Hohentengen am Hochrhein ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut im Bundesland Baden-Württemberg, Deutschland. Sie entstand in ihrer heutigen Form durch die Gemeindereform von 1973 und setzt sich aus den Ortsteilen Bergöschingen, Günzgen, Herdern, Hohentengen, Lienheim und Stetten zusammen. Hohentengen am Hochrhein bildet mit der Gemeinde Küssaberg den Gemeindeverwaltungsverband Küssaberg. Der Bereich gilt auch als Mittelpunkt des im Volksmund sogenannten „Bohnenviertels“.Hg. Landkreis Waldshut: Heimat am Hochrhein. Jahrbuch des Landkreises Waldshut 1983, Band VIII, Verlag Südkurier Konstanz, 1982. Franz Rücker: Die Gemeinde Hohentengen am Hochrhein ISBN 3-87799-033-9, S. 25.

Namensbildung Geprägt wurde die Ortschaft schon früh durch den Kirchenbau. Auf die Urkirche folgte 1518–1520 ein Neubau. Er hatte Wandmalereien (Fresken) und 400 Sitzplätze, obwohl das Dorf Tengen damals nur um die 200 Einwohner hatte. Sie wurde von den Menschen als so monumental empfunden, dass, wenn vom Dorf Thengen die Rede war, man den Zusatz „bei der hohen Kirche“ verwendete, aus dem dann der Name Hohentengen hervorging. Durch seine Kirche und die große Pfarrei übte das Dorf eine Mittelpunktfunktion aus.

Wappen

Geographie Geographische Lage Die Gemeinde Hohentengen liegt auf dem nördlichen Rheinbord mit Blick auf die Schweiz. Bei entsprechender Wetterlage bietet sich vom Stettener Kalten Wangen ein Ausblick auf die Schweizer Berge. „Die sich vom Rhein terrassenförmig aufbauende Landschaft reicht von 347 Meter (Rheinhöhe) bis 690 Meter (Wannenberg) bei Bergöschingen.“Hg. Landkreis Waldshut: Heimat am Hochrhein. Jahrbuch 1983, Band VIII 1982. Franz Rücker: Die Gemeinde Hohentengen am Hochrhein, S. 25.

mini|Kaiserstuhl, von Hohentengen aus gesehen (November 2000) Nachbargemeinden Die Gemeinde mit 12,5 Kilometer Rheingrenze grenzt an die deutschen Gemeinden Küssaberg im Westen und Klettgau im Norden. Die 5,5 Kilometer Landesgrenzen zur Schweiz bestehen im Osten zu den Gemeinden Wasterkingen und Hüntwangen, im Süden zu Glattfelden und Weiach, alle im Kanton Zürich; sowie ebenfalls im Süden zu Zurzach und Fisibach im Kanton Aargau und dort auch zur Stadt Kaiserstuhl.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den sechs Ortsteilen Bergöschingen, Günzgen, Herdern, Hohentengen, Lienheim und Stetten. Die räumlichen Grenzen der Ortsteile Bergöschingen, Herdern, Hohentengen und Lienheim entsprechen denen der früheren Ortschaften gleichen Namens, die räumlichen Grenzen der Ortsteile Günzgen und Stetten entsprechen dem des früheren Bezirks der Gemeinde Stetten. Die Ortsteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.

Zu allen Ortsteilen gehören zahlreiche Höfe, Wohnplätze und auch abgegangene Ortschaften.Zum Ortsteil Bergöschingen gehören das Dorf Bergöschingen und die Höfe Bercherhof, Dachshof, Heiterhof, Krummhof, Schrennenhof und Weilerhof. Zum Ortsteil Hohentengen gehören die Dörfer Hohentengen und Herdern, der Zinken Guggenmühle, die Höfe Engelhof, Neuhof und Unter Juckenhof und die Wohnplätze Klausen und Schloss Rötteln. Zu Lienheim gehören das Dorf Lienheim und die Höfe Eichbühlerhof, Gatterhof, Gfällhof, Sandhof, Schlosshof, Steinlebachhof, Turmhof (bisher Türnenhof) und Vorderer Rohrhof (bisher Wüstrüttehof). Zur ehemaligen Gemeinde Stetten gehören die Dörfer Stetten und Günzgen und das Gehöft Lenkhof. In Bergöschingen aufgegangen ist die Ortschaft Oberhofen. In Hohentengen aufgegangen ist die Ortschaft Klausen, des Weiteren liegt die Wüstung Weißwasserstelz im Ortsteil Hohentengen. In Lienheim aufgegangen ist die Ortschaft Kohlerhof. (Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 992–994).

