mini|Zitronenblüte Die Zitrone (von Italienisch citroneFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 886.) oder Limone (von Persisch līmūn „Zitrone“Karl Lokotsch: Etymologisches Wörterbuch der europäischen (germanischen, romanischen und slavischen) Wörter orientalischen Ursprungs. Carl Winter, Heidelberg 1927, S. 105.) ist die etwa faustgroße Frucht des Zitronenbaums (Citrus × limon) aus der Gattung der Zitruspflanzen (Citrus). Es handelt sich um eine Gruppe von Sorten, die aus einer Kreuzung zwischen Bitterorange (Citrus × aurantium) und Zitronatzitrone (Citrus medica) entstanden ist, wahrscheinlich im Norden Indiens. Um das Jahr 1000 sind erste sichere Nachweise sowohl in China als auch im Mittelmeerraum zu finden.

Die immergrünen Bäume bringen länglich-ovale Früchte (die Zitronen) mit gelber oder grün-gelber Schale hervor. Das saftige, saure Fruchtfleisch enthält rund 3,5–8 % Zitronensäure und viel Vitamin C. Aus Zitronen werden Saft, Zitronensäure, ätherisches Öl und Pektin gewonnen.

Etymologie und Wortgeschichte Das Wort „Zitrone“ entstand im Deutschen vor der Mitte des 16. Jahrhunderts aus italienisch citrone unter Einfluss von französisch citron. Der lateinische Name citrus (im 16. Jahrhundert deutsch Citronenbaum) als Bezeichnung für den Baum gilt als Entstellung aus cedrus (Zeder), denn das Wort für die Frucht (im 16. Jahrhundert auch Citronapfel) geht zurück auf griechisch kedrómēlon („Zedernapfel“, Bezeichnung der Zitronatzitrone) in Bezug auf den Duft.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 886. Der Name Zitrone (lateinisch neben citrus auch citrumOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 172.) bezog sich früher auf die Zitronatzitrone. Erst im späten Mittelalter wurde der Name in einigen Sprachen auf die Zitrone übertragen.

In anderen Sprachen wie Englisch bezieht sich die Bezeichnung citron jedoch immer noch auf die Zitronatzitrone, während die Zitrone mit dem aus dem Arabischen entlehnten Wort lemon bezeichnet wird. Das Wort Limone war jedoch auch in der deutschen Sprache über Jahrhunderte eine weit verbreitete Bezeichnung für die Zitrone und ist es in einigen Regionen Österreichs immer noch. Das aus der französischen Sprache entlehnte Wort Limonade bezeichnete ursprünglich ausschließlich ein Erfrischungsgetränk aus Zitronen.Andreas Unger: Von Algebra bis Zucker: arabische Wörter im Deutschen. Reclam, 2006, ISBN 3-15-010609-5, S. 149–151. Zum Teil wird das Wort Zitrone auch als Sammelbezeichnung für die sauer schmeckenden Zitrusfrüchte Limone, Zitronatzitrone und Limette verwendet.Robert Ebermann, Ibrahim Elmadfa: Lehrbuch Lebensmittelchemie und Ernährung. Springer-Verlag, 2008, ISBN 978-3-211-49348-9, S. 427.

Beschreibung Die Zitrone wächst als kleiner bis mittelgroßer, immergrüner Baum. Im Vergleich zu anderen Zitruspflanzen ist sie raschwüchsig und groß. Vor allem junge Triebe sind mit kleinen, dünnen Dornen besetzt. Der Austrieb ist rötlich, auch die Knospen sind rosa, die ansonsten weißen Blütenblätter auf der Unterseite rosa bis violett.

Die Laubblätter sind länglich-oval bis breit lanzettlich, zugespitzt, am Rand leicht gesägt oder gekerbt. Der Blattstiel ist etwas verbreitert (geflügelt), die Blattspreite ist deutlich vom Blattstiel abgesetzt (unifoliates Blatt).

