mini|hochkant=1.3|Ehemaliges Stammesgebiet der Absarokee und heutiges Reservat in Montana
Die Crow, in ihrer Sprache Apsáalooke bzw. Absarokee oder Absaroka („Kinder des langschnäbeligen Vogels“), sind ein Volksstamm der Indianer Nordamerikas, deren Vorfahren zusammen mit den sprachlich und kulturell verwandten Hidatsa einst im Gebiet der westlichen Großen Seen lebten, bevor sie Mitte des 15. Jahrhunderts westwärts zogen.
Zwischen 1600 und 1700 ließen sich die späteren Hidatsa als halbsesshafte Ackerbauern in North Dakota nieder, während die späteren Apsáalooke / Absarokee als nomadische Jäger und Sammler westwärts auf die Nördlichen Plains im Gebiet des Yellowstone Rivers, Powder Rivers sowie des Upper Missouri Rivers im heutigen Wyoming, Montana sowie North Dakota zogen.
Heute zählen sie ca. 12.000 Stammesmitglieder und bilden den auf Bundesebene anerkannten Stamm (sog. federally recognized tribe) Crow Tribe of Montana. Sie nennen sich jedoch heute selbst Crow Nation oder Apsáalooke Nation.
Name und Sprache Die Eigenbezeichnung als Apsáalooke, Absarokee, Absaroka, Upsaroka, Absaraka (und weiteren Schreibvarianten) bezog sich in ihrer Sprache auf einen krähenähnlichen Vogel, der bereits vor dem ersten Kontakt zu weißen Pelztierjägern ausgestorben war. Daher wurden sie von den Franzosen als Corbeaux und von den Briten und später Amerikanern als Crow bezeichnet. Im Deutschen wurden sie früher auch Krähen-Indianer genannt (z. B. bei Karl May). Untereinander bezeichnen sich die einzelnen Stammesangehörigen auch einfach als Bíilukaa / Biiluuke („Unser Volk“, „Unsere Seite“).
Ihre Sprache, das Crow oder Apsáalooke aliláau („Sprache der Apsáalooke“), bildet zusammen mit der Sprache der Hidatsa das Missouri River Sioux (auch: Crow-Hidatsa), eine der vier geographischen Untergruppen der „Westlichen Sioux (Eigentlichen Sioux)-Sprachen“ der Sioux-Sprachfamilie, jedoch sind beide untereinander meist nicht verständlich.
Geschichte Stammesgebiet mini|Apsarokakrieger auf seinem Pferd Linguistische Ähnlichkeiten mit den Hidatsa sowie mündliche Überlieferungen lassen vermuten, dass sich die Absarokee von diesen abgespalten haben, vermutlich nach einem Disput zweier Häuptlinge. Linguisten datieren die Abspaltung etwa auf das 16. Jahrhundert, Historiker eher auf das 17. oder 18. Jahrhundert.
Im 18. Jahrhundert wanderten die Absarokee aus dem nordöstlichen Waldland ins Einzugsgebiet des Yellowstone Rivers (E-chee-dick-karsh-ah-shay – ‘Elk River’ – ‘Wapiti-Fluss’) auf den Nördlichen Plains im Süden und Südosten von Montana und im Norden von Wyoming. Die im nordöstlichen Waldland noch sesshaften Ackerbauern nahmen im Westen sehr schnell die Lebensweise der nomadischen Prärie-Indianer als Jäger und Sammler an und gingen auf Bisonjagd.
Nach der Verbreitung des Pferdes in den Nördlichen Plains ab ca. 1740 wurden verschiedene östliche und nördliche Stämme mobil und drängten immer mehr auf die Plains, auf der Suche nach Wild und noch mehr Pferden. Da besonders die Absarokee, Hidatsa, Östliche und Nördliche Shoshone als Pferdehändler (und teilweise Pferdezüchter) berühmt waren und daher über große Pferdeherden verfügten, brachte sie dies in Konflikt mit benachbarten Stämmen wie der Blackfoot-Konföderation, der Cree-Konföderation (Nehiyaw-Pwat), den Pawnee, den Ute und den Lakota sowie deren Verbündeten, den Arapaho und Cheyenne.
Ihre größten Feinde waren jedoch die Stämme der Blackfoot-Konföderation (Siksika, Kainai, Piegan, Gros Ventre, Sarcee) sowie später die Lakota-Cheyenne-Arapaho-Allianz; daher zählten zu ihren Verbündeten (manchmal Feinden) die Plains-Stämme der Cree-Konföderation (Nehiyaw-Pwat) (Plains Cree, Saulteaux (Plains Ojibwa), Stoney), die Kiowa und Kiowa Apache (Plains Apache) sowie die aus Westen auf die Plains zur Bisonjagd vordringenden Plateau-Stämme der Flathead (Salish), Nez Percé, Cayuse, Palus, Umatilla und Walla Walla sowie die Nördliche und Östliche Shoshone.
