mini|hochkant=1.5|Römisches Theater in Bosra (Syrien) Die römische Kultur machte große Anleihen beim Hellenismus, was vor allem dessen Bildungsideale betraf. Somit wurden im 3. Jahrhundert v. Chr. auch Bühnenspiele (ludi scaenici) und Theaterstücke, welche einen wesentlichen Bestandteil der griechischen Literatur ausmachten (siehe Theater der griechischen Antike), im römischen Machtbereich immer populärer.

Erste Theateraufführungen in Rom fanden allerdings schon im Jahre 364 v. Chr. bei öffentlichen Spielen (ludi publici) zu Ehren der Götter statt. Aufgrund des ursprünglich religiösen Charakters wurden die Theaterspiele in unmittelbarer Nähe eines Tempels ausgetragen. Anlass für die Theateraufführungen war nach römischer Traditionsbildung eine vorangegangene Seuche, schreibt Livius, und die Spiele sollten nun eine Opfergabe für die Götter darstellen.Livius 7,2. Diese neue Form der Unterhaltung (ludi scaenici) war bei den Römern schnell sehr beliebt und konnte sich bald etablieren.

Ab 240 v. Chr. wurden erstmals griechische Tragödien und Komödien als Roms literarische Literatur von Livius Andronicus ins Lateinische übersetzt, zur Aufführung gebracht (und dem römischen Publikumsgeschmack angepasst). Dass das möglich war, hatte Entscheidungen der Magistrate zur Voraussetzung. Ab diesem Zeitraum wurden die ludi scaenici mit dramatischen Aufführungen fester Bestandteil der ludi Romani („Römische Spiele“).

Das Theater wurde zu einem wesentlichen Bestandteil des Alltagslebens der Römer, wenn es um Unterhaltung ging. Werke von Plautus, Terenz und Seneca dem Jüngeren, die bis heute erhalten sind, beleuchten verschiedene Aspekte der damaligen römischen Gesellschaft und Kultur.

Anfänge der Theateranlagen

Von den Anfängen bis 55 v. Chr. beschränkten sich die römischen Theater mit Bühne und Zuschauerraum auf einfache Bauten aus Holz, die nach dem unmittelbaren Gebrauch sofort wieder entfernt wurden.

In der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. musste man sich als Folge eines Senatsbeschlusses sogar nur mit dem Podium für Schauspieler begnügen, während die Zuschauer stehen mussten.Livius, per. 48. Diese ungewöhnliche Entscheidung war in der Furcht der Senatoren begründet, dass die Römer durch zu viel Erholung (da sie bei den Theateraufführungen ja nur sitzen) bei den öffentlichen Spielen weicher (für den Kampf und die Vorstellung eines wahren Römers erschütternd) werden könnten. So die offizielle Stellungnahme des Senats.

In erster Linie lag der Grund jedoch in der kritischen Einstellung vieler Senatoren den Veranstaltungen gegenüber, die diese Form der Unterhaltung aufgrund ihrer griechischen Herkunft und ihres oft obszönen Inhaltes (besonders des mimus und der atellane) als unmoralisch und sittlich verwerflich ansahen und es abzuschaffen versuchten.

Seit den Eroberungsfeldzügen in Griechenland im 1. Jahrhundert v. Chr. ging es mit dem Ansehen der Griechen in Rom bergauf. Viele griechische Philosophen, Redelehrer und weitere Künstler, auch Schauspieler und Theaterdichter, gingen nach Rom.

Besonders bei den jungen Römern war der Wunsch nach griechischem Luxus da. Hierin sahen die Politiker jedoch einen Widerspruch mit den alten Tugenden: Gehorsamkeit und Enthaltsamkeit (entsprechend dem mos maiorum), welche die Machtbasis der römischen Nobilität darstellen. Die Senatoren sahen die Moral und Disziplin und dazu ihre eigene Machtbasis bedroht. Solange diese Meinung verbreitet war, war ein Theaterbau in Rom schlicht undenkbar.

Dennoch gab es auch viele Leute in allen römischen Bevölkerungskreisen, die die griechische Kultur nahezu fanatisch bewunderten und unterstützten, so dass die Zahl der Festspieltage, an denen Theaterstücke aufgeführt wurden, ständig zunahm.

