Dieser Artikel befasst sich mit der Geschichte Deutschlands in der Neuzeit. Er umfasst die Zeit von etwa 1500 bis 1918.
Frühe Neuzeit: Herrschaft Maximilians I. und Karls V. Reformen im Reich Maximilian I. wurde 1486 Mitregent unter seinem Vater Friedrich III. und nach dessen Tod 1493 Alleinherrscher. Er begann das Reich zu reformieren. Auf dem Reichstag zu Worms 1495 wurden erstmals keine einmaligen Geldzahlungen verlangt, sondern die Einführung einer Reichssteuer, den Gemeinen Pfennig. Die Einführung eines aus den Kurfürsten bestehenden ständigen Ausschusses, das Reichsregiment, das die Regierungsgeschäfte statt des schwerfälligen und nur sporadisch tagenden Reichstag führen sollte, scheiterte. Der Ewige Landfrieden beendete das mittelalterliche Fehderecht, dagegen wurde mit dem Reichskammergericht die oberste Gerichtsinstanz des Reiches geschaffen. Durch die Errichtung von zuerst sechs, dann zehn Reichskreisen sollte das Reich besser verwaltet werden. Insgesamt gesehen blieben die Reformen aber ohne nennenswerte Wirkung. Die schweizerischen Orte verweigerten die Zahlung der ersten Reichssteuer. Den darauf ausbrechenden Schwabenkrieg gewannen die Eidgenossen 1499; die Schweiz war von diesem Zeitpunkt an de facto unabhängig.
Maximilian machte sich um die Förderung des Geisteslebens in seinem Reich verdient; er setzte sich für den Humanismus ein und brachte die Künste voran. Nach dem Tod von Maximilian 1519 schaffte es sein Enkel Karl V., den deutschen Thron zu besteigen. Bei der Wahl flossen auch zahlreiche Schmiergelder aus dem Hause Fugger in die Kassen der Kurfürsten.
Kriege gegen Frankreich und die Osmanen 1494 marschierte der französische König Karl VIII. in Italien ein, und zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Frankreich begannen die jahrzehntelangen Italienkriege. Bereits im folgenden Jahr wurden die französischen Truppen von der venezianischen Liga wieder vertrieben. 1499 wurde ein weiterer Versuch gestartet, Italien einzunehmen, diesmal mit Hilfe der Herrscher von Neapel und Aragonien. Nachdem beide Mächte 1502 ausfielen, musste Frankreich sich erneut zurückziehen, hielt aber den Norden um Mailand. In der Zwischenzeit erkannte Papst Julius II. die Venezianer als größere Gefahr. So verbündeten sich das Papsttum, Frankreich, Spanien und das Reich und bekämpften 1508/09 die Venezianer erfolgreich. Im Jahr darauf einigte sich der Papst mit Venedig und sah Frankreich als Feind an. 1513 wurden die Truppen des französischen Königs Ludwig XII. vertrieben, und 1515 eroberte sein Nachfolger Franz I. Mailand zurück.
Karl V. zog 1525 nach Italien, um die französische Herrschaft zu beenden. Nach der Schlacht bei Pavia wurde Franz I. festgenommen und zu Zugeständnissen in Italien gezwungen (die er später als nichtig ansah, weil unter Nötigung geschehen). Papst Clemens VII. war besorgt über die neue Macht des Reiches in Italien und verbündete sich mit Frankreich. Daraufhin zog Karl erneut gen Italien und plünderte 1527 Rom (Sacco di Roma). 1529 bestätigten der Damenfriede von Cambrai (Frankreich) und der Friede von Barcelona (Papst) Karl V. als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und seinen Besitz an Ländereien in Italien. Aber erst 1559 wurden im Frieden von Cateau-Cambrésis die Streitigkeiten endgültig geklärt.
Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 drang das Osmanische Reich immer mehr nach Europa vor. Gerade unter dem Sultan Süleyman I. erweiterte sich das Osmanische Reich nach Westen und Norden. 1526 ging in der Schlacht bei Mohács das Königreich Ungarn unter, und 1529 belagerten die Türken das erste Mal Wien, konnten aber geschlagen werden. Die Kämpfe unter den Namen 1. Österreichischer Türkenkrieg oder auch 4. Venezianischer Türkenkrieg, weil neben dem Heiligen Römischen Reich die Republik Venedig die Hauptlast trug, dauerten bis 1555. Am Ende wurde Ungarn dreigeteilt, und der deutsche Kaiser musste dem Osmanischen Reich eine hohe Summe zahlen.
