Der Main-Taunus-Kreis ist eine Gebietskörperschaft mit Einwohnern () im Regierungsbezirk Darmstadt in Hessen. Der Landkreis liegt im Kern des Rhein-Main-Gebietes und ist der flächenkleinste sowie der am zweitdichtesten besiedelte Landkreis Deutschlands. Der Main-Taunus-Kreis befindet sich im westlichen Vorortbereich von Frankfurt am Main, östlich der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden und nordöstlich der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz. Kreisstadt ist seit 1987 die bevölkerungsreichste Stadt Hofheim am Taunus. Vor 1987 befand sich der Sitz der Kreisverwaltung in Frankfurt-Höchst, welches bis 1928 Kreisstadt des Vorgängerkreises Höchst am Main war.

Bekannt ist der Main-Taunus-Kreis für seine als allgemein wohlhabend geltende Bevölkerung und für Immobilien mit gehobenem Mietniveau. Der Main-Taunus-Kreis weist für das Jahr 2021 den fünfthöchsten Kaufkraftindex aller deutschen Land- und Stadtkreise auf. 2020 betrug der Kaufkraftindex 129,9 des Bundesdurchschnitts. Die Städte Bad Soden am Taunus (170,3) und Kelkheim (Taunus) (140,4) weisen die höchsten Pro-Kopf-Einkommen im Main-Taunus-Kreis auf und nehmen mit einigen benachbarten Gemeinden des Hochtaunuskreises bundesweit Spitzenplätze ein.

Geographie Lage mini|links|Blick vom Staufen über Kelkheim sowie dahinter Liederbach, Bad Soden, Sulzbach und Eschborn bis Frankfurt. mini|links|Vordertaunuslandschaft mit Blick auf den Hohen Taunus mini|links|Der Eichkopf bei Kelkheim-Ruppertshain im Bildmittelgrund ist mit die höchste Erhebung des Main-Taunus-Kreises. Dahinter Altkönig, Großer Feldberg und Glaskopf (von rechts) im angrenzenden Hochtaunuskreis. mini|links|Blick von Südwesten auf Atzelberg und Eppenhain, mit 423 Metern der höchstgelegene Ort des Kreises, sowie rechts die Rossert-Nebenkuppe Hainkopf mini|300px|Städte und Gemeinden des Main-Taunus-Kreises

Das Kreisgebiet erstreckt sich vom Main (rund ) bis hinauf zum Hohen Taunus. Der höchste Berg des Kreises ist der hohe Eichkopf bei Kelkheim-Ruppertshain. Bis zur Gebietsreform in Hessen 1972 gehörte der höchste Berg des Taunus, der hohe Große Feldberg zum Kreisgebiet.

Weitere markante Berge im Kreis sind Rossert (), Atzelberg (), Staufen (, mit den Aussichtspunkten Kaisertempel und Großer Mannstein), Spitzeberg () und Judenkopf ().

Außer den bewaldeten Taunusbergen prägen Streuobstwiesen, Bachauen und einige landwirtschaftlich genutzte Flächen den unbebauten Teil der Landschaft, Siedlungsflächen und Verkehrswege dominieren jedoch im größten Teil des Kreises das Landschaftsbild. Nichtsdestotrotz befinden sich im Main-Taunus-Kreis zahlreiche Naturschutzgebiete. (Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete im Main-Taunus-Kreis)

Die meisten Kreisgemeinden zählen naturräumlich entweder zum Vordertaunus oder dem Main-Taunusvorland. Ausnahmen sind die drei Städte am Main, die Teil der Untermainebene sind, sowie Eppenhain, Ruppertshain und Ehlhalten, die bereits dem Hohen Taunus zugehören.

Vor allem der östliche Teil des Kreises ist für einen Landkreis extrem dicht besiedelt und gehört zum suburbanen (Vorort-)Bereich der Stadtregion Frankfurt. Es gibt in Deutschland nur wenige ähnlich großstädtisch geprägte Landkreise, etwa die Kreise Recklinghausen, Mettmann und Ennepe-Ruhr im Raum Rhein-Ruhr, den Landkreis München oder den Landkreis Offenbach südlich von Frankfurt. Mit über tausend Einwohnern pro Quadratkilometer ist der Main-Taunus-Kreis der Landkreis mit der zweithöchsten Bevölkerungsdichte in der Bundesrepublik.

Bemerkenswerte Parallelen ergibt ein Vergleich des Main-Taunus-Kreises mit der benachbarten Landeshauptstadt Wiesbaden. Er hat etwas mehr an Fläche und etwas weniger an Einwohnern, und die Bevölkerungsdichte des Kreises ist etwas geringer als in Wiesbaden.

Aufgrund seiner überwiegend der bürgerlichen Mittelschicht angehörenden Bevölkerung gehört der Main-Taunus-Kreis zu den wohlhabendsten Regionen der Bundesrepublik und nimmt, je nach Indikator und Jahr, gelegentlich den bundesweiten Spitzenplatz ein. Die höchste Kaufkraft im Main-Taunus-Kreis besitzen die Bewohner in Bad Soden.

