Der Kreis Steinburg ist eine Gebietskörperschaft mit Einwohnern () im Land Schleswig-Holstein. Er gehört zur Metropolregion Hamburg. Verwaltungssitz des Kreises ist die Stadt Itzehoe.

Geographie Der Kreis Steinburg grenzt im Norden an den Kreis Rendsburg-Eckernförde, im Osten an den Kreis Segeberg, im Südosten an den Kreis Pinneberg, im Südwesten an die Elbe und das Land Niedersachsen (mit dem Landkreis Stade) und im Westen an den Nord-Ostsee-Kanal, die Grenze zum Kreis Dithmarschen. Die höchste Erhebung im Kreis ist die Itzespitze mit . Weitere Erhebungen sind der Moränenkamm bei Itzehoe mit einer Höhe von und die Münsterdorfer Geestinsel mit einer Höhe von .

Im Kreisgebiet liegt in der Wilstermarsch bei Neuendorf-Sachsenbande zudem die tiefste Landstelle Deutschlands ().

Landschaft Bestimmende Landschaftselemente sind die Marsch in einem 10 bis 15 Kilometer breiten Streifen im Südwesten entlang der Elbe und die durch Moränen geprägte wellige und waldreiche Geest, hier besonders die Heide-Itzehoer Geest. Im Nordosten beginnt der Naturpark Aukrug. Die Stör, der drittlängste Fluss Schleswig-Holsteins, fließt durch den Kreis Steinburg und mündet dort in die Elbe.

Geschichte Der Name Steinburg rührt von der 1307 zum ersten Mal urkundlich erwähnten, von den holsteinischen Grafen errichteten Schutz- und Trutzburg, der Steinburg her, die bis ins 17. Jahrhundert Sitz des Vogtes, der dieses Amt als erbliches Lehen innehatte, und somit Verwaltungssitz des Amtes Steinburg war. Die Vögte Steinburgs, die im eigenen Interesse ihre Stellung weiter ausbauten, gerieten jedoch zunehmend in Konflikt mit den gräflichen Landesherren. Nach dem Abbruch der Burg ca. 1630 wurde das Amt Steinburg dann zunächst von Glückstadt und sodann von Itzehoe aus verwaltet.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Steinburg zwar mehrfach mit Einquartierungen belegt und geplündert, größere Zerstörungen blieben jedoch meist aus. 1657 im Dänisch-Schwedischen Krieg (1657 bis 1658) kam es indessen zu großen Brandschatzungen durch schwedische Soldaten.

In den napoleonischen Kriegen war Steinburg nur indirekt durch Transit und Einquartierungen sowie finanzielle Belastungen betroffen. Ab 1807 wurde Itzehoe jedoch kurzzeitig die Residenz des vor Napoléon ins Exil geflohenen Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel.

Vor der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, an der ein großer Teil der Einwohner Steinburgs für die deutsch-gesinnte Schleswig-Holsteinische-Bewegung Partei nahm, tagte von 1835 bis 1848 und später erneut von 1852 bis 1863 in Itzehoe die Holsteinische Ständeversammlung und begründete hierdurch die Geschichte des Parlamentarismus in Schleswig-Holstein. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg fiel das Herzogtum Holstein und somit auch Steinburg zunächst an Österreich, dessen Statthalter Ludwig Karl Wilhelm von Gablenz am 11. Juni 1866 die holsteinische Ständeversammlung schließlich ein letztes Mal zusammen rief. Eine Tagung wurde jedoch durch die Begleiterscheinungen des Deutsch-Deutschen Krieges verhindert. Nach Ende des Krieges annektierte Preußen das Herzogtum Holstein.

Durch die „Verordnung, betreffend die Organisation der Kreis- und Distriktbehörden, sowie die Kreisvertretung in der Provinz Schleswig-Holstein“ vom 22. September 1867PrGS 1867, S. 1587 u. 1598 wurden das Amt Steinburg, die Städte Itzehoe, Wilster, Crempe und Glückstadt sowie zahlreiche weitere Ortschaften zum Kreis Steinburg zusammengeschlossen. Die Grenzfestlegung von 1867 hatte bis zur Verabschiedung des zweiten Gesetzes über die Neuordnung von Gemeinde- und Kreisgrenzen sowie Gerichtsbezirken vom 23. Dezember 1969 Bestand.

