mini|St. Burkard von der Festung Marienberg gesehen mini|Die Kirche von der Mainseite mini|Innenraum mit Altar mini|St. Burkard vor der spätgotischen Erweiterung um das Querhaus, um 1490St. Burkard, auch Burkarder Kirche genannt, ist eine römisch-katholische Pfarrkirche und war die erste Klosterkirche Würzburgs. Sie ist nach der Marienkirche auf der Festung Marienberg die zweitälteste Kirche Würzburgs. St. Burkard ist zudem die seit dem Mittelalter für das Mainviertel zuständige Pfarrei und war verbunden mit der Lokalkaplanei für das Militärhospital und die Festung Marienberg.Wolfgang Weiß: Die katholische Kirche im 19. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 430–449 und 1303, hier: S. 431. Das seit 986 gleichnamige Kloster, das aus einem Andreaskloster hervorgegangene Benediktinerkloster St. Burkard, bestand von 983 bis 1464 und war ab spätestens 1470Elmar Hofmann: Geschichte St. Burkard, Würzburg. ein Ritterstift (Kollegiatstift) bis 1803.
Geschichte Benannt wurde die Kirche St. Burkard nach ihrem Patron, dem 742 von Bonifatius zum ersten Würzburger Bischof geweihten heiligen Burkard. Dieser gründete um 750 das am Fuße des Marienbergs gelegene Kloster St. Andreas, das der heiligen Maria und den Heiligen Andreas und späterLaut Heinrich Wagner 2010, S. 355. Magnus geweiht war und zu dem auch der Marienberg mit der MarienkircheChristine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 59 f. (Die Christianisierung der Mainlande), hier: S. 59. gehörte. Der Bischof Hugo überließ das Andreaskloster im Jahr 983 den Benediktinern. Er ordnete ihnen, nicht zuletzt als wirtschaftliche Grundlage, Pfarreien und Dörfer zu. Am 14. Oktober 986 wurden die Gebeine des heiligen Burkard in einer feierlichen Prozession in das Kloster überführt und dort begraben. Seither heißt das Kloster nach seinem Schutzpatron St. Burkard. Geweiht wurde die Abtei durch den Bischof Bruno von Würzburg.
Der romanische Teil der Kirche wurde 1042 geweiht. 1168 wurde die nördliche Portalvorhalle des Langhauses errichtet. 1250 wurden die beiden Osttürme um zwei Stockwerke erhöht. Um 1490 wurde die romanische Basilika um ein spätgotisches Querhaus und den Ostchor erweitert. Um den Durchgang der Uferstraße zu erhalten, mussten diese auf Schwibbögen gestellt werden. 1663–1667 wurden, im Zuge des Neubaus der Würzburger Befestigungsanlagen, der Westturm und zwei Joche vom Langhaus abgebrochen. Zunächst war die Kirche bis 1464 Teil eines Benediktinerklosters, von 1464 bis 1803 ein Kollegiatstift, dessen Verwaltungssitzverlegung in den Rückermainhof (Karmelitenstraße 20) mit Befürwortung durch den Landesherrn Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths 1715 beschlossen wurde.Stefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. S. 628. Letzter Abt und erster Propst des Ritterstifts St. Burkard war Johann(es) von Allendorf (1400–1496),Vgl. Friedrich Merzbacher: Johann von Allendorf, Stiftspropst von St. Burkard und bischöflicher Kanzler, 1400–1496. Schöningh, Würzburg 1955. der auch als Kanzler des Fürstbischofs Rudolf von Scherenberg tätig war und 1496 das Spital zu den 14 Nothelfern stiftete.Peter Kolb: Das Spital- und Gesundheitswesen. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2 (I: Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001, ISBN 3-8062-1465-4; II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004, ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band 1, 2001, S. 386–409 und 647–653, hier: S. 394.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 131, 197–200 (Johann von Allendorf und „sein Dorf Oberleinach“.) und 318. Mit der Säkularisation und der damit verbundenen Auflösung des Stifts am 23. Februar 1803Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 23. gelangte die Kirche in den Besitz der Pfarrei. Letzter Propst von St. BurkardWolfgang Weiß: Die katholische Kirche im 19. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 430–449 und 1303, hier: S. 432. war Adam Friedrich Groß zu Trockau.
