Die Bahnstrecke Weinheim–Heidelberg ist eine früher von der Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft AG (OEG), später MVV OEG AG, heute von der RNV (Betriebsführung, zugleich EVU und EIU) nach der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung für Schmalspurbahnen (ESBO) betriebene, meterspurige Eisenbahnstrecke zwischen Weinheim und Heidelberg. Ein kleiner dreischieniger Abschnitt zwischen Heidelberg und Schriesheim wurde früher als normalspurige reine Güterstrecke betrieben. Sie ist eine Nebenbahn, als Betriebsverfahren wird elektronisch signalisierter Zugleitbetrieb angewendet.

Geschichte Bau und Eröffnung

Obwohl Weinheim und Heidelberg bereits seit 1846 durch die Bahnstrecke Frankfurt am Main–Heidelberg verbunden waren, gab es in den 1880er Jahren Bestrebungen, eine schmalspurige Eisenbahn zwischen diesen Städten zu errichten, um auch die kleineren Orte entlang der Bergstraße durch eine Eisenbahn zu verbinden. Speziell die Betreiber der Steinbrüche in Schriesheim und Dossenheim wünschten einen Bahnanschluss, da die Main-Neckar-Bahn dort weit entfernt vorbeiführte.

1883 wurde den in der Region als Unternehmern tätigen Gebrüdern Leferenz die Konzession für die Strecke von Heidelberg nach Schriesheim mit Weiterführung bis Weinheim erteilt. Aus finanziellen Gründen konnte diese jedoch vorerst nicht realisiert werden.

Die ersten Betriebsjahre Das Konsortium Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein erwarb nach der Eröffnung der Bahnstrecke Mannheim–Weinheim die Konzession der Gebrüder Leferenz und eröffnete 1890 die Strecke von Weinheim entlang der Bergstraße über Lützelsachsen, Hohensachsen, Großsachsen, Leutershausen, Schriesheim, Dossenheim und Handschuhsheim nach Heidelberg.

1895 gründete Bachstein die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft AG (SEG), in deren Besitz auch die Mannheim-Weinheim-Heidelberg-Mannheimer Eisenbahn (MWHME) im Jahr 1897 überging.

Um einen direkten Anschluss der Schriesheimer und Dossenheimer Steinbrüche zu ermöglichen, wurde am 14. August 1903 der Bau einer reinen Güterbahnstrecke vom Heidelberger SEG-Güterbahnhof über eine eigene Neckarbrücke und durch das Neuenheimer Feld bis Dossenheim und weiter nach Schriesheim genehmigt.http://www.s197410804.online.de/Zeiten/1900.htm Im Juli 1904 wurde mit dem Bau der als Schwarze Brücke bezeichneten 230 m langen dreibogigen Neckarbrücke durch die Maschinenbauanstalt Humboldt begonnen. Nachdem die Fertigstellung durch einen Unfall verzögert wurde, wurde die Strecke am 16. Juli 1906 eröffnet, so dass die Güterzüge nicht mehr durch die Heidelberger Innenstadt fahren mussten. Diese Strecke war mit einem Dreischienengleis in Meterspur und Normalspur befahrbar, wobei einige Bahnhöfe und Firmenanschlussgleise nur in Normalspur gebaut waren. Der Abschnitt über die Neckarbrücke war etwa im Jahr 1924 vierschienig, da er zusätzlich von einer Baustellenbahn mit Spurweite 900 mm zum Bau des Neckarkanals und Umbau der Mannheimer Straße genutzt wurde. Hierbei wurde die Neckarbrücke um einen vierten Bogen erweitert und um 2,40 m angehoben. Danach reichte die Brücke auch über die Landstraße nach Wieblingen, die zuvor mittels eines Bahnübergangs gequert wurde. Unmittelbar südlich der Neckarbrücke teilten sich Normalspur- und Meterspurgleis. Die Brücke wurde am 27. März 1945 kriegsbedingt gesprengt.http://www.s197410804.online.de/Zeiten/1933.htm

Die OEG-Zeit 1913 wurde der OEG-Güterbahnhof Heidelberg vom südlichen Ende der Karl-Metz-Straße zum langjährigen Standort am Ende der Güterstrecke durchs Neuenheimer Feld verlegt.

1929 begann der Gemeinschaftsbetrieb mit der HSB. Die letzten planmäßigen Dampfzüge zwischen Heidelberg und Handschuhsheim fuhren am 5. Oktober.

1941 wurde die Strecke zwischen Handschuhsheim und Dossenheim auf einen eigenen Bahnkörper verlegt.

