Das im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Stift Obermünster war wie das nahezu zeitgleich entstandene Stift Niedermünster ein ehemaliges Kanonissenstift, gelegen in der heutigen südlichen Altstadt von Regensburg im sog. Obermünsterviertel, westlich vom dort gelegenen Jesuitenplatz.

Das Stift wurde in der Zeit der Karolinger im späten 8. Jahrhundert erbaut und 866 erstmals urkundlich erwähnt.Guido Hable, Raimund W. Sterl: Geschichte Regensburgs. Eine Übersicht nach Sachgebieten. Mittelbayerische Druckerei und Verlags-Gesellschaft mbH, Regensburg 1970, S. 247 Als Reichsabtei Obermünster war das Stift im Bayerischen Reichskreis vertreten. Ab 1484 hatte das Stift zudem Sitz und Stimme im Reichstag.

Das Gebäude der zugehörigen Kirche wurde im März 1945 durch Bombentreffer fast vollständig zerstört. Die Ruinen sind als Mahnmal erhalten. Der etwas nördlich entfernt von der ehemaligen Kirche frei stehende hohe Kirchturm blieb als weithin sichtbarer Campanile unbeschädigt erhalten. Auch die ehemaligen Stiftsgebäude blieben erhalten.

Geschichte Vom Klosterstift zur Reichsabtei miniatur|links|Die Obermünsterkirche in den 1920er Jahren

Das Maria Himmelfahrt geweihte Stift Obermünster wurde vermutlich im späten 8. Jahrhundert durch den Herzog von Baiern Tassilo III. gegründet. Sein Nachfolger Ludwig der Deutsche, aus dem Adelsgeschlecht der Karolinger und König des Ostfrankenreichs, erwarb auf Bitten seiner Ehefrau Hemma das Stift Obermünster in Regensburg im Tausch gegen die Abtei Mondsee bei Salzburg (urkundliche Belege fehlen). Seine Gemahlin Hemma stand bis zu ihrem Tod 876 dem Stift Obermünster als Äbtissin vor.

Nach 1002 wurde das Stift durch Schenkungen und Gewährung von Privilegien von Kaiser Heinrich II. aufgewertet und zu einem freien gefürsteten Reichsstift erhoben. Der Kaiser unterstützte auch den Bau einer Kirche, jedoch gelang es nicht, die Stiftsdamen strengen klösterlichen Ordensregeln zu unterwerfen. Stattdessen mussten die Stiftsdamen, um die Exklusivität des Stifts zu wahren, für eine Aufnahme in das Reichs-Stift 8 adelige Ahnen nachweisen. Ausländerinnen mussten für eine Aufnahme sogar 16 adelige Ahnen nachweisen. 1029 schenkte Kaiser Konrad II. dem Stift ein königliches Szepter.RI III,1 n. 144, in: Regesta Imperii Online, URI: https://www.regesta-imperii.de/id/1029-04-30_1_0_3_1_0_258_144 (Abgerufen am 30. Juni 2025). Er und Kaiserin Gisela traten dem Stift außerdem als Kanoniker und Kanonissin bei. Die Position des Stifts als Reichs-Stift blieb zunächst jedoch umstritten. Erst 1216 wurde die Reichsunmittelbarkeit der nunmehrigen Reichsabtei durch Kaiser Friedrich II. bestätigt und damit gefestigt. 1484 bestätigte Papst Innozenz VIII. den Status als weltliches Damenstift.

1802 nach Bildung des Fürstentums Regensburg wurde das Reichsstift dem neuen Landesherren Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg unterstellt, dann 1810 im Zuge der Säkularisation aufgelöst und zusammen mit der Stadt Regensburg in das neue Königreich Bayern eingegliedert. Die Bewohnerinnen hatten Bleiberecht bis 1822, als die letzte Äbtissin starb.

Säkularisation, Kriegs- und Nachkriegszeit Bis 1822 Wohn- und Ruhesitz der letzten Kanonissen, wurden die Gebäude des Stifts Obermünster radikal säkularisiert. Erst Bischof Sailer erreichte 1822 die Rückgabe der verstaatlichten Stiftsgebäude an das Bistum Regensburg. In den ehemaligen Gebäuden des Obermünsterstifts wurde zunächst ein Klerikerseminar und ab 1882 das bischöfliche Studienseminar St. Wolfgang eingerichtet.

Am 13. März 1945Peter Schmoll: Luftangriff. MZ Buchverlag Regensburg 1995, ISBN 3-927529-12-5, S. 191 zerstörten Bomben einen Teil der Stiftsgebäude und fast das gesamte Gebäude der Kirche. In den erhaltenen Kriegsruinen der Kirche empfangen die Regensburger Pfadfinder alljährlich das Friedenslicht von Bethlehem.

