Der Landkreis Marburg-Biedenkopf liegt im Regierungsbezirk Gießen in Mittelhessen. Er ist geprägt durch eine Mittelgebirgslandschaft mit großen Wäldern und dem Fluss Lahn, der den Kreis von Westen nach Südosten durchzieht.
Zentrum des Landkreises und dessen einziges Oberzentrum ist die Universitätsstadt Marburg mit rund 78.000 Einwohnern. Weitere wichtige Städte (Mittelzentren) sind die ehemalige Kreisstadt Biedenkopf und Gladenbach, die beide im Westen des Kreises, im Hessischen Hinterland liegen, sowie Kirchhain und der Wirtschaftsstandort Stadtallendorf im Ostkreis (Altkreis Kirchhain).
Der Landkreis Marburg-Biedenkopf wurde am 1. Juli 2024 50 Jahre alt.Jahrbuch 2024 des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Hrsg. Kreisausschuss des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Wetzlar 2023, ISBN 978-3-9818485-6-4, ISSN 0938-8060, S. 203–229
Geographie Lage Der Landkreis liegt im Norden des Regierungsbezirks Gießen. Kreisstadt ist das Oberzentrum Marburg. Das Kreisgebiet ist in seiner größten West-Ost-Ausdehnung etwa 76 Kilometer breit, in Nord-Süd-Richtung etwa 36 Kilometer.
Höchster Berg ist mit 674 m die Sackpfeife im äußersten (Nord-)Westen bei Biedenkopf. Höchster Punkt ist dabei die Spitze des 210 m hohen Funkmastes des Senders Biedenkopf, was addiert mit der Höhenlage des Standortes eine Höhe von 868 m ergibt.
Niedrigster Punkt mit etwa 168 m ist die Lahnaue zwischen Fronhausen und Sichertshausen im Süden des Kreises an der Grenze zum Landkreis Gießen.
Flächennutzung Die Fläche des Landkreises lässt sich folgendermaßen aufgliedern. 14,3 % oder 17.996 ha sind Siedlungs- und Verkehrsflächen, 55.489 ha oder 43,9 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt. Die Waldfläche beträgt 51.582 ha oder 40,9 %, 1.189 ha oder 0,9 % sind Gewässer.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an die Landkreise Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder-Kreis, Vogelsbergkreis, Gießen und Lahn-Dill-Kreis (alle in Hessen) sowie an den Kreis Siegen-Wittgenstein (in Nordrhein-Westfalen).
Naturräumliche Gliederung
mini|links|Lahnaue mit kleineren Renaturierungsflächen Das Kreisgebiet liegt an der Nahtstelle dreier Mittelgebirgs-Großlandschaften. Eine in Nord-Süd-Richtung verlaufende Talsenke, die sich vom Norden des Landkreises über die Wetschaft-Senke (Münchhausen, Wetter, Lahntal) zieht, nach dem Überqueren des Lahn-Oberlaufes in die Elnhausen-Michelbacher Senke (westliche Marburger Ortsteile) übergeht und schließlich im Süden des Kreisgebietes (Weimar und Fronhausen) das Gießener Becken und damit wieder das Tal der Lahn trifft und darin seine Verlängerung findet, trennt die Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges im Westen von den Landschaften des Westhessisches Berg- und Senkenlandes (Haupteinheitengruppe 34) im Osten.
Das Obere Lahntal westlich Sterzhausens wiederum teilt in Ost-West-Richtung die Rheinischen Schiefergebirgs-Ausläufer in die des Rothaargebirges (Haupteinheitengruppe 33 – Süderbergland) im Nordwesten und die des (naturräumlichen) Westerwaldes (32) im Westen und Südwesten des Kreisgebietes.
Die bis 674 m hohen Ausläufer des Rothaargebirges (Sackpfeife nebst Vorhöhen) nehmen im Nordwesten nur kleinere Teile des Landkreises ein.
mini|Blick aus Süd-Ost über die Bottenhorner Hochflächen, i.M. 490 m ü. NN, hinter Bottenhorn der Fernsehturm Angelburg Das naturräumlich zum Westerwald gezählte, im Landkreis bis 578 m hohe Gladenbacher Bergland nimmt demgegenüber fast die gesamte westliche Hälfte des Kreises ein. Während der Nordosten vom Kuppenland der Damshäuser Kuppen um den 498 m hohen Rimberg geprägt ist, wird der Westen vom (knapp jenseits der Kreisgrenze) an der Angelburg bis 609 m hohen Plateau der Bottenhorner Hochflächen (eine der ältesten Landoberflächen des Rheinischen Schiefergebirges) dominiert, das nach Norden in den Breidenbacher Grund allmählich zum Lahntal hin abflacht und nach Süden in den etwas weniger hohen Zollbuche-Höhenzug (bis 487 m) übergeht. Das letztgenannte Teilgebirge wird nach Osten hin umrahmt vom reliefarmen Hügelland des Salzbödetals, das nach Osten bis an die Lahn reicht.
