mini|Gebiet der Ok-Oksapmin-Sprachen in rot Oksapmin (nuxule meŋ, „unsere Sprache“) ist eine Papua-Sprache und wird inzwischen zum Ok-Oksapmin-Zweig der Trans-Neuguinea-Sprachen gezählt. Die Sprache wird nach einer Schätzung von 1993 von ca. 8000 Sprechern im Hochland im Nord-Westen Papua-Neuguineas gesprochen. Genauer lokalisiert sich Oksapmin im Tekin-Tal im Telefomin-Distrikt der Sandaun-Provinz. In diesem Gebiet ist Oksapmin die vorherrschende Erstsprache, steht aber unter wachsendem Einfluss des Englischen sowie des Tok Pisin. Das Oksapmin verfügt über zwei Hauptdialekte, Upper und Lower Oksapmin. Aufgrund großer Überschneidungen der Dialekte sind die jeweiligen Sprechergruppen in der Lage, sich gegenseitig zu verstehen. Der folgende Artikel bezieht sich ausschließlich auf den Lower Oksapmin Dialekt. Besonderheiten des Oksapmin sind unter anderem die dyadische Verwandtschaftsbezeichnungen, die grammatische Kategorie der Evidentialität sowie das Zählsystem anhand von Körperteilen (Body Party Counting System).

Body Part Counting System Wie einige andere Papua-Sprachen verfügt Oksapmin über ein Body Part Counting System, das bis in die 1940er Jahre vorherrschend war. Dieses Zahlensystem umfasst die Zahlen 1 bis 27. Ausführliche Arbeiten hierzu finden sich unter anderem bei Saxe&Esmonde (2005). Um zu zählen, wird auf den Körperteil gezeigt und gleichzeitig der Name des Körperteils gesagt. Es wird mit dem rechten Daumen, der für die eins steht, begonnen. Die weiteren Zahlen gehen über die anderen rechten Finger, den Arm hinauf zum Kopf und von dort den linken Arm hinab bis hin zum linken kleinen Finger, welcher der 27 ihre Bedeutung gibt. Um die doppelt vorkommenden Körperteile, wie etwa die Finger, voneinander abzuheben, werden die sich wiederholenden Körperteile mit dem Nomen /tɘn/ „Seite“ versehen. Die folgende Übersicht verdeutlicht das Zählsystem. Oksapmin Wort Körperteil Zahltipun/tupunDaumen1ləwatipunZeigefinger2bumlipMittelfinger3xəlipRingfinger4xətxətkleiner Finger5xadəpHandgelenk6besUnterarm7amunEllenbogen8tuwətOberarm9katSchulter10gwelNackenseite11natOhr12kinAuge13lumNase14kin tən/tən kin(andere) Seite Auge15nat tən/tən nat(andere) Seite Ohr16usw.

Wenn ein Körperteilnomen als Numeral ein anderes Nomen modifiziert, tritt es gemeinsam mit dem Possessivmarker =xe auf. In Kopfposition einer Nominalphrase erlangt das Körperteilnomen als Numeral eine ordinale Bedeutung:

tɘwɘt jox ko-ŋ li-n-gop=li

oben.Arm DEF (an)kommen-PNCT sagen-PFV-VIS.FP.SG=REP

„In der neunten (Nacht) kam er an“ („Cassowary“ von Max Elit)

Phonetik und Phonologie Mit 22 Phonemen hat Oksapmin ein relativ überschaubares Phoneminventar und ist in dieser Eigenschaft anderen Papua-Sprachen ähnlich.

Vokale Oksapmin hat jeweils zwei vordere, zentrale und hintere Vokale. Die Vokallänge ist nicht bedeutungsunterscheidend, das Schwa wird aber oft kürzer als die anderen Vokale artikuliert und kann sich zwischen halbgeschlossener und halboffener Position bewegen. vorne zentral hinten ung. ger. ung. ger. ung. ger. geschlossen halbgeschlossen mittel halboffen offen /i/, //, //, // und // können sowohl den Nukleus einer Silbe mit entweder Onset oder Koda, aber auch den einer Silbe mit sowohl Onset als auch Koda bilden. Wenn ein Schwa der Nukleus der Silbe ist, ist ein Onset fakultativ, die Koda hingegen obligatorisch. Keiner der Vokale hat allophonische Varianten. Folgende Beispiele zeigen die sechs Vokale in einer ihnen möglichen Lautumgebung: Vokalphonem Beispiel///it/ „wieder“///em/ „Mutter“///lat/ „Holz/Baum“///ol/ „Tod/tot“///ku/ „Frau“///kən/ „gekocht“

Konsonanten Eine Besonderheit des konsonantischen Phoneminventars sind die labialisierten Velare sowie die pränasalierten stimmhaften Plosive. Ein Großteil der Konsonanten verfügt über allophonische Varianten, in der Tabelle sind ausschließlich die Phoneme aufgeführt. bilabial alveolar palatal velar labialisiert-velar stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. Plosive kw pränasalierte Plosive nb nd ŋgŋgw Nasale Frikative x xw Approximanten w Laterale

