Die Wirtschaft der Schweiz gilt als eine der produktivsten und stabilsten Volkswirtschaften der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt weltweit auf dem 3. Platz. Die 9 Millionen Einwohner (Nummer 99 von 194 Ländern und Territorien) erwirtschaften das zwanziggrösste Bruttoinlandprodukt der Welt. In der Gesundheits- und Sozialbranche arbeitet die grösste Anzahl Beschäftigte. Professional Services, das Baugewerbe und die Automobilbranche bieten ebenfalls eine vergleichsweise hohe Anzahl Arbeitsplätze. In der verarbeitenden Industrie finden im Bereich «Datenverarbeitungsgeräte und Uhren» am meisten Menschen ihr Auskommen. Auch das Bildungswesen liegt in Bezug auf Anzahl Beschäftigte noch vor der Finanzbranche. Bezüglich Bruttowertschöpfung liegt das verarbeitende Gewerbe (Industrie) mit 18,7 % vor Handel und Reparatur mit 14,8 %. Die wichtigsten Branchen nach Gewichtung im Swiss Performance Index der Schweizer Börse sind der Gesundheitssektor mit 32 %, gefolgt von Konsumgütern mit 26 %, der Finanzbranche mit 21 % und Industriegütern mit 16 %.

Geschichte Die Schweizer Industrialisierung fand zuerst schwerpunktmässig im Kanton Zürich und Umgebung statt. Aus der anfänglich dominierenden Textilindustrie wuchs die Maschinenindustrie. Diese produzierte Textilmaschinen, Dampfmaschinen und Lokomotiven. Dazu entwickelte sich leicht später auch die chemische Industrie, vor allem am Rheinknie um Basel. Die Uhrenindustrie entwickelte sich vor allem entlang des Jurabogens. Mit ihrer Präzisionsarbeit behielt sie einen stark handwerklichen Charakter. Mechanische Uhrwerke produzierte man vorerst in vielen kleinen Heimwerkstätten und Kleinstfabriken.

Dank Innovationen gehörte die schweizerische Maschinenindustrie ab den 1860er-Jahren zu den international wichtigsten Produzenten. Nach dem Höhepunkt in den 1950er- und 1960er-Jahren lag der Weltmarktanteil selbst in den 1990er-Jahren immer noch bei 2–3 %. Handwerklichen Maschinenbau hatte es in der Schweiz seit dem 18. Jahrhundert gegeben. Um das Jahr 1800 wurden in Winterthur und St. Gallen die ersten mechanischen Spinnereien eingerichtet. Bezüglich Energiebeschaffung hatte die Schweiz aber aufgrund fehlender Kohlevorkommen ein Handicap. Auch weil vor dem Ausbau der Eisenbahn der Kohletransport teuer war. Es gab daher relativ wenig Dampfmaschinen in der Schweiz. Gezwungen, die Möglichkeiten zur Mechanisierung ohne Dampfantrieb auszuloten, fand die Schweiz in der Wasserkraft Mittel und Wege, um ihr Energie-Handicap wettzumachen. Das führte auch zur Pionierrolle der Schweiz bei der Elektrifizierung ihres Eisenbahnnetzes. Die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) realisierte zusammen mit der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft 1891 die erste Fernübertragung von Elektrizität. Die beiden MFO-Ingenieure Charles Brown und Walter Boveri gründeten im selben Jahr die Brown, Boveri & Cie., später ABB.

Der Turbinenbau begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Escher Wyss produzierte ab 1835 Dampfschiffe für Flüsse und Seen. In der Zwischenkriegszeit wurde Sulzer zu einem der wichtigsten Lieferanten der Hochseeschifffahrt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Produktion von Schienenfahr-, Strassenfahr- und Flugzeugen. Der Einstieg in die Mikroelektronik verlief in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hingegen zögernd.

Turbinenherstellung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Die Turbinenherstellung für Kraftwerke war im 19. Jahrhundert einer der «Motoren» der Industrialisierung und Exportwirtschaft.Simon Leresche, Laurent Tissot: 150 ans de production de turbines à Vevey (1863–2013). De Benjamin Roy à Andritz Hydro en passant par les Ateliers de Constructions Mécaniques de Vevey. Éditions Alphil-Presses universitaires suisses, Neuchâtel 2013, ISBN 978-2-940489-49-7. 150 ans de production de turbines à Vevey (1863–2013). In: Vevey.TV. Abgerufen am 1. Dezember 2023. Hersteller Zeitraum Gesamtproduktion davon exportiertEscher Wyss AG, Zürich1844–1875801 Turbinen65,8 %Benjamin Roy, Vevey1866–1875226 Turbinen45 % (Europa)J. J. Rieter, Winterthur1854–1883350 Installationen30 % (Russland, Norwegen)Socin & Wick, Basel1867–1883320 Turbinen (95 % Girard)70 % der GirardturbinenTheodor Bell, Kriens1859–1883200 Turbinen50 % (davon 70 % nach Italien)Maschinenwerkstätte Eisengiesserei M. Weniger, St. Georgen (St. Gallen)1856–1883130 Turbinen28 %

Wirtschaftsdaten Bruttoinlandsprodukt Das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz betrug 2024 rund 850 Milliarden Schweizer Franken, was rund 94'710 Franken pro Kopf entspricht (pro Kopf auch der nicht-erwerbstätigen Bevölkerung).Bundesamt für Statistik Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreichte die Schweiz 2015 einen Indexwert von 162 (EU-28:100) und damit etwa 130 % des deutschen Wertes.