Eppstein, Hofheim, Flörsheim und Hochheim sind alte Städte mit gut erhaltenen Altstadtkernen. Die ergiebigen Böden sorgten auch in vorindustrieller Zeit bereits für ein relativ hohes Niveau an Wohlstand und Bevölkerungsdichte, wovon alte Dorfkerne, Kirchen und Höfe Zeugnis ablegen.

Nachbarkreise Der Main-Taunus-Kreis grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an den ähnlich strukturierten Hochtaunuskreis, an die kreisfreie Stadt Frankfurt am Main, an den industriell geprägten Kreis Groß-Gerau, an die kreisfreie Landeshauptstadt Wiesbaden und an den Rheingau-Taunus-Kreis.

Geschichte mini|Das ehemalige Kreishaus in Frankfurt-Höchst mini|Burg Eppstein mini|Hofgut Retters in Kelkheim mini|Das Hundertwasserhaus in Bad Soden

Das Kreisgebiet gehörte im Mittelalter teilweise zu Eppstein, teilweise zu Kurmainz, seit 1803 zu Nassau-Usingen und seit 1806 zum Herzogtum Nassau und seit der preußischen Annexion 1866 zur Provinz Hessen-Nassau. Die Gemeinden zwischen Wiesbaden und Frankfurt wurden dabei – unter Beibehaltung der vorhandenen Einteilung in die Ämter Hochheim, Höchst, Idstein und Königstein – zunächst dem Mainkreis mit Sitz in Wiesbaden zugeordnet (Ämter Hochheim und Höchst), die Gemeinden im Amt Königstein dem Obertaunuskreis und das Amt Idstein dem Untertaunuskreis.

Mit Inkrafttreten einer neuen hessen-nassauischen Landkreisordnung zum 1. April 1886 wurde die Provinz in neue, kleinere Kreise eingeteilt und die Ämter aufgelöst. Anstelle des Mainkreises entstanden deshalb die Landkreise Höchst und Wiesbaden.

Durch das Bevölkerungswachstum der Städte Frankfurt und Wiesbaden und ihres Umlandes wurde zum 1. April 1928 eine kommunale Neugliederung der Region notwendig. Etliche Gemeinden der Landkreise Höchst und Wiesbaden, darunter die Stadt Höchst, wurden in die benachbarten Großstädte eingegliedert. Beide Landkreise verloren den größten Teil ihrer Einwohner. Die verbleibenden Gemeinden beider Kreise sowie einige Gemeinden aus den Kreisen Obertaunus, Usingen und Untertaunus wurden zu einem neuen Landkreis mit dem Namen Main-Taunus-Kreis zusammengeschlossen.Preußische Gesetzsammlung. 1928, Nr. 10 (31 März): § 4, Gesetz über die Erweiterung des Stadtkreises Frankfurt a. M. und die Neueinteilung von Landkreisen im Regierungsbezirk Wiesbaden vom 29. März 1928

Der Kreis umfasste bei seiner Gründung 49 Städte und Gemeinden. Die Zahl sank 1938 durch Eingemeindungen nach Kelkheim und Hofheim auf 46. Auf einer Karte des Main-Taunus-Kreises aus dem Jahr 1951 sind die sechs Städte und die 40 Landgemeinden mit Einwohnerzahl nachgewiesen.Heimat-Karte für den MTK aus 1951

1945 wechselte das Kreisgebiet erneut die Landeszugehörigkeit und wurde Teil des Landes Hessen.

Bei der Gebietsreform in Hessen zwischen 1972 und 1977 wurde der Kreis sowohl an seinen Außengrenzen als auch in seiner Gemeindegliederung stark verändert.

Zum 31. Dezember 1971, dem letzten Termin der von der Landesregierung durch erhöhte Schlüsselzuweisungen geförderten „Freiwilligkeitsphase“, ließen sich neun Kreisgemeinden an die Städte Hofheim, Flörsheim, Hattersheim und Eschborn anschließen. Durch Fusion von jeweils zwei Nachbardörfern entstanden außerdem die drei neuen Gemeinden Reifenberg (aus Niederreifenberg und Oberreifenberg), Liederbach am Taunus (aus Oberliederbach und Niederhofheim) sowie Rossert (aus Eppenhain und Ruppertshain).

Die Gemeinden, die zu einem freiwilligen Zusammenschluss nicht bereit waren, wurden zum 1. Januar 1977 durch ein Landesgesetz benachbarten Städten zugeteilt. Dies betraf zehn alte Gemeinden sowie die erst fünf Jahre alte Gemeinde Rossert, die mit rund 2500 Einwohnern die geforderte Mindestgröße nicht erreichte. Die während der Beratungsphase als fest beschlossenen Eingemeindungen von Sulzbach nach Bad Soden und von Kriftel nach Hofheim wurden, unter bis heute nicht eindeutig geklärten Umständen, kurz vor dem Landtagsbeschluss aus dem Gesetzentwurf gestrichen. Die Vertreter der beiden Gemeinden hatten sich zuvor vehement für den Erhalt ihrer Eigenständigkeit eingesetzt.

