Haaren ist ein nördlicher Stadtteil von Bad Wünnenberg in Nordrhein-Westfalen und gehört zum Kreis Paderborn. Überregional bekannt ist es durch das Autobahnkreuz Wünnenberg-Haaren.

Geographie Haaren liegt auf der Paderborner Hochfläche. Der höchste Punkt der Ortschaft liegt auf . Es befindet sich 95 km östlich von Dortmund, 20 km südlich von Paderborn, 50 km nördlich von Winterberg (Sauerland) und 80 km westlich von Kassel.

Nachbarorte Im Norden beginnend im Uhrzeigersinn grenzen an Haaren der Stadtteil Niederntudorf von Salzkotten, der Ortsteil Etteln der Gemeinde Borchen und der Stadtteil Henglarn von Lichtenau, die Bad Wünnenberger Stadtteile Helmern, Fürstenberg, Bad Wünnenberg und Leiberg sowie die Stadtteile Hegensdorf, Büren und Wewelsburg von Büren (Westfalen). Alle genannten Orte gehören zum Kreis Paderborn.

Geschichte Der Ortsname besteht aus dem allgemein gehaltenen Bestimmungswort har, das bedeutet Höhe, dies ist auch vom Haarstrang bekannt und einem Grundwort wie Harn, Harun, Haran oder Haram. So wurden von den Franken Heimsiedlungen benannt. Haaren liegt auf einer markanten Stelle der Turonstufe über dem Sintfeld.Jost Wedekin: Heimatbuch der Stadt Wünnenberg. Hrsg. Stadt Wünnenberg, 1987, S. 231. Der Abt Sturmius und seine Glaubensboten missionierten und predigten im Sintfeld; sie gründeten hier Urpfarreien. Das Kloster Böddeken wurde 837 gegründet, allerdings ist eine Kirche, die vorher in der Nähe errichtet wurde, noch älter. Diese erste Kirche stand unter dem Patrozinium des Martin von Tours. Zu dieser Pfarrei gehörte vermutlich auch Haaren. Zu der Ruine führt der alte Weg Kirchricke von Tindeln aus. Die erste Kirche war vermutlich ein Holzgebäude, die Saalkirche wurde um 1000 aus Stein neu gebaut. Sie stand am Ort der heutigen Friedhofskapelle.Jost Wedekin: Heimatbuch der Stadt Wünnenberg Hrsg. Stadt Wünnenberg, 1987, S. 231.

Das Dorf wurde 975 erstmals urkundlich in den Traditiones Corbeinenses erwähnt, es ist wohl um etliches älter und zählt zu den sehr alten Siedlungen des Gebietes. Grund für diese frühe Besiedlung war die verkehrsgünstige Lage; hier kreuzten sich Handels- und Heerstraßen, die wichtigste war der Frankfurter Weg. Die Flur war in germanischer Zeit besiedelt, im Futterloch wurde bei Pflügearbeiten eine Lanzenspitze aus Eisen gefunden, die als typisch germanisch der Zeit um das zweite oder dritte Jahrhundert zugeordnet wurde. Die Spitze wird im Landesmuseum in Münster ausgestellt. Ein anderer Landwirt fand eine große verzierte Scherbe, die von einem dickwandigen Vorratsbehälter vom ersten Jahrhundert stammte. Die Höfe dieser germanischen Siedlungen waren nicht groß und lagen verstreut im Gelände. Die Einwohner waren Bauern, sie suchten ihre Siedlungsplätze ihren Anforderungen entsprechend aus. Es wurde eine Wasserstelle in der Nähe des Hauses benötigt, Weidefläche, Acker und Haus bildeten eine Einheit. Die Wirtschaftsflächen waren so groß, dass die Familie und das Gesinde versorgt und die Fliehburg mit ausreichend Vorräten ausgestattet werden konnte.Jost Wedekin: Heimatbuch der Stadt Wünnenberg Hrsg. Stadt Wünnenberg, 1987, S. 230.

