Dunkirk ist ein historischer Kriegsfilm von Christopher Nolan aus dem Jahr 2017. Der Film erzählt von der Operation Dynamo (26. Mai bis zum 4. Juni 1940), der bis dahin größten militärischen Rettungsaktion der Weltgeschichte, bei der während der Schlacht von Dünkirchen im Zweiten Weltkrieg fast das gesamte britische Expeditionskorps aus der von deutschen Truppen eingekesselten Stadt Dünkirchen (englisch: Dunkirk) über den Ärmelkanal nach England evakuiert wurde. Der Film kam am 21. Juli 2017 in die britischen und US-amerikanischen Kinos, am 27. Juli 2017 in die Kinos in Deutschland, Österreich und der Deutschschweiz.

Handlung

Frankreich im Frühjahr 1940. Eine Gruppe englischer Soldaten durchstreift die belagerte französische Küstenstadt Dünkirchen. Durch Flugblätter werden sie vom Feind zur Kapitulation aufgefordert. Plötzlich werden sie beschossen, und nur der Soldat Tommy kann fliehen. Er begibt sich über die Dünen, wo er auf den Soldaten Gibson trifft, der gerade einen Toten begräbt. Am Strand warten Tausende, meist britische Soldaten auf die rund 70 km weite Überfahrt nach Großbritannien. Um die langen Schlangen vor dem Pier zu umgehen, tragen Tommy und Gibson einen Schwerverwundeten auf ein Lazarettschiff. Die Rettungsoperation wird von dem Marine-Kommandanten Bolton vom Pier aus koordiniert. Er muss mit ansehen, wie das mit Rotkreuzsymbolen gekennzeichnete Lazarettschiff beim Ablegen von einem deutschen Bomber getroffen wird und sinkt, wobei es die Mole beschädigt. Tommy und Gibson haben Glück im Unglück, denn durch diesen Umstand gelangen sie an Bord eines anderen Kriegsschiffs. Aber auch dieses wird angegriffen, diesmal von einem U-Boot, das einen Torpedo abfeuert. Gibson befreit einige der im Bauch des Schiffes eingeschlossenen Soldaten und rettet sie so vor dem Ertrinken. Sie müssen wieder nach Dünkirchen zurück, wo man während der Ebbe ein Ersatzpier errichtet hat. Die Ebbe hat auch ein Boot am Strand hinterlassen, mit dem Tommy und Gibson gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Soldaten bei der nächsten Flut entkommen wollen. Alex, einer dieser Soldaten, glaubt, dass es sich bei Gibson um einen deutschen Spion handelt, weil er noch kein Wort gesprochen hat, doch in Wahrheit ist er einer der Franzosen, die die Briten bei ihrer Rettungsaktion nicht nach England bringen wollten. Auch dieser Fluchtplan scheitert, weil das Schiff von deutschen Soldaten beschossen wird und ebenfalls sinkt. Während Tommy und Alex aus dem sinkenden Wrack entkommen können, verheddert sich Gibson beim Ausstiegsversuch und ertrinkt.

Unterdessen versucht Mr. Dawson gemeinsam mit seinem Sohn Peter und dessen Freund George Mills auf seinem kleinen Privatboot, das den Namen „Moonstone“ trägt, so viele Soldaten wie möglich über den Kanal hinweg zurück nach Hause zu holen. Dawsons älterer Sohn war Pilot, wurde jedoch in der dritten Woche des Krieges abgeschossen. Mit einer großen Menge an Rettungswesten legen sie ab und ziehen einen Überlebenden aus dem Wasser, dessen Schiff durch einen Torpedoangriff zerstört wurde. Der traumatisierte Soldat will auf keinen Fall wieder nach Dünkirchen zurück, aus dem er gerade entkommen ist. Als er versucht, das Steuer herumzureißen, stößt er im Gerangel George den Niedergang hinunter. George zieht sich beim Sturz eine Kopfverletzung zu, der er wenige Stunden später erliegt.

Mit seiner Spitfire versucht der Pilot Farrier die Rettungsboote zu beschützen und liefert sich gemeinsam mit anderen Piloten der Royal Air Force, darunter seinem Kameraden Collins, der nach einem Treffer notwassern muss, eine unerbittliche Luftschlacht mit deutschen Piloten. Unter sich sieht Farrier auch immer wieder Fischkutter und Boote, die sich von England aus auf den Weg nach Dünkirchen aufgemacht haben, um ihren Teil dazu beizutragen, die eingekesselten Soldaten zu retten.