Die zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gesprengte Schwarze Brücke wurde als Provisorium und Behelfsbrücke wieder errichtet und der Betrieb der Güterbahnstrecke im April 1947 wiederaufgenommen.http://www.s197410804.online.de/Zeiten/1945.htm

Nachdem sich durch den Krieg der geplante elektrische Ausbau weiterer Strecken verzögerte, wurde zwischen 1949 und 1956 als letztes Teilstück die Strecke Weinheim–Heidelberg in mehreren Teilabschnitten elektrifiziert. Statt in Handschuhsheim musste somit ab 18. Dezember 1949 in Dossenheim umgestiegen werden, wofür zur Stromversorgung aus Seckenheim auch die Güterstrecke durchs Neuenheimer Feld elektrifiziert wurde. Am 15. Dezember 1950 wurde der elektrische Betrieb auf dem Abschnitt Dossenheim–Schriesheim aufgenommen. Am 1. September 1956 konnte mit dem Abschnitt ab Schriesheim der durchgehende Rundverkehr mit elektrischen Triebwagen aufgenommen werden.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Streckennetz teilweise nicht mehr auf dem neuesten Stand. Die noch nicht elektrifizierte, eingleisige Strecke entlang der Bergstraße von Handschuhsheim nach Weinheim war noch im Ursprungszustand. Sie verlief im Planum der Bundesstraße 3 in Seitenlage und war daher sehr unfallträchtig. Daher wurde von 1952 bis 1955 ein eigener Bahnkörper verlegt. Eine Ausnahme bildet bis heute die enge Ortsdurchfahrt in Großsachsen. 1952 wurde die Fahrzeughalle in Schriesheim fertig gestellt, die damals neben Bussen auch Schienenfahrzeuge (bis 1969) beherbergte.

1959 stand die Verlängerung der Konzession für den Bahnbetrieb an. Wegen Einsprüchen wurde der Weiterbetrieb erst nur vorläufig genehmigt. Erst 1964 wurde die Konzession für den Personenverkehr bis 2009 und für den Güterverkehr bis 1989 erteilt.

Bis zum 30. Juni 1963 wurde die Strecke vom Abzweig der HSB-Strecke an der Handschuhsheimer Steubenstraße bis zur Stadtgrenze nach Dossenheim zweigleisig ausgebaut und bis dort auch von der HSB-Linie 6 befahren.

1967 wurden die örtlichen Stellwerke durch einen automatischen Streckenblock zu ersetzt auf der Strecke Schriesheim–Handschuhsheim. 1969 war schließlich die gesamte Strecke von Weinheim nach Heidelberg damit ausgerüstet. In den nächsten Jahren wurde die Strecke vom MCDS-Stellwerk Schriesheim aus gesteuert.

mini|Eingleisige Strecke in Großsachsen

In den 1960er Jahren begann man, die Schienen durchgehend zu schweißen. Auch wurden die noch vorhandenen Formsignale durch Lichtsignale ersetzt, was die Instandhaltung erleichterte.

Die wachsende Konkurrenz durch den Straßenverkehr ließ auch den Güterverkehr in den 1960er Jahren stetig unrentabler werden, so dass am 12. Dezember 1969 zunächst die Stilllegung der dreischienigen Strecke Heidelberg–Schriesheim beantragt, am 19. Januar genehmigt und am 1. Juli 1970 vollzogen wurde, ehe 1971 der öffentliche Schienengüterverkehr komplett eingestellt wurde. Die Schwarze Brücke wurde von Oktober bis Juni 1971 abgerissen.http://www.s197410804.online.de/Zeiten/1965.htm Eine Ausnahme bildete der alljährliche Zuckerrübentransport mittels Rollböcken, der bis ins Jahr 1983 durchgeführt wurde.

Noch bis Anfang der 1990er Jahre führte die OEG selbst den Güterverkehr auf der Straße durch.

Weitere Modernisierungen

Im Jahre 1980 wurde auch der OEG-Bahnhof in Schriesheim den Erfordernissen der Zeit angepasst und die dortige Fahrzeughalle zum zentralen Busbetriebshof ausgebaut.

1995 wurde das Konzept MVG 2000 umgesetzt, das auch für die OEG große Veränderungen brachte. Endeten bisher die Züge aus Richtung Weinheim am Vorplatz des Mannheimer Hauptbahnhofs und aus Richtung Heidelberg im Bahnhof Mannheim Kurpfalzbrücke, so wurde nun mit Führung der Züge durch die Mannheimer Innenstadt der Ring geschlossen. Um dies zu erreichen, wurde eine kurze Verbindungsstrecke gebaut, die vor dem Collini-Center unter Umgehung des Bahnhofes Kurpfalzbrücke abzweigt und in die Straßenbahnstrecke im Friedrichsring mündet. Damit wurde eine Verbindung wiederhergestellt, die es in ähnlicher Form bis 1928 bzw. 1974 bereits gegeben hatte. Die OEG wurde in das Mannheimer Straßenbahnliniennetz integriert und führte nun die Linienbezeichnung 5R (bzw. nur 5 für Fahrten auf dem Abschnitt Käfertal–Mannheim Hbf–Edingen).