Von den Bomben kaum beschädigt blieb der entfernt frei stehende Glockenturm der Kirche weithin sichtbar erhalten. Ein Altar der Kirche im nördlichen Seitenschiff, gestiftet von Wandula von Schaumberg und erbaut 1534 bis 1540, wurde nur im Giebelbereich beschädigt, restauriert und transferiert in das Domschatzmuseum. Der Entwurf des Altars wird Albrecht Altdorfer zugeschrieben.

Nach 1969 erfolgte eine gründliche Sanierung der ehemaligen Stiftsgebäude und der Zusammenschluss mit mehreren Neubauten. Im neuen Gebäude-Ensemble finden sich heute das Diözesanzentrum, das bischöfliche Zentralarchiv, die bischöfliche Zentralbibliothek sowie die Kunstsammlungen des Bistums Regegensburg im Diözesanmuseum Obermünster.

Stadtviertel Obermünster (Obermünsterviertel) miniatur|links|Stadtviertel Obermünster um 1912

Seit der Nachkriegszeit wird das gesamte Stadtviertel am südlichen Rand der Altstadt von Regensburg zwischen Neupfarrplatz und Petersweg als das Obermünsterviertel bezeichnet. Das westlich der Maximilianstraße als der städtischen Hauptverkehrsstraße abseits gelegene Stadtviertel hatte im 20. Jahrhundert lange Zeit einen eher negativen Ruf, denn das Stadtviertel wurde damals geprägt durch eine hohe Verkehrsbelastung, tagsüber verursacht durch starken Parkplatz-Suchverkehr nach kostenlosen Auto-Parkplätzen. In den Nächten störte zusätzlich der Lärm von Vergnügungsstätten am benachbarten 'Jesuitenplatz, verursacht von Besuchern der dort vorhandenen Diskotheken mit insgesamt hoher nächtlichen Lärmbelastung. Zusätzlich hatten die Bewohner des Stadtviertels auch zu leiden unter einer hohen Fluktuation im Einzelhandel. Deshalb wurde im Juni 2011 das ganze Stadtviertel zum Sanierungsgebiet erklärt und in ein beantragtes Städtebau-Förderungsprogramm aufgenommen. Ziel des Programms war, den Gebäudebestand zu sanieren, das Wohnungsangebot zu verbessern, Grün- und Freiflächen zu schaffen, einen Nebenarm des ehemals hier verlaufenden Vitusbaches wieder zu beleben und dadurch die Verkehrs- und Lärmbelastungen zu verringern. Bis Ende des Jahres 2023 wurden aber keine der geplanten Maßnahmen verwirklicht und es waren keine neuen Grünflächen und Wasserläufe entstanden. Obwohl ein neues Parkhaus erbaut worden war, blieb der Parkplatzsuchverkehr weiterhin stark, weil das Parkhaus schlecht angenommen wurde und im unübersichtlichen Stadtviertel weiterhin billigere Abstellmöglichkeiten für Autos zu finden waren Daraufhin kam es im Oktober 2022 vor Ort zu einer von mehreren örtlichen Vereinen kulturell geprägten Protestveranstaltung, mit der die Stadtverwaltung zur Einhaltung ihrer ehemaligen Versprechungen aufgefordert wurde. Als Reaktion auf diese Veranstaltung zeichnet sich zum Jahresbeginn 2024 ab, dass die Verwaltung der Stadt Regensburg eine erneute Bestandsaufnahme ins Auge fasst, um die ehemals vorgeschlagenen Verbesserungsmaßnahmen zu verwirklichen.