Die Soldaten jubeln und Commander Bolton ist nahezu sprachlos, als er durch sein Fernglas die zivilen Rettungseinheiten, die in ihren kleinen Booten und Jollen heraneilen, durch die Brandung stoßen sieht. Die Besatzung der Moonstone hat nicht nur den Piloten Collins aus seiner sinkenden Spitfire befreit, sondern zieht noch viele weitere Soldaten aus dem öligen Wasser vor der französischen Küste. Doch die Retter müssen abdrehen, bevor sie alle Schiffbrüchigen an Bord nehmen können, da ein getroffener deutscher Bomber direkt über dem ölverseuchten Gebiet abstürzt und es in Flammen setzt. Unter den von Dawson und seinem Sohn Geretteten befinden sich auch Tommy und Alex. Die Moonstone bringt sie nach Dorset. Entgegen ihrer Erwartung, die Heimatbevölkerung enttäuscht zu haben, werden sie dort gefeiert. In einer Tageszeitung lesen sie Churchills am Tag zuvor im Unterhaus gehaltene Rede We Shall Fight on the Beaches. Bolton hingegen bleibt am Strand von Dünkirchen zurück und plant, auch noch die eingekesselten französischen Soldaten zu retten. Farrier wird von den Deutschen gefangen genommen, nachdem er zwar noch einige ihrer Flugzeuge vom Himmel hat holen können, dann aber am Strand von Dünkirchen hat notlanden müssen, weil ihm der Treibstoff ausgegangen ist.

Produktion Vorproduktion und Aufbau des Drehbuchs Ein gleichnamiger Film um die Ereignisse mit John Mills und Richard Attenborough erschien bereits 1958.Alexander Börste: Dunkirk – Erster Teaser-Trailer zu Christopher Nolans Kriegsfilm erschienen In: moviepilot.de, 5. August 2016. Auch der auf einem Roman von Robert Merle basierende Film Dünkirchen, 2. Juni 1940 nahm sich 1964 des Themas aus französischer Perspektive an. Der in Großbritannien geborene und aufgewachsene Filmemacher Christopher Nolan übernahm die Regie der neuen filmischen Bearbeitung der Geschehnisse und schrieb auch das Drehbuch zum Film.Rebecca Ford: Christopher Nolan to Direct WWII Film 'Dunkirk' With Tom Hardy, Kenneth Branagh In: The Hollywood Reporter, 28, Dezember 2015. Die Idee, einen Film über die Evakuierungen von Dunkirk zu schaffen, entwickelte er bereits Mitte der 1990er-Jahre, als er und seine spätere Ehefrau Emma Thomas eine Überfahrt über den Ärmelkanal von England nach Dünkirchen machten. Die Fahrt für Nolan und Thomas dauerte 19 Stunden, da ein Unwetter die Reise stark verzögerte. Die beiden hätten auf der verzögerten Überfahrt erstmals gespürt, wie schwierig das Unterfangen 1940 gewesen sein müsste. Da ein Filmprojekt über Dünkirchen jedoch ein hohes Budget und filmemacherisches Können erforderte, habe er die Idee lange vor sich hergeschoben, als er noch seine Erfahrungen als Filmemacher sammelte. Erst 2014 nahm er die Idee wieder auf und setzte sich an das Drehbuch.Andy Lewis: Making of 'Dunkirk': Christopher Nolan's Obsessive $100M Re-creation of the Pivotal WWII Battle. In: The Hollywood Reporter, 5. Januar 2018. Für dieses recherchierte er an historischem Bildmaterial und Schriftstücken, außerdem traf er sich mit Historikern und noch lebenden Weltkriegssoldaten, die an der Evakuierung teilgenommen hatten.

Nolan bemerkte, dass das Ereignis von Dunkirk für das kollektive Gedächtnis der Briten entscheidend sei: „Es ist wirklich ein Teil der nationalen DNA. Als britische Person ist es in deinen Knochen. Man hört die Geschichte zunächst als Kind in mythischen, etwas vereinfachten Erzählungen. Je mehr man über die Realität der Evakuierungen herausfindet, je mehr findet man heraus über die komplexe historische Wahrheit der Sache.“ Trotzdem könne man Dunkirk auch als „universelle Geschichte“ sehen. Nolan vermutete, dass die Ereignisse um Dunkirk trotz dieser mythischen Bedeutung seit Jahrzehnten nicht mehr verfilmt worden seien, da die britische Filmindustrie alleine eine so aufwendige Inszenierung nicht hätte stemmen können und man Produktionsgelder aus Hollywood brauchte. Nolan sah die Bezeichnung „Kriegsfilm“ für Dunkirk kritisch, es sei vielmehr ein „Überlebensfilm“, in dem die Figuren entkommen müssten und in dem die sonst für Kriegsfilme üblichen Kampfhandlungen nicht stattfinden würden.Eliza Berman: Why 'Dunkirk' Is the Greatest Untold Story in Modern Cinema. In: Time, 19. Juli 2017.

