Der Rhein-Erft-Kreis (1975 bis 2003 Erftkreis) ist eine Gebietskörperschaft mit Einwohnern () im Westen von Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Köln. Er umfasst das dicht besiedelte Umland im Westen der Millionenstadt Köln sowie den dünner besiedelten Ostteil der Jülich-Zülpicher Börde zu beiden Seiten der namensgebenden Erft. Die Kreisstadt des Rhein-Erft-Kreises ist Bergheim, seine größte Stadt ist Kerpen. Der Kreis ist, gemessen an der Einwohnerzahl, der fünftgrößte Landkreis in Nordrhein-Westfalen und der neuntgrößte in Deutschland.
Geographie Naturraum Der Kreis hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 38 Kilometern und eine Ost-West-Ausdehnung von 28 Kilometern. Der höchste Punkt des Kreises befindet sich mit auf der Glessener Höhe östlich von Bergheim. Der nördliche Stommelerbusch, an der Pulheimer Stadtgrenze gegen Dormagen und Köln, verzeichnet eine Höhenlage von nur . Somit befindet sich dort der niedrigste Punkt des Kreisgebiets.
Der Kreis liegt im Zentrum der Kölner Bucht, direkt westlich von Köln. Er wird etwa mittig von Süd nach Nord von der Erft durchflossen. Mit der Stadt Wesseling hat der Kreis daneben auch einen kleinen Anteil am Rhein. Die Flusstäler der Erft und des Rheins werden im Kreisgebiet durch den Höhenzug der Ville voneinander getrennt. Große Teile des Kreisgebiets liegen im Rheinischen Braunkohlerevier. Der Braunkohleabbau hat die Landschaft vor allem entlang der Ville und im westlichen Teil des Kreises in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geprägt. Mit Ausnahme von Pulheim und Wesseling waren alle Kommunen von Umsiedlungen und Landschaftsveränderungen im Zuge des Braunkohleabbaus betroffen. Mit Hambach und Garzweiler sind noch zwei aktive Braunkohletagebaue teilweise im Kreisgebiet gelegen. Als letzter Ort im Kreisgebiet wird Kerpen-Manheim für den Tagebau Hambach abgebaggert werden. Durch den Aushub der Braunkohletagebaue und in den später rekultivierten Flächen entstanden zahlreiche künstliche Erhebungen und Seen, vor allem entlang der Ville.
Bewaldung mini|Die Erft in der Kreisstadt Bergheim
Der Rhein-Erft-Kreis zählt mit nur circa elf Prozent Waldanteil und einem Pro-Kopf-Anteil von circa 177 m² zu den waldärmsten Kreisen in Nordrhein-Westfalen. Der Landesdurchschnitt der bewaldeten Fläche von Nordrhein-Westfalen liegt bei circa 26 Prozent. Mit der beschlossenen Erweiterung des Braunkohletagebaus Hambach fielen nochmals circa 1300 Hektar Wald weg und der Waldanteil verringert sich damit weiter auf circa acht Prozent. Vor diesem Hintergrund wurde im Erftkreis ein Waldvermehrungsprogramm initiiert. Innerhalb von neun Pflanzperioden (1993/1994 bis 2001/2002) wurden bisher circa 150 Hektar neu aufgeforstet. Dies entspricht einer Neupflanzung von circa 750.000 heimischen Laubbäumen und Sträuchern. Die Städte Bedburg, Bergheim, Brühl, Erftstadt, Kerpen, Hürth, Pulheim und Wesseling unterstützen das Waldvermehrungsprogramm des Rhein-Erft-Kreises aktiv und haben, neben eigenen örtlichen Waldaktionen, bisher eine Fläche von gesamt etwa 40 Hektar für überregionale Aufforstungen bereitgestellt.
Nachbarkreise und Nachbarstädte An den Rhein-Erft-Kreis grenzen, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, der Rhein-Kreis Neuss, die kreisfreie Stadt Köln, der Rhein-Sieg-Kreis und die Kreise Euskirchen und Düren.
Kommunen und Siedlungsstruktur Der Rhein-Erft-Kreis besteht aus zehn Kommunen. Er ist einer von nur vier Kreisen in Nordrhein-Westfalen, in denen sämtliche Kommunen Stadtrechte besitzen (zuletzt verliehen an Elsdorf 2011). Einwohnerstärkste Stadt des Kreises ist Kerpen, die kleinste Stadt ist Elsdorf. In Bezug auf die Siedlungsstruktur lassen sich die Kommunen grob in eine östliche und eine westliche Hälfte unterteilen. Die Trennlinie entspricht im Wesentlichen der ehemaligen Grenze zwischen den Kommunen des alten Landkreises Köln im Osten und den Kommunen der alten Landkreise Bergheim bzw. Euskirchen im Westen.