Nach Christenmassakern in Syrien besuchte 1861 Gregor Ata, der melkitisch-katholische Erzbischof von Homs, die Diözese Würzburg um Almosen für die verwüsteten Christengemeinden seiner Heimat zu sammeln und feierte am 25. Mai 1861 in der Burkardskirche einen Gottesdienst in der Byzantinischen Liturgie.Würzburger Anzeiger, Nr. 142, vom 24. Mai 1861; (Digitalscan)
Ab 1890 war der Burkardushof in der Burkarderstraße 26 das Vereinshaus des neugegründeten Katholischen Arbeitervereins.Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1233.
1930 eröffnete in der Pfarrei St. Burkard das erste Pfarrjugendheim.Klaus Wittstadt: Kirche und Staat im 20. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 453–478 und 1304 f., hier: S. 458–463: Die Ära des Volks- und Widerstandsbischofs Matthias Ehrenfried (1924–1948). S. 459.
Ab 2008 bildete die Pfarrei mit St. Bruno im Steinbachtal eine Pfarreiengemeinschaft. Mittlerweile zählt sie mit den zwei Pfarreien aus der benachbarten Zellerau zur Pfarreiengemeinschaft Heiligkreuz, St. Elisabeth und St. Burkard.
Ausstattung Im romanischen Teil der Kirche gibt es einen Gedenkstein der seit dem Jahr 1010 bestehenden Fischerzunft Würzburg. Die Würzburger Fischer feiern jährlich am Dreikönigstag (6. Januar) in St. Burkard ihr Bestehen.Farbenprächtiger Auftakt zum 1000-jährigen Jubiläum der Fischerzunft in St. Burkard. In: Mainpost, Ausgabe Würzburg vom 7. Januar 2010, S. 31. Außerdem gibt es einen Gedenktext an den Widerstand einzelner Gemeindemitglieder im Dritten Reich.
Dem Eingang gegenüber ist eine Madonna von Tilman Riemenschneider beleuchtet und hinter Glas geschützt zu sehen. Der Hochaltar von St. Burkard ist ein Werk des Lohrer Künstlers Franz Wilhelm Driesler, die Brüder Heinz und Matthäus Schiestl schufen die figürlichen Elemente.Gertrud P. Fels: Historismus im Kirchenraum. Das Atelier des Franz Wilhelm Driesler (= Kirche, Kunst und Kultur in Franken). Würzburg 1996, S. 151. Neben Werken Riemenschneiders weist die Ausstattung Arbeiten der Werkstatt der Auweras auf. mini|Marienaltar mit dem Schnitzwerk von Georg Meurer (1589/1590) mini|links|Pfarrhaus von St. Burkard mit einer wahrscheinlich von Balthasar Esterbauer um 1700 geschaffenen MadonnaStefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. 2004, S. 644. Ein 1589 bis 1590 geschaffener Marienaltar (der ehemalige Pfarraltar), ein Flügelaltar, für den der Maler Alexander Müller die nur bei geschlossenen Flügeln (auf den „Werktagsseiten“) sichtbare Passion ChristiWerner Dettelbacher, Stefan Fröhling, Andreas Reuß: Franken. Entdeckungsfahrten zwischen Spessart und Fichtelgebirge: Würzburg, Nürnberg, Bamberg, Bayreuth, Rothenburg. 5. Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2010, ISBN 978-3-7701-4186-9, S. 45 (Google-Books). des ihm 1589 in Auftrag gegebenen Retabels malte,Alfred Wendehorst: Die Benediktinerabtei und das Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg. In: Max-Planck-Institut für Geschichte (Hrsg.): Germania Sacra. Neue Folge 6: Das Bistum Würzburg. Berlin 2001, S. 18, 20-22 und 25. mit dem die Flügelinnenseiten und den Schrein zierenden, Szenen aus dem Marienleben zeigenden Schnitzwerk des Würzburger Meisters Georg oder Jörg Meurer zeigt noch Elemente der gotischen Tradition. Ende der 1660er Jahre geschaffene Altäre waren bereits im 18. und 19. Jahrhundert verschwunden.Stefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 576–678 und 942–952, hier: S. 602 f., 605 und 622. Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 brannten der Dachstuhl und ein Langhaus aus, der Chor und das Querschiff blieben jedoch erhalten. Im Jahr 1950 war die Kirche wiederhergestellt.Markus Schütz: St. Burkard: das erste Kloster in Würzburg. In: Haus der Bayerischen Geschichte.
