mini|Michel Friedman auf der Frankfurter Buchmesse 2018 Julien Michel Friedman ([], * 25. Februar 1956 in Paris) ist ein deutsch-französischer Publizist, Talkmaster, Jurist, Philosoph und früherer Politiker der CDU.

Von 1994 bis 1996 gehörte Friedman dem CDU-Bundesvorstand an. Er war von 2000 bis 2003 stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland und Herausgeber der Wochenzeitung Jüdische Allgemeine sowie von 2001 bis 2003 Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, bis er im Zuge der „Friedman-Affäre“ alle öffentlichen Ämter niederlegte. Er moderierte mehrere Talksendungen, zum Beispiel von 1998 bis 2003 Vorsicht! Friedman beim Hessischen Rundfunk oder von 2004 bis 2021 Studio Friedman beim Sender N24 (heute Welt). Seit 2016 ist er Honorarprofessor für Immobilien- und Medienrecht an der Frankfurt University of Applied Sciences.

Leben Kindheit und Jugend Michel Friedman wurde als Sohn des Pelzkaufmanns Paul Samuel Friedman und seiner Frau Eugenia, geb. Wortsmann, in Paris geboren. Er entstammt einer polnisch-jüdischen Familie aus Krakau. Kaum ein Mitglied seiner Familie überlebte den Holocaust; fast alle kamen im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau um. Einzig seine Eltern und seine Großmutter („aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammend“),Michel Friedman: Zukunft ohne Vergessen. Köln 1995, S. 28. die während der NS-Zeit im Ghetto Krakau zusammengetrieben wurden,Michel Friedman: Zukunft ohne Vergessen. Köln 1995, S. 25. konnten durch den sudetendeutschen Unternehmer Oskar Schindler über eine Liste als „Schindlerjuden“ gerettet werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges heirateten die Eltern im Juni 1948 in Krakau und emigrierten nach der Geburt ihres ersten Sohnes nach Paris, wo sie staatenlos waren. Hier wurde Michel Friedman 1956 in bescheidenen Verhältnissen geboren und wuchs in einer multikulturellen Umgebung auf. Man sprach Französisch, Polnisch und Jiddisch; Deutsch lernte er am Gymnasium in Deutschland.Michel Friedman: Zukunft ohne Vergessen. Köln 1995, S. 23. Ab 1961 besuchte Friedman eine französische Volksschule. Prägende Einflüsse hatten auf ihn, wie er selbst angibt, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir.Michel Friedman: Zukunft ohne Vergessen. Köln 1995, S. 24. Friedmans Vater arbeitete im Pelzgroßhandel seines Stiefvaters.Michel Friedman: Zukunft ohne Vergessen. Köln 1995, S. 29.

1965 siedelte Michel Friedman mit seinen Eltern von Frankreich in die Bundesrepublik Deutschland über, wo der Vater im deutschen Pelzhandelszentrum in Frankfurt am Main tätig wurde. Bei den Feierlichkeiten zu Friedmans Bar Mitzwa (13. Lebensjahr) war Oskar Schindler Ehrengast; die Eltern pflegten den Kontakt zum einstigen Retter. Friedman war Schülersprecher am Frankfurter Goethe-Gymnasium und organisierte in dieser Zeit Demonstrationen gegen die Sowjetunion. Darüber hinaus war er in jungen Jahren Mitarbeiter des Jugendzentrums der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main und 1974/1975 Mitglied des Vorstandes des Bundesverbandes Jüdischer Studierender in Deutschland. Seine Familie war orthodox; ihn prägte in seiner Kindheit die Autorität des Landesrabbiners Isaak Emil Lichtigfeld.Michel Friedman: Zukunft ohne Vergessen. Köln 1995, S. 57.

Jurastudium und Anwaltstätigkeit 1974 legte er sein Abitur mit einem Schnitt von 1,4 abVgl. Lebenslauf in Dissertation. und begann auf Wunsch des Vaters zunächst ein Studium der Humanmedizin, das er nicht beendete. Nach dem Physikum wechselte er zur Rechtswissenschaft. Sein erstes juristisches Staatsexamen legte er 1984 „mit Prädikat“ ab. 1987 folgte sein zweites juristisches Staatsexamen. Danach ließ er sich als Rechtsanwalt, spezialisiert auf Immobilien- und Medienrecht, in Frankfurt nieder und wurde Partner einer international agierenden Kanzlei. 1994 wurde er bei Alfons Kraft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit einer Dissertation über Das Initiativrecht des Betriebsrats zum Dr. iur. promoviert.

