Das Sintfeld, eine Hochfläche zwischen Bad Wünnenberg, dem Marsberger Stadtteil Meerhof und den südlichen Stadtteilen von Lichtenau in Nordrhein-Westfalen, ist Standort eines der größten zusammenhängenden Windparks in Europa. Die ersten Anlagen in diesem Gebiet wurden Mitte der 1990er Jahre errichtet, ab dem Jahr 2000 setzte ein starker Ausbau der Windkraftleistung ein. Unter dem Dach der Sintfeld REGO Strom GmbH wurde dabei die Planung und der Betrieb mehrerer Windparks zusammengefasst. Durch das Ersetzen älterer Anlagen durch leistungsstärkere (Repowering) sowie der Erschließung neuer einzelner Parks entstand bis Mitte der 2020er Jahre ein zusammenhängendes Windparkgebiet mit 166 Anlagen (Stand Mitte 2025), das aus zehn einzelnen, ineinander übergehenden Standorten besteht. Aufgrund der guten Windverhältnisse entstanden in der Region weitere sehr große Windparks, etwa in Asseln.
Lage Das Windparkgebiet erstreckt sich in der Form eines nach Süden offenen Bogens auf dem Hochplateau des Sintfelds. Die West-Ost-Distanz von etwa 15 km und die Nord-Süd-Distanz etwa 10 km. Die Höhenlage beträgt zwischen 300 und 450 m ü. NN. Das Gelände ist weitgehend waldfrei und flachwellig. Nach Nordwesten hin fällt das Gelände in die flache Westfälische Bucht ab, nach Süden steigt es zum Sauerland und nach Osten zum Eggegebirge hin weiter an.
Der größte Teil des Windparks befindet sich auf dem Gebiet der Städte Bad Wünnenberg und Lichtenau im Landkreis Paderborn (Regierungsbezirk Detmold), ein kleinerer Teil im Osten auf dem Gebiet der Stadt Marsberg im Hochsauerlandkreis (Regierungsbezirk Arnsberg). Nächstgelegene größere Städte sind Paderborn 20 km nördlich, Lippstadt 33 km nordwestlich und Brilon 22 km südwestlich.
Mitten durch das nördliche Windparkgebiet führt die Bundesautobahn 44 in West-Ost-Richtung, im westlichen Teil führt die Bundesstraße 480 in Nord-Süd-Richtung. Zudem führen die Landesstraßen L 636 und L 744 durch das Gelände. Auch durchqueren mehrere Hochspannungsleitungen das Gebiet, darunter eine 380-kV-Leitung (Elsen – Twistetal), zwei 110-kV-Leitungen (Paderborn-Süd – Twistetal, Büren – Husen – Marsberg) und eine 110-kV-Bahnstromleitung (Ehringshausen – Warburg).
Das zusammenhängende Windparkgebiet besteht, von West nach Südost gesehen, aus den folgenden Windparks: Haaren-Leiberg (31 Anlagen): Westlich der B 480 zwischen den namensgebenden Bad Wünnenberger Stadtteilen Haaren und Leiberg. Hirschweg (7 Anlagen): Östlich der B 480, südlich von Haaren Eilerberg (41 Anlagen): Entlang der BAB 44 südlich und östlich von Helmern Dalheim (9 Anlagen): Westlich des Lichtenauer Stadtteils Dalheim Elisenhof (9 Anlagen): Beiderseits der BAB 44 südlich von Dalheim Meerhof (46 Anlagen): Westlich des Marsberger Stadtteils Meerhof, direkt an den Windpark Elisenhof angrenzend Körtge (4 Anlagen): Westlich an den Windparks Meerhof angrenzend auf Bad Wünnenberger Gebiet Schürenbusch (2 Anlagen): Östlich von Fürstenberg am Rand der Hochebene zum bewaldeten Höhenzug des Sauerlands hin Himmelreich (9 Anlagen): Südöstlich von Meerhof, direkt an den Windpark Meerhof angrenzend Wohlbedacht (9 Anlagen): Nordwestlich von Essentho, allerdings auf Bad Wünnenberger Gebiet
Geschichte Erste Anlagen Die ersten Windkraftanlagen auf dem Sintfeld sind größtenteils unabhängig voneinander entstanden und erst im Rahmen mehrerer Erweiterungen zu einem zusammenhängenden Park gewachsen. Die ersten Anlagen entstanden 1995 auf dem Eilerberg, in Haaren und in Meerhof. Auf dem Eilerberg wurden in direkter Nachbarschaft zur Autobahn zwei Anlagen des Typs Tacke TW 600e des deutschen Herstellers Tacke Windtechnik errichtet. Dieser Hersteller existiert heute nicht mehr, er wurde im Oktober 1997 durch den US-Konzern Enron übernommen, dessen Windenergiesparte 2002 von General Electric gekauft wurde und seitdem als GE Wind Energy auftritt. Eine weitere Anlage vom Typ Nordtank NTK 500/37 des dänischen Herstellers Nordtank entstand südlich von Helmern. Auch dieser Hersteller existiert heute nicht mehr, da er 1997 von der ebenfalls dänischen Micon zur NEG Micon fusionierte und im Frühjahr 2004 von Vestas übernommen wurde. Südlich von Haaren entstanden in der Nähe der Straße Kermelsgrund zwei Anlagen des Typs Micon M700-225 des dänischen Herstellers Micon. In Meerhof wurden zwei Anlagen des Typs ENERCON E-40 des bis heute aktiven deutschen Herstellers Enercon gebaut, sowie eine Anlage des Typs Micon M1500-500, der 1996 eine Micon M700-225 folgte.