In den 1990er Jahren wurde der Abschnitt Heidelberg – Schriesheim zweigleisig ausgebaut, um eine dichtere Taktfolge zu ermöglichen. Seit 28. Februar 1999 ist der Abschnitt Handschuhsheim Nord – Dossenheim zweigleisig. Im Frühjahr 1999 wurde das zweite Gleis fertiggestellt und als einziges genutzt, um das alte Gleis erneuern zu können. Am 12. Juni 1999 wurde der zweigleisige Betrieb aufgenommen und die beiden neuen Haltepunkte Dossenheim Nord und Schriesheim Süd inbetriebgenommen. Der zweigleisige Ausbau des übrigen Streckenabschnitts Schriesheim – Weinheim wurde von März 2011 an in einer siebenmonatigen Vollsperrung mit Schienenersatzverkehr durchgeführt.Webseite der RNV:

mini|Ende der Geltung der ESBO vor der Haltestelle Burgstraße Als Folge des Ausbaus wurde die OEG ab Juni 1999 auch in Heidelberg als vollwertige Linie ins Straßenbahnnetz integriert. Wurden bisher zwischen Bismarckplatz und Handschuhsheim Nord nur die Haltestellen Burgstraße, Handschuhsheim OEG-Bahnhof und Kußmaulstraße bedient, halten seitdem die OEG-Züge an allen Haltestellen (bis auf die Haltestelle Froschäckerweg, die jedoch inzwischen generell aufgegeben wurde) und ersetzten auf diesem Streckenabschnitt auch die zuvor dort verkehrende Linie 1 der HSB.

Übergang in die RNV und Modernisierungen ab 2005 Seit der Vereinheitlichung der Linienbezeichnungen im Gebiet der RNV am 10. Dezember 2006 trägt die OEG auf ihrer gesamten Fahrtstrecke die Bezeichnung 5.

Es erfolgte die Umstellung auf elektronische Stellwerkstechnik, seit dem 10. April 2008 wird der Streckenabschnitt Weinheim – Schriesheim – Handschuhsheim Nord ferngesteuert. Der Fahrdienstleiter Schriesheim arbeitet seither von der zentralen RNV-Leitstelle im Betriebshof Mannheim-Möhlstraße aus.

Die schon länger geplante Modernisierung der rund neun Kilometer langen eingleisigen Strecke zwischen Weinheim und Schriesheim begann am 10. März 2010 mit einem symbolischen ersten Spatenstich. Hierbei wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut, um auch hier einen 10-Minuten-Takt und Fahrzeitverkürzungen um 15 % zu ermöglichen. Die Modernisierung kostete etwa 60 M€, von denen etwa 42 M€ durch GVFG-Mittel finanziert wurden.

Der hauptsächliche Streckenumbau wurde während einer Vollsperrung durchgeführt. Vom 21. März 2011 bis zum 5. November 2011 wurden alle Zugfahrten auf dem Streckenabschnitt zwischen Weinheim OEG-Bahnhof und dem Bahnhof Schriesheim durch Busse ersetzt, was in den meisten Fällen zu deutlichen Verlängerungen der Reisezeit führte. Während der Sommerschulferien wurde auch der Bahnhof Weinheim OEG umgebaut. Die Züge fuhren in dieser Zeit nur bis zum Haltepunkt Händelstraße, der zu diesem Zweck mit einer provisorischen Weichenverbindung ausgerüstet wurde. Seit dem 6. November 2011 verkehren wieder fahrplanmäßige Züge auf der nunmehr zweigleisigen Strecke.

Lediglich zwei kurze Abschnitte in den Ortsdurchfahrten von Großsachsen und Schriesheim sind weiterhin eingleisig verblieben. Im Zuge des Umbaus wurde auch die komplette Strecke Weinheim – Heidelberg mit einem neuen elektronischen Stellwerk ausgerüstet. Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 ging auch der neu erbaute Haltepunkt Großsachsen Süd in Betrieb. Der Umbau des Bahnhofs Schriesheim schloss sich an und wurde bis Mitte 2012 beendet. Neun Monate nach Abschluss der Bauarbeiten – im August 2012 – wurde die Fahrzeit für den vollständigen Ring Mannheim – Heidelberg – Weinheim – Mannheim von 140 auf 130 Minuten gekürzt, was etwa der Fahrzeit zehn Jahre zuvor entspricht. Bereits im Dezember 2012 wurde die Fahrzeit jedoch zur Verspätungsreduzierung wieder auf 140 Minuten verlängert.

Zwischen 2010 und 2014 wurden die kompletten Signalanlagen und Stellwerkstechniken (siehe oben) erneuert. Seit Frühjahr 2014 ist somit die gesamte Strecke mit dem Ks-Signalsystem auch für Gleiswechselbetrieb ausgestattet.

Betriebsstellen