Ortsteile 50px|Wappen Der Ortsteil Hohentengen ist das Zentrum der Gemeinde und Sitz der Gemeindeverwaltung.50px|Bergöschingen Bergöschingen, der kleinste Ortsteil wird geprägt von landwirtschaftlichen Gebäuden. Idyllisch gelegen ist Bergöschingen ein Ort der Ruhe und Naturverbundenheit.50px|Lienheim Lienheim ist der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Hohentengen a.H.50px|Günzgen Der Ortsteil Günzgen liegt unmittelbar an der Grenze zur Schweizer Gemeinde Wasterkingen. Das Bild des kleinen malerischen Ortes erhielt in langer Planung sein heutiges reizvolles Gesicht.50px|Herdern Herdern ist der drittgrößte Ortsteil, gelegen am Rheinufer auf halbem Weg zum Kraftwerk Eglisau-Glattfelden.50px|Stetten Der Ortsteil Stetten gehört mit seinen knapp 300 Einwohnern zu den kleinsten Ortschaften der Gemeinde. Stetten liegt am Fuße des Kalten Wangen, inmitten von Feldern und Wiesen. Bei entsprechendem Wetter bietet sich Wanderern vom Kalten Wangen aus ein guter Ausblick auf die Schweizer Alpen.

Geschichte Frühgeschichte Herbert Fuchs sen. nennt das (Hügel-)Steinkistengrab bei Herdern im Gewann „Schatzbühl“ als schnurkeramische Bestattung (2800–2200 v. Chr.).Ebenfalls beschrieben in Badische Fundberichte Sonderheft 11/1969. Weitere Objekte sind die Kesselgruben im Gewann Grubenholz in Herdern, die von Prof. Keller GLA (1876) und 1941 „beim Legen der Wasserleitung für die Siedlung bei der Guggenmühle“ im Gewann „Schloßäcker“ festgestellt wurden. Funde von Gegenständen „der mittleren Bronzezeit“ (1600–1300 v. Chr.) beschreibt Egon Gersbach.Egon Gersbach: Badische Fundberichte. Urgeschichte des Hochrheins. Katalogband, Sonderheft 11, Redaktion: Staatliches Amt für Ur- und Frühgeschichte Freiburg (A. Eckerle), Freiburg 1969, S. 143 f.

Kelten Sehenswürdigkeiten in Hohentengen sind „ein keltisches Reihengrab und eine keltische Ringwallanlage.“Es kann sich auch um eine Viereckschanze handeln. In: Hg. Landrat Dr. Norbert Nothhelfer: Der Kreis Waldshut. Wissenswertes aus den Städten und Gemeinden. Andreas Bader: Hohentengen, 2. Auflage, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen, 1979, S. 254, ISBN 3-8062-0204-4.

Römerzeit Der Historiker Franz Joseph Mone vermutete in Hohentengen die einstige römische Siedlung Tenedo, der Historiker Joseph Bader bezog dieses noch auf Tiengen; beides gilt heute als widerlegt.

„Die Funde römischer Münzen und Tonscherben und die Wegspuren bestätigen […], daß hier ein Knotenpunkt des römischen Verkehrs über das Rafzer Feld und den kalten Wasen [heute: Kalter Wangen] nach Bühl und Grießen war.

Alamannen Der Name Tengen [… als] alemannische Gründung bedeutet ‚bei den Angehörigen des Tio oder Teo‘. Auch die Entdeckung von alemannischen Reihengräbern im Ortsteil Lienheim weist auf einen ähnlichen Ursprung hin.“

Gründung und Mittelalter Hohentengen als Siedlung ging wahrscheinlich aus einem bischöflichen Mayerhof hervor: In einer Urkunde aus dem Jahr 877 wird ein berittener Bote genannt, der im Auftrag des Bischofs Salomo III. von Konstanz nach Straßburg zu Bischof Reginhard unterwegs war, um bei dem Mayer in Teingon (Thengen) für eine nachfolgende Delegation Quartier zu machen.Formulae salomonis COC:Lat.19413/95 Bayerische Staatsbibliothek München.

Hohentengen erscheint dann 1243 in einer Urkunde als „‚Ticingin‘ und nach dem Züricher Urkundenbuch 1268 als ‚Teingen‘“Hans Matt-Willmatt: Die Gemeinden des Kreises Waldshut und ihre Geschichte in: Die Chronik des Kreises Waldshut, Vocke-Verlag, Waldshut 1957, S. 49.