Friedman, der die französische Staatsbürgerschaft hatte, ließ sich in den 1970er-Jahren in der Bundesrepublik einbürgern.

Funktionär jüdischer Organisationen Von 1983 bis 2003 war Friedman Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Ab 1990 war er für den Zentralrat der Juden in Deutschland tätig. 1997 sollte er Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin werden, was er aus familiären Gründen ablehnte, da sein Vater erst im Vorjahr Witwer geworden war.

1999 wurde er in das Präsidium des Zentralrats gewählt, wo er unter Paul Spiegel zum Vizepräsidenten avancierte. Er machte sich vor allem gegen Neonazismus, Fremdenhass und Antisemitismus stark. Im Jahre 2002 führten er und der Zentralrat einen öffentlichen Antisemitismusstreit mit dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP und Landesvorsitzenden der FDP Nordrhein-Westfalen, Jürgen Möllemann wegen der Aufnahme des Grünen-Politikers Jamal Karsli in die FDP-Landtagsfraktion NRW. Möllemann sagte, Friedman verschaffe mit seiner intoleranten, gehässigen, überheblichen Art dem Antisemitismus mehr Zulauf als der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon mit seiner Besatzungspolitik. Friedman bezeichnete diesen Kommentar als „Zivilisationsbruch“.

Von 2001 bis 2003 war Friedman Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses. Darüber hinaus war er von 2000 bis 2003 Herausgeber der Wochenzeitung Jüdische Allgemeine.

Wirken als Fernsehmoderator Seit 1993 ist Friedman neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt, Publizist, Politiker und Verbandsfunktionär auch als Fernsehmoderator tätig. Von 1993 bis 1994 moderierte er beim Mitteldeutschen Rundfunk die Talkshow Riverboat. 1995 startete er mit Luc Jochimsen und Holger Weinert das Magazin Drei-zwei-eins beim Hessischen Rundfunk. 1997 war er kurzzeitig Moderator des Polit-Talk 43:30 – Zeit für Politik bei Premiere. Von 1998 bis 2003 moderierte er beim Hessischen Rundfunk die Sendung Vorsicht! Friedman und von 2001 bis 2003 die Sendung Friedman im Ersten.

„Friedman-Affäre“ Im Juni 2003 geriet Friedman im Zuge von Ermittlungen wegen Menschenhandels im Rotlichtmilieu in das Blickfeld der Staatsanwaltschaft. Mehrere Prostituierte, die illegal aus der Ukraine nach Deutschland gebracht worden waren, sagten aus, Friedman habe mit ihnen mehrmals Sex gehabt, Kokain angeboten und selbst Kokain konsumiert. Prostituierte und Suchtmittel habe er unter dem Pseudonym „Paolo Pinkel“ angefordert; dies sei von der Polizei angeblich falsch verstanden worden, Friedman behauptete später, eigentlich „Paolo Pinkas“ verwendet zu haben. Daraufhin wurden seine Kanzlei und seine Wohnung rechtmäßig durchsucht und drei szenetypische Päckchen mit Kokain-Anhaftungen gefunden. Die Menge war aber zu gering, um den genauen Wirkstoffgehalt zu ermitteln. Das Ergebnis seiner Haarprobe war hingegen positiv, was rechtlich seinen Kokainkonsum nachwies. Daraufhin erging am 8. Juli 2003 ein Strafbefehl wegen Kokainbesitzes über 150 Tagessätze von zusammen 17.400 Euro, den er widerspruchslos akzeptierte.

Friedman trat im Zuge der Affäre von allen öffentlichen Ämtern zurück. In einer Erklärung bedauerte er, einen „Fehler gemacht zu haben“. Er entschuldigte sich bei den Menschen, die er enttäuscht habe, und bat die Öffentlichkeit um „eine zweite Chance“. Da er es vermied, sich ausdrücklich bei den Prostituierten zu entschuldigen, wurde er u. a. von der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes öffentlich kritisiert. Weiterhin trat er von der Moderation der Sendung Friedman am 8. Juli 2003 zurück.

