Die Asteroideae (alte Bezeichnung Tubuliflorae) sind eine Unterfamilie der Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae). Einige Arten sind Heil- oder Gewürzpflanzen.

Beschreibung mini|links|Ausschnitt einer Illustration aus Otto Wilhelm Thomé: Aufbau einer Röhrenblüte am Beispiel der Margerite (Leucanthemum vulgare): Recht von der Illustration die Gliederung der Blütenkrone (Links), des Androeceums (Mitte) und des Gynoeceums (Rechts): SCT = Staubfaden-Corollentubus, CT = Kronröhre, C = freie Kronzipfel, F = Staubfaden, T = Staubbeutel, FK = unterständiger Fruchtknoten, G = Griffel, N = Narbe mini|Tribus Heliantheae: Blütenkorb der Sonnenblume (Helianthus annuus) mit Strahlen- und Scheibenblüten

Vegetative Merkmale Die Vertreter der Unterfamilie Asteroideae sind meist einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen, es gibt auch verholzende Taxa. Einige Taxa sind sukkulent. Die vegetativen Organe sind von Öl- und Harzgängen durchzogen, die schizogen entstanden und mit Epithel ausgelegt sind. Milchröhren fehlen. Die meist wechselständig oder beispielsweise bei vielen Arten der Tribus Heliantheae gegenständig angeordneten Laubblätter können einfach oder zusammengesetzt sein.

Generative Merkmale Es werden körbchenförmigen Blütenständen gebildet, die einzeln stehen oder in unterschiedlich aufgebauten Gesamtblütenständen zusammen stehen. Der Blütenkorb ist umgeben von Hüllblättern. Der Korbboden (Receptaculum) kann scheiben- bis kegelförmig sein. Oft befinden sich Spreublätter auf dem Korbboden; es sind die Deckblätter der Blüten.

Typisch bei der Unterfamilie Asteroideae ist, dass oft in den Blütenkörben sowohl außen zygomorphe, dreizipfelige Zungenblüten (= Strahlenblüten) als auch innen radiärsymmetrische Röhrenblüten (= Scheibenblüten) vorhanden sind. Bei wenigen Taxa fehlen die Zungenblüten, Röhrenblüten sind immer vorhanden.

Die Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Kelchblätter sind zum sogenannten Pappus umgebildet. Die meist fünf Kronblätter sind zu einer Kronröhre verwachsen. Bei den Röhrenblüten sind die fünf relativ kurzen Kronzähne etwa so lang wie breit. Bei den Zungenblüten enden die Zungen in drei Kronzähnen (Unterschied zu anderen Unterfamilien). Bei den fünf Staubblättern sind die Staubbeutel zu einer Röhre verklebt. Der Griffel „fegt“ mit Fegehaaren den Pollen aus der Staubbeutelröhre; das Öffnen der Narbenschenkel und die Freigabe der empfängnisfähigen Innenseite erfolgt erst anschließend, um Selbstbestäubung zu vermeiden. Die Staubbeutel besitzen keine Anhängsel. Auf den Pollen sind die Stacheln regelmäßig oder unregelmäßig verteilt. Zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Der Griffel endet zweiästig. Auf den beiden Griffelästen befinden sich auf der Innenseite jeweils zwei mit zwei Linien mit Narbengewebe.

Es werden Achänen, die oft einen Pappus zur Ausbreitung besitzen, gebildet. Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9, 10, oder bei der Heliantheae-Allianz x = 19.

mini|Strukturformel von Inulin Inhaltsstoffe Als Speicherkohlenhydrat besitzen sie Inulin. Ätherische Öle sind bei vielen Arten vorhanden. Wichtig sind auch Polyine (= Polyacetylene) und Sesquiterpenlactone.

Systematik mini|Tribus Anthemideae: Ursinia anthemoides mini|Tribus Astereae: Xylorhiza tortifolia mini|Tribus Athroismeae: Centipeda minima mini|Tribus Calenduleae: Calendula arvensis mini|Tribus Eupatorieae: Blütenstand mit Blütenkörbchen und Blüten im Detail von Carphephorus corymbosus mini|Tribus Gnaphalieae: Blütenkorb von Xerochrysum bicolor mini|Tribus Heliantheae: Ambrosia dumosa mini|Tribus Inuleae: Blütenkorb von Pulicaria wightiana mini|Tribus Plucheeae: Gesamtblütenstand von Laggera crispata mini|Tribus Senecioneae: Pericallis malvifolia mini|Tribus Bahieae: Palafoxia arida var. arida mini|Tribus Chaenactideae: Chaenactis carphoclinia var. carphoclinia mini|Tribus Coreopsideae: Blütenkörbchen mit Blüten im Detail von Bidens cernua mini|Tribus Coreopsideae: Thelesperma megapotamicum mini|Tribus Helenieae: Baileya multiradiata mini|Tribus Madieae: Argyroxiphium grayanum mini|Tribus Madieae: Haleakalā-Silberschwert (Argyroxiphium sandwicense ssp. macrocephalum) mini|Tribus Millerieae: Acanthospermum hispidum mini|Tribus Millerieae: Habitus und Blütenstände von Coespeletia palustris mini|Tribus Millerieae: Espeletia grandiflora mini|Tribus Neurolaeneae: Traumkraut (Calea ternifolia) mini|Tribus Perityleae: Perityle emoryi mini|Tribus Polymnieae: Polymnia canadensis mini|Tribus Tageteae: Adenophyllum cooperi

Taxonomie Die Unterfamilie Asteroideae wurde 1829 durch John Lindley in John Claudius Loudon: An Encyclopedia of Plants, 1074 aufgestellt.

