Erp ist ein Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis mit rund 2700 Einwohnern. Er liegt etwa 25 Kilometer südwestlich von Köln. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Erp als Erlipen im Jahre 1140, im Mittelalter gehörte der Ort zum kurkölnischen Amt und Gerichtsbezirk Lechenich. Am 1. Juli 1969 wurde es ein „Stadtteil“ der neu geschaffenen Stadt Erftstadt, einem Zusammenschluss größerer und kleinerer Orte rechts und links der Erft, und 1975 wurde diese vom Kreis Euskirchen an den neuen Erftkreis abgetreten, der 2003 in „Rhein-Erft-Kreis“ umbenannt wurde.

Geographische Gegebenheiten mini|hochkant|Die Erpa

Erp liegt auf einer mittleren Höhe von inmitten der weiten Bördenlandschaft der Zülpicher Börde. Die nahezu kreisrunde Gemarkung umfasst etwa 1630 ha. Die Ackerflächen bestehen aus guten bis sehr guten Lössböden. Nahezu die gesamte Fläche außerhalb der Ortsbebauung wird landwirtschaftlich genutzt.

Durch die Gemarkung verläuft ungefähr in Nordsüd-Richtung eine Verwerfungslinie, die sich als sichtbare Höhendifferenz von 10 bis 15 m zwischen dem östlichen und westlichen Teil der Gemarkung zeigt. Ihren markantesten Ausdruck findet sie im Ort nahe der Kirche, die gleichsam auf einem Sockel stehend das Umfeld überragt. Unter Erp liegt ein Teil des riesigen Isweiler Feldes, das mit fast 1,4 km³ eine der größten Braunkohle-Lagerstätten des Rheinischen Reviers ist, die bisher noch nicht aufgeschlossen wurde., Forschungsstelle Umweltpolitik der Freien Universität Berlin, April 2008, S. 1 (PDF; 147 kB), abgerufen am 26. März 2010

Durch den Ort fließt die Erpa, ein kleiner Bach, der bei Weiler in der Ebene entspringt und am Rande des Nachbarortes Ahrem in den Lechenicher Mühlengraben, einen Seitenarm des Rotbaches, mündet. Über Rotbach und die Erft fließt das Wasser der Erpa schließlich in den Rhein.

Geschichte Vorgeschichte und römische Zeit mini|Trasse der ehemaligen Römerstraße zwischen Erp und Friesheim

Siedlungsspuren finden sich in der Erper Gemarkung bereits aus vorgeschichtlicher Zeit. Ein nordöstlich von Erp entdecktes Gräberfeld reicht in seinen Anfängen bis in die späte Bronzezeit (Hallstatt A) zurück.Petra Tutlies: Speichergruben im Gräberfeld - erste Ergebnisse aus der metallzeitlichen Siedlungskammer bei Erftstadt-Erp. Archäologie im Rheinland 2022, S. 75–77. Die bei Erp gefundenen Keramikscherben, eine Bestattungsurne mit Leichenbrand sowie bei Luftaufnahmen entdeckte Kreisgräber konnten nach dann vorgenommenen archäologischen Untersuchungen der Latènezeit zugeordnet werden.Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des Erftstädter Raumes. Erftstadt 1999, S. 130–132.Albert Esser: Erp. S. 12 ff

Zahlreiche Fundstücke aus römischer Zeit, wie Dachziegel an mehreren Grabungsstellen, Gräber mit Grabbeigaben wie: Gefäßen, Münzen, einem Erzgefäß mit Darstellungen aus der römischen Mythologie, einem korinthischen Akanthusblatt-Kapitell aus Sandstein und dem Fragment eines Kultsteins des Heilgottes Apollo Grannus lassen auf eine größere Ansiedlung schließen. Nägel und Eisenschlacken belegen einen metallverarbeitenden Betrieb, vermutlich den eines Nagelschmieds.

Ein bis heute sichtbares Relikt aus dieser Epoche ist die am südlichen Rand der Gemarkung verlaufende schnurgerade alte Römerstraße Köln-Trier, heute benannt als Agrippa-Straße Köln–Trier, deren Trasse heute noch als Feldweg benutzt wird.

Mittelalter und Neuzeit Nördlich des Ortes wurde ein fränkisches Gräberfeld entdeckt, ein Beleg für die Kontinuität der Besiedlung.

Aus der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes Erp als Erlipen im Jahre 1140HSTAD (Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, heute Landesarchiv NRW) Bestand Siegburg Urkunde Nr. 39; E. Wisplinghoff, Siegburger Urkundenbuch Band I Nr. 50. kann man auf eine Siedlung an einer Erl-apa, an einem Erlenbach, schließen.