In der zum Westhessischen Bergland gezählten Osthälfte des Landkreises werden in den größtenteils aus Buntsandstein bestehenden Rücken nur Höhen von um 400 m bei einer Reliefenergie von etwa 200 m erreicht. Hierzu gehören neben den das Lahntal bei Marburg begrenzenden Höhenzügen von Marburger Rücken und Lahnbergen auch der Burgwald im Norden, die Oberhessische Schwelle mit dem Neustädter Sattel im Osten und das basalthaltige Lumda-Plateau im Süden.
Alle genannten Höhenzüge (bis auf den Marburger Rücken) rahmen im Uhrzeigersinn die große und gänzlich unbewaldete Talsenke des Amöneburger Beckens mit dem markanten Basaltkegel der Amöneburg als einziger nennenswerter Erhebung ein.
Berge
Die als Ausflugsziele und Aussichtspunkte wichtigsten Berge des Landkreises sind die 674 m hohe Sackpfeife in den Rothaargebirgs-Ausläufern nördlich von Biedenkopf, der 498 m hohe Rimberg im Kuppenland nahe Dautphetal-Damshausen, die 538,7 m hohe Scheid (1 km östlich von Bottenhorn), das zur Zollbuche (Naturraum) zählende 498 m hohe Schönscheid südwestlich von Bad Endbach, die 454 m hohe Koppe an der östlichen Zollbuche bei Gladenbach-Erdhausen, der 387 m hohe Christenberg und Burg Mellnau im westlichen Burgwald unweit Wetters, der 380 m hohe Burgholz nördlich Kirchhains an der Oberhessischen Schwelle, die 365 m hohe, im Amöneburger Becken singuläre Amöneburg sowie der 380 m hohe Ortenberg mit dem Spiegelslustturm und der 370 m hohe Frauenberg auf den Lahnbergen nah Marburg.
Gewässer mini|Die Lahn nach einem Wintereinbruch im Jahr 2015 Von den vielen Gewässern des Landkreises ist die Lahn mit einer Gesamtlänge von 242 km das mit Abstand größte Gewässer. Sie durchfließt den Kreis von Westen her bis etwa zur Mitte des Kreisgebietes, um sich bei Marburg nach Süden zu wenden und bei Sichertshausen das Kreisgebiet zu verlassen. Fast alle weiteren Gewässer fließen in die Lahn und gehören damit zum Rheineinzugsgebiet.
Eine Ausnahme bildet der durch den Neustädter Sattel abgetrennte nordöstlichste Teil. Der Neustädter Sattel gehört zur Rhein-Weser-Wasserscheide, weswegen die jenseits befindlichen Orte des Landkreises – welches genau die Ortsteile von Neustadt sind – zum Wesereinzugsgebiet gehören. Einziger erwähnenswerter Fluss ist hierbei die Wiera, die von links in die Schwalm, den wichtigsten Nebenfluss der Eder, mündet.
Im Nordwesten des Kreisgebietes in der Nähe der Sackpfeife bildet die Wasserscheide zur Eder genau die Kreisgrenze, im Norden an der Wetschaft-Senke verläuft die Wasserscheide grenznah, jedoch ausschließlich jenseitig. Im Westen verläuft die Kreisgrenze entlang der Wasserscheide zwischen Lahn und Dill und damit größtenteils der historischen Grenze zwischen dem ehemaligen Herzogtum Nassau und dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt folgend.
Folgende Flüsse und Bäche aus dem Flusssystem der Lahn sind für das Kreisgebiet von Bedeutung: Name Zufluss-seite Länge[km] Einzugs-gebiet[km²] Mündungs-höhe[m. ü. NN] Neben-flüsse WichtigeflussnaheStraßen Gemeinden Lahn entfällt 242 5964 s. u. B 62, B 3 Biedenkopf, Dautphetal, Lahntal, Marburg, Weimar, Fronhausen Perf rechts 19,95 113,13 285 Gansbach,Diete B 253 (über Diete und Perf) Bad Endbach, Steffenberg, Breidenbach, Biedenkopf;Gansbach: + Angelburg Dautphe rechts 8,8 41,81 245 B 453 Dautphetal Wetschaft links 29,0 196,21 192 Treisbach B 252 Münchhausen, Wetter, LahntalTreisbach: + nordöstliche Ortsteile Biedenkopfs Ohm links 59,0 984 188 Klein,Wohra B 62 (über Klein und Ohm),Landesstraße L3073 Kirchhain-Homberg,Wohra: Landesstraße L3073 Kirchhain-Gemünden Stadtallendorf, Amöneburg, Kirchhain, Cölbe;Wohra: + Wohratal, Rauschenberg Allna rechts 19,1 92,02 172 Ohe Gladenbach, Weimar, Marburg Wenkbach rechts 7,2 20,77 168 -/- Weimar Zwester Ohm links 20,0 69 167 Landesstraße L3048 Kirchhain-Fronhausen Ebsdorfergrund, Fronhausen Salzböde rechts 27,6 137,85 154Vers B 255 (nur kurzes Stück)Landesstraße L3048 (Gladenbach-Fronhausen) Bad Endbach, Gladenbach, Lohra, Fronhausen
Zwischen Kirchhain und Marburg bietet das Rückhaltebecken des größten Lahn-Zuflusses Ohm der Stadt Marburg bisher zuverlässigen Hochwasserschutz, im Westen hält der Perfstausee bei Biedenkopf bei Bedarf größere Wassermassen zurück. Zusätzlich sind im Bereich der oberen Lahn zum Beispiel zwischen Lahntal-Caldern und Lahntal-Sterzhausen im Rahmen eines Forschungsprojektes Maßnahmen zur Renaturierung und zum vorbeugenden Hochwasserschutz umgesetzt worden.