Innere Systematik Diese Unterfamilie Asteroideae enthält etwa 1.135 Gattungen und rund 16.200 Arten, mit weltweiter Verbreitung. Eine Verwandtschaftsgruppe, die sogenannte Heliantheae-Allianz bilden die Tribus Feddeeae, Helenieae, Coreopsideae, Neurolaeneae, Tageteae, Chaenactideae, Bahieae, Polymnieae, Heliantheae, Millerieae, Madieae, Perityleae, Eupatorieae.

Die Unterfamilie Asteroideae wird in 20 Tribus gegliedert (Die Gattungen sind in den Artikeln der Tribus aufgelistet): Tribus Anthemideae : Sie enthält 100 bis 110 Gattungen mit etwa 1700 Arten. Tribus Astereae : Sie enthält über 200 Gattungen mit etwa 3000 Arten. Tribus Athroismeae : Sie enthält seit 2017 mehr etwa neun Pflanzengattungen mit 59 bis 80 Arten, die hauptsächlich in Afrika und Australien verbreitet sind. Tribus Calenduleae : Früher waren acht, seit 2009 zwölf Gattungen mit 110 bis 120 Arten enthalten. Sie sind fast immer ohne Pappus. Tribus Chaenactideae : Sie enthält nur drei Gattungen vom westlichen Nordamerika bis Mexiko. Tribus Eupatorieae : Sie enthält 167 bis 181 Gattungen mit 2000 bis 2400 Arten. Tribus Gnaphalieae : Sie wird in fünf bis sechs Subtribus gegliedert mit etwa 184 bis 187 Gattungen und 1240 bis über 2000 Arten. Tribus Heliantheae : Sie enthält heute nur noch 14 Subtribus mit nur noch etwa 112 Gattungen. Es wurden einige neue Tribus ausgegliedert. Tribus Inuleae : Sie enthält 40 bis 60 Gattungen mit 500 bis 600 Arten. Tribus Plucheeae : Sie enthält etwa 27 Gattungen mit etwa 219 Arten. Tribus Senecioneae : Sie enthält etwa 150 Gattungen mit etwa 3200 Arten. Tribus Tageteae : Sie enthält 16 bis 23 Gattungen mit etwa 216 Arten. Das Zentrum der Artenvielfalt ist das trockene mexikanische Hochland. Tribus Bahieae : Sie wurde 2002 aufgestellt und enthält 19 bis 21 Gattungen, die hauptsächlich in der Neotropis verbreitet sind mit einem Schwerpunkt der Artenvielfalt in den südwestlichen USA und in Mexiko. Es sind meist einjährige bis ausdauernde krautige Pflanze, selten Sträucher, die keinen Milchsaft enthalten. Es sind keine Spreublätter vorhanden. Wenn Zungenblüten vorhanden sind, dann sind sie rein weiblich. Die Zungen der Blütenkronen enden mit zwei oder drei Kronzähnen. Bei den Röhrenblüten besitzen die Blütenkronen vier oder fünf Kronzähne. Die Achänen sind durch Phytomelanine schwärzlich: Achyropappus : Die seit 2012 drei Arten kommen Mexiko und Guatemala vor: Apostates : Sie enthält nur eine Art: Apostates rapae : Es ist ein Endemit auf der Osterinsel (in der Landessprache Rapa Nui, daher das Artepitheton rapae). Bahia : Sie hat etwa zehn Arten enthalten. Sie enthält 2016 nur noch eine Art: Bahia ambrosioides : Sie gedeiht in Gebieten mit ariden bis mediterranen Klimaten an Küsten und Küstengebirgen in Chile. Bartlettia : Sie enthält nur eine Art: Bartlettia scaposa : Sie ist von den südwestlichen US-Bundesstaaten New Mexico sowie Texas bis Mexiko verbreitet. Chaetymenia : Sie enthält nur eine Art: Chaetymenia peduncularis : Sie ist in Mexiko verbreitet. Chamaechaenactis : Sie enthält nur eine Art: Chamaechaenactis scaposa : Sie gedeiht in Höhenlagen von 1400 bis 2600 Metern in den westlichen US-Bundesstaaten Arizona, Colorado, New Mexico, Utah sowie Wyoming. Espejoa : Sie enthält nur eine Art: Espejoa mexicana : Sie ist in Mexiko verbreitet. Florestina : Die etwa acht Arten sind von Texas (nur eine Art) über Mexiko bis Zentralamerika verbreitet. Holoschkuhria : Sie wurde 2002 aufgestellt und enthält nur eine Art: Holoschkuhria tetramera : Sie kommt im nördlichen Peru vor. Hymenopappus : Die etwa elf Arten sind von Nordamerika (zehn Arten) bis Mexiko