Fünf Monate vor der Premiere von Dunkirk gab Nolan bekannt, dass der Film aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt wird und nur mit wenigen Dialogen auskommt. In den drei Sektionen sieht man die Geschehnisse zum einen durch die Augen zweier an Land stationierten Soldaten, vom Meer aus betrachtet durch die Augen eines Retters und eines Geretteten und aus der Luft durch die Augen eines Piloten.Jacob Stolworthy: Dunkirk: Christopher Nolan reveals war film is told through three perspectives, has 'little dialogue' In: independent.co.uk, 1. März 2017. Nolan erklärte, die verschiedenen Soldaten seien unterschiedlich lange in die Kriegshandlung eingebunden gewesen. So verharrten die Soldaten an Land mehrere Wochen am Strand, und die Beteiligten auf dem Wasser und in der Luft seien wesentlich kürzer involviert gewesen.Christopher Nolan et ses collaborateurs révèlent 7 infos sur Dunkerque In: premiere.fr, 28. Februar 2017. Im Film werden drei sich überschneidende Zeitlinien aus drei verschiedenen Blickwinkeln gezeigt, wobei bei den Soldaten am Strand der junge Tommy und Alex im Mittelpunkt stehen. Die Erlebnisse an den drei Schauplätzen werden parallel und nicht chronologisch erzähltSassan Niasseri: Review: „Dunkirk“ – Christopher Nolans Sprung ins kalte Wasser In: Rolling Stone, 19. Juli 2017. und im Film mit den Einblendungen 1. Die Mole – 1 Woche, 2. Die See – 1 Tag und 3. Die Luft – 1 Stunde eingeleitet, ehe die drei Perspektiven gegen Ende ineinander verfließen. Obwohl Tommy aufgrund der erzählten Zeit von einer Woche und der daraus resultierenden längeren Erzählzeit im Film im Vordergrund zu stehen scheint, besitzt der Film keine Hauptfigur, weshalb die Produktionsfirma bzw. der Verleih Warner Bros. auch keinen Nominierungsvorschlag in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Preisverleihungen machte.Andreas Borcholte und Hannah Pilarczyk: Oscars 2018: Die wichtigsten Filme und ihre Chancen. In: Spiegel Online, 3. März 2018. Nolan bezeichnete Dunkirk wegen seiner Erzählstruktur als seinen experimentellsten Film seit Memento.

In seiner Inszenierung versuchte Nolan, den Zuschauer direkt in das Geschehen zu bringen und auf theatralische Effekte – etwa den Figuren lange und emotionale Hintergrundgeschichten zu geben – zu verzichten. Er wollte mit seinem Film auch den heute unpopulären Gedanken der gemeinschaftlichen Verantwortung in einer immer individualistischer werdenden Gesellschaft betonen: „Wir leben in einer Ära, in der die Tugend der Individualität sehr überbewertet wird. Die Ideen von gemeinschaftlicher Verantwortung, gemeinschaftlicher Heldenhaftigkeit und dem, was durch Gemeinschaftssinn erreicht werden kann, sind nicht zeitgemäß. Dunkirk ist daher für mich eine sehr emotionale Geschichte, weil es repräsentiert, was verloren gegangen ist.“

Besetzung und Stab mini|hochkant|Fionn Whitehead, hier bei der Welt­prem­iere des Films in London, spielt im Film den einfachen Soldaten Tommy Die zum großen Teil britische Besetzung wurde aus einer Mischung aus unbekannten Jungschauspielern und etablierten Filmschauspielern zusammengesetzt. Die beiden im Vorspann erstgenannten Newcomer Fionn Whitehead als Soldat Tommy und Tom Glynn-Carney als Kapitänssohn Peter geben in Dunkirk ihr Filmdebüt.Chris Agar: Christopher Nolan’s Dunkirk Official Synopsis & Cast Announced In: screenrant.com, 23. Mai 2016. Harry Styles, ein Mitglied der Band One Direction, spielt Alex, einen an Land stationierten Soldaten.Jenny Jecke: One Direction-Star Harry Styles in Christopher Nolans Dunkirk In: moviepilot.de, 11. März 2016. Für Styles war es ebenfalls seine erste größere Rolle als Filmschauspieler. Nolan wollte die Soldatenrollen bewusst überwiegend mit sehr jungen, rund 20-jährigen Schauspielern besetzen, da viele der eingeschlossenen Soldaten auch eher dieses Alter gehabt hätten.