mini|hochkant|Der Schild des Stammwappens mit der Zollernvierung

Das Haus Hohenzollern ist eine der bedeutendsten Dynastien der deutschen Geschichte, die seit 1918 keine Herrschaft mehr ausübt. Das nach seinem Stammsitz, der Burg Hohenzollern in Schwaben, benannte Adelsgeschlecht stellte mit seinem fränkischen Zweig seit 1192 die Burggrafen von Nürnberg, seit 1415 die Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg, seit 1525 die Herzöge in Preußen und seit 1701 die preußischen Könige sowie von 1871 bis zum Ende des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1918 die Deutschen Kaiser.

Das Geschlecht wurde erstmals 1061 mit „Burchardus“ und „Wezil“ in der Chronik des Berthold von Reichenau erwähnt und besteht gegenwärtig aus der älteren Linie der schwäbischen Hohenzollern und dem jüngeren brandenburg-preußischen Zweig. Letzterer, der im Laufe der Zeit die größere Bedeutung erlangte, spaltete sich Anfang des 13. Jahrhunderts nach der Übernahme der Burggrafschaft Nürnberg als zunächst fränkische Linie ab. Chef dieses Hauses ist derzeit Georg Friedrich Prinz von Preußen. Das Familienoberhaupt der schwäbischen Hohenzollern ist Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern. Dieser im 17. Jahrhundert gefürstete Familienzweig entfernte sich, mit der Ausnahme der Könige von Rumänien, kaum vom schwäbischen Ursprungsgebiet. Die Burg Hohenzollern, auf dem gleichnamigen Berg in Bisingen im Zollernalbkreis gelegen, befand sich dann lange Zeit im gemeinschaftlichen Eigentum beider Linien, bis die preußische 2025 alleiniger Eigentümer wurde. Die schwäbischen Hohenzollern haben ihren Hauptsitz bis heute auf Schloss Sigmaringen.

Unter ihrem Stammvater Friedrich von Zollern († 1125) wurde das Geschlecht 1111 zu Grafen mit Besitzungen unter anderem in der Umgebung von Hechingen. Sein Enkel Friedrich III. erwarb 1191 durch Heirat sowie durch politische Unterstützung der StauferPeter Mast: Die Hohenzollern. Von Friedrich III. bis Wilhelm II. Graz/Wien/Köln 1988. S. 11 die Burggrafschaft Nürnberg. Mit seinen Söhnen Konrad und Friedrich teilte sich das Geschlecht in die fränkische und die schwäbische Linie auf. Die letztere teilte sich 1576 in die Familienzweige Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Haigerloch, von denen nur der sigmaringische noch existiert. Die Grafen von Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen wurden 1623 in den Reichsfürstenstand erhoben. Infolge der Revolution von 1848 verzichteten sie auf ihre jeweilige Landesherrschaft. Beide Fürstentümer fielen 1850 an das hohenzollerische Königreich Preußen und wurden als Hohenzollernsche Lande zum preußischen Regierungsbezirk Sigmaringen. Angehörige des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen erlangten von 1866 bis 1947 zuerst als Fürst und später als Könige des Königreichs Rumänien erneut politische Bedeutung.

Die fränkischen Hohenzollern hatten von 1192 bis 1427 die Burggrafschaft Nürnberg inne. Das Burggrafenamt war ein Reichsamt, ermöglichte allerdings eine erfolgreiche Territorialpolitik, indem über Generationen das ursprüngliche Reichsterritorium in der Umgebung der Reichsstadt Nürnberg durch Erbschaften und Erwerbungen nach Westen und Norden hin erheblich erweitert werden konnte. Auf dem Gebiet der Burggrafschaft hatten sich bereits 1398 die Markgraftümer Ansbach und Kulmbach entwickelt, die bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Hohenzollern blieben. Nach der Belehnung des Burggrafen Friedrich VI. 1397 mit der Mark Brandenburg (als Kurfürst Friedrich I.) durch König Sigismund 1415/17 begann der eigentliche Aufstieg der Familie. Mit der Herrschaft über Brandenburg war die Kurfürstenwürde des Reiches verbunden und damit das Recht, den römisch-deutschen König zu wählen. Unter Friedrichs Enkeln teilte sich die Nürnberger Linie der Hohenzollern in einen brandenburgischen und mehrere fränkische Zweige auf, als Johann Cicero die Mark als Kurfürst übernahm und seine jüngeren Halbbrüder die Teilterritorien der fränkischen Burggrafschaft, auf die sie als Söhne eines brandenburgischen Kurfürsten den Markgrafentitel übertrugen. Damit teilten sich die fränkischen Hohenzollern in einen brandenburgischen und mehrere fränkische Zweige auf (Cadolzburg-Ansbach und Plassenburg-Kulmbach-Bayreuth). Die fränkischen starben 1806 mit Markgraf Alexander aus.