Die nächste Anlage auf dem Eilerberg entstand 1997, dabei handelte es sich um das Modell Nordtank NTK 1500/64, die eine Nennleistung von 1,5 MW aufwies und zu den größten damals erhältlichen Anlagen gehörte. 1998 folgte eine Anlage des Typs AN Bonus 600/41 des dänischen Herstellers Bonus, der im Oktober 2004 von Siemens gekauft wurde. Da die Firma AN Windenergie aus Bremen der Lizenznehmer für Bonus-Windkraftanlagen in Deutschland war, wurden die Anlagen hier unter den Namen AN Bonus vertrieben.
Ausbau 2000–2001 Der erste großflächige Ausbau im „Windgebiet Sintfeld“ fand im Jahr 2000 statt, als im Windpark Meerhof 13 Anlagen vom Typ Vestas V66-1.65MW, im Windpark Elisenhof 9 Anlagen vom Typ NEG Micon NM48/750 und im Windpark Eilerberg 3 Anlagen des Typs ENERCON E-66/18.70, eine Anlage des Typs Vestas V47-660kW und 7 Anlagen des Typs Vestas V66-1.75MW errichtet wurden. Im Jahr darauf, 2001, folgte eine zweite Ausbaustufe des Windparks Meerhof mit 13 Anlagen des Typs ENERCON E-66/18.70 und der Bau des Windparks Wohlbedacht mit 10 Anlagen desselben Typs. Für jeden der vier Standorte wurde eine eigene Betreibergesellschaft gegründet, die unter der Sintfeld REGO Strom GmbH zusammengefasst wurden. Die drei Enercon-Anlagen auf dem Eilerberg waren dagegen im Besitz der Alme-Windkraft Verwaltungs GmbH. Die Investitionssumme des Gesamtprojekts lag bei ca. 200 Millionen DM, die überwiegend von Investoren aus der Region getragen wurden, um durch eine hohe Bürgerbeteiligung die Akzeptanz des Windparks in der betroffenen Region zu erhöhen.
Während der Windpark Elisenhof anfangs durch die Dortmunder Harpen Energie Contracting GmbH betrieben wurde, handelte es sich bei den Windparks Eilerberg (in Teilen auch als Windpark Helmern bezeichnet), Wohlbedaht und Meerhof um Bürgerwindprojekte, wobei letzterer zum Teil über einen Windfonds vertrieben wurde. Nach Angaben der Betreiber war das Sintfeld zum Errichtungszeitpunkt das größte Windgebiet im europäischen Binnenland. Die Einspeisung des Stroms der vier Parks ins öffentliche Stromnetz erfolgt über ein eigens errichtetes Umspannwerk in Meerhof, das damals als größtes privat errichtetes Umspannwerk Deutschlands galt. Die erste Ausbaustufe endete im Jahr 2002, als im Windpark Meerhof noch vier ENERCON E-58 errichtet wurden. Insgesamt umfasste diese den Bau von 65 Anlagen, die vier bestehenden Anlagen in Meerhof mit eingeschlossen.
Beim Bau des Windparks setzte man auf das sogenannte „Verpachtungs- und Beteiligungsmodell“, was bedeutet, dass jedem, auf dessen Land eine Windkraftanlage steht, als Entschädigung für die nicht nutzbare Fläche eine Standortgebühr, die bei 4.000 - 5.000 Euro pro Jahr liegt, gezahlt wird. Falls auch ein Zufahrtsweg zur Windenergieanlage angelegt werden musste, erhält der Besitzer des Landstückes hierfür ebenfalls eine Entschädigung. Zusätzlich werden die Landbesitzer anteilsmäßig am Gewinn aus dem Verkauf des gewonnenen Stroms beteiligt, da dieser nicht von den Bauern direkt genutzt, sondern durch die Herstellerfirmen verkauft wird. Bei der Umsatzbeteiligung werden 5 % des Gesamtgewinns gemäß dem Anteil des jeweiligen Landbesitzers an der Gesamtfläche aufgeteilt.