Arbeitsmarkt Die Schweiz hat einen liberalen Arbeitsmarkt. Insbesondere ist der Kündigungsschutz nicht so ausgebaut wie in anderen europäischen Ländern. Das erlaubt es den Firmen, flexibel auf die Konjunktur zu reagieren.

Im Zuge der globalen Abschwächung der Wirtschaft stieg die Arbeitslosigkeit in der Schweiz zu Beginn des 3. Jahrtausends vom Tiefpunkt 1,6 % im Jahr 2001 bis auf den Höhepunkt der Arbeitslosenquote von 3,9 % im Jahr 2004. Danach zog die Wirtschaft jedoch wieder an und die Arbeitslosenquote begann wieder zu sinken.

Durchschnittlich waren im Jahr 2007 in der Schweiz 109'189 Personen als arbeitslos gemeldet, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 2,8 %. In der Deutschschweiz betrug sie 2,2 %, während sie in der Westschweiz und dem Tessin bei 4,2 % lag.

Kennzahlen Verschiedene makroökonomische Indikatoren der Schweizer Wirtschaft von 1980 bis 2024. Alle Werte zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) sind in Franken angegeben. Inflation unter zwei Prozent ist mit einem grünen Pfeil markiert. JahrBIP(in Mrd. Franken)BIP pro Kopf(in Franken)BIP Wachstum(real)Inflationsrate(in Prozent)Arbeitslosenquote(in Prozent)Staatsverschuldung(in % des BIP)1980205,232'5535,1 %4,0 %0,2 %k. A.1981220,234'7671,6 %6,5 %0,2 %k. A.1982233,336'601 −1,3 %5,7 %0,4 %k. A.1983240,437'5020,6 %3,0 %0,9 %k. A.1984257,139'9903,1 %2,9 %1,1 %k. A.1985272,742'2333,7 %3,4 %1,0 %k. A.1986286,244'1271,8 %0,7 %0,8 %k. A.1987296,945'5121,5 %1,4 %0,8 %k. A.1988315,147'9883,3 %1,9 %0,7 %k. A.1989340,551'4344,4 %3,2 %0,6 %k. A.1990369,455'3483,7 %5,4 %0,5 %33,3 %1991385,757'089 −0,9 %5,9 %1,1 %35,1 %1992393,457'491 −0,1 %4,0 %2,5 %39,5 %1993401,958'182 −0,1 %3,3 %4,5 %44,4 %1994412,059'1211,3 %0,9 %4,7 %47,1 %1995417,459'4640,6 %1,8 %4,2 %50,0 %1996420,559'5410,5 %0,8 %4,7 %51,3 %1997427,860'4082,2 %0,5 %5,2 %53,7 %1998439,561'9362,9 %0,0 %3,9 %56,0 %1999446,962'7381,7 %0,8 %2,7 %52,7 %2000471,565'8154,1 %1,6 %1,8 %52,2 %2001483,967'2211,6 %1,0 %1,7 %51,1 %2002482,466'485 −0,1 %0,6 %2,5 %57,7 %2003487,766'676 −0,1 %0,6 %3,7 %56,9 %2004501,668'1222,6 %0,8 %3,9 %57,8 %2005520,570'2022,8 %1,2 %3,8 %54,9 %2006553,874'2434,2 %1,1 %3,3 %48,5 %2007589,278'4623,9 %0,7 %2,8 %44,8 %2008614,080'8682,7 %2,4 %2,6 %44,8 %2009602,578'223 −2,3 % −0,5 %3,7 %43,1 %2010623,980'1273,2 %0,7 %3,5 %41,5 %2011635,580'7561,9 %0,2 %2,8 %41,9 %2012643,680'9041,2 % −0,7 %2,9 %42,6 %2013654,881'4501,8 % −0,2 %3,2 %42,0 %2014665,781'7852,3 %0,0 %3,0 %42,1 %2015667,881'0611,6 % −1,1 %3,2 %42,2 %2016677,581'3652,1 % −0,4 %3,3 %40,9 %2017684,781'3121,4 %0,5 %3,1 %41,8 %2018709,783'8352,9 %0,9 %2,5 %39,8 %2019717,384'2031,2 %0,4 %2,3 %39,6 %2020696,181'692 −2,3 % −0,7 %3,2 %43,3 %2021744,585'6055,6 %0,6 %3,0 %41,0 %2022791,087'5783,1 %2,8 %2,2 %37,2 %2023804,087'4690,7 %2,1 %2,0 %33,3 %2024825,087'9821,3 %1,3 %2,4 %31,9 %