Silbenstruktur Die kleinstmögliche Silbe besteht in Oksapmin aus einem einzigen Vokal. Hat eine Silbe zwei Elemente, muss sie sich aus einem Vokal (V) und einem Konsonanten (K) zusammensetzen, wobei sowohl eine geschlossene VC- als auch eine offene CV-Abfolge möglich ist. Bei drei Elementen wird den zweielementigen Silben ein weiterer Konsonant vorangestellt, wodurch sich ist eine CVC- als auch eine CCV-Abfolge ergeben kann. Die längste Silbe des Oksapmin ist geschlossen und hat vier Konstituenten, diese ist auf die Abfolge CCVC festgelegt und findet sich beispielsweise im Wort /mjan/ „Hund“.

Wortklassen Loughnane macht insgesamt 12 Wortklassen des Oksapmin aus: Verben, Koverben, modale Proklitika und Partikeln, Pronomen, dyadische Verwandtschaftsbezeichnungen, Demonstrative, Nomen, Postpositionen, phrasale Enklitika, Interjektionen, Adverbien der Art und Weise, sowie Konjunktionen und Komplementierer. Im Folgenden werden Nomen, Pronomen und Verben in ihren morphologischen und syntaktischen Funktionsweisen näher beschrieben.

Nomen

Nomen und Adjektive Oksapmin ist eine flexible Nomen-/Adjektivsprache, wobei die Wortklasse der Nomen die Funktion dieser beiden Wortarten erfüllt. Ein Nomen kann entweder die Funktion eines semantischen Adjektivs oder die eines lexikalischen Nomens übernehmen; in beiden Fällen kann es entweder modifizierend oder der Kopf der Nominalphrase sein. Die Tabelle bildet die verschiedenen Funktionen ab. Funktion des Nomenssemantisches Adjektivlexikalisches Nomenmodifizierendjəx xan jox gut Mann DEF

„der gute Mann“maxap lin jox Banane Blatt DEF

„das Bananenblatt/die Bananenblätter“Phrasenkopfstatusjəx jox gut DEF

„der Gute“maxap jox Banane DEF

„die Banane(n)“

Nominalklassen

In Oksapmin finden sich drei Unterklassen der Nomen: Nomen der Verwandtschaftsbezeichnung, lexikalische Nomen sowie Eigennamen. Die Unterklassen ermöglichen und fordern unterschiedliche grammatische Markierungen. Nomen der Verwandtschaftsbezeichnung flektieren nach Numerus, werden selten innerhalb der Nominalphrase modifiziert und sind teilweise obligatorisch possessivflektiert (bezüglich Possessor, nicht Referent). Lexikalische Nomen sind typischerweise der Kopf der Nominalphrase und durch andere lexikalische Nomen oder Relativsätze modifizierbar. Diese Klasse weist weitere drei Unterklassen auf, die der Klassifizierer, Ortsangaben und Quantifizierer. Die Klasse der Eigennamen setzt sich aus Personen-, Orts- und Klannamen zusammen und diese können mit Demonstrativ- oder Pronominalartikeln auftreten, sie sind ebenfalls typischerweise der Kopf der Nominalphrase. Nomen der Verwandtschaftsbezeichnunglexikalisches NomenEigennamedəsjal=xe balip max=xe xəplu-pati-n

PN=POS Schwiegermutter.3POSS RECG=FOC sterben-IPFV.PL-NOMLS

„Als Dasyals Schwiegermutter am Sterben war...“ („Own Illness“ vy Dulum Aleap)noxe ita ox pitil blel pok pat-n=a

1s.POSS Vater.1POSS 3sm ein Kind nur bleiben.IPFV.SG-NOMLS=LINK

„Als mein Vater nur ein Kind hatte...“ („Famine“ von Dulum ALeap)anwep ox pok pat-n

PN 3sm nur bleiben.IPFV.SG-NOMLS

„Als nur Anwep dort war...“ („Famine“ von Dulum ALeap)

Prä- und postmodifizierende Nomen Die Position eines modifizierenden Nomens gibt Aufschluss über den semantischen Gehalt der Modifizierung. Tendenziell bezieht sich ein prämodifizierendes Nomen auf eine inhärente Qualität des Kopfnomens während ein postmodifizierendes Nomen eine Qualität beschreibt, die sich auf eine Äußerlichkeit bezieht. Geht ein modifizierendes Adjektiv wie beispielsweise „gut“ einem Eigennamen voran, wird ausgedrückt, dass die relevante Person moralisch gut ist. Folgt dieselbe Modifizierung einem Eigennamen, bezieht sich die Modifizierung auf Äußeres und die bezeichnete Person wird als gutaussehend beschrieben.