NS-Zeit Bereits bei der Parteigründung der schleswig-holsteinischen NSDAP im März 1925 in Neumünster gehörte der Kreis Steinburg zu den am stärksten repräsentierten Regionen: Von insgesamt 27 Gründungsmitgliedern stammten fünf aus dem Kreisgebiet. Der Gauleiter (1925–1945) und Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein (1933–1945), Hinrich Lohse, gebürtig aus Mühlenbarbek im Kreis Steinburg, stellte die Bauern und die Landwirtschaft in den Mittelpunkt seiner Politik.Der Aufstieg der NSDAP und des Nationalsozialismus im Kreis Steinburg, Steinburger Geschichte; aufgerufen: 31. März 2024. Bei der Reichstagswahl im Mai 1928 gewann die NSDAP bereits über 10 % der Stimmen im Kreis Steinburg, während ihr Gesamtergebnis für Schleswig-Holstein lediglich bei 4,1 % lag. Im Jahr 1930 gab es 34 Ortsgruppen der Partei im Kreisgebiet mit mindestens 2.000 Mitgliedern, so bspw. in den Städten Itzehoe (1930: 280 Mitglieder), Kellinghusen (1930: 150 Mitglieder) und Krempe (1930: 90 Mitglieder) sowie in den Dörfern Mühlenbarbek (1929: 35 bis 40 Mitglieder), Wewelsfleth (1930: 80 Mitglieder) und Hennstedt (1930: 90 bis 100 Mitglieder).Der Aufstieg der NSDAP und des Nationalsozialismus im Kreis Steinburg, Steinburger Geschichte.

Nach der Machtergreifung 1933 wurden die Verbände der gewerblichen Wirtschaft, des Handwerks und des Handels im Zuge der Gleichschaltung beseitigt und die Selbstverwaltung der Wirtschaft damit abgeschafft. Die erzwungene und freiwillige Anpassung ermöglichte der NSDAP auch im Kreis Steinburg eine nahezu vollständige Kontrolle aller gesellschaftlichen Bereiche.

Die ersten Zwangsarbeiter erreichten Schleswig-Holstein bereits kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939. In Itzehoe gab es mehrere Zwangsarbeitslager. Viele dieser Männern und Frauen sind zwischen 1941 und 1945 im Kreis Steinburg verstorben. Sie kamen aus Italien, Lettland, Litauen, Polen, der Ukraine, Russland und Ungarn. Ein Gedenkstein auf dem Brunnenfriedhof in Itzehoe erinnert an ihre Namen.Zwangsarbeit im Kreis Steinburg - Das Beispiel Natalia Karpowa; abgerufen: 31. März 2024

Gleichzeitig war der Kreis Steinburg von 1933 bis 1945 Schauplatz für die Ausgrenzung und Vertreibung zahlreicher Menschen, die vom NS-Regime entweder als „jüdisch“ oder politisch missliebig verfolgt oder aus anderen Gründen aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen wurden. Viele der als Juden verfolgten Bürger des Kreises wurden zum Opfer des Holocaust, so auch die Familie Rieder, die in Itzehoe seit 1923 ein Schuhgeschäft betrieben hatten. Sie kamen 1944 in das Ghetto Uschhorod (Ukraine) und wurden anschließend ins KZ Auschwitz deportiert und ermordet.Der Kreis Steinburg in der NS-Zeit, Steinburger Geschichte; aufgerufen: 31. März 2024. Allein in Itzehoe wurden vier jüdische Kaufmannsfamilien ins Exil vertrieben oder in das KZ Auschwitz deportiert. Elf Stolpersteine, die 2006 verlegt wurden, erinnern an das Verfolgungsschicksal dieser NS-Opfer. Von den Spuren des Zweiten Weltkrieges zeugen auch die Sowjetischen Kriegsgräberstätten im Kreis Steinburg.

Nachkriegszeit Mit Wirkung vom 26. April 1970 wurden die Gemeinden Aasbüttel, Agethorst, Besdorf, Bokelrehm, Bokhorst, Gribbohm, Holstenniendorf, Nienbüttel, Nutteln, Oldenborstel, Puls, Schenefeld, Siezbüttel, Vaale, Vaalermoor, Wacken und Warringholz des aufgelösten Kreises Rendsburg in den Kreis Steinburg eingegliedert und dem Amt Schenefeld zugeordnet. Hierdurch wuchs das Kreisgebiet um rd. 120 km² auf die heutige Größe.

Kontroverse um den Neubau der Kreisverwaltung Die Kreisverwaltung ist in verschiedenen Gebäuden in Itzehoe untergebracht, unter anderem in drei benachbarten Häusern in der Viktoriastraße: im ehemaligen Bahnhofshotel, im Bollhardt’schen Gebäude und im ehemaligen Landratsamt. Der Kreis plante einen Abriss und einen Neubau moderner Gebäude an dieser Stelle. Lediglich das denkmalgeschützte Landratsamt sollte bestehen bleiben.

