mini|Engelmacherin in einem Gemälde von Otto von Baditz, um 1884 Als Engelmacher wird seit ungefähr 1920 in der älteren Umgangssprache euphemistisch eine Person bezeichnet, die illegal Schwangerschaftsabbrüche vornimmt (siehe: Unsicherer Schwangerschaftsabbruch).Aleš Půda: Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt: eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext, Peter Lang AG, 2010, S. 195 (). Als „Engelmacher“ können Ärzte, Hebammen oder Heiler, aber auch medizinisch nicht vorgebildete Personen tätig werden. Sie nehmen ihre Eingriffe oft auch unter hygienisch bedenklichen Bedingungen und ohne die nötige Kenntnis und Sorgfalt vor, so dass Komplikationen (z. B. Blutungen, Infektionen oder Unfruchtbarkeit) resultieren können. Auch Todesfälle der Schwangeren kamen und kommen vor. Schwangerschaftsabbrüche führen diese Personen oft mit nichtmedizinischen Instrumenten (z. B. Stricknadeln) oder Chemikalien und Hausmitteln (z. B. (giftige) Pflanzen oder Seifenlauge) durch.
In Ländern mit legalen Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs werden Engelmacher evtl. noch tätig, wenn die Fristen des straflosen Abbruchs überschritten sind. In vielen Ländern sind Engelmacher als Kurpfuscher verboten.
Als Engelmacherin wurde weiter ab Anfang des 19. Jahrhunderts eine Frau bezeichnet, die kleine und insbesondere uneheliche Pflegekinder absichtlich sterben ließ („zu Engeln machte“), um sich am Pflegegeld zu bereichern.
Trivia
Helmut Qualtingers Lied Die alte Engelmacherin (1957) handelt von einer Wiener Engelmacherin, deren Handwerk wegen der Medikalisierung der modernen Gesellschaft ausstirbt.
In der ersten Staffel des Dokudramas Charité versucht Wärterin Stine eine Engelmacherin oder einen Medizinstudenten zu finden, der an ihrer Nichte einen illegalen Schwangerschaftsabbruch vornehmen soll.
Siehe auch Selbstabtreibung
Weblinks
Hugo Friedländer, Ein entmenschtes Weib. Die Engelmacherin Wiese. in: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung. 1911–1921, Band 1, S. 150–163. http://www.zeno.org/nid/20003606937 Karl Henckell: Die Engelmacherin, in: Gesammelte Werke. Band 2: Buch des Kampfes, München 1921, S. 35–36. http://www.zeno.org/nid/2000503616X
Einzelnachweise
Kategorie:Medizingeschichte Kategorie:Medizinethik Kategorie:Schwangerschaftsabbrüche Kategorie:Euphemismus