Klima Die Jahresmittel der Niederschläge betragen im Raum Marburg etwa 600–700 mm, im gebirgigeren Westteil des Landkreises 850–1000 mm.Umweltatlas Hessen. In: Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie 2005, [1. Februar 2006]
Geschichte
Mittelalter – Neuzeit Das heutige Kreisgebiet gehörte im Laufe der Geschichte überwiegend zur Landgrafschaft Hessen, einige Gebiete auch zum erzbischöflichen Kurfürstentum Mainz. Bei der hessischen Landesteilung 1648 (Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel → Hessenkrieg) wurde das Gebiet schließlich aufgeteilt: der Raum Marburg kam zu Hessen-Kassel, das Hessische Hinterland (die Ämter Battenberg, Blankenstein, Biedenkopf, Hatzfeld und Vöhl) zu Hessen-Darmstadt. Das kurmainzische Amöneburg kam erst 1803 zu Hessen-Kassel.
1821 bildete das Kurfürstentum Hessen-Kassel die Landkreise Marburg und Kirchhain. Im Großherzogtum Hessen (Darmstadt) entstanden die Landratsbezirke Battenberg (mit Biedenkopf) und Gladenbach, welche 1832 zum Landkreis Biedenkopf vereinigt wurden. Im Jahr 1866 annektierte Preußen das Kurfürstentum Hessen und das Herzogtum Nassau, die es zur Provinz Hessen-Nassau zusammenschloss. Gleichzeitig erhielt Preußen vom Großherzogtum Hessen den Landkreis Biedenkopf, so dass alle drei Landkreise Bestandteil der Provinz Hessen-Nassau wurden. 1929 schied die Stadt Marburg in den GrenzenWas die Grenzen angeht, ist jedoch zu beachten, dass die Gemarkungsgrenze zwischen Marburg und Bauerbach anders als die heutige Stadtteilgrenze verlief, sodass das heute nominell zur Kernstadt gehörige Gebiet der Lahnberge teilweise noch zu Bauerbach gehörte (bis 1964). der heutigen Kernstadt (jedoch noch ohne Ockershausen, welches am 1. Januar 1931 eingemeindet wurde) aus dem Landkreis Marburg aus und wurde kreisfrei. Drei Jahre später, 1932, wurde der Kreis Kirchhain mit dem Kreis Marburg vereinigt, ferner wurde der Kreis Biedenkopf neu gegliedert. Er verlor rund 40 % seines Gebietes an den Landkreis Frankenberg und an den Kreis Wetzlar der gleichzeitig von der Rheinprovinz in die Provinz Hessen-Nassau umgegliedert wurde.
Entstehung Im Rahmen der hessischen Gebietsreform wurden am 1. Juli 1974 die beiden Landkreise Marburg und Biedenkopf (ungefähr deckungsgleich mit dem Hessischen Hinterland) zusammen mit der kreisfreien Stadt Marburg zum neuen „Landkreis Marburg-Biedenkopf“ vereinigt. Die Stadt Marburg wurde dabei, um ihre 18 (äußeren) Stadtteile vergrößert, eine der sieben Sonderstatusstädte in Hessen.
Folgende Änderungen der Kreiszugehörigkeiten wurden dabei, von der Fusion abgesehen, vorgenommen: Aus der Gemeinde Schiffelbach im Altkreis Marburg war bereits am 1. Januar 1974 ein Stadtteil von Gemünden (Wohra) im Landkreis Waldeck-Frankenberg geworden.Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Frankenberg und Waldeck vom 28. September 1973 GVBl. I S. 359 Die Gemeinden Roth und Simmersbach aus dem Altkreis Biedenkopf wurden in die Gemeinde Eschenburg im Dillkreis ausgegliedert, welcher 1977 dann aufgelöst in den Lahn-Dill-Kreis überging. Die fünf Teilgemeinden der Großgemeinde Bischoffen wechselten in den Landkreis Wetzlar, der 1977 ebenfalls aufgelöst in den Lahn-Dill-Kreis überging. Die für nur wenige Jahre zur Gemeinde Braunstein zusammengefassten Orte Nordeck und Winnen wurden Ortsteile der Stadt Allendorf (Lumda) im Landkreis Gießen.