Im ersten Bürgerentscheid des Kreises wurde dies 2014 verhindert.Kreishaus-fassade : Bürgerentscheid erfolgreich, shz.de, Norddeutsche Rundschau, 6. Juli 2014. Die Fassaden und Dächer der Viktoriastraße wurde im Sommer 2016 vom Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein als Gesamtheit unter Denkmalschutz gestellt.Denkmalschutz in der Viktoriastraße, steinburg.de, abgerufen am 21. August 2018 Im Juni 2017 reichte der Kreis Steinburg Klage gegen den Denkmalschutz ein.Kreishaus-Neubau: Klage gegen Denkmalschutz, shz.de, Norddeutsche Rundschau, 9. Juni 2017. Im April 2018 stimmte der Kreistag dem Erhalt der Fassaden zu.Kreishaus-Fassaden bleiben erhalten, shz.de, Norddeutsche Rundschau, 6. April 2018.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung nach jeweiligem Kreisgebiet (blau) und aktuellem Gebietsstand (rot) von 1871 bis 2016 nach nebenstehenden Tabellen

Jeweiliges Kreisgebiet Jahr Einwohner Quelle 1890 67.439 1900 78.836 1910 83.108 1925 81.422 1939 82.999 1946 161.300 Volkszählung 1946 1950 156.045 Jahr Einwohner Quelle 1960 122.300 1970 131.800 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 128.900 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 128.600 2000 136.027 Statistikamt Nord 2010 132.897

mini|400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Steinburg (Datenquelle: Zensus 2011)

Heutiger Gebietsstand Die Einwohnerzahlen bis 1970 beziehen sich auf den Gebietsstand am 27. Mai 1970.

Datum Einwohner 1. Dez. 1871 64.706 1. Dez. 1885 66.033 2. Dez. 1895 77.111 1. Dez. 1905 84.576 16. Juni 1925 86.711 17. Mai 1939 91.078 13. Sept. 1950 165.255 Datum Einwohner 6. Juni 1961 128.507 27. Mai 1970 131.836 25. Mai 1987 125.620 30. Juni 2002 136.784 31. Dez. 2007 134.664 31. Dez. 2012 130.135 31. Dez. 2016 131.875 Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren 58,8 % der Einwohner evangelisch, 4,2 % römisch-katholisch und 37,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Ergebnisse Zensus 2011 Bevölkerung kompakt Personen Religion, abgerufen am 23. Juni 2024 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 % gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren 46,2 % der Einwohner evangelisch, 3,9 % römisch-katholisch und 49,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion)

Politik Kreistag

mini|hochkant=0.9|Kreishaus des Kreises Steinburg in Itzehoe, Viktoriastraße (Foto 2011)

Partei Prozent 2003 Prozent 2008 Mandate 2008 Prozent 2013 Mandate 2013 Prozent 2018 Mandate 2018 CDU 54,5 % 43,9 % 24 40,1 % 18 39,3 % 22 SPD 27,7 % 25,0 % 13 27,7 % 13 21,2 % 12 Grüne 8,2 % 9,4 % 5 11,4 % 5 14,3 % 8 FDP 5,5 % 9,3 % 5 5,6 % 3 7,4 % 4 AfD – – – – – 6,1 % 3 Linke – 6,1 % 3 2,0 % 1 3,9 % 2 Piraten – – – 2,7 % 1 – – Bürgerliste Steinburg (BLS) – – – 5,5 % 2 2,0 % 1 Freie Wähler (FW) – – – 2,6 % 1 2,0 % 1 WählerInitiative Steinburg (WISt) 4,1 % 5,4 % 2 2,4 % 1 1,7 % 1 Blasberg, Gerhard – – – – – 0,8 % 0 Dr. Hansen, Siegfried – – – – – 0,8 % 0 Frauen für Steinburg – – – – – 0,6 % 0 Demokraten – 0,8 – – – – – Gesamt 100 % 100 % 52 100 % 45 100 % 54 Wahlbeteiligung k. A. 49,8 % 49,6 % 49,3 %

Nach der Kommunalwahl 2018 bilden die Kreistagsmitglieder von Freie Wähler und BLS eine gemeinsame Fraktion. Das Kreistagsmitglied der WISt bleibt als einziges fraktionslos.

Landräte

1868–1889: Ernst Christian von Harbou 1889–1891: Ferdinand Berg 1891–1903: Franz Karl Konstantin Hermann Jungé 1903–1904: Konrad von Rittberg 1904–1923: Reinhard Pahlke 1923–1932: Konrad Göppert 1932–1936: Wilhelm Ide 1936–1945: Friedrich Karl von Lamprecht 1945–1946: Adolf Rohde 1946–1946: Carl Stein 1946–1947: Wilhelm Käber, (SPD) 1947–1948: Willi Steinhörster, (SPD) 1948–1950: Adolf Rohde 1950–1954: Georg Pahlke 1955–1972: Peter Matthiessen (CDU) 1972–1982: Helmut Brümmer 1982–2009: Burghard Rocke, (CDU) 2009–2010: Heinz Seppmann, (CDU) 2010–2012: Jens Kullik, (parteilos) (abgewählt am 14. Mai 2012)Steinburgs Landrat abgewählt 2012–2013: Heinz Seppmann (CDU) (als ehrenamtlicher Stellvertreter des abgewählten Landrates Kullik) 2013–2021: Torsten Wendt (parteilos) (abberufen am 29. April 2021)Torsten Wendt ist nicht mehr Landrat 2021–2022: Heinz Seppmann (CDU) (kommissarisch) seit 10/2022: Claudius Teske (parteilos)