Nach dem mittelalterlichen Wüstungsprozess siedelten sich in Haaren zum Ende des 15. Jahrhunderts wieder Bauern an. Ein Chronist aus Böddeken schrieb: In Mitte des 15. Jahrhunderts waren in dasiger Gegend wüste und öde Örten, von den Menschen, das ist von den meisten, verlassen. Dann anno 1473 noch einige Bauern von Haaren ihre Schuldigkeiten entrichteten: z. B. Fridag, Salomons, Klute, Otto Feche, deren Familie noch daselbst existiert, und also die ältesten sind. Um 1492 bildete sich hier wieder ein größeres Dorf und zu Anfang des 16. Jahrhunderts leisteten die Bauern Abgaben. Dieser Ort Neu-Haaren ist mit dem Alt-Haaren nicht mehr vergleichbar, von dem alten Ort sind nur noch Reste vorhanden. Der neue Ort entwickelte sich zu einem Haufendorf, das dicht besetzt war. Im Jahr 1507 wurde mit dem Wiederaufbau der Kirche angefangen, das dauerte mehrere Jahre und die Bewohner verschuldeten sich dafür Schon im Jahr 1511 ist in einer Namensliste, die vom Kloster Bredelaer geführt wurde, ein Anstieg der Bevölkerung belegt. Das Kloster Böddeken stiftete 1588 einen Taufstein, der bis heute erhalten ist. Wenn die Bauern ihre Abgaben nicht entrichteten wurde er abgemeiert, ihm wurde der übertragene Grund und Boden entzogen und er verlor seine Lebensgrundlage.Jost Wedekin: Heimatbuch der Stadt Wünnenberg Hrsg. Stadt Wünnenberg, 1987, S. 236. Ende des 16. Jahrhunderts überfiel der Wegelagerer Scriborius aus Haaren mit seinen Kumpanen immer wieder Händler und Reisende und raubte sie aus. Er wurde 1589 gefasst und zum Tode verurteilt. Ihm wurde bei der sogenannten Blutjanslinde bei Dalheim durch zwei Henkersknechte der Körper mit glühenden Zangen zerfetzt, der Bauch aufgeschnitten, das Herz aus der Brust gesäbelt und ums Maul geschlagen.Jost Wedekin: Heimatbuch der Stadt Wünnenberg Hrsg. Stadt Wünnenberg, 1987, S. 237. Das Gebiet von Haaren gehört seit dem frühen Mittelalter zum späteren Hochstift Paderborn.

Im Laufe der Zeit wurde das Dorf immer wieder ausgeplündert, besetzt und zerstört, obwohl die Bewohner sich durch Straßensperren und die Verteidigung des äußeren Häuserringes wehrten. In dieser Zeit wurden die Äcker auf dem Sintfeld wieder brach und entwickelten sich zu Heideland. Am 1. Januar 1622 fiel der Tolle Christian mit seinen Truppen in Haaren ein und errichtete hier sein Hauptquartier und verschickte von hier seine Brandbriefe. Weitere Schäden nahmen die Bevölkerung und das Dorf während des Siebenjährigen Krieges, Hungersnöte und Seuchen forderten Opfer. Nach den Kriegen bauten die Einwohner die Gebäude und die Kirche wieder auf und bewirtschafteten ihre Äcker.Jost Wedekin: Heimatbuch der Stadt Wünnenberg Hrsg. Stadt Wünnenberg, 1987, S. 237.

Der Ort gehörte bis zu den Napoleonischen Kriegen zum Amt Wewelsburg im Hochstift Paderborn. Im Jahre 1802 verlor das Hochstift Paderborn mit der Besetzung durch Preußen seine staatliche Selbstständigkeit. Alle Ansprüche und Rechte gingen an den preußischen Staat über, der vehement die Nachzahlung von aufgelaufenen Steuerschulden und für die Zukunft pünktliche Zahlung forderte. Die Bauern wurden zu Eigentümern der von ihnen bewirtschafteten Flächen. Im Königreich Westphalen bildete der Ort von 1807 bis 1813 eine Gemeinde im Kanton Atteln des Distrikts Paderborn im Departement der Fulda. Nach der napoleonischen Niederlage fiel Haaren 1813 an Preußen zurück und wurde 1815 in die neuen Provinz Westfalen eingegliedert. Durch Erlass der Königlichen Regierung in Minden kam Haaren 1816 zum neuen Kreis Büren, in dem die Gemeinde zum Amt Atteln gehörte.

Die Separation der Ländereien um Haaren mit insgesamt 7,414 Morgen Separationsmasse wurde nach Bewältigung beträchtlicher Schwierigkeiten und Streitereien 1849 abgeschlossen. Die Schlussrechnung betrug 8000 Taler. Die Feldmark wurde durch feste Wege erschlossen und zu den benachbarten Orten wurden befestigte Straßen gebaut. Teilweise wurden die Straßen als Chausseen nach französischem Vorbild mit Gräben, Bäumen und einer Packlage aus Kalkstein angelegt. Die Landstraße nach Paderborn wurde 1864 fertiggestellt und danach eine königlich preußische Postexpedition in Haaren eingerichtet und eine Fahrpost gegründet. 1829 wurde von der Regierung eine Katasteraufnahme angeordnet und durchgeführt. Danach standen im Dorf etwa 170 Häuser, eine Schule, eine Kirche und eine Kapelle. Die Straßen des planlos gewachsenen Haufendorfes verliefen entsprechend.Jost Wedekin: Heimatbuch der Stadt Wünnenberg Hrsg. Stadt Wünnenberg, 1987, S. 241. Das dicht bebaute Haufendorf wurde 1847 durch ein großes Feuer zerstört, 48 Häuser, die Schule, das Pfarrhaus und die Kirche brannten ab und etwa 70 Familien wurden obdachlos. Zur Wiederherstellung der öffentlichen Gebäude bewilligte der König von Preußen ein Gnadengeschenk in Höhe von 4000 Talern. Die neu gebauten Häuser wurden nicht wie bisher mit Stroh, sondern mit Ziegeln gedeckt.Jost Wedekin: Heimatbuch der Stadt Wünnenberg Hrsg. Stadt Wünnenberg, 1987, S. 242. Im Jahr 1975, dem Jahr der Eingemeindung, feierte Haaren sein 1000-jähriges Bestehen.