Syntax der Nominalphrase

Die Abfolge möglicher Elemente einer Nominalphrase ist wie folgt: Possessor/klitisches Demonstrativum/Fragewort/nicht restriktiver RelativsatzModifiziererKopfnomenModifiziererfreies oder klitisches DemonstrativumPronominalartikel Sind alle sechs Positionen besetzt, können Nominalphrasen eine komplexe Struktur annehmen, häufig sind sie jedoch von geringem Umfang. Das erste Beispiel bildet eine einfache Nominalphrase ab, worin das Nomen nur durch ein Demonstrativum modifiziert wird. Im zweiten Beispiel zeigt sich eine komplexere Struktur sowie die Möglichkeit der Reihung von Modifizierern.

tap tit

pig INDF

Nomen Demonstrativum

„ein Schwein“

toxan uŋ gwe bap jox

süß.Kartoffel Beutel klein.rund rund DEF

Modifizierer Nomen Modifizierer Modifizierer Demonstrativum

„der kleine, runde Süßkartoffelbeutel“

Pronomen Pronomen in Oksapmin unterscheiden zwischen drei Personen, der 1., 2. und 3. Person, und für jede Person wird zwischen den Numeri Singular, Dual und Plural unterschieden. Pronomen der 1. Person Dual und Plural unterscheiden darüber hinaus zwischen inklusiv und exklusiv. Die inklusive Form umfasst die 2. Person, während die exklusive Form diese ausschließt. Diese Unterscheidung ist eine in Papua-Sprachen untypische Erscheinung. Bis auf das Interrogativpronomen nix „wer“ und das Relativpronomen ma haben alle anderen zahlreiche Flexionen, welche mit unterschiedlichen Funktionen einhergehen: regulär, reflexiv, possessiv, possessiv-reflexiv und eine Funktion, die Loughnane als alone beschreibt. Dieses Flexion wird verwendet, wenn auf ausschließlich eine Referentengruppe Bezug genommen werden soll, wobei es aber weitere mögliche Referenten gibt, die erwartbarerweise ebenfalls relevant sein könnten. Pronomen werden vor allem in Bezug auf höhere Lebewesen verwendet und sind für die Objektmarkierung besonders relevant, da beispielsweise erstgradige Objekte nur an ihnen markiert werden können. Am rechten Rand von Nominalphrasen können Pronomen auch als Pronominalartikel auftreten. Folgende Tabelle liefert eine Übersicht der Pronomen. regulärreflexivalonepossessivreflexiv-possessiv1snoxnonxolnonxapnoxenonxe1dEXnuxutnuxtanutnuxtalxenuxutenuxtanuxte1pEXnuxulnuxlanulnuxlalxenuxulenuxtanuxle1dINditditaditditalxediteditadite1pINdildiladildilalxedilediladile2sgogolgolgolgapgwegologwe2dgutgutagutgutalxegutegutagute2pgulgulagulgulalxegulegulagule3smoxolxololxapoxeolxe3sfuxulxolulxapuxeulxe3dixitixtait/ixtanit/ixtaxitixteixtaite/ixtanite/ixtaxite3pixilixlail/ixlanil/ixlaxilixleixlaile/ixlanile/ixlaxilewer nix – – nixe –REL ma – – – –

Verben Im Oksapmin gibt es die drei Konjugationsklassen M, L und S: SequentialsuffixPerfektivsuffixSimultansuffixM(a) -m -ti -tM(b) -m -di -nL(a) -Ø -ti -tL(b) -Ø -tu -tS -s -si, -xiNA

Die Morphologie, welche agglutinierenden Charakter hat, betreffend wird zwischen medialen und finalen Verben unterschieden. Mediale Verben sind von finalen abhängig und können nicht alleine stehen, finale Verben hingegen sind unabhängig. Die Abhängigkeit des medialen Verbs besteht darin, dass es in einem zeitlichen Bezug zum finale Verb steht. Das Event des medialen Verbes findet entweder gleichzeitig oder vor dem des finalen Verbes statt. Die Affixe der medialen Verben sind von geringerem Umfang, wie auch die finalen Verben präfigieren sie bezüglich der Objektkongruenz und der Valenz, suffigieren aber nur mit einer Suffixposition, der der Simultanität beziehungsweise Sequenzialität. Finale Verben weisen dagegen vier Suffixpositionen auf und flektieren in Tempus, Aspekt, Subjektnumerus sowie der Evidentialität. Wie in der Tabelle ersichtlich, verfügt das Oksapmin über acht Tempora, drei Aspekte, zwei Numera der Subjektkongruenz sowie zwei Typen der Evidentialität. PräfigierungVerb Suffigierung Objektkongruenz Valenz final TempusImperativ Aspekt perfektiv Subjektnumerus Singular Evidentialität personal-factualferne Zukunftheutige Zukunftunmittelbare Zukunft imperfektivGegenwart Plural visual-sensoryheutige Vergangenheitgestrige Vergangenheit habituellferne Vergangenheit medial Abfolge sequenziell simultan

Präfixe