Äbtissinnen von Obermünster ZeitenName der ÄbtissinAnmerkungen / Referenzen876Königin Hemma = Stifterin9./10. Jh.ChunegundisGisilaBeatrixSophiaHeilwigca. 900/945MathildeZirngibl vermutet sie erst im 13. Jh.IrmgardZirngibl vermutet sie erst im 14. Jh.SalomeZirngibl vermutet sie erst um 1200um 1000Wezala / UuezalaJüngeres Verbrüderungsbuch St. Peter in SalzburgJüngeres Verbrüderungsbuch St. Peter in Salzburg, S. 53; Monumenta necrologica monasterii s. Petri Salisburgensis, hg. von Sigmund Herzberg-Fränkel (MGH Necrologia Germaniae 2), Berlin 1904, S. 3–64, URL (zuletzt aufgerufen 19. August 2024): https://www.dmgh.de/mgh_necr_2/#page/53/mode/1up,, datiert vmtl. um 10041010–1029Wikpurg / WichburgRI II,4 n. 1726, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1010-04-17_2_0_2_4_1_436_1726 (Abgerufen am 19. August 2024).RI II,4 n. 2000, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1021-11-12_1_0_2_4_1_908_2000 (Abgerufen am 25. Juli 2024)RI III,1 n. 28, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1025-05-05_1_0_3_1_0_70_28 (Abgerufen am 25. Juli 2024)RI III,1 n. 144, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1029-04-30_1_0_3_1_0_258_144 (Abgerufen am 25. Juli 2024)Wulburga?Vermutlich gleichzusetzen mit Wichburg1045–1073Willanach Zirngibl 1052–1073 belegt 1064RI III,2,3 n. 325, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1064-02-04_1_0_3_2_3_325_325 (Abgerufen am 19. August 2024). und 1073RI III,2,3 n. 664, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1073-10-27_1_0_3_2_3_664_664 (Abgerufen am 19. August 2024).1089Hazecha belegt 1089RI III,2,3 n. 1291, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/dec0dc98-6a4e-4703-9e46-d165df086fa0 (Abgerufen am 19. August 2024).1110–1117Hadamudaevtl. Eulica1142–1177Hadwiga1193Euphemia von Helffenstein1209Salome1216Gertrud I. belegt 1216RI V,1,1 n. 863, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1216-05-15_1_0_5_1_1_1483_863 (Abgerufen am 19. August 2024).1219–1225Mathilde von Reuffe belegt 1219RI V,1,1 n. 1019, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1219-06-01_1_0_5_1_1_1667_1019 (Abgerufen am 19. August 2024).1227–1253Richza I. von Dornberg1259Juttanach Zirngibl 12951265Gertrud II.1272Wilburg/Wilwirg von Leuchtenberg1286–1292Ryssa I.(oder II.) von Leuchtenberg1295Jutta1298–1304Alheidis I.?1299?Ryssa II. von Dornbergnach Zirngibl 1227 als Richza I. von Dornberg1310–1324Bertha Wallerin1335Irmgard Rohrbeckinn1347Adelheid von Arenbach / Alheidis II. von Stauf1347/1364–1364Elisbeth von ParsbergAgnes I. von Puchberg1368–1371/2Katharina von MurachUrkunde von 1368Archivportal-D: https://www.archivportal-d.de/item/IL6HP6P7IWXUREF4GZFE7A5MKFYW6VLS–1374/1380Agnes I. von Wunebach1400–1402/1404Elisabeth II. von Murach–1435Margarethe I. Sattelbogerin1435–1456Barbara von Absberg1456–1479Kunigunde von Egloffstein1479–1500/1505Sibylla von Paulsdorff1500– ?Agnes II. von Paulsdorff1533–1536; † 1560Katharina II. von Redwitz1533–1545Wandula von Schaumberg–1564Barbara II. von Sandizell1564–1579Barbara III. Ratzin1579–1594/1597Magdalena von Gleissenthal1594–1608Margarethe II. Mufflinabgesetzt 1607; 1623Dorothea von Dobeneck1608–1649Katharina Praxedis von Perckhausen1649–1683Maria Elisabeth von SalisIhr Bruder der kaiserliche Feldzeugmeister Hans Wolfgang von Salis wurde in Regensburg beigesetzt1683–1719Maria Theresia von Sandizell1719–1765Anna Magdalena Franziska von Dondorff1765–1775Maria Franziska von Freudenberg1775–1803Maria Josepha von Neuenstein-Hubacker

Bauwerke

Literatur Anke Borgmeyer, Achim Hubel, Andreas Tillmann, Angelika Wellnhofer: Stadt Regensburg, Denkmäler in Bayern. Band III.37, Regensburg 1997, S. 422–433, ISBN 3-927529-92-3. Claudia Märtl: Die Damenstifte Obermünster, Niedermünster, St. Paul. In: Peter Schmid (Hrsg.): Geschichte der Stadt Regensburg, Bd. 2, Friedrich Pustet, Regensburg 2000, S. 745–763, ISBN 3-7917-1682-4. Paul Mai, Karl Hausberger (Hrsg.): Reichsstift Obermünster in Regensburg einst und heute. In: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg. Ausgabe 42, Regensburg 2008 Katharina Gutermuth: Die Traditionen des Kanonissenstifts Obermünster in Regensburg (= Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte). Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 2022, ISBN 978-3-406-10418-3.

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Einzelnachweise

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