Der Kreis wurde außerdem 1972 und 1977 verkleinert, indem er Gemeinden an Nachbarkreise und die kreisfreie Stadt Wiesbaden abgab: Am 1. August 1972 wechselte die Gemeinde Glashütten, in die gleichzeitig die Gemeinde Schloßborn eingegliedert wurde, in den Hochtaunuskreis. Die Gemeinde Reifenberg schied ebenfalls aus dem Kreis aus und wurde nach Schmitten im Hochtaunuskreis eingemeindet. Am 1. Januar 1977 wechselte die Gemeinde Niedernhausen in den neuen Rheingau-Taunus-Kreis. Die Gemeinden Auringen, Breckenheim, Delkenheim, Medenbach, Naurod und Nordenstadt wurden in die kreisfreie Stadt Wiesbaden eingegliedert.

Seit dem Abschluss der Gebietsreform hat der Main-Taunus-Kreis zwölf Kommunen, davon neun Städte. Kreisstadt und Verwaltungssitz war ab 1928 der Frankfurter Stadtteil Höchst. Mit Wirkung vom 1. Januar 1980 wurde Hofheim am Taunus durch Gesetz zum Sitz der Kreisverwaltung bestimmt, doch wurde diese erst 1987 mit der Fertigstellung des neuen Kreishauses nach Hofheim verlegt.

Im Februar 2004 thematisierte der damalige Landrat Jürgen Banzer (CDU) des benachbarten Hochtaunuskreises eine mögliche Fusion des Hochtaunuskreises mit dem ähnlich strukturierten Main-Taunus-Kreis. Mit einer Zusammenlegung beider Landkreise könnten Einsparungen von 18 bis 20 Millionen Euro jährlich erzielt werden.

Der Landkreis Main-Taunus rief am 9. Oktober 2015 wegen der kurzfristigen Aufnahme von bis zu tausend Flüchtlingen den Katastrophenfall aus. Nach Angaben von Landrat Michael Cyriax war es das erste Mal seit dem Jahr 1945, dass im Kreis der Katastrophenfall festgestellt wurde. Nach Meinung des hessischen Innenministeriums war dieser Schritt nicht nötig, dem Kreis ständen auch ohne die Ausrufung alle Mittel des Landes zur Verfügung.

Einwohnerstatistik mini|400px|Einwohnerentwicklung des Main-Taunus-Kreis von 1933 bis 2016 400px|mini|Bevölkerungspyramide für den Main-Taunus-Kreis (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Main-Taunus-Kreis, Alter + Geschlecht)

Die Bevölkerung im Main-Taunus-Kreis stammt aus 154 Nationen. Rund 2300 Koreaner leben im Kreisgebiet und bilden die größte koreanische Gemeinde Deutschlands.

Jahr Einwohner Quelle 1933 67.415 1939 71.235 1950 100.234 1960 124.500 1970 187.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972. 1980 201.200 1990 206.400 2000 220.264 Hessisches Statistisches Landesamt 2010 227.425 2015 230.868 2018 237.265 Hessisches Statistisches Landesamt; im Webarchiv.

Konfessionsstatistik Die Zahl der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder ist gesunken, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt mittlerweile unter 50 %. Ende 2020 lebten im Main-Taunus-Kreis zirka 26 % (63.063) Katholiken und 23 % (ca. 55.000) Protestanten.Barbara Schmidt: Kirchen: Mitgliederschwund durch Tod und Austritt. Frankfurter Neue Presse, 27. Juli 2021. Abgerufen am 24. Februar 2025. 51 % der Einwohner waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Laut Zensus 2022 waren 20,6 % der Einwohner evangelisch, 24,7 % römisch-katholisch und 54,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensusdatenbank, Code: 1000A-1018, Personen: Religion - Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022) - Navigationshilfe in der Datenbank: wähle „Anpassen“ - wähle „anderes Merkmal auswählen“: Landkreise u. krsfr. Städte (Stand 15.05.22) - wähle „Anwenden“: Trefferzeile „(400/400)“ anklicken: hessische Treffer auf Seite 2 der Trefferliste - Anwende-Häkchen auf die gewünschten Treffer eingrenzen - wähle „Anwenden“

Politik Haushalt Der Main-Taunus-Kreis weist im Haushaltsjahr 2026 Erträge (Einnahmen) in Höhe von 658,809 Millionen Euro vor. Dem stehen Aufwendungen (Ausgaben) in Höhe von 673,439 Millionen Euro gegenüber. Der Landkreis hat 452,793 Millionen Euro Schulden.