In den darauffolgenden Jahren folgen nur kleinere Erweiterungen der Windparks: 2004 wurden auf dem Eilerberg eine ENERCON E-48 und zwei ENERCON E-58 gebaut, 2005 zwei Vestas V90-2MW. Im Jahr 2007 folgten eine ENERCON E-48 in Windpark Meerhof, 2009 dort drei ENERCON E-53 und eine ENERCON E-82. In Wohlbedacht entstand 2010 eine ENERCON E-70.
Ausbau ab 2013 mini|Neubau von Vestas-Anlagen im Windpark Eilerberg Der nächste neue Windpark im Bereich des Sintfelds entstand ab 2013 nördlich der Kernstadt von Bad Wünnenberg. Im Windpark Haaren-Leiberg wurden in der ersten Ausbaustufe insgesamt 21 Windkraftanlagen der Firma Enercon installiert, dabei handelt es sich um eine Anlage des Typs ENERCON E-82 mit 2 MW Nennleistung und 20 Anlagen des Typs ENERCON E-82 E2 mit 2,3 MW Nennleistung. Der Park wurde als Bürgerwindpark realisiert, neben örtlichen Banken beteiligten sich Bürger aus dem südlichen Landkreis Paderborn an dem durch die 2009 gegründete Genossenschaft WestfalenWIND realisierten Projekt. Neben dieser beteiligten sich auch etwa 100 Kommanditisten und 800 Mitglieder einer weiteren Genossenschaft an der Finanzierung. Beim Bau der Anlagen kam es zu einem Vorfall, als ein Raupenkran umkippte. Offiziell in Betrieb genommen wurde der Park mit einem Festakt am 24. August 2014. Fünf der Anlagen werden durch die Bürgerwindpark Haaren-Leiberg GmbH & Co. KG betrieben.
Die Meerhof Wind GbR errichtete ebenfalls 2013 eine Anlage des Typs ENERCON E-53 mit 800 kW Nennleistung im Windpark Meerhof.
Im Jahr 2014 folgte der Bau dreier neuer Windparks und die Erweiterung von zwei bestehenden: Östlich der B 480 entstanden im Windpark Hirschweg zwei Anlagen des Typs ENERCON E-101 mit 3,05 MW Nennleistung. Projektierer und Betreiber ist die WBG Energie GmbH. Im Windpark Schürenbusch entstanden zeitgleich zwei ENERCON E-82 E2 mit 2,3 MW Nennleistung. Westlich an den Windpark Meerhof angrenzend, allerdings auf Bad Wünnenberger Gebiet, entstand der Windpark Körtge, der vier Anlagen desselben Typs umfasst. Betreiber der Anlagen ist die Windpark Körtge GmbH & Co. KG. Der Windpark Eilerberg wurde um ebenfalls vier Anlagen des genannten Typs erweitert. Im westlichen Bereich des Windparks Haaren-Leiberg wurden weitere drei solcher Anlagen errichtet.
2015 wurde der Windpark Haaren-Leiberg um sechs neue Anlagen erweitert, dabei handelte es sich um zwei ENERCON E-92 mit 2,35 MW Nennleistung, zwei ENERCON E-115 mit 3,05 MW Nennleistung sowie zwei Vestas V112-3.45MW. Die vier Enercon-Anlagen befinden sich im Besitz der Wind-Park Haaren-Leiberg IV GmbH & Co. KG. Erstmals wurden auch bestehende Anlagen, in diesem Fall die beiden Micon M700-225 südwestlich von Haaren, abgebaut, um Platz für größere Anlagen zu schaffen.
Ein weiteres Repowering wurde im Windpark Eilerberg durchgeführt, dort entstanden 2015 zwei Anlagen des Typs ENERCON E-101, die eine ENERCON E-66/18.70 aus dem Jahr 2000 ersetzen, sowie drei Anlagen des Typs ENERCON E-115. Letztgenannte befinden sich nördlich der BAB 44. Betreiber der repowerten Anlage ist, wie auch der Altanlagen, die Alme-Windkraft GmbH. Im Jahr 2016 folge ein weiteres Repowering, bei den acht Bestandsanlagen durch 19 neue Anlagen ersetzt wurden, gleichzeitig wurde der Park selbst auch nach Norden hin erweitert. Bei den abgebauten Anlagen handelt es sich um fünf Vestas V66-1.65MW und zwei ENERCON E-66/18.70, alle wurden im Jahr 2000 errichtet und waren somit 16 Jahre in Betrieb. Die beiden Enercon-Anlagen wurden durch die Alme-Windkraft GmbH vor Ort demontiert und in Polen bzw. Litauen wieder aufgebaut. Bei den neuen Anlagen handelt es sich um eine ENERCON E-70, eine ENERCON E-82 E2, acht ENERCON E-115, eine Senvion MM100, eine Senvion 3.0M122, eine Vestas V112-3.3MW, eine Vestas V126-3.3MW und fünf Vestas V126-3.45MW. Die Windkraft Eilerberg GmbH betreibt vier der ENERCON E-115 sowie die Vestas V126-3.3MW und alle Vestas V126-3.45MW.