Malta (Vollform: Republik Malta; amtlich und ; ) ist ein südeuropäischer Inselstaat im Mittelmeer zwischen Tunesien und Italien.
Die Republik Malta umfasst die Inseln des Maltesischen Archipels, nämlich die drei bewohnten Inseln Malta (etwa 246 Quadratkilometer einschließlich der Kleinstinsel Fort Manoel), Gozo (, etwa 67 Quadratkilometer) und Comino (, etwa drei Quadratkilometer), sowie die unbewohnten Kleinstinseln Cominotto (), Filfla, Saint Paul’s Islands (, auch genannt) und Fungus Rock (, auch ). Politisch gliedert sich die Hauptinsel Malta in zwei Regionen mit fünf Bezirken. Gozo und Comino bilden zusammen die dritte Region und den sechsten Bezirk. Bei den Römern hieß die heutige Stadt Mdina ; dieser Name geht wahrscheinlich auf die punische Bezeichnung für einen Zufluchtsort, malet, zurück, was auch der Ursprung des heutigen Namens der Insel sein dürfte.
Mit rund 539.607 Einwohnern (im Jahr 2024) auf 316 Quadratkilometern Fläche gilt Malta als der Staat mit der sechsthöchsten Bevölkerungsdichte weltweit. Der Großteil der Bevölkerung konzentriert sich auf die Hauptstadtregion Valletta, in der rund 394.000 Einwohner leben. Sowohl nach Einwohnerzahl als auch Fläche ist Malta etwa so groß wie die deutsche Stadt Bremen.
In der späten Jungsteinzeit wurden auf dem Archipel bedeutende Megalithtempel errichtet, deren Überreste zum UNESCO-Welterbe zählen. Die maltesische Kultur wurde geprägt von den mediterranen Großreichen, etwa der Karthager, Römer, Byzantiner und Araber, zu denen die Inselgruppe in der Antike und dem Mittelalter gehörte; in Religion und Brauchtum ist sie vor allem vom römisch-katholischen Süditalien beeinflusst, sprachlich vom Arabischen. Eine eigenständige Entwicklung erfuhr sie ab 1530 unter der Herrschaft des souveränen Malteserordens, dessen Malteserkreuz ein nationales Symbol des Inselstaates geworden ist. Ab 1814 britische Kolonie, erlangte Malta am 21. September 1964 die Unabhängigkeit. Am 1. Mai 2004 trat das Land der Europäischen Union bei, deren kleinster Mitgliedstaat es seither ist. Am 1. Januar 2008 führte Malta den Euro ein. Vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2017 hatte Malta erstmals die EU-Ratspräsidentschaft inne. 2018 war Valletta gemeinsam mit Leeuwarden (Niederlande) Kulturhauptstadt Europas.
Die Amtssprachen des Landes sind Maltesisch und Englisch; die Muttersprache der Malteser ist in der Regel das Maltesische, das auch als Nationalsprache Maltas gilt.
Geographie mini|hochkant|Küstenlinie während der letzten Eiszeit
Malta zählt mit einer Fläche von 316 Quadratkilometern zu den Zwergstaaten, ist etwas kleiner als die Stadt Bremen und knapp doppelt so groß wie das Fürstentum Liechtenstein. Die Maltesischen Inseln liegen 81 Kilometer südlich der Küste Siziliens, 350 Kilometer nördlich der libyschen Hafenstadt al-Chums, 150 Kilometer nordöstlich der italienischen Insel Lampedusa und ungefähr 285 Kilometer südöstlich der tunesischen Halbinsel Kap Bon. Malta ist neben Zypern das einzige Land der Europäischen Union, das gänzlich südlich des 37. Breitengrads liegt.
mini|links|Dingli Cliffs, höchster Punkt des Archipels mini|Satellitenbild von Gozo, Cominotto, Comino und Malta
Die Hauptinsel Malta ist 246 Quadratkilometer groß, gen Südosten ausgerichtet und erreicht eine maximale Länge von 28 Kilometern und eine maximale Breite von 13 Kilometern. Zwischen ihrem nordwestlichen Ende und der zweiten Hauptinsel des Archipels, Gozo (), erstreckt sich der 4,4 Kilometer weite Gozokanal, in dem die 2,7 Quadratkilometer große Insel Comino () und das unbewohnte Felseneiland Cominotto () liegen. Gozo, 67 Quadratkilometer groß, misst in Ost-West-Richtung 14,3 Kilometer in der Länge und bis zu 7,25 Kilometer in der Breite. Die weiteren – sämtlich unbewohnten – Inseln des Archipels sind das 4,4 Kilometer südlich der Insel Malta gelegene Filfla und die Saint Paul’s Islands () am nördlichen Ende der Saint Paul’s Bay, die 83 Meter vor der Küste liegen und tatsächlich miteinander verbunden sind, deren Landverbindung jedoch bei bewegter See überspült ist. Im Westen Gozos, an der Schwarzen Lagune nahe Dwejra Point, ragt der 60 Meter hohe Fungus Rock () aus dem Meer, ein großer Kalksteinfelsen. Manoel Island () im Marsamxett-Hafen zwischen Valletta und Sliema wird gemeinhin nicht mehr als Insel betrachtet, da es über einen künstlichen Damm mit dem Festland verbunden ist.
