Döbern und Hornow. Chef der Verwaltung ist der Amtsdirektor.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 462 1890 684 1910 3 419 1925 3 541 1933 3 862 1939 3 948 Jahr Einwohner 1946 3 738 1950 4 162 1964 4 459 1971 4 597 1981 5 072 1985 4 883 Jahr Einwohner 1990 4 672 1995 4 322 2000 4 118 2005 3 895 2010 3 618 2015 3 396 Jahr Einwohner 2020 3 166 2021 3 146 2022 3 110 2023 3 100 2024 3 066 2025 3 028 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Spree-Neiße. S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Döbern besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt regulär aus 16 Stadtverordneten und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 65,2 % (2019: 58,3 %) zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Ergebnis2014Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 im Land Brandenburg. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Potsdam 2014, S. 98. Abgerufen am 11. April 2025. Sitze2014 Ergebnis2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Ergebnis2024 Sitze2024 Listenvereinigung SPD, Wählergruppe Freunde des Sports, Wählergruppe St. Florian – – – – 49,8 % 8 Haus- und Wohnungseigentümerschutzvereinigung 12,0 % 2 21,2 % 3 27,1 % 4 Einzelbewerber Matthias Krumpa – – – – 14,2 % 1 Einzelbewerber Roy Hoffmann – – 5,5 % 1 8,9 % 1 SPD 17,1 % 2 39,6 % 5 – – AfD 8,3 % 1 17,4 % 1 – – Die Linke 17,8 % 3 9,5 % 2 – – Wählergruppe St. Florian 3,4 % – 6,8 % 1 – – CDU 25,2 % 3 – – – – FDP 16,3 % 3 – – – – Insgesamt 100 % 14 100 % 13 100 % 14
Nach der Wahl 2014 blieben zwei Sitze unbesetzt, da CDU und SPD jeweils einen Kandidaten weniger aufgestellt hatten, als ihnen Sitze zugestanden hätten. Nach der Wahl 2019 blieben drei Plätze unbesetzt, da die AfD nur einen und die SPD nur fünf Kandidaten zur Wahl gestellt hatte.
Bei der Wahl 2024 entsprachen die Stimmenanteile der beiden Einzelbewerber jeweils zwei Sitzen, daher blieben zunächst zwei Sitze in der Stadtverordnetenversammlung unbesetzt. Ein Stadtverordneter der Listenvereinigung SPD, Wählergruppe Freunde des Sports, Wählergruppe St. Florian verstarb im April 2026. Seitdem ist ein weiterer Sitz in der Stadtverordnetenversammlung nicht besetzt, da auf der Liste keine Nachrücker mehr vorhanden waren. Ende Juni 2026 legten zwei weitere Stadtverordnete der Listenvereinigung ihre Mandate nieder. Insgesamt sind seitdem fünf Sitze in der Stadtverordnetenversammlung unbesetzt.
Bürgermeister 1990–1994: Dieter Herrmann (CDU) 1994–2008: Eberhard Koch (FDP)Eberhard Koch: Meine Zeit als Kommunalpolitiker. Döbern 2020, S. 3. 2008–2026: Jörg Rakete (parteilos; bis 2025 SPD)Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Potsdam 2008, S. 11. Abgerufen am 14. Juni 2024. seit 2026: Frank Mader (parteilos)
Rakete wurde bei der Bürgermeisterstichwahl am 30. Juni 2024 als Kandidat einer Listenvereinigung aus SPD und den Wählergruppen Freunde des Sports und St. Florian mit 62,5 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf JahrenBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1) gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,3 %.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 30. Juni 2024. Wahlleiter des Landes Brandenburg, abgerufen am 1. Juli 2024. Im Jahr 2025 trat er aus der SPD aus. Jörg Rakete starb am 19. Mai 2026.Döberns Bürgermeister Jörg Rakete plötzlich gestorben. rbb24, 20. Mai 2026, abgerufen am 20. Mai 2026. Am 10. September 2026 wurde Frank Mader gemäß § 73 (2) von den Stadtverordneten für den Rest der noch bis 2029 laufenden Amtsperiode zum neuen Bürgermeister gewählt.Marcel Laggai: Frank Mader übernimmt nach Tod von Jörg Rakete. Lausitzer Rundschau, 12. September 2026, abgerufen am 13. September 2026.
Wappen Das Wappen wurde am 7. Juli 1993 genehmigt.