Grundherrschaften Erp gehörte im Mittelalter zum kurkölnischen Amt und Gerichtsbezirk Lechenich. Die Herren von Schleiden besaßen in Erp eine Grundherrschaft, die seit 1402 vom Kölner Erzbischof zu Lehen ging.HSTAD Bestand Kurköln Lehen Spezialia 57, Urkunde Nr. 1, und Norbert Andernach: Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter Band XI Düsseldorf 1992 Nr. 498 Mittelpunkt der Grundherrschaft war der Fronhof, genannt Schleidenhof, und die zur Grundherrschaft gehörende Laurentiuskapelle.HSTAD Bestand Kurköln II 1916 Bl. 10–12

Neben den Herren von Schleiden hatten auch das DomstiftHSTAD Bestand Kurköln II 1916, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band I Nr. 683 sowie das Kölner Stift St. Andreas grundherrschaftliche Rechte an einzelnen Höfen.HAStK (Historisches Archiv der Stadt Köln) Bestand Andreas Urkunde 1/251, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band I Nr. 682

Spätestens seit Mitte des 13. Jahrhunderts bestand ein Fronhof des Domkapitels in Erp. Als im 18. Jahrhundert durch viele Erbteilungen die Güter der Hofleute zersplittert waren, wurden die wenigen, die noch erfasst werden konnten, zum Ahremer Fronhof des Domkapitels gerechnet.HAStK Bestand Domstift Akten 15, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band V Nr. 2856

Das Hofgericht des Stiftes St. Andreas tagte im 18. Jahrhundert noch auf dem Hahnenhof, dessen Güter jedoch nur zum Teil dem Stift gehörten.HAStK Bestand St. Andreas Akten 22

Unterherrschaft Erp Im 16. Jahrhundert kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Nachfolgern der Herren von Schleiden, (ab 1453) den Grafen von Manderscheid-Blankenheim einerseits und den Kölner Erzbischöfen andererseits.HSTAD Bestand Kurköln II 1917 Blatt 56, Kurköln II 1916 Blatt 35–36 und Kurköln II 1915 Blatt 3–5, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band III Nr. 1786, Nr. 1789, Nr. 1981, Nr. 2016

Die Streitigkeiten wurden beigelegt, als 1592 der Kölner Erzbischof Ernst den Grafen Hermann von Manderscheid-Blankenheim mit Erp belehnte und alle rechtlichen Angelegenheiten, die bisher vor dem Lechenicher Gericht verhandelt worden waren, dem Erper Gericht übertrug und dem Grafen auch das Hochgericht zugestand. Der Kurfürst behielt als Landesherr das Recht auf der Landstraße und die landesherrlichen Steuern.HSTAD Bestand Kurköln Lehen Spezialia 57, Urkunde Nr. 8Frank Bartsch: Die Anfänge der Unterherrschaft Erp im kurkölnischen Amt Lechenich. Jahrbuch der Stadt Erftstadt 2021, Stadt Erftstadt 2020; S. 9–28. Trotz heftiger Auseinandersetzungen der Erper Einwohner mit Graf Hermann, der ihre in einem Bauerbuch aufgezeichneten nachbarschaftlichen Rechte der Selbstverwaltung beschnitten hatte,HSTAD Bestand Kurköln II 1921, veröffentlicht in Stommel Quellen Band IV Nr. 2144 und der Bedenken des Koadjutors FerdinandHSTAD Lehen Spezialia 57 Akten/1 Blatt 1–37, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band IV Nr. 2192 belehnte Kurfürst Ernst 1609 dessen Nachfolger Graf Arnold von Manderscheid und Blankenheim.HSTAD Bestand Kurköln Lehen Spezialia 57, Urkunde Nr. 9 Seit der Zeit war Erp eine Unterherrschaft im Amt Lechenich, deren Gerichtssitz der Schleidenhof war.

Burgen und große Höfe mini|Schleidenhof mit altem Gefängnisturm

In Erp lagen am Bach vier Wasserburgen, die von Grafen von Manderscheid und Blankenheim zu Lehen gingen. Ihre Wassergräben waren vor 1800 schon bis auf einige erhaltene Weiher trockengelegt und eingeebnet.

Alte Burg Die Stammburg des Geschlechtes Wolter von Erp war im 14. Jahrhundert eine Lehnsburg vom Erzbischof von Köln. Sie wurde in der Zeit der Fehden zerstört. Als Burgruine gelangte sie nach 1420 in den Besitz der Grafen von Manderscheid und Blankenheim, die sie mit Weihern, Dämmen, Baumgarten, Weingärten und Ländereien als Lehen vergaben.Herzoglich Croy’sches Archiv Dülmen Abteilung 2 Erp Akten 2a Der letzte Lehnsinhaber von Saffenberg tauschte die „Alte Burg“ mit dem Grafen von Manderscheid und Blankenheim gegen den Scheppstattshof. Der Graf verkaufte die Burg, die aus der Lehnbarkeit freigekauft worden war, im Jahre 1700 an die Erper Familien Horrichem und Krewel.Archiv Dülmen Abteilung 2 Erp, Akten 2a