Das charakteristischste geographische Merkmal Maltas ist die Verschiedenheit seiner Küstenlinien, was sich besonders auf der Hauptinsel offenbart. Sind die Ost- und die Nordostseite von flachen Stränden und weiten Buchten wie der Marsaxlokk-Bucht, dem Marsamxett-Hafen, dem Grand Harbour, der Mellieħa-Bucht und der Saint Paul’s Bay geprägt, finden sich im Südwesten und Norden sehr scharf gezeichnete Küstenabschnitte mit Felsformationen und grottenähnlichen Einschnitten. Auf dieser Seite erhebt sich Malta schroff aus der See und bildet langgezogene Steilküsten, die an den Dingli Cliffs in Ta’ Dmejrek kulminieren, der mit 253 Metern höchsten Erhebung des Archipels. Weitere Karsthöhenzüge finden sich im Nordwesten: Mellieħa Ridge, Bajda Ridge und der bis zu 122 Meter hohe Marfa Ridge. Die höchsten Erhebungen Gozos messen 127 Meter.
Aufgrund der extremen Wasserarmut (siehe Abschnitt Wasserversorgung) existieren auf Malta, Gozo und Comino keine dauerhaft Wasser führenden Flüsse. Nach starken Niederschlägen im Winter können sich einige ausgetrocknete Bachbetten zeitweise mit Regenwasser füllen. Diese zumeist kleinen Rinnsale laufen in engen Felsentälern, den Wieds (siehe auch Wadi), zusammen, in denen sie sich eine Zeitlang halten. Der längste zeitweilige Bachlauf findet sich im Ghasri Valley () und fließt an der Nordküste Gozos in eine fjordähnliche Meeresbucht ab. Der einzige größere See des Archipels ist künstlich angelegt und befindet sich innerhalb der Għadira Nature Reserve auf der Landenge vor Marfa Ridge knapp zwei Kilometer nordwestlich von Mellieħa. Er ist 350 Meter lang und 220 Meter breit und weist zahlreiche Binneninseln auf.
Geologie Allgemeine Darstellung mini|Sedimentgesteine Die geologische Geschichte Maltas beginnt in der Periode des Paläogens, als zwischen Südsizilien und Nordafrika eine Landbrücke bestand, die das frühe Mittelmeer in zwei Becken teilte. Nachdem der steigende Meeresspiegel diese überflutet hatte, lagerten sich am Ort des heutigen Archipels vor rund 60 Millionen Jahren Sedimente aus Korallen- und Muschelkalk ab. Im Lauf der Erdzeitalter folgten Ablagerungen von Globigerinenkalk und blauem Ton und im Oligozän Sandstein und eine weitere koralline Schicht. Im Pliozän schließlich erhoben sich die Inseln langsam aus dem Meer. Während der Würm-Kaltzeit bildete sich durch den sinkenden Wasserspiegel erneut die Landbrücke heraus, wurde aber mit dem Ende der Eiszeit vor gut 13.000 Jahren endgültig unterbrochen. Die maltesischen Inseln liegen in der Zone zwischen den eurasischen und afrikanischen tektonischen Platten, jedoch galt Malta jahrhundertelang als Insel Nordafrikas.
mini|hochkant|Kalkstein mini|links|In Steinbrüchen – wie hier nahe dem Fungus Rock auf Gozo – wird Globigerinenkalk als einzige natürliche Ressource Maltas abgebaut Nach dem Auftauchen der Inseln neigte sich die Oberfläche der Hauptinsel auf Grund des noch instabilen Sockels im Lauf mehrerer Jahrhunderte gen Nordosten, so dass die südwestliche Küste angehoben wurde und sich die Steilkanten mit den Dingli Cliffs herausbildeten. Malta ist von mehreren tektonischen Verwerfungen durchzogen, die im globalen Vergleich zwar klein erscheinen, das geologische Relief der Inseln jedoch prägen. Zwei Grabensysteme sind dominierend: Die ältere Great Fault (Große Verwerfung), die sich in vielen einzelnen Abschnitten über fünf Kilometer von der südwestlichen Küste gen Nordosten erstreckt sowie die jüngere Magħlaq Fault. Diese verläuft von Nordwesten nach Südosten und sorgte unter anderem für die Herausbildung des Plateaus auf der Malta vorgelagerten kleinen Insel Filfla.