Die bisweilen faulig duftenden Blüten erscheinen verteilt über das ganze Jahr in wenigblütigen Blütenständen. Sie haben einen Durchmesser von etwa 20 bis 30 Millimetern und bestehen aus fünf verwachsenen Kelchblättern sowie fünf freien Blütenblättern. Der Fruchtknoten ist dick zylinderförmig und geht in den Griffel über. Die 20 bis 40 Staubblätter sind mit den Staubfäden zu mehreren Gruppen verwachsen.Die Bestäubung erfolgt in der Regel durch Insekten, aber auch Windbestäubung und Selbstbefruchtung durch direkten Kontakt der Staubblätter mit der Narbe sind bei Citrus häufig anzutreffen. Durch Parthenokarpie, also Frucht ohne Befruchtung, kommt es zu samenlosen Früchten, aber auch, weil Citrus zum Teil pollensteril ist oder die Narbe nicht fruchtbar ist. Häufig treten Blüten auf, bei denen das Gynoeceum verkümmert ist, die also funktional männlich sind.

mini|Unbehandelte Zitronen Die Frucht (Hesperidium) besteht aus acht bis zehn Segmenten, die mit hellgelben Saftschläuchen gefüllt sind. Jedes Segment ist von einem dünnen Häutchen (Endokarp) umgeben, die ganze Frucht von einer zweigeteilten Schale. Die innere Schicht der Schale ist weiß (Mesokarp, Albedo), die äußere bei der Reife grün (Exokarp, Flavedo), in subtropischen Gebieten im Winter auch gelb. Zitronen, die in Europa auf den Markt kommen, wurden meist behandelt, so dass die Schalen immer gelb sind.Orangenrot und Zitronengelb – Wann sind die Zitrusfrüchte wirklich reif? In: Deutschlandradio Kultur. 11. November 2012. In der Schale sitzen zahlreiche Öldrüsen, sie verströmt einen aromatischen Duft. Auch den Blättern ist der typische Zitronengeruch eigen. An der Spitze der Frucht befindet sich meist eine kleine Ausstülpung. Die Samen sind relativ klein, glatt und zugespitzt. Im Innern sind sie weiß. Etwa 10 bis 15 % der Samen sind polyembryonisch.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.

Europäische Anbau- und Küchengeschichte Seit dem 13. Jahrhundert sind Zitronen in Europa, zunächst in Sizilien und Spanien, seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch in Deutschland nachgewiesen.G. Uerscheln, M. Kalusok: Kleines Wörterbuch der europäischen Gartenkunst. Stuttgart 2001, ISBN 3-15-018115-1, S. 188 und 276. (Stichworte: Orangerie und Zitrusbäumchen). Wilhelmina Jashemski geht allerdings davon aus, dass Zitronen bereits im römischen Reich angebaut wurden. In der 1964 ausgegrabenen Villa der Poppaea Sabina in Oplontis waren sie anhand von Holzresten und der Art des Anbaus nachzuweisen.Wilhelmina F. Jashemski: Ancient Roman gardens in Campania and Tunisia: A comparison of the evidence. In: Journal of Garden History. 16/4, 1996, S. 239 (doi:10.1080/01445170.1996.10435649). Zitronen sind laut Jashemski auch auf Wandgemälden in Pompeji abgebildet. Helena Attlee vertritt allerdings die Ansicht, dass es sich dabei um Zitronatzitronen handelte, die durch nach Kalabrien einwandernde Juden dort eingeführt wurden. Dies hatte rituelle Gründe: Beim Laubhüttenfest werden in Anlehnung an das antike Erntedankfest zu den Gottesdiensten in der Synagoge die Arba’a minim getragen. Sie bestehen neben Palmzweig, drei Myrtenzweigen und zwei Bachweidenzweigen auch aus dem Etrog, einer Sorte der Zitronatzitrone.

Die im Anbau robustere Bitterorange und später auch die schwieriger zu kultivierende Zitrone wurden auf Sizilien erst nach dem Jahre 831 infolge der arabischen Eroberungen eingeführt.Helena Attlee: The Land Where Lemons Grow. 2015, S. 48. Mit den regnerischen Wintern und den trockenen Sommern ist Sizilien für den Anbau von Zitrusfrüchten eigentlich nicht prädestiniert. Aufbauend auf den noch vorhandenen Bewässerungssystemen aus römischer Zeit entwickelten arabische Siedler jedoch Bewässerungsmethoden, die den Anbau erlaubten. Ibn Hauqal, der auf seinen weiten Reisen auch Sizilien besuchte, beschreibt in seinem 977 niedergeschriebenen Buch vom Bild der Erde auch die umfangreichen Gärten, in denen aufgrund der eingeführten Bewässerungsmethoden Orangen- und Zitronenbäume standen.Helena Attlee: The Land Where Lemons Grow. 2015, S. 52.