Architektur mini|Rekonstruktion des Pompeius-Theaters und des Venus-Tempels rechts. Der erste feste Bühnenbau war das theatrum lapideum, das Pompeius 55 v. Chr. auf dem Marsfeld in Rom errichten ließ. Dieses nach ihm benannte Pompeiustheater war Teil eines großen Komplexes in Tibernähe, in dem sich auch ein Heiligtum der Göttin Venus befand. Der Zuschauerraum (cavea, ‚(Aus-)Höhlung‘) bestand aus halbkreisförmig angelegten ansteigenden Sitzreihen mit mehreren Zugängen (vomitoria, Singular vomitorium, von vomere, ‚ausspeien‘, weil es von der Bühne gesehen aussieht, als ob die vomitoria die Zuschauermengen ausspien). Durch Korridore (praecinctiones) und durch Treppen konnte man sich zu den einzelnen Sitzplätzen bewegen. Die einzelnen Zuschauerblöcke (cunei, Singular cuneus, ‚Keil‘) waren durch Korridore voneinander getrennt. Am oberen Abschluss des Zuschauerraumes befand sich sehr häufig eine überdachte Galerie bzw. ein Säulengang (porticus). Bei sehr heißem Wetter konnte man zusätzlich auch ein Sonnensegel (velarium) über den Sitzreihen, mit Verankerungen an der Außenwand in der Höhe der Galerie, befestigen.

Die Plätze wurden nach politischem oder wirtschaftlichem, also nach sozialem Status des Besuchers verteilt: Senatoren oder andere hohe Regierungsmitglieder saßen entweder in der orchestra, der halbkreisförmigen Ebene direkt vor der Bühne, oder fanden in erhöhten Logen (tribunalia) an den Seiten der Cavea Platz. Sie hatten sogar besondere Zugänge: aditus maximi, die direkt am Bühnenkomplex entlang verliefen und von zwei Seiten in die Orchestra mündeten. Die nachfolgenden 14 Reihen der Tribüne waren für die Equites reserviert. Für die übrigen Sitzreihen bestand freie Platzauswahl für den einfachen Bürger.

Der Bühnenkomplex bestand aus dem Bühnenhaus (scaena) und der eigentlichen Bühne (pulpitum). Darunter befanden sich in einem weiteren Raum diverse Hebe- und Versenkungsmaschinen. Über der Bühne gab es ein Dach zum Schutz vor Witterungseinflüssen, dieses war oft drei Stockwerke hoch und prächtig mit Säulen, Fenstern und Nischen verziert. Alles andere zum Theaterbetrieb Notwendige befand sich im Bühnenhaus.

Bis zum heutigen Tag sind im gesamten Mittelmeerraum eine große Anzahl römischer Theater, in unterschiedlichem Zustand, zu sehen. Besonders gut erhalten sind hierbei die Theater in Merida (Spanien), Orange (Frankreich), Aspendos (Türkei), Bosra (Syrien), Amman (Jordanien), Caesarea (Israel), Thugga (Tunesien), Leptis Magna und Sabrata in Libyen und in Rom (siehe Marcellustheater).

Theatergenres mini|Theatermasken für Komödie und Tragödie Die ersten bedeutenden Werke der römischen Literatur waren die Tragödien und Komödien, die Livius Andronicus ab 240 v. Chr. schrieb. Fünf Jahre später begann auch Gnaeus Naevius, ein jüngerer Zeitgenosse von Andronicus, Dramen zu schreiben und war ebenfalls in beiden Genres tätig. Von keinem der beiden Autoren sind Stücke erhalten geblieben. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. hatte sich das Drama in Rom fest etabliert und eine Schriftstellergilde (collegium poetarum) war gegründet worden.

Gattungen der Komödie Zu den frühesten Formen der römischen Komödie zählten Mimus und Atellane. Typisch für diese beiden Gattungen sind vulgäre und obszöne Inhalte ohne dramatische Handlung: Liebschaften, Ehebrüche, das dumme Landvolk, Schiffbruch, Mord und Betrügereien, Ohrfeigen, Fußtritte, Prügeleien, alberne Grimassen und Verfolgungsjagden bilden das übliche Standardrepertoire beider Gattungen.

Mimus (seit dem 3. Jahrhundert v. Chr.)

Die typische Sprache des Mimus bediente sich mitunter einer gewissen licentia verborum, einer sprachlichen Ausgelassenheit, und setzte sich aus einem direkten und volksnahen Vokabular, dem auch obszöne und derbe Ausdrücke beigemischt wurden, zusammen. Vom Mimendichter Publilius Syrus, dessen Mimen allesamt verloren sind, ist eine Sammlung von etwa 700 Einzeilern erhalten, die sogenannten Sententiae, die dagegen im jambischen oder trochäischen Versmaß geschrieben wurden.