Ihr Stammesgebiet umfasste das Gebiet des heutigen Yellowstone-Nationalparks sowie den Oberlauf des Yellowstone Rivers im Westen, im Norden streiften sie bis zum Musselshell River und dessen Mündung in den Missouri River, dann südöstlich bis zum Zusammenfluss des Yellowstone und des Powder Rivers (Bilap chashee / Bilápchaashe – ‚Pulver-Fluss‘ oder ‚Asche-Fluss‘), südwärts entlang des South Fork of the Powder Rivers, im Südosten bis zu den Rattlesnake Mountains, westwärts bis zur Wind River Range im Südwesten. Zudem die Flusstäler des Judith River (Buluhpa'ashe – 'Plum River'), Powder River, Tongue River, Bighorn River und Wind River sowie die Big Horn Mountains (Basawaxaawúua oder Iisiaxpúatachee Isawaxaawúua), Pryor Mountains (Baahpuuo Isawaxaawúua), Wolf Mountains (Cheetiish – ‘Wolf Teeth Mountains’) und die nach ihnen benannte Absaroka Range (auch: Absalaga Mountains) (Awaxaawe Báaxxioo / Awaxaawé Báaxxio – ‘spitzes Gebirge’).Rodney Frey: The World of the Crow Indians: As Driftwood Lodges. University of Oklahoma Press, 2009, ISBN 978-0-8061-2560-2.
Um die Kontrolle über ihr späteres Stammesgebiet zu erlangen, verbündeten sich die Absarokee mit lokalen Kiowa und Kiowa Apache (Plains Apache),Peter Nabokov, Lawrence L. Lowendorf: Restoring a History. University of Oklahoma Press, 2004, ISBN 0-8061-3589-1.Timeline of historic events from 1400 to 2003 by Chief Historian of Little Bighorn Battlefield National Monument, John Doerner bekämpften die zu diesem Zeitpunkt die Plains dominierenden Nördlichen und Östlichen Shoshone (Bikkaashe – ‚People of the Grass Lodges‘ – ‚Volk, das in Grashütten lebt‘)Phenocia Bauerle: The Way of the Warrior: Stories of the Crow People, University of Nebraska Press, ISBN 978-0-8032-6230-0. und vertrieben diese in die Rocky Mountains sowie in die Randgebiete der Plains nach Westen und Südwesten.
Die Absarokee blockierten hierauf den Zugang der Shoshone zu den Weidegründen der Bisons und Mustangs, so dass viele einst berittene Shoshone-Gruppen wieder zu ihrer vormaligen nomadischen, pferdelosen Jäger- und Sammler-Kultur des Great Basin zurückkehrten. Die Kiowa und Kiowa Apache (Plains Apache) wanderten ab ca. 1770 immer weiter südwärts bis in die Randgebiete der Comancheria, so dass die Absarokee nun allein ihr Stammesgebiet während des 18. und 19. Jahrhunderts und bis ins Zeitalter des Pelzhandels beherrschten.
Als 1804 Mitglieder der Lewis-und-Clark-Expedition am Yellowstone River als erste Weiße auf die Absarokee stießen, siedelten sie meist entlang des Bighorn River, Brown (1817) lokalisiert sie entlang des Yellowstone und östlich der Rocky Mountains, Drake (1834) entlang des südlichen Flussarms des Yellowstone. The Crow Society
Einst reichte ihr Stammesgebiet vom Powder River Country ostwärts bis zu den Black Hills (im Nordosten Wyomings und im Westen South Dakotas). Seit ca. 1840/1850 hatten die feindlichen Lakota (Teton-Sioux) die Berge annektiert und das Gebiet zwischen dem Powder River und den Black Hills entwickelte sich zu einem „neutralen Grund“; in etwa dasselbe geschah mit Gebieten entlang des Powder River und des Yellowstone Rivers, die ab ca. 1830/1840 von den Nördlichen Arapaho (Alappaho – „Volk mit vielen Tätowierungen“) beansprucht wurden. Beide umkämpften Gebiete wurden daher zu letzten Rückzugsgebieten von Bison und anderem Großwild.