Sektoren

Landwirtschaft und Rohstoffe Im hochindustrialisierten Dienstleistungsstaat Schweiz arbeiten heute weniger als vier Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft (siehe auch Geschichte der Landwirtschaft in der Schweiz). Trotzdem wird dieser Wirtschaftszweig vom Bund mit beträchtlichen Mitteln unterstützt (Subventionen). Die landwirtschaftliche Produktion ist regional sehr unterschiedlich. In den Voralpen, Alpen und im Jura dominiert Viehzucht und Milchwirtschaft, im Mittelland Getreide-, Kartoffel- und Rübenanbau, in der Ostschweiz und im Wallis Obst. In verschiedenen Gebieten wird Weinbau betrieben. Exportiert wird in erster Linie Hartkäse (Emmentaler, Greyerzer (Gruyère), und Sbrinz; siehe auch Käseherstellung in der Schweiz).

In der Schweiz dominiert in der Landwirtschaft die integrierte Produktion. Der Anteil der biologisch bewirtschafteten Landwirtschaftsfläche betrug 2011 10,8 %.bio-suisse.ch 2005 erreichte der Anteil biologisch produzierender Betriebe mit 6320 sogenannten Knospe-Betrieben seinen bisherigen Höhepunkt, danach nahm dieser Anteil wieder ab und zwar sogar stärker, als der allgemeine Strukturwandel. Seit 2011 hat dieser Trend gedreht und die Anzahl an Bio-Landwirtschaftsbetrieben wächst wieder, zuletzt auf 5731 im Jahr 2012.Schweiz hat mehr Biobauern – schweizerbauer.ch Es gibt keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzensorten, ausser zu Forschungszwecken.

Die Schweiz ist rohstoffarm. Abgebaut werden Kies, Kalkstein (Jura), Ton, Granit (Graubünden, Tessin) und Salz (Rheinfelden, Bex). Kohle, Uran und Erdöl sind bisher nur in Spuren gefunden worden. Mehrere Minen, die in der Vergangenheit Eisenerz (Sargans, Fricktal, Stechelberg), Asphalt (La Presta, Travers), Kupfer (Zinal) oder Gold (Gondo) lieferten, wurden mittlerweile geschlossen.

Ein wichtiger Rohstoff der Schweiz ist die Wasserkraft, die mit Speicherkraftwerken und Laufkraftwerken zwei Drittel des Schweizer Elektrizitätsbedarfs deckt. Siehe auch: Liste der Speicherseen in der Schweiz.

Gewerbe und Industrie traditionell: Uhren-Industrie, Präzisionsinstrumente, Maschinenbau, Apparate, Chemie/Pharma, Nahrungsmittel zunehmend: Pharmazeutik, Medizintechnik

Der grösste Teil des Bruttoinlandsproduktes wird im sekundären und tertiären Sektor erwirtschaftet. Der sekundäre Sektor (Industrie) hat beschäftigungsmässig stark an Bedeutung verloren, dennoch arbeiten rund 24 % der Beschäftigten in der Industrie.

Im sekundären Sektor dominieren die Uhrenindustrie (v. a. Swatch Group, IWC) und der Maschinenbau (z. B. ABB, Sulzer). Bekannt ist die Schweiz zudem für die Herstellung von Präzisionsinstrumenten, Apparaten sowie für die Pharmaindustrie (Novartis, Roche), die Chemie (Clariant), die Nahrungsmittel-Herstellung (Nestlé) und die Medizintechnik.

Energie Einer der wenigen Rohstoffe, die die Schweiz besitzt, ist das Wasser zur Stromerzeugung; das Land gilt als „Wasserschloss Kontinentaleuropas“. Dennoch trug die Stromproduktion mit Hilfe von Laufkraftwerken (entlang der Flüsse) und Pumpspeicher-Kraftwerken (Nutzung von Gebirgs-Stauseen) 2015 nur etwa 15 % zum End-Energieverbrauch des Landes bei. Der mit Abstand grösste Verbrauchs-Anteil entfällt mit 51 % auf Erdölprodukte (16 % Brenn- und 35 % Treibstoffe). Gas trägt zu rund 14 % bei, Strom aus vier Kernkraftwerks-Blöcken zu rund 10 %. Die Anstrengungen zur Verringerung der fossilen Energieträger und damit der Kohlendioxid-Belastung der Erdatmosphäre (gemäss Übereinkommen von Paris) hinken in der Schweiz noch immer deutlich hinter den gesteckten Reduktions-Zielen her (vgl. vor allem auch die Energieeffizienz); Sonnen- und Windenergie tragen zusammen mit rund 3 Prozent zur Deckung des Energiebedarfs bei.Bundesamt für Energie: Gesamtenergiestatistik 2015

Dienstleistungen Der tertiäre Sektor hat eine immer grössere Bedeutung: 73 % der Erwerbstätigen arbeiteten 2003 im Dienstleistungssektor (15,1 % im Handel, 5,7 % in Hotels und Restaurants, 5,1 % in Banken und Versicherungen).

Die zu den grössten Banken der Welt gehörende UBS hat ihren Sitz in der Schweiz. Die SwissRe gehört zu den weltgrössten Rückversicherern.