Die Themen könnte man gut unter dem modernen Sammelbegriff „Sex and crime“ zusammenfassen: Häufig ging es um Liebschaften, Heirat und Ehebruch, aber auch um „Tragisches“ wie Schiffbrüche, Tod, Giftmord und diverse Betrügereien, sodass es mitunter zu Verfolgungsjagden, Schlägereien und albernen Grimassen kam. Auch Anspielungen auf tagespolitische Themen und Personen sind in den Mimusfragmenten bezeugt. Besonders der Mimendichter Decimus Laberius nahm Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. wiederholt Verordnungen und Taten des berühmten Gaius Iulius Caesar aufs Korn. Beliebt war auch Mythentravestie, welche die Liebschaften von Göttern (besonders Jupiter) und Heroen parodierte. Erfolgreiche Dichter dieser Richtung waren Lentulus und Hostilius.

Da sich die Stücke inhaltlich kaum unterschieden, konnten sie von den Schauspielern routiniert und recht professionell aufgeführt werden und ermöglichten viele spontane Einlagen und Improvisationen. Vom lateinischen Mimus sind heute nur Fragmente bekannt, während vom griechischen Mimus auch ganze Szenen – erhalten auf Papyri aus dem ägyptischen Oxyrhynchos – überliefert sind.

Diese halb- bis einstündigen Possen konnten mit verhältnismäßig geringem Aufwand auf die Bühne gebracht werden, da ein Ensemble nur aus wenigen Schauspielern bestand. Inschriftlich und literarisch sind neben dem Archimimus, dem Hauptdarsteller und Führer eines Ensembles (grex), Mimenschauspieler zweiten, dritten und vierten Ranges (secundarum, tertiarum, quartarum) bezeugt. Davon waren zwei Charakterdarsteller, der andere stellte den Typus des stupidus (der Dümmling, am rasierten Schädel erkennbar) dar. Auch der aus der römischen Komödie des Plautus und Terentius bekannte Parasit findet sich mitunter im Mimus wieder. Je nach finanziellen Möglichkeiten konnten noch weitere Schauspieler sowie Statisten und Chargendarsteller hinzukommen.

Der Hauptdarsteller des Mimus verlangte von seinen Kollegen die völlige Unterordnung, so dass sie gegebenenfalls sogar schlechter spielen mussten, um ihm nicht die Schau zu stehlen. Die mimi (Schauspieler des Mimus) trugen keine Masken, was eine noch höhere Anforderung an ihre künstlerischen Qualitäten in Mimik und Gestik stellte. Zu einem Mimus gehörten auch Prosapartien, Gesangsnummern und Tanzeinlagen.

Seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. sind auch Mimenschauspielerinnen (mimae) literarisch bezeugt, es ist aber anzunehmen, dass Mimendarstellerinnen bereits vor dieser Zeit auftraten.

Atellane (atellana fabula) Diese ursprünglich aus Campanien stammende Form der Komödie war eng mit der dorischen Volksposse der Phlyaken im griechischen Unteritalien verwandt und erhielt ihren Namen vermutlich daher, weil sie zum ersten Mal von Schauspielern aus der oskischen Stadt Atella aufgeführt worden sein soll.

Das Ensemble setzte sich aus feststehenden Typen zusammen, die durch unverwechselbare Masken gekennzeichnet waren. Eine genaue Identifizierung der auf uns gekommenen Masken mit einzelnen Typen der Atellane muss jedoch Spekulation bleiben, da diese Masken nicht beschriftet sind und sich auch keine Beschreibungen in der römischen Literatur erhalten haben.

Maccus, der Dümmling, wird von den anderen immer wieder betrogen und verspottet. Seine Maske ist in der modernen Forschung mit Hakennase, Kahlkopf, halbgeöffnetem Mund mit nur noch wenigen Zähnen und stupidem Gesichtsausdruck charakterisiert worden. Nicht viel klüger ist Bucco (von bucca = Backe). Er ist ein fülliger und pausbäckiger „Maulheld“ und muss deshalb häufig – zur Belustigung des Publikums – Ohrfeigen einstecken. Manducus, „der Fresser“ (auch dossen(n)us), zeichnet sich durch Vergesslichkeit, aber auch durch eine gewisse Bauernschläue aus. Auch Pappus, ein lüsterner und geiziger Alter, ist nicht viel cleverer als seine Kumpane.

Auch die Sprache der atellane ist durch sprachliche Derbheit ausgezeichnet. Dazu kommt eine gesteigerte Gestikulation, um alles zu übertreiben und damit lächerlich zu machen. Wieder sind nur Teile erhalten, dafür aber auch ein paar Titel, die Informationen über den Inhalt liefern können.