verbreitet. Hymenothrix : Sie hat bis etwa fünf Arten enthalten. Seit 2016 sind etwa sechs Arten mehr enthalten. Es gehören die Arten der bisherigen Gattung Amauriopsis : Die bis 2010 nur eine Art enthalten und seit 2010 sechs Arten hat. Billie L. Turner: Rescension of the Mexican Amauriopsis (Asteraceae: Bahieae). In: Phytoneuron, 2010-10, 2010, S. 1–7, Volltext-PDF. Die seit 2016 etwa elf Arten sind von den USA bis Mexiko verbreitet. Hypericophyllum : Die etwa sieben Arten sind im tropischen Afrika verbreitet. Loxothysanus : Die etwa zwei Arten sind in Mexiko verbreitet. Nothoschkuhria : Sie wurde 2015 aufgestellt und enthält nur eine Art: B. G. Baldwin: Nothoschkuhria, a new South American genus for Schkuhria degenerica (Compositae, Bahieae). In: Phytoneuron, 2015-56, 2015, S. 1–2. Nothoschkuhria degenerica : Sie kommt im Hochland von Bolivien bis ins nordwestliche Argentinien vor. Palafoxia : Die etwa zwölf Arten sind von den südwestlichen USA (zehn Arten) bis Mexiko verbreitet. Peucephyllum : Sie enthält nur eine Art: Peucephyllum schottii : Sie ist von den südwestlichen US-Bundesstaaten Arizona, Kalifornien, Nevada sowie Utah bis ins nordwestliche Mexiko (Baja California sowie Sonora) verbreitet. Picradeniopsis : Die etwa acht Arten sind von den USA bis Mexiko und in Südamerika verbreitet. Platyschkuhria : Sie enthält nur eine Art: Platyschkuhria integrifolia Rydberg : Sie gedeiht in Höhenlagen von 1100 bis 2200 Metern in den westlichen US-Bundesstaaten Arizona, Colorado, Montana, New Mexico, Utah sowie Wyoming. Psathyrotopsis : Die etwa drei Arten sind von den südwestlichen USA bis Mexiko verbreitet. Schkuhria : Die zwei bis sechs Arten sind von den südwestlichen USA (zwei Arten) über Mexiko und Zentral- bis Südamerika verbreitet. Thymopsis : Von den nur zwei auf den Karibischen Inseln Arten vorkommenden kommt die eine nur auf den Bahamas und die andere nur auf Kuba vor. Tribus Coreopsideae (Syn.: Bidentideae , Bidentidinae , Coreopsidaceae , Coreopsidinae , Coreopsidodinae ): Sie enthält (21 bis) etwa 31 Gattungen mit etwa 500 Arten: Zweizähne (Bidens , Megalodonta ): Die 150 bis über 250 Arten sind fast weltweit verbreitet. Besonders viele Arten gibt es von den gemäßigten Gebieten über die Subtropen bis zu den Tropen der Neuen Welt und in Afrika. Chrysanthellum : Die etwa elf Arten kommen in vielen tropischen Gebieten der Welt vor. Coreocarpus : Die etwa neun Arten sind alle in Mexiko beheimatet, eine Art kommt auch Arizona vor. Mädchenaugen (Coreopsis ): Der Umfang dieser Gattung wurde kontrovers diskutiert, die afrikanischen Arten gehören nicht mehr zu dieser Gattung. Die etwa 70 Arten sind in der Neuen Welt weitverbreitet. Die Zentren der Artenvielfalt liegt mit etwa 28 Arten in den gemäßigten Gebieten des östlichen Nordamerikas, in Mexiko und in den Anden. Cosmos : Die 26 bis 28 Arten sind in der Neotropis weitverbreitet, mit einem Schwerpunkt der Artenvielfalt in Mexiko. Eine Art ist in vielen Teilen der Welt ein Neophyt. Cyathomone : Sie enthält nur eine Art: Cyathomone sodiroi : Sie kommt in Ecuador vor. Dahlien (Dahlia ): Die 35 bis 40 Arten sind hauptsächlich in Mexiko verbreitet und es gibt auch Arten in Zentralamerika sowie Kolumbien. Viele Sorten werden in gemäßigten bis tropischen Gebieten als Zierpflanzen verwendet. Dicranocarpus : Sie enthält nur eine Art: Dicranocarpus parviflorus : Sie kommt von den südwestlichen USA bis ins nördliche Mexiko vor. Diodontium : Sie enthält nur eine Art: Diodontium filifolium : Sie ist im nördlichen Australien verbreitet. Ericentrodea : Die etwa sechs Arten gedeihen in den Anden von Kolumbien bis Bolivien.