Die vier im Südosten gelegenen Städte Frechen, Hürth, Brühl und Wesseling weisen eine vergleichsweise kleine Fläche mit einer sehr hohen Bevölkerungsdichte auf. Die einzelnen Ortsteile sind hier inzwischen oftmals zusammengewachsen, auch der Übergang zu den benachbarten Kölner Stadtteilen ist an einigen Stellen kaum wahrnehmbar. Die Stadtteile von Pulheim im Nordosten sind schon deutlicher voneinander abgegrenzt, dazwischen befinden sich größere landwirtschaftliche Flächen. Die Stadt weist aber immer noch eine Bevölkerungsdichte deutlich über dem Kreisdurchschnitt auf.
Die fünf westlichen Kommunen sind hingegen flächenmäßig deutlich größer und im Vergleich dadurch wesentlich dünner besiedelt. Die flächenmäßig größte Kommune Erftstadt weist beispielsweise eine fast fünfmal größere Fläche auf als Wesseling, welches wiederum eine fast viermal höhere Bevölkerungsdichte besitzt. Im Westteil des Kreises finden sich dementsprechend zwischen den einzelnen Orten große landwirtschaftliche Flächen oder rekultivierte Gebiete der ehemaligen Braunkohletagebaue.
Name Einwohner Fläche Einw./km² Status AGS Bedburg km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 362 004 Bergheim km² große kreisangehörige Stadt 05 362 008 Brühl km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 362 012 Elsdorf km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 362 016 Erftstadt km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 362 020 Frechen km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 362 024 Hürth km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 362 028 Kerpen km² große kreisangehörige Stadt 05 362 032 Pulheim km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 362 036 Wesseling km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 362 040 km² Rhein-Erft-Kreis 05 362 (Einwohnerzahlen vom )
mini|Bergheim Aachener Tor
Geschichte mini|Schloss Augustusburg, Brühl
Der Rhein-Erft-Kreis wurde im Rahmen der Kreisreform gemäß § 26 Köln-Gesetz am 1. Januar 1975 unter der Bezeichnung Erftkreis aus den ehemaligen Kreisen Bergheim (Erft) und Köln (außer den Köln zugeschlagenen Teilen) sowie der Stadt Erftstadt des Kreises Euskirchen neu gebildet. Es gab zunächst zwei Verwaltungssitze, nämlich Hürth und Bergheim. Seit dem 3. September 1993 sind diese zu einem einzigen Sitz in Bergheim zusammengefasst. Am 1. Juni 1976 kam zum Kreisgebiet noch die Stadt Wesseling hinzu, die aus der Stadt Köln wieder ausgegliedert werden musste. Durch diese Veränderung erhielt der Kreis Zugang zum Rhein, blieb jedoch weiterhin nur nach der weitaus weniger bedeutenden Erft benannt.
Nachdem der Kreistag die Umbenennung des Kreises in Rhein-Erft-Kreis beschlossen hatte, genehmigte das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen mit Wirkung vom 1. November 2003 den neuen Namen. Der Landrat nahm am 25. September 2003 die Urkunde zur Umbenennung entgegen. Der Kreis verspricht sich vom neuen Namen eine bessere internationale Vermarktung.
Einwohnerstatistik Jahr EinwohnerLandesdatenbank Nordrhein-Westfalen 1976 383.246 1980 399.322 1985 403.357 1990 419.414 1995 442.356 2000 455.487 2005 462.862 2010 464.130 2015 466.657 2020 469.611 400px|mini|Bevölkerungspyramide für den Rhein-Erft-Kreis (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Kreis Rhein-Erft-Kreis, Alter + Geschlecht.)