Berühmte Pferdezüchter mini|Gruppe der Absarokee, 1880 Zwischen 1725 und 1730 kamen die Absarokee zu ihren ersten Pferden, nachdem die spanischen Konquistadoren Pferde aus Europa nach Nordamerika eingeführt hatten. Laut einer Überlieferung der Absarokee stahl/kaufte ein Kriegstrupp die ersten Pferde von einem anderen Stamm entlang des Green River (von ihnen Fat River genannt) und brachte diese damals unbekannten Tiere in ein Lager der Kicked-In-The-Bellies Band entlang des Upper Wind River im heutigen Wyoming. Einer zweiten Version zufolge, wanderte ein Kriegstrupp der Mountain Crow Band nach Süden bis zum Großen Salzsee in Utah, stahl dort die ersten Pferde und brachte diese nach Norden zu den Absarokee.
Da die Shoshone nördlich der Uinta Mountains und die Ute südlich dieser das Tal des Green River bewohnten, handelte es sich bei den namentlich nicht genannten Stämmen vermutlich um Angehörige eines dieser beiden Völker. Als weitere Quellen werden die pferdereichen Comanche auf den Südlichen Plains oder die Nez Percé des Plateaus im Westen vermutet. Die Einführung von Iichíile („Pferde“, ursprünglich die Bezeichnung für Elche) veränderte das Kräfteverhältnis in den Plains. Die Absarokee verdrängten die Östlichen Shoshone aus der Gegend des Yellowstone Rivers, sicherten sich hierdurch gute Weideplätze für ihre Pferde, etablierten eine erfolgreiche Pferdezucht und besaßen bald unter den Stämmen der Nördlichen Plains mit die größten Pferdeherden. In der Folge jagten sie die Bisons weitaus erfolgreicher und konnten schneller ihre Camps verlegen sowie größere und weiter reichende Raub- und Kriegszüge unternehmen.
Jeder Crow-Krieger hatte mehrere Pferde, die jeweils nochmals für unterschiedliche Tätigkeiten/Aufgaben genutzt wurden: das Akchiiá („wertvolles, geschätztes Pferd“) war das persönliche Lieblingspferd des Kriegers, das Iibachío iichíille („Kampf-Pferd“) bzw. Iilúxxiilaau iichíile („Pferd, das in den Krieg zieht“) wurde während eines Kriegszugs genutzt (es war mutig, ruhig, kräftig, ausdauernd und wendig), das Iiwaaaasúua („Jagd-Pferd“) (hatte ähnliche Attribute wie das Kriegspferd gepaart mit einem Instinkt für die mögliche Reaktion der Jagdtiere) und diente zur Jagd auf Großwild (Bison, Elche, Wapiti), das Iiláanniiluuiichiile („Parade-Pferd“) diente bei feierlichen Aufzügen/Zeremonien zur Repräsentation, das Iichíinnaawassuua („Pferd, das in einem Rennen geritten wird“) wurde als Rennpferd (war besonders ausdauernd und schnell sowie trittsicher) in den zahlreichen Rennen genutzt, um zwischen den Kriegern die besten Pferdezüchter bzw. Pferdebesitzer zu ermitteln.
Zudem gab es das extra genügsame Baakáatakchiia („Pferd, das ein Kind auf dem Rücken trägt“) auf dessen Rücken kleine Kinder sicher und fest sitzen konnten sowie das ruhig-gelassene Iiwaalitúuiichiile („Beeren pflückendes Pferd“) für alte Frauen und Männer, wichtig war auch das kräftig gebaute Baaakchiiá („Packpferd“) diente als Lastpferd zum Transport (Haushaltsgüter, Zelte, Jagdbeute etc.).
Zwischenhändler zwischen Plateau und Plains
Anfang des 19. Jahrhunderts drangen immer mehr weiße Händler und Siedler in den Westen der USA vor – unter ihnen der Pelzhändler und Indianeragent Manuel Lisa, der am Zusammenfluss des Bighorn und Yellowstone Rivers mit Fort Raymond (auch Fort Manuel) (1807–1809) die erste Handelsstation im Gebiet des Oberen Missouri River errichtete – zwei Jahre später wurde als Ersatz weiter ostwärts, nahe einem Dorf der Gros Ventres zwischen dem Little Missouri River und dem Big Knife River im heutigen North Dakota das Fort Lisa (auch Fort Manuel Lisa Trading Post) errichtet.
Da die Absarokee kein kulturell-religiöses Tabu bezüglich der Jagd auf den Biber kannten – wie z. B. die feindlichen Blackfoot –, fingen sie bedeutend mehr dieser Tiere, deren begehrte Felle sie den Weißen zum Tausch anboten. Durch die Lage ihrer Stammesgebiete entlang großer Flüsse und im Transitgebiet zwischen den Nördlichen Plains, Rocky Mountains, Great Basin und Columbia River Plateau konnten sich die Absarokee eine wichtige Position als Zwischenhändler im Pferde- und Pelzhandel zwischen Amerikanern und indianischen Stämmen sichern (ca. 1800 bis 1860).