Sedimente, die sich auf den maltesischen Inseln finden lassen, sind der blaue Ton, der Globigerinenkalk (unterteilbar in oberen, mittleren und unteren) sowie der obere Grünsand, eine Abteilung der Kreideformation. Oberer Grünsand ist sehr tonig und sandig, reich an Chlorit, seine oberen Schichten sind kreideähnlich und können in chloristische Kreide übergehen. Auf Gozo gibt es eine Mischung aus diesen unterschiedlichen Bodenbestandteilen, auf Malta dagegen ist die Grenze klarer gezogen. Der Nordwesten wird von korallinem Kalkstein und Grünsand, der überwiegende andere Inselteil jedoch von Globigerinenkalk dominiert. Dieses beige Naturmaterial stellt Maltas einzige natürliche Ressource dar und wird von der Bevölkerung intensiv abgebaut und genutzt.
Küstenerosion Küstenerosion ist ein natürliches Phänomen, das weltweit an Meeren befindliche Staaten beeinflusst. Bislang gibt es allerdings noch keine publizierte Studie, die die Rate und die Risiken von Küstenerosion auf Malta thematisiert.
Auf Malta spielen die Effekte der Verwerfung und unterschiedliche Erosionstypen eine Rolle. Erosion formt, gestaltet und entwickelt dabei die Küstenlinien der Inseln. Im Nordosten der Insel gibt es eine leicht geneigte Felsenküste, während im Südosten und im Westen eine steile, kliff-dominierte Küstenlinie vorherrscht.
Auf den Inseln lassen sich unterschiedliche durch Erosion entstandene Formationen finden. Beim unteren Korallenkalkstein spülen Wellen Einschnitte oder Ebenen an den meist unter dem Meeresspiegel liegenden Fuß der Klippen. An der Globigerina-Kalk-Küste entstehen glatte und leicht geneigte Ebenen, während dort Buchten entstehen, wo Ton und Mergel schnell erodiert wurden, wie Xrobb l-Għaġin oder Peter’s Pool. Schutthalden an Land und im Wasser entstehen da, wo die Erosion des Blautons den oberen Korallenkalkstein untergräbt und so die typische Küstenlinie formt. Beispiele hierfür sind Għajn Tuffieħa, Qammieħ und San Blas. Außerdem gibt es auf Malta Karstlandformationen.
Das weltberühmte Azure Window auf Gozo, ein durch Erosion entstandenes Felsentor, stürzte am 8. März 2017 während eines Sturms ein.
Zudem sättigt das Regenwasser nach Starkregenereignissen den Ton, der dadurch plastisch werden und Murenabgänge hervorrufen kann.
Die Küstenerosion auf Malta beschleunigt sich durch eine Verknüpfung aus natürlichen Prozessen und anthropogenen Einflüssen. Ein Grund hierfür kann eine Destabilisierung des Untergrundes bei Infrastrukturbaumaßnahmen sein, was sich an der Küstenstraße entlang von Baħar iċ-Ċagħaq zeigt. Ein weiterer Grund, der die Küstenerosion beschleunigt, ist der Bau von Hotelgebäuden an der Küste, wie Għajn Tuffieħa und Golden Bay zeigen. Auf Malta ist dabei ein Großteil der wirtschaftlichen Aktivität und der Infrastruktur küstennah gelegen, was exakte Planung benötigt, da die Ausweichmöglichkeiten für Alternativbebauungen auf einer Insel dieser Größe gering sind.
Zum Schutz der Küste wendet die Regierung Maltas dabei im 21. Jahrhundert die Do Nothing-Strategie nach der Einteilung Doodys (2004) zum Management von Küstenerosion an. Dies bedeutet, dass keinerlei Maßnahmen zum Küstenschutz eingeleitet werden und es kein explizites Küstenlinienmanagement gibt, obwohl 11 der 14 Ministerien direkt in die Regulation des Küstengebietes eingebunden sind. Das einzige offizielle Dokument mit einem Bezug zum Küstenlinienmanagement ist der Structure Plan, der aber nur die Entwicklung an der Küste regulieren soll.
In der Praxis bestehen einige zwischenbehördliche Netzwerke, und es gibt Kooperationen mit den Naturschutzorganisationen Nature Trust Malta und The Gaia Foundation. Diese hat mit einem zuständigen Ministerium einen Vertrag zur Verwaltung einiger Küstengebiete geschlossen, die dem europaweiten Natura 2000 Netzwerk angehören und von der Naturschutzorganisation betreut werden.
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