Beide Kriegsschauplätze banden Karl V. und verhinderten, dass er sich intensiver mit innerdeutschen Fragen wie der Reformation und dem Bauernkrieg beschäftigen konnte. Weil er auf die militärische Unterstützung der deutschen Landesfürsten angewiesen war, schloss er in der Religionsfrage immer wieder Kompromisse.
Luthers 95 Thesen und der Wormser Reichstag miniatur|rechts|Martin Luther
Die tiefe Religiosität der Menschen im ausgehenden Mittelalter stand im Gegensatz zu der vielerorts, zumal in der Lebensführung vieler Bischöfe, vieler Äbte und der Päpste ins rein Weltliche abgesunkenen katholischen Kirche. Machtkämpfe um den päpstlichen Stuhl kamen oft vor. Versuche zur Reformation der Kirche blieben ohne wirklichen Erfolg. 1506 begann Papst Leo X. mit dem Bau des Petersdoms, weswegen er, auch aufgrund seines aufwändigen Lebensstils, ständig verschuldet war. Um die Schulden zu begleichen, intensivierte er den Ablasshandel. Mit dem Kauf von Ablassbriefen konnten die Gläubigen angeblich ihre Sünden abbezahlen, ihre Zeit im Fegefeuer verkürzen und sogar schon Verstorbene aus dem Fegefeuer retten. Damals gab es den Werbespruch: „Wenn die Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“
Martin Luther, ein Augustinermönch und Theologe an der neu gegründeten Universität Wittenberg im Kurfürstentum Sachsen, postulierte nach langen Selbstzweifeln, dass allein der Glaube (Sola fide) und nicht ein Ablassbrief oder andere Dinge für die Errettung nötig seien. Seine Auseinandersetzung mit dem Ablasshandel der Kirche fasste er in den berühmten 95 Thesen zusammen, die er an Kardinal Albrecht sandte. Da eine Reaktion ausblieb, verteilte er Kopien an Bekannte, die sie ohne sein Wissen veröffentlichten und die durch den Buchdruck rasche Verbreitung fanden.
Kardinal Albrecht zeigte Luther in Rom beim Papst an. Nach langen Streitigkeiten und da Luther sich weigerte zu widerrufen, wurde er aus der katholischen Kirche ausgeschlossen und mit dem Bann belegt. Mit der Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen antwortete Luther dem Papst. Luthers Kritik an der katholischen Kirche führte in Deutschland zur Ausbreitung des evangelischen Glaubens.
Zeitalter von Reformation und Gegenreformation 1519 wurde der Habsburger Karl V. König. Karl V. beherrschte ein riesiges Reich, das Spanien, Österreich, Böhmen, die Niederlande, Süditalien sowie die spanischen Kolonien in Amerika umfasste. Außenpolitisch war er in ständige Kriege zur Abwehr der Osmanen sowie gegen Frankreich und den Papst verwickelt. Dadurch war seine Stellung im Reich selbst schwach, und wegen seiner kriegsbedingten Abwesenheit konnte er die Ausbreitung der Reformation nicht verhindern.
1521 wurde Luther vom Papst mit dem Bann belegt. Der Reichstag zu Worms endete mit der Verhängung der Reichsacht über Luther im Wormser Edikt. Luther fand daraufhin beim sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen auf der Wartburg Zuflucht. Luthers Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche stellt einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache dar.
In den Jahren 1522 bis 1526 wurde in etlichen Ländern und Städten des Reichs die Lehre Luthers eingeführt. Die Reformation wurde somit vom Landesherrn durchgeführt, der auch zum Landesbischof wurde. Damit unterstanden dem Landesherrn auch die Besitzungen der Kirche. Die Länder bauten eigene Kirchenverwaltungen auf.
Nach dem Scheitern des Marburger Religionsgesprächs zwischen Luther und Zwingli 1529 zeichnete sich eine Spaltung der Reformationsbewegung in Lutheraner und Reformierte ab. Als weitere Nebenbewegung entwickelten sich die Täufer. Der radikale Versuch des Täufers Johann Bockelson, mit dem Täuferreich von Münster eine Art Gottesstaat zu errichten, wurde 1536 blutig beendet.
