Jugend ohne Gott ist ein deutsches Filmdrama von Alain Gsponer, das auf dem Roman Jugend ohne Gott von Ödön von Horváth basiert und am 31. August 2017 in die deutschen Kinos kam.

Handlung Bei einem jährlich stattfindenden Assessment-Camp versuchen die Besten einer Abschlussklasse, einen der begehrten Plätze an den fünf weltweit existierenden Rowald-Universitäten zu ergattern, einer Elitehochschule. Kinder reicher Eltern, die jugendliche Elite, wurden in das Camp geschickt, um dort Leistungspunkte zu sammeln und sich gegen Konkurrenten durchzusetzen. Allen Teilnehmern an dem Auswahlwettbewerb wird ein Sender unter die Haut implantiert, damit sie bei Geländespielen auf dem weiträumigen Areal des Camps jederzeit lokalisiert werden können. Die Schüler werden vor „Illegalen“ gewarnt, welche die ihnen zugewiesenen Zonen verlassen haben und von den Schülern gemeldet werden sollen.

Der einzelgängerische Zach hat kein wirkliches Interesse an dem Wettbewerb. Sein Vater hat sich kürzlich das Leben genommen, worunter Zach sehr leidet. Dazu kommt, dass seine Mitschüler dafür gesorgt haben, dass ihr Klassenkamerad Wladim zugunsten Bernards plötzlich nicht mit ins Camp fahren darf, was Zach nicht gerecht findet. In einem Tagebuch hält Zach all seine Gedanken fest, den Mitstreitern gegenüber ist er verschlossen. Auch deswegen fühlt sich die sehr ambitionierte Nadesh von ihm fasziniert und angezogen.

Im Wald trifft Zach auf die geheimnisvolle Ewa, die dort mit anderen Illegalen lebt und sich mit Diebstählen über Wasser hält. Ihre Bekanntschaft widerspricht allen Regeln und ist für beide mit der Gefahr der Entdeckung verbunden; dennoch verlieben sie sich ineinander und beginnen ein Verhältnis. Nadesh entdeckt sie zufällig, verrät Zach aber zunächst nicht. Sie beginnt jedoch, sein Tagebuch zu lesen. Als Zach sie dabei erwischt, eskaliert die Situation, und beide müssen sich vor der Psychologin des Camps verantworten.

Als Zachs Tagebuch gestohlen wird, glaubt er, dass Nadesh es war, und prügelt sich mit ihr. Zach muss das Camp verlassen, wartet aber nicht auf den Helikopter, der ihn abholen soll, sondern geht in den Wald zu Ewa. Er schneidet seinen Sender aus der Haut und will mit den Illegalen im Wald leben. Nadesh sieht die beiden, und es kommt zu einer Auseinandersetzung, bei der Nadesh mit einem Stein den Kopf Zachs trifft, der daraufhin bewusstlos einen Abhang hinunterstürzt. Titus, der bei den Aufgaben im Camp bereits Ronen und Nadesh gefährdet hat, beobachtet die Szene. Als Nadesh ihn um Hilfe für Zach bittet, schlägt er sie mit einem Stein zunächst zu Boden, bevor er ihr den Schädel zertrümmert. Als Zach erwacht, sitzt Ewa neben Nadeshs Leiche. Sie sagt nichts und läuft davon, als Zach die Leiche wegschleift.

Als er wieder im Camp ist, zeigt die Polizei Zach ein Video, auf dem Ewa als dringend Tatverdächtige verhaftet wird, und fragt Zach, ob er sie kenne. Er gesteht den Mord, da er davon ausgeht, dass Ewa es war, und er sie schützen will. Die Indizien sprechen für Ewa als Täterin. Der Lehrer besucht Zach in der U-Haft und gesteht, das Tagebuch gestohlen zu haben. „Sie sind ja noch erbärmlicher, als ich dachte“, sagt Zach, was den Lehrer sehr bewegt.

Bei der Gerichtsverhandlung gibt Ewa an, dass noch ein Junge im Wald aufgetaucht sei, der Nadesh getötet habe. Als die Richterin sie fragt, warum Zach sie schütze, sagt Ewa, dass er sie wohl liebe – sie ihn aber nicht. Danach endet der erste Verhandlungstag. Die Psychologin lädt den Lehrer in eine Kneipe und dann zu sich ein. Nach dem Sex liest der Lehrer im Tagebuch und bricht mit seinen bisherigen, an die gesellschaftlichen Erwartungen angepassten Wertvorstellungen. Am nächsten Verhandlungstag gesteht er daher, das Tagebuch an sich genommen zu haben, da er so Zach habe besser verstehen wollen, um ihm zu helfen (die gleiche Begründung, die Nadesh ihm gegenüber für das Lesen im Tagebuch angegeben hatte). Der Lehrer muss die Schule und das Wohnviertel der Elite verlassen.