Ausgrabungen Im Gebiet von Haaren sind steinzeitliche Siedlungsspuren belegt. Ein Archäologe mit dem Namen Jordan schrieb: Die Lage der Fundstätte auf der oberen Fiegenburg ist eine typisch vorgeschichtliche, auf der Höhe, sicher, trocken und früher waldfrei, zum Teil gelegen in einer flachen Mulde, nahe der Geländekante oberhalb eines leicht erreichbaren Quellhorizontes mit wenigstens zwei ergiebigen Kluftquellen im Nordwesthang. Die Ausdehnung der Besiedlung scheint nicht über einen Kilometer längs des Hanges und etwa 500 Meter in der Breite hinausgereicht haben, so daß für die Steinzeit um 3000 bis 2000 vor Christus mit nur vier Höfen gerechnet werden kann. Die bisher ältesten menschlichen Kulturreste aus der Gemarkung Haaren stammen von diesem Platz! Es sind kleine, steil und fein am Rand durch Zurechtschlagen und Abpressen über eine scharfe Steinkante bearbeitete Feuersteinspäne, die als Messerchen, Schaber und Kratzer verwendet wurden.Jost Wedekin: Heimatbuch der Stadt Wünnenberg Hrsg. Stadt Wünnenberg, 1987, S. 227. Es wurden über 1000 Fundstücke katalogisiert, darunter befanden sich auch zwei Steinbeile und achtzehn Pfeilspitzen. Das Beil aus hellem Jadeit wurde 1938 in etwa zweieinhalb Meter Tiefe, in einem Erdfall gefunden. Es lag zwischen den Schädeln und Skelettresten von Pferden. Das andere Beil ist aus grünlichgrauem kristallinem Gestein mit dunkelgrauen Sprenkel angefertigt. Es wurde 1960 von einem Schüler auf einem Acker gefunden.

Etwa fünf Kilometer vom Ortskern sind bronzezeitliche Hügelgräber entdeckt worden. Die insgesamt 97 Hügel haben einen Durchmesser von 16 bis 20 Metern und sind bis zu zwei Meter hoch. Im Jahre 1904 wurde eine Schneisenausfahrt angelegt und dabei ein Grabhügel zertrennt. Unter verschieden dicken Erd- und Tonschichten wurden ein 18,5 cm langes Stück eines Kurzschwertes, eine 15,5 cm lange Rundaxt und eine Petschaftnadel mit einer Länge von 16,5 cm ergraben. Als weitere Fundstücke sind noch Schädelstücke, Geweihstücke, Urnenscherben und Feuersteine zu nennen, deren Verbleib nicht geklärt ist. Eine zu dem Gräberfeld zugehörige Wohnstätte wurde nicht gefunden. Aus der Römerzeit wurden bei NeuböddekenNeuböddeken. vier Silberdenare gefunden, von denen einer die Aufschrift G. L. Caesares trägt.

Der Archäologe Jordan fand bei Ausgrabungen bei den Schütte-Quellen in der Nähe des Ortes die mittelalterliche Ortslage der Siedlung Suavharan (Schwafern). Die aufgefundenen Überreste einer Hausanlage gaben nähere Aufschlüsse über das Leben in mittelalterlichen Siedlungen der Umgebung. Knochenreste von Rindern, Pferden, Schafen, Ziegen, Geflügel und Hunden belegen die Viehzucht, Getreidefunde den Ackerbau. Es wurden Bleireste, ein kleines kegelförmiges Gewicht, Kupferschlacken und Gussstücke als Belege für das Vorhandensein von Handwerkern gefunden. In einem zum Teil gemauerten Kellerraum wurden eine Schere mit federndem Bügel, Messer, geschmiedete Nägel, ein Reitersporn, ein Schlüssel, eine Riemenschnalle aus Bronze und ein Glasring gefunden.Jost Wedekin: Heimatbuch der Stadt Wünnenberg Hrsg. Stadt Wünnenberg, 1987, S. 233.

Wüstungsprozess