Geschichte der Urkirche Die 1255 genannte Kirche in Hohentengen, „die 1268 als ‚ecclesia Teinigen‘ und 1504 als ‚gotshus unser liben frowen‘“ bestätigt ist, wurde 1518–1520 neu erbaut und wurde „von Bischof Hugo von Konstanz der hl. Mutter Gottes geweiht (15.8.).“ Herbert Fuchs sen. geht davon aus, dass sich am Bauplatz der Kirche zuvor „zweifellos […] eine alte heidnisch[e] Kultstätte“ befand. Entsprechend wurde hier schon „zur Zeit der Karolinger“ ein christliches Heiligtum errichtet. In den Jahren 1518–1520 „legte man, bis auf den unteren Teil des Turmes, die alte Kirche nieder und errichtete den heute in seinen Grundformen noch bestehenden Neubau.“ Nachdem „1739 ein Sturm den Dachstuhl hinweggefegt hatte“, wurde die Kirche „barockisiert.“ Bei einer „neuerlichen Renovation 1939-1940 wurden die alten Wandmalereien entdeckt.“H. Fuchs sen.: Die Kirche unserer lieben Frau von Hohentengen. Die Kirche, die dem Dorf den Namen gab. in: Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald. Beiträge zur Geschichte des Landkreises Waldshut, Jahrgang 2002. Hrsg.: Geschichtsverein Hochrhein e. V., Waldshut, S. 93 bis 100.

Kirchenbrand In der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 1954 fiel die unter Denkmalschutz stehende Kirche „mit ihren Kunstwerken, Fresken, Wandbildern und der Sakristei aus dem 13. Jahrhundert“ einem Brand zum Opfer. Nach archäologischen Grabungen haben der Präsident der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Dr. P. Kläui, und der Aargauischen Kantonsarchäologe R. Bosch festgestellt, dass schon in karolingischer Zeit (8. und 9. Jahrhundert) hier eine Kirche stand.Hans Matt-Willmatt: Die Gemeinden des Kreises Waldshut und ihre Geschichte in: Die Chronik des Kreises Waldshut, Vocke-Verlag, Waldshut 1957, S. 49. Über diese Urkirche erstellten Leiter der Ausgrabung (Kläui, Bosch und Ginter) einen ausführlichen Bericht.Freiburger Diözesan-Archiv 1955 / Seite 281. Dies deutet auch auf eine noch ältere Existenz der Ortschaft hin. Im Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut werden auch detaillierte Angaben zu den vier Glocken der Kirche gegeben.Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut, Hrsg.: W. H. Mayer, Waldshut 1926, S. 210 f.

Pfarrer Wendelin Müller, der seit 1933 in Hohentengen wirkte, setzte 1954 zusammen mit Bürgermeister Karl Berthold und der Gemeinde seine ganze Kraft für den Wiederaufbau der Kirche ein. Im Februar 1956 wurde der im gotischen Stil gehaltene Neubau durch Dekan Armbruster eingeweiht.Hans Matt-Willmatt: Gemeinden des Kreises Waldshut, Chronik, 1957, S. 49.

Als Ursache des Brandes wurde, „wie üblich, ein elektrischer Defekt angenommen. Der Zeitpunkt der Katastrophe […] kurz nach dem Krieg hat dazu geführt, dass nur das Nötigste und dies in billigster Ausführung gemacht wurde.“ Außer den Glasmalereien der Chorfenster sei alles andere „ein ärmliches Werk der unmittelbaren Nachkriegszeit.“H. Fuchs sen.: Die Kirche, die dem Dorf den Namen gab, Geschichte Landkreis Waldshut, 2002, S. 101.

Einen Hinweis auf eine ebenfalls alte Kirchengeschichte mit Bezug zur Hohentengener Urkirche gibt es zu Schwerzen.Die Kirche von Schwerzen wird bereits 1157 genannt. Die Pfarrei zählt zu den ältesten in der Gegend; sie gehörte ursprünglich zum Dekanat Thengen (Hohentengen) und war seit 1275 dem Bistum Konstanz eingegliedert.“ (W. H. Mayer: Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut, 1926, S. 168.)

Verbindung mit den Freiherren von Regensberg „Die Geschichte der Gemeinde Hohentengen ist eng mit der des Schweizer Städtchens Kaiserstuhl verbunden.“Hg. Landrat Dr. Norbert Nothhelfer: Der Kreis Waldshut. Andreas Bader: Hohentengen, Konrad Theiss Verlag, 1979, S. 254.

Als erste urkundliche Erwähnung gilt Keiserstuol aus dem Jahr 1227. Nahe liegt die Deutung als „Stuhl des Kaisers“. Traditionell ist mit dem Begriff „Stuhl“ mit dem Einsetzen des Spätmittelalters die Gerichtsstätte eines Stuhlherren verbunden. Es wird nicht ausgeschlossen, dass um diese Zeit an Stelle der späteren Stadt nur der hohe Turm und einige zugeordnete Gebäude standen. Archäologische Befunde zum Turm sind jedoch nach allgemeinen Angaben nicht bekannt. 1254 wird ein Freiherr Rudolf von Kaiserstuhl benannt, mit dem Lütold VII. von Regensberg als die einzige Stadtgründung der Regensberger auf Aargauer Gebiet, Kaiserstuhl mit Stadtrecht ausstattete.