In seinem neuen Beruf als Fensterputzer trifft er den ehemaligen Camptechniker, dessen Stelle entfallen ist, als das Camp wegen der Vorfälle umstrukturiert wurde. Er erzählt, dass jemand das Ortungssystem manipuliert habe, während Nadesh getötet wurde. Der Lehrer kommt dahinter, dass der gefühlskalte Schüler Titus der Täter sein muss und sucht diesen auf. Titus hat beim Frühstück, bei dem seine Mutter nur telefoniert und ihn keines Blickes würdigt, im Fernsehen von Ewas Verurteilung erfahren. Der Lehrer konfrontiert ihn mit seinem Verdacht. Titus zeigt sich zunächst unbeeindruckt, aber als ihn der Lehrer umarmt und nicht loslässt, lässt er seinen unterdrückten Emotionen freien Lauf. Kurz nach dem Lehrer verlässt Titus’ Mutter das Haus – erneut ohne Titus zu beachten, der immer noch von den Emotionen mitgenommen ist.

Die Polizei holt den Lehrer am nächsten Tag aus dem Bett, da Titus sich das Leben genommen hat und eine Notiz auf seinem Diplom, das ihn als einer der drei besten Schüler des Landes auszeichnet, hinterlassen hat: „Fragt den Lehrer. Er kennt die Wahrheit.“ Ewa wird freigelassen und von Zach abgeholt. Sie gehen zusammen glücklich davon.

Produktion Literarische Vorlage Der Film entstand auf Grundlage des Romans Jugend ohne Gott des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horváth. Dieser wurde 1937 veröffentlicht, und der Stoff diente bereits mehrfach als Vorlage für Filme. In dem Roman wird einem Lehrer „Humanitätsduselei“ vorgeworfen, und er wird bei der Schulleitung diskreditiert, weil er einen Schüler darauf hingewiesen hat, dass auch Schwarze Menschen sind.

Stab und Finanzierung Die Regie übernahm der Schweizer Alain Gsponer, der zuvor für die Filme Lila, Lila (2009) und Heidi (2015) in dieser Funktion tätig war. Das Drehbuch stammt von Alexander Buresch und Matthias Pacht.

Der Film ist eine Produktion der die film gmbh in Koproduktion mit Constantin Film.Jugend ohne Gott – Offizielle Website zum Film von Constantin Film. Abgerufen am 9. Mai 2017. Als Produzenten fungierten Uli Aselmann und Sophia Aldenhoven.Jugend ohne Gott In: presseportal.de, 28. April 2017. Von den vom FilmFernsehFonds Bayern im Jahr 2015 geförderten Projekten erhielt der Film mit einer Million Euro die höchste Fördersumme.Film-Fernseh-Fonds fördert neue Projekte In: Süddeutsche Zeitung, 16. Juli 2015. Der Deutsche Filmförderfonds steuerte 800.000 Euro bei.Förderzusagen 01.01.2015 bis 31.12.2015 In: dfff-ffa.de. Abgerufen am 7. August 2016 (PDF; 178 kB). Weitere Förderungen erhielt der Film von HessenInvest Film In: hessenfilm.de, 13. Juni 2016. und von der FFA.

Aufbau und Besetzung mini|180px|links|Fahri Yardım spielt im Film einen Lehrer, der seine eigenen Wertvorstellungen überdenkt mini|180px|Jannis Niewöhner spielt den Schüler Zach Um den Stoff für Jugendliche interessant zu machen, hat man ihn für den Film in die nahe Zukunft versetzt: „Statt des Faschismus herrscht in unserem Film eine starke Gewinner-Verlierer-Gesellschaft. Die, die in der Gesellschaft oben sind, stehen in einem harten Konkurrenzkampf“, sagte Gsponer. In: hessenschau.de, 16. Juni 2016. Weiter erklärte der Regisseur in einem Interview mit der Aargauer Zeitung, warum seine filmische Adaption des Romans in der Zukunft spielt: „Wir haben lange recherchiert, bevor wir zu diesem Entschluss gekommen sind. Wichtig in diesem Prozess war, von Jugendlichen direktes Feedback zur Geschichte zu erhalten. Ich habe dazu eine Schulklasse befragt, die den Roman im Unterricht lesen musste. […] Es galt herauszufinden, von welchen Aspekten der Geschichte sie sich angesprochen fühlen. […] Im Gegensatz zum faschistischen System bei Horvath sind es heute die sozialen Medien und der durch sie entstandene Konkurrenzkampf, der die Jugendlichen beeinflusst.“Alain Gsponer im Gespräch mit Corina Gall: ‘Jugend ohne Gott’: Regisseur Alain Gsponer: ‘Die Jugend kennt keine Werte mehr’ In: Aargauer Zeitung, 27. August 2017. Zur Erklärung, warum sich Yardim in der Rolle des Lehrers in seinem Film nicht so sehr mit Gott auseinandersetzt wie in der literarischen Vorlage, sagte Gsponer: „Gott steht bei Horvath für Wahrheit, Werte und Liebe. Man könnte es also auch Jugend ohne Werte nennen. Die heutige Jugend kennt keine Werte mehr. Das war einer der Gründe, weshalb wir es anders interpretiert haben. Es geht nicht primär um das Gottlose, sondern um die Kritik an den fehlenden humanistischen Werten.“