Im Mittelalter war die Verwendung von Zitronen in der Küche auf den äußersten Süden Europas begrenzt. Noch im 16. Jahrhundert war Zitronensaft als Würze für Fisch oder Geflügel am Hofe des englischen Königs Heinrich VIII. eine Novität.Kate Colquhoun: Taste – The Story of Britain through its Cooking. Bloomsbury Publishing, London 2012, ISBN 978-1-4088-3408-4., Ebook-Position 1420

Renaissance mini|Die Zitrusfruchtsammlung der Villa Medici von Castello, die auf das Jahr 1537 zurückgeht Wohlhabende italienische Familien verfügten bereits im 16. Jahrhundert und damit in der Renaissance über spezielle Sammlungen von Zitruspflanzen, in denen vergleichbar einem Kuriositätenkabinett auch ausgefallenere Sorten und Mutationen gepflegt wurden.Helena Attlee: The Land Where Lemons Grow. 2015, S. 7. Als besonders herausragend galt die Sammlung der Familie Medici, die auf das Jahr 1537 zurückgeht, dem Jahr, in dem Cosimo I. de’ Medici an die Macht kam und damit begann, den Landsitz der Familie, Villa Medici von Castello, umzubauen.Helena Attlee: The Land Where Lemons Grow. 2015, S. 10. Der mit der Gartengestaltung beauftragte Niccolò Tribolo nutzte Zitruspflanzen, die die goldenen Äpfel der Hesperiden aus der antiken Heraklessage symbolisierten, um eine Verbindung zwischen der Medici-Familie und den heroischen Tugenden von Herakles zu unterstreichen.

Zunächst wurden im Garten der Villa nur Zitruspflanzen gepflegt, die auf Sizilien und im Süden Italiens regelmäßig angebaut wurden, aber bereits unter Francesco I. de’ Medici wurden auch zunehmend ausgefallenere Sorten gepflegt. Der französische Naturforscher Pierre Belon, der im Zeitraum zwischen 1546 und 1549 den Garten besuchte, beschreibt ihn als einen Garten, der wie ein Teppich mit Orangen und Zitronenpflanzen bestückt sei. Winterlichen Schutz fanden die empfindlichen Zitruspflanzen im Norden der Toskana im sogenannten limonaia (wörtlich übersetzt: Zitronenhaus), der italienischen Abwandlung der Orangerie.Helena Attlee: The Land Where Lemons Grow. 2015, S. 8. Der italienische Renaissancegarten fand zwar in Frankreich, Deutschland und England Nachahmer, allerdings zunächst mehr in seinen gestalterischen Elementen als mit seinen Bepflanzungen.

Auf die vergleichsweise geringe Rolle, die die Zitrone in der Renaissanceküche spielte, weist das Kochbuch Opera von Bartolomeo Scappi hin. Scappi trat 1534 unter Papst Paul III. in den Dienst der vatikanischen Küche und arbeitete bis 1576 als Leibkoch für mehrere Päpste: Julius III., Paul IV. und Pius IV., Pius V. und Gregor XIII. Mit seinem 1570 erschienenen Kochbuch „Opera“ überlieferte er rund 1000 Rezepte der Renaissance-Küche der Nachwelt. Scappi nutzte überwiegend Bitterorangen in seinen Rezepten.Helena Attlee: The Land Where Lemons Grow. 2015, S. 28.

Barock mini|Willem Kalf: Stillleben, ca. 1660 mini|Bartolomeo Bimbi, 1715, Zitronen und Zitronatzitronen. Der Barockgarten entwickelte sich aus dem Renaissancegarten, die frühesten Barockgärten entstanden in Frankreich. Fürstliche Barockgärten hatten eine repräsentativere Funktion als die Renaissancegärten: Zitronenpflanzen waren ihrer Symbolik als Äpfel der Hesperiden, als Zeichen der Unsterblichkeit (gleichzeitig Blühen und Fruchttragen) aber auch wegen ihres Duftes und Geschmacks beliebt. Im 17. und 18. Jahrhundert entstand eine regelrechte Orangeriekultur auch in den nördlicheren Ländern Europas.