Beruflicher Neubeginn mini|Michel Friedman (2004) Nach kurzer Zeit wurde Friedman Herausgeber für den Programmbereich „Politisches Buch“ im Aufbau-Verlag und nach dem Angebot durch den Unternehmer Hans Wall Mitglied im Aufsichtsrat der Wall GmbH.Mit einer privaten Promi-Party probt Michel Friedman sein gesellschaftliches Comeback focus.de, 9. September 2015, abgerufen am 16. Dezember 2019

Im November 2003 nahm Friedman wieder an den Diskussionsrunden Sabine Christiansen (Das Erste) und Grüner Salon (n-tv) teil. 2004 wirkte er beim Sender 13th Street als Moderator der Sendung Im Zweifel für... Friedmans Talk, einer Justiz-Talkshow zur US-Serie Law & Order. Des Weiteren moderierte Friedman von 2004 bis 2020 den wöchentlichen Talk Studio Friedman,. Offizielle Website von Studio Friedman bei N24. danach im Jahr 2021 sieben Folgen der Talksendung Open End. 2008 bis 2020 moderiert er die Reportagereihe Friedman schaut hin beim Nachrichtensender Welt. 2008 war er gemeinsam mit Franziska Günther verantwortlich für die Sendung lieber lesen beim Literatursender Lettra (Premiere Star). Von 2017 bis 2022 moderierte Friedman den Videopodcast Auf ein Wort... mit Michel Friedman, welcher bei Deutsche Welle online erschien und rund einstündige Interviews mit Wissenschaftlern zu grundlegenden philosophischen Themen enthielt.

Außerdem war er Kolumnist der Zeitschrift Max und der Zeitung Die Welt; zuvor schrieb er regelmäßig Kommentare in der Frankfurter Kompaktzeitung NEWS. 2016 wurde er Moderator der englischsprachigen Sendung Conflict Zone des Senders Deutsche Welle.

Philosophiestudium und Professur Friedman studierte neben seiner Fernsehtätigkeit ab 2006 Philosophie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und wurde 2010 bei Klaus-Jürgen Grün mit der Dissertation Schuldlose Verantwortung. Vorgaben der Hirnforschung für Ethik und Strafrecht zum Dr. phil. promoviert.

Seit 2016 ist Friedman Honorarprofessor für Immobilien- und Medienrecht an der Frankfurt University of Applied Sciences. Zudem war er von 2016 bis 2022 einer von vier Direktoren des Center for Applied European Studies (CAES), eines Forschungszentrums für Europafragen dieser Hochschule.Michel Friedman leitet Europa-Forschungszentrum an Hochschule focus.de, abgerufen am 16. Dezember 2019

Attentatsversuche In einer aus Anlass seines 60. Geburtstages ausgestrahlten Interview-Sendung des alpha-Forums der ARD vom 25. Februar 2016 erwähnte Friedman zwei auf ihn versuchte Attentate, die mit Schusswaffen verübt worden seien.Michel Friedman, Journalist, Philosoph und Rechtsanwalt, Bayerischer Rundfunk, 45 Min., abgerufen am 8. März 2023 Dies hatte er auch bereits in einem Interview mit der FAZ, publiziert am 9. Dezember 2013, geäußert.Ich war noch nie so glücklich wie heute. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. Dezember 2013, auf: faz.net, abgerufen am 26. Februar 2016Der rote Faden: Der Besorgte. In: Frankfurter Neue Presse vom 17. Januar 2015, auf: fnp.de, abgerufen am 26. Februar 2016

Privates Friedman ist seit seinem achtzehnten Lebensjahr deutscher Staatsangehöriger. Sein älterer Bruder (geb. 1948 in Krakau) lebt heute in Israel.

2004 heiratete Friedman die Fernsehmoderatorin Bärbel Schäfer, die zum Judentum konvertierte. Die Trauung fand nach jüdischem Ritus in der Park East Synagogue statt, dem Gotteshaus einer orthodoxen jüdischen Gemeinde in New York. Das Paar hat zwei Söhne und lebt in Frankfurt-Westend, Paris und Cannes.

Gremienarbeit/Ehrenamt Von 1990 bis 2003 war Friedman Präsidiumsmitglied im ZDF-Fernsehrat. Darüber hinaus war er Vorstandsmitglied der Stiftung Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem und der Geschwister Korn und Gerstenmann-Stiftung. Er war stellvertretender Aufsichtsrat des Friedrichstadt-Palasts, Aufsichtsratsvorsitzender des Saarländischen Staatstheaters, Kuratoriumsmitglied der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Mitglied des Koordinierungsrates des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums, Beiratsmitglied der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und Präsidiumsvorsitzender von Keren Hajessod Deutschland sowie Aufsichtsratsmitglied der Saarländischen Investitionskreditbank.

Friedman ist Mitglied der Atlantik-Brücke, Aufsichtsratsmitglied der Jewish Agency und Gründungsmitglied des PEN Berlin.

Politik Karriere als Unionspolitiker mini|Michel Friedman (2009)