Der Film erzählt die Geschichte hintereinander aus vier verschiedenen Perspektiven.Jugend ohne Gott In: jugend-filmjury.com. Abgerufen am 27. August 2017. Während im Buch der Lehrer der Protagonist ist, hat Gsponer versucht, für den Film einen anderen Ansatz zu finden: „Wir entschieden uns, die Jugendlichen besser in die Geschichte zu integrieren. Schliesslich sind auch sie unser Zielpublikum.“ Zu dem Ergebnis sagt die Deutsche Film- und Medienbewertung, Gsponer erzähle die Geschichte in mehreren Teilen jeweils aus der Perspektive eines der Protagonisten, sodass die Geschehnisse mehrfach, jeweils mit neuen, tieferen Bedeutungsebenen durchgespielt werden. Diese ungewöhnliche Erzählform sorge zuerst für Irritationen, doch spätestens nach der Hälfte des Films entwickele die Dramaturgie dann doch eine beachtliche Sogwirkung, und der Film entwickele sich zu einem spannenden Thriller.Jugend ohne Gott In: fbw-filmbewertung.com. Deutsche Film- und Medienbewertung. Abgerufen am 28. Mai 2017. Die Perspektiven sind: Nadesh – endet am Beginn der Auseinandersetzung zwischen ihr, Zach und Ewa Zach – endet, als die Polizei Zach fragt, ob er Ewa kenne Lehrer – endet, als er von der Manipulierung des Ortungssystems erfährt Titus – endet, als seine Mutter das Haus verlässt

Anschließend werden die Abholung des Lehrers aus dessen Perspektive sowie die Entlassung Ewas aus Zachs Sicht geschildert.

Fahri Yardım spielt die Hauptrolle des Lehrers. Anna Maria Mühe ist in dem Film als Psychologin Loreen zu sehen, die die Schüler im Camp betreut. Jannis Niewöhner übernahm mit Zach im Film eine zentrale Rolle. Alicia von Rittberg spielt Nadesh, Emilia Schüle ihre Rivalin Ewa, die alleine in den Wäldern lebt. Jannik Schümann (Titus), Livia Matthes (Samira), Genet Zegay (Suri), Damian Thüne (Wladim) und David Meier (Ronen) verkörpern weitere Campteilnehmer.

Für die Dreharbeiten im Mai und Juni 2016 im Landkreis Garmisch-Partenkirchen konnten sich Interessierte für Kleinrollen bewerben.Komparsen gesucht! In: merkur.de, 30. März 2016.

Dreharbeiten und Nachbearbeitung mini|hochkant=1.2|Das Besucher- und Informationszentrum der Grube Messel mini|hochkant=1.2|Steinwand in der Nähe von Poppenhausen Die Dreharbeiten begannen im April 2016.Jannis Niewöhner In: film-pr.de. Abgerufen am 7. August 2016. Im Mai und Juni 2016 fanden Filmaufnahmen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen statt. Die Szenen, in denen sich die Schüler im Film für das Camp anmelden und ihre elektronischen Geräte abgeben müssen, wurden am 13. und 14. Juni 2016 im Besucherzentrum des UNESCO-Welterbes Grube Messel gedreht, das aus grauen, harten Betonwänden besteht. „Die Architektur ist der Grund, weshalb wir hier drehen. Sie hat etwas Offenes, aber auch Brachiales“, erklärt der Regisseur. Das Besucherzentrum wurde noch digital bearbeitet, wodurch rechts und links von dem Gebäude ein Zaun zu sehen ist, der das Camp begrenzt. Weitere Drehorte in Hessen waren einige Hochhäuser in Frankfurt am Main, das Kongresszentrum in Darmstadt und Kletterfelsen der Steinwand in der Nähe von Poppenhausen. Die Dreharbeiten dauerten insgesamt zwei Monate.

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