Orgel mini|Die Rensch-Orgel Eine erste Orgel soll um das Jahr 1350 gebaut worden sein. 1683 errichtete Nikolaus Will (1646–1689) aus Würzburg einen Neubau mit 10 Registern auf der Westempore, die 1739 von Johann Philipp Seuffert auf 18 Register erweitert wurde. Im Jahre 1900 erbaute Martin Joseph Schlimbach eine neue Orgel mit drei Manualen und 40 Registern im alten Prospekt – sein vermutlich zweitgrößtes Werk – die aber am Ende des Zweiten Weltkriegs verbrannte. Als Ersatz wurde 1952 eine Hindelang-Orgel mit 12 Registern auf zwei Manualen und Pedal verbaut.Vgl. dazu Michael Bernhard: Orgeldatenbank Bayern. Gesellschaft für bayerische Musikgeschichte, München 2009; sowie Bruno L. Müller: Die hist. und derzeitigen Orgeln in den sechs Würzburger Kirchen: Dom, Neumünster, Marienkapelle, Hofkirche, St. B. und Schloßk.-Festung. Typoskript Universität Würzburg (Hauptseminar) 1980. Die heutige Orgel an der Nordwand des Querhauses von St. Burkard wurde 2003 von der Orgelbaufirma Richard Rensch (Lauffen/N.) mit 28 Registern, zwei Manualen und Pedal in einem modern gestalteten Orgelgehäuse erbaut. Das Instrument hat mechanische Spieltrakturen und elektrische Registertrakturen.Näheres zum Neubau der
I Hauptwerk C–g3 1. Principal 8′ 2. Spitzflöte 8′ 3. Octave 4′ 4. Rohrflöte 4′ 5. Quinte ′ 6. Waldflöte 2′ 7. Mixtur IV ′ 8. Cornett V (ab b0) 8′ 9. Bach-Trompete 8′ II Schwellwerk C–g3 10. Bourdon 8′ 11. Salicional 8′ 12. Flûte harmonique 8′ 13. Unda maris (ab c0) 8′ 14. Préstant 4′ 15. Flûte octaviante 4′ 16. Nasard ′ 17. Octavin 2′ 18. Tierce ′ 19. Plein jeu IV 2′ 20. Trompette harmonique 8′ 21. Basson-Hautbois 8′ Tremulant Pedal C–f1 22. Subbass 16′ 23. Octavbass 8′ 24. Spitzflöte (= Nr. 2) 8′ 25. Quintbass ′ 26. Octave (= Nr. 3) 4′ 27. Posaune 16′ 28. Trompete (= Nr. 9) 8′ Koppeln: Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P. Superoktavkoppel: II/P Suboktavkoppel: I/I
Glocken St. Burkard besitzt fünf Glocken mit den Schlagtönen cis′ e′ fis′ a′ h′, ein Motiv aus Richard Wagners Parsifal mit Erweiterung. Darunter befindet sich die Katharinenglocke aus dem Jahr 1249, die älteste Glocke der Stadt Würzburg, dicht gefolgt von der Lobdeburgglocke des Doms St. Kilian.
Nr. Name Ton Masse Durchmesser Gießer Gussjahr 1 Margel/Maria cis′ 2300 kg 1520 mm Sigmund Arnolt, Fulda 1592 2 Burkardus e′ 1240 kg 1280 mm Rudolf Perner, Passau 1986 3 Kriegergedächtnis fis′ 900 kg 1160 mm Rudolf Perner, Passau 1986 4 Katharina/Kater a′ 850 kg 1140 mm unbekannt 1249 5 Gagerle/Andreas h′ 500 kg 953 mm unbekannt 1481
Liste der Stiftspröpste von St. Burkard Johann von Allendorff († 17. Oktober 1496), amtierte als Propst 1464–1496, zuvor letzter Abt Johann von Grumbach († 10. Juli 1516), amtierte als Propst 1496–1516 Balthasar von Grumbach († 11. Juli 1517), amtierte als Propst 1516–1517 Thomas von Stain († 23. Juni 1520), amtierte als Propst 1517–1520 Gumbert von Brandenburg († 20. August 1536), amtierte als Propst 1520–1528