Im Reichstag zu Speyer wurde in Abwesenheit des Kaisers 1526 in einem Reichsabschied beschlossen, bis zu einer Regelung der Religionsfrage in einem Konzil die neue Glaubensrichtung vorerst zu dulden. In einem zweiten Reichstag zu Speyer forderte der Bruder des Kaisers, Ferdinand, 1529 die Duldung aufzuheben. Dagegen protestierten die evangelischen Landesfürsten. Die Anhänger des neuen Bekenntnisses werden seit dieser Protestation zu Speyer auch Protestanten genannt.
Die protestantischen Fürsten und Städte schlossen sich unter Führung von Hessen und Kursachsen 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen. Während die Protestanten die Grundgedanken ihrer Lehre im Augsburger Bekenntnis niederlegten, formulierte die katholische Seite ihre Ablehnung der Lehre Luthers in der Confutatio pontificia. Im Schmalkaldischen Krieg von 1546/47 kam es erstmals zum Kampf von Katholiken unter Führung des Kaisers gegen Protestanten. Der Kaiser gewann den Krieg, konnte aber die im Augsburger Interim verfügte Wiederherstellung der katholischen Positionen letztlich wegen des Widerstands von Fürsten, Städten und Bevölkerung nicht durchsetzen.
Als sich die Fürsten über die Religionsgrenzen hinweg gegen ihn erhoben, verzichtete Karl V. zugunsten seines Sohnes Philipp II. auf Spanien und die Niederlande und machte seinen Bruder Ferdinand zu seinem Nachfolger im Reich. Der neue König Ferdinand handelte schließlich 1555 auf dem Reichstag zu Augsburg den Augsburger Reichs- und Religionsfrieden aus. Dadurch wurden beide Konfessionen im Reich gleichberechtigt, wobei der jeweilige Landesherr über die Religion seiner Untertanen bestimmte („cuius regio, eius religio“).
Bauernkrieg
Die verschlechterte Lage der Bauern hatte schon im 15. Jahrhundert wie im Bundschuh und Armen Konrad zu regionalen Aufständen der Bauern geführt, während der Reformationszeit kam es jedoch unter Bezug auf die Lehren Luthers 1524–1526 vor allem in Südwestdeutschland, Thüringen und Franken zu einem Bauernkrieg. Ursachen waren unter anderem die steigenden Dienst- und Abgabenleistungen der Bauern, die Einschränkung ihrer Rechte und die Verringerung des Gemeinbesitzes.
Schon vorher hatte es vereinzelt lokale Aufstände gegen die Unterdrückung der Bauern gegeben, aber nun durch den Geist der Reformation fühlten sie sich im Recht, die Gewaltherrschaft der Feudalherren zu brechen. 1524/25 weiteten sich lokale Aufstände in Süddeutschland und der Schweiz zu einem weite Teile Süd- und Mitteldeutschlands umfassenden Aufstand aus. Im März 1525 fassten drei oberschwäbische Bauernhaufen ihre Forderungen in den Zwölf Artikeln gegenüber den Schwäbischen Bund in Memmingen zusammen, dieser duldete jedoch keine Verhandlungen, sondern ging mit Hilfe der Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger und des Heerführers Georg Truchsess von Waldburg-Zeil (Bauernjörg) gegen die Bauern vor. 1525 wurde ein Bauernheer unter Führung von Thomas Müntzer bei Frankenhausen vernichtet. Bei der Niederschlagung der Bauernaufstände ließen bis zu 100.000 Bauern ihr Leben. Luther selbst, der ein Widerstandsrecht gegen die weltliche Obrigkeit ablehnte, verurteilte den Bauernaufstand.
Unter dem Eindruck der Reformation startete die katholische Kirche eine innere Reform. 1545 wurde das Konzil von Trient einberufen, das in drei Perioden bis 1563 tagte. Das Konzil setzte sich einerseits mit der Lehre Luthers auseinander und brachte andererseits zahlreiche Neuerungen wie die Einrichtung von Priesterseminaren mit sich.
Zudem setzte die Gegenreformation ein. Diese bestand auf der einen Seite in der Verfolgung aller, die von der offiziellen katholischen Lehre abwichen, durch die Inquisition, für deren Durchführung Papst Paul III. eine zentrale Kongregation schuf. Ebenso entstanden neue Orden, von denen die Jesuiten eine führende Rolle bei der Rekatholisierung erlangten.
Die protestantischen Fürsten schlossen sich 1608 unter Führung des Pfälzer Wittelsbachers Friedrich V. von der Pfalz zur Union zusammen. Entsprechend schlossen sich die katholischen Fürsten 1609 unter Führung des Bayernherzogs Maximilian I. zur Liga zusammen.
Der Dreißigjährige Krieg