Burghof Lehnsinhaber der Burg waren im 16. Jahrhundert die Herren von Schlenderhan und danach die Herren von Reuschenberg, die im Jahre 1608 den „Burghoff“ mit Haus und Hofgebäuden, Weihern, Gärten und Ackerland an den Abt von Siegburg verkauften.Archiv Dülmen Abteilung 2 Erp, Urkunde in Akten 2b und HSTAD Bestand Kurköln II 1152

Velbrücker Burg Die Burg, auch Velbrücker Hof genannt, kam durch Heirat an die von Velbrück, nach denen sie im 16. Jahrhundert benannt war. Den von Wassergräben umgebenenArchiv Dülmen Abteilung 2 Erp Akten 2c landtagsfähigen Rittersitz erwarb nach mehrmaligem Besitzwechsel 1724 die Witwe Engelberg aus Köln, die den „Roechhof“ aus der Lehnbarkeit freikaufte.HSTAD Bestand Herrschaft Manderscheid 137, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band IV Nr. 2847 Der Hof blieb bei den Nachkommen, von denen er 1819 testamentarisch dem Kölner Waisenhaus vermacht und danach von der Kölner Armenverwaltung übernommen wurde.

Zweiffelsburg Der Scherffgenshof wurde im 16. Jahrhundert nach den damaligen Besitzern Zweiffelsburg genannt. Von der 1571 von Wassergräben umgebenen Burg, deren Gebäude 1586 als auch 1642 eingeäschert worden waren, standen 1737 lediglich noch die Fundamente.Archiv Dülmen Abteilung 2 Erp Akten 2d Die Burg war aus der Lehnbarkeit freigekauft und veräußert worden.

Schleidenhof Der bedeutendste der Erper Höfe war der Schleidenhof. Die Grafen von Manderscheid und Blankenheim fassten im 16. Jahrhundert drei Fronhöfe, die zur Herrschaft Schleiden gehörten, zum Schleidenhof zusammen.HSTAD Depositum Stadt Köln Akten 216, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band II 1085 Es waren der Schleidenhof und zwei von Johann von Schleiden im Jahr 1373 von den Edelherren von Gladbach erworbene Höfe.HSTAD Bestand Herrschaft Manderscheid 137, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band III Nr. 570a (Nachtrag) Die meisten Erper Einwohner waren dem Hofgericht des Schleidenhofes verpflichtet,HSTAD Bestand Kurköln II 1916, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band III Nr. 1865 da sie Ackerland bearbeiteten, das dem Grafen von Manderscheid und Blankenheim grundpachtpflichtig war. Aber auch an andere Herren waren Abgaben und gegebenenfalls eine Kurmut zu zahlen.HSTAD Bestand Kurköln II 1918, Blatt 3–38, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band IV Nr. 2173 Auf dem Schleidenhof wurde in strittigen Rechtsfällen geurteilt, Strafen verhängt, Verkäufe, Vererbungen und Neuvergabe von Land von vereidigten Hofgeschworenen beurkundet. Nach 1592 übte ein Amtmann als Vertreter des Grafen zusammen mit Schultheiß und Schöffen die Jurisdiktion aus.HSTAD Bestand Herrschaft Manderscheid 137 und Bestand Kurköln XIII 157–159, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band IV Nr. 2553 und Band V Nr. 2841 Der Hof, dessen Größe bei der Vermessung 1660 mit 300 Morgen Ackerland angegeben wurde, war wie die übrigen Adelshöfe verpachtet.

Im Laufe der Zeit wurden Adelsgüter geteilt, und es entstanden neue Höfe. Adelige und Klöster erwarben Bauerngüter; andererseits gelangten ehemalige Adelsgüter in bäuerlichen oder in kirchlichen Besitz, wie das Gürtzgensgut, das als Scheppstattshof mit dem Oleshöfchen im Jahr 1780 an das Kölner Stift St. Georg verkauft wurde,Archiv Dülmen Abteilung 2 Erp Akten 2b und HAStK Bestand St. Georg Akten 16, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band V Nr. 2883 und der „Obere Pützhof“, der 1755 an die Karmelitinnen in der Kupfergasse ging.HAStK Bestand Karmelitinnen in der Kupfergasse Akten 7 und 8

Das Hofgericht des Stiftes St. Andreas tagte im 18. Jahrhundert noch auf dem Hahnenhof, dessen Güter jedoch nur zum Teil dem Stift gehörten.

Lebensverhältnisse Erp war wie andere Dörfer im Mittelalter mit einem Graben und einer Dorfhecke umgeben. Schon um 1600 war der Graben eingeebnet und die Dorfhecke wies Lücken auf. Die „Falder“ (Tore) waren in den Kriegszeiten zerstört und nicht wieder aufgebaut worden. Zum Schutz vor Überfällen richteten die Bewohner Nachtwachen ein.HSTAD Bestand Kurköln II 1921, veröffentlicht in Stommel, Quellen Band IV Nr. 2144

Landwirtschaft