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 50,9 % der Einwohner römisch-katholisch, 17,1 % evangelisch, und 32,1 % waren konfessionslos oder gehörten einen anderen Glaubensgemeinschaft an.Rhein-Erft Kreis Religion -in %, Zensus 2011 Der Anteil der Protestanten und Katholiken am Gesamtbevölkerung ist seitdem mit 1 % jährlich gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren (2022) 41,2 % der Einwohner katholisch, 13,8 % evangelisch und 45,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 27. Juli 2024
Laut kirchliche Statistik waren Dezember 2022 waren von den Einwohnern 41,3 % katholisch. Ende Dezember 2023 waren von den Einwohnern 39,8 % katholisch. Das Erzbistum Köln in Zahlen, abgerufen am 20. August 2024 Ende Dezember 2024 waren von den Einwohnern 38,9 % (185.300) katholisch. Das Erzbistum Köln in Zahlen, abgerufen am 28. März 2025 Ende Dezember 2025 waren von den Einwohnern 37,5 % (179.350) Mitglied der katholische Kirche.Erzbistum Köln veröffentlicht Kirchenstatistik für 2025, abgerufen am 17. März 2026
Politik Kreistag Stimmenanteile der Parteien in Prozent Jahr CDU SPD GRÜNE FDP DIE LINKE. Pro NRW FW RhE PIRATEN AfD BSW Volt 1969 43,8 48,8 6,5 1975 44,5 47,9 7,0 1976 43,4 49,4 7,1 1979 45,9 47,7 6,4 1984 41,6 45,8 7,3 5,3 1989 35,1 47,3 6,4 6,8 1994 38,4 47,1 8,1 4,3 1999 49,7 38,7 6,3 5,1 2004 45,0 34,6 9,97 9,2 2009 41,6 28,1 11,4 9,7 3,7 2,6 2,1 2014 40,8 31,8 11,3 4,9 3,4 3,1 2,8 1,9 2020 38,0 24,7 18,6 5,2 3,2 – 3,4 1,5 5,4 2025https://www.wahlergebnisse.nrw/kommunalwahlen/2025/aktuell/a362000kw2500.shtml 37,2 20,9 13,3 3,5 4,4 – 2,2 1,0 14,7 1,9 0,8
Fußnoten
Landräte 1975–1983: Bernhard Worms, ehrenamtlicher Landrat 1983–1984: Willi Kaiser, ehrenamtlicher Landrat 1985–1995: Klaus Lennartz, ehrenamtlicher Landrat 1995–1999: Wolfgang Bell, erster hauptamtlicher Landrat 1999–2013: Werner Stump, erster direkt gewählter hauptamtlicher Landrat 2013–2020: Michael Kreuzberg seit 2020: Frank Rock
Oberkreisdirektoren Bis zum Jahr 1995 waren die Landräte ehrenamtlich. Die Verwaltung führte in dieser Zeit der Oberkreisdirektor. Mit der Übernahme der Verwaltungsaufgaben durch einen hauptamtlichen Landrat entfiel in Nordrhein-Westfalen das Amt des Oberkreisdirektors. 1975–1987: Helmuth Bentz 1987–1995: Wolfgang Bell, anschließend erster hauptamtlicher Landrat
Wirtschaft Im sogenannten „Zukunftsatlas“ von 2016 belegte der Rhein-Erft-Kreis Platz 193 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Orten mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko-Mix“ für die Zukunft. In der Ausgabe von 2019 lag er auf Platz 131 von 401.
mini|Der Tagebau Hambach vom Aussichtspunkt bei Elsdorf-Angelsdorf gesehen
Der Rhein-Erft-Kreis ist geprägt von Bodenschätzen, im Besonderen von der Braunkohle. Der Kreis liegt im Zentrum des Rheinischen Braunkohlereviers. Das Unternehmen RWE betreibt im Kreisgebiet (Bergheim-Niederaußem) eines der größten Braunkohlekraftwerke Europas. Auch die Landschaft der Region ist von den großen Tagebauen geprägt. Ganze Dörfer mussten den Baggern weichen.
Neben der Energiewirtschaft ist im Süden des Kreises die chemische Industrie stark vertreten, insbesondere die Petrochemie und die Polymerchemie. Bedeutende Betriebe finden sich in Hürth im Chemiepark Knapsack und in Wesseling, unter anderem mit der Raffinerie von Shell sowie der Olefinproduktion von LyondellBasell und dem Polymerwerk von Braskem. mini|Kraftwerk Niederaußem 2004
Gesundheitswesen In allen Städten, außer in Kerpen, Pulheim und Elsdorf, befinden sich Krankenhäuser der Grund- und erweiterten Versorgung. Die meisten Fachkliniken gibt es in Hürth, das Frechener St. Katharinenhospital ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität zu Köln und beheimatet beispielsweise die einzige neurologische Fachklinik im Kreis. Eine Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfegruppen im Rhein-Erft-Kreis gilt als Ansprechpartner für Suchende.
Verkehr Schienenverkehr mini|Der „Feurige Elias“ auf dem Brühler Markt um 1900 mini|Ein Zug der Erftbahn im Bahnhof Bergheim
Da der Kreis sich fast komplett um das linksrheinische Köln schließt, sind die Städte des Rhein-Erft-Kreises an die von Köln ausgehenden Eisenbahnstrecken angebunden:
Hürth und Brühl an die Strecken Köln–Bonn–Koblenz (linke Rheinstrecke), bzw. Köln–Euskirchen–Trier (Eifelstrecke) Frechen und Kerpen an die Strecke Köln–Horrem–Düren–Aachen (auch S-Bahn) Pulheim an die Strecke Köln–Grevenbroich–Mönchengladbach Erftstadt an die Strecke Köln–Euskirchen–Trier (Eifelstrecke) Bergheim an die Strecke (Köln–)Horrem–Bergheim–Bedburg(–Neuss) Bedburg an die Erftbahn und an die Bahnstrecke Düren–Neuss