Der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen entstammte dem Ansbacher Zweig. Er säkularisierte 1525 den Deutschordensstaat und wandelte ihn in das Herzogtum Preußen um. Dieses fiel 1618 an den brandenburgischen Zweig, der es fortan in Personalunion mit der Mark Brandenburg regierte. Daher rührt die Bezeichnung Brandenburg-Preußen für den heute noch bestehenden Familienzweig.

Mit der Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg im Jahr 1701 wurde das Herzogtum Preußen zum Königreich Preußen. In Anerkennung der Rangerhöhung des Herrschers ging der Name Preußen auf alle Besitzungen der brandenburgischen Hohenzollern über, aus denen sich der Staat Preußen entwickelte. Unter seinem Enkel Friedrich II. erkämpfte sich Preußen in den Schlesischen Kriegen, insbesondere im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763, einen Platz in der europäischen Pentarchie. Infolge des Deutschen Krieges von 1866 löste Preußen Österreich als Vormacht in Deutschland ab, und nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde der preußische König Wilhelm I. zum Kaiser des neu gegründeten Deutschen Reichs erhoben. Die Herrschaft der brandenburg-preußischen Hohenzollern endete am 9. November 1918 in der Novemberrevolution durch Ausrufung der Republik in Berlin und dem Entstehen der Weimarer Republik. Der letzte Kaiser Wilhelm II. lebte nach seiner Flucht und Abdankung im Exil in den Niederlanden.

Die Herren und Grafen (ab 1111) von Zollern

Ursprünge und Familiengeschichte bis um 1200 mini|hochkant=1.5|Stammlande der Hohenzollern und der heutige Zollernalbkreis. Abtrennung der Herrschaft Schalksburg vom Kernbesitz 1288. Entstehen der Schwarzgräflichen und Straßburger Linien 1344. mini|Burg Hohenzollern bei Hechingen

Die Stammlande des Geschlechts liegen hauptsächlich im nördlichen Teil des heutigen Zollernalbkreises,Wilfried Schöntag: Hohenzollern. In: Meinrad Schaab: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Band 2: Die Territorien im Alten Reich. Stuttgart 1995, S. 361Dino Heicker: Die Hohenzollern: Geschichte einer Dynastie. Berlin 2012, S. 8 wo sich unweit von Hechingen die Burg Hohenzollern beim Ortsteil Zimmern der Gemeinde Bisingen am Nordrand der Schwäbischen Alb befindet. Das ursprüngliche Bauwerk stammt möglicherweise aus dem 11. Jahrhundert, wurde 1267 zum ersten Mal genannt und 1423 durch den Bund der schwäbischen Reichsstädte erobert und weitgehend zerstört. Die heutige Burg ließ Friedrich Wilhelm IV. zwischen 1850 und 1867 im Architekturstil der Neugotik erbauen.Website über die Burg Hohenzollern: Stammsitz des preußischen Königshauses Sie wird als dritte Burg bezeichnet und gehört bis heute gemeinschaftlich der brandenburg-preußischen und der schwäbischen Linie.

Die früheste Nennung der Familie befindet sich mit „Burchardus et Wezil de Zolorin occiduntur“ in der lateinischen Chronik von Berthold von Reichenau, in der die zwei im Jahr 1061 ums Leben gekommenen Hohenzollern erwähnt werden. Burchardus und Wezil (Werner) waren Zeitgenossen des römisch-deutschen Königs Heinrich IV. aus dem Geschlecht der Salier. Das Werk des Mönchs schließt chronologisch an die Weltchronik Hermanns von Reichenau an. Nennungen im Umfeld mit dem Kloster Reichenau lassen vermuten, dass die Hohenzollern als Vögte des Reichenauer Kirchengutes in eine lokale Machtposition kamen. Gesichert ist, dass in der frühen Zeit eine enge Verbindung mit dem Bodenseekloster bestand. Ulrich von Zollern starb als Abt der Reichenau 1136 und später traten zahlreiche Hohenzollern dort als Mönche ein.Wilfried Schöntag: Hohenzollern. In: Meinrad Schaab: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Band 2: Die Territorien im Alten Reich. 1995, S. 364.

Die überlieferte Textstelle Bertholds von Reichenau ist für Historiker nicht unproblematisch, da in der Quelle genaue Umstände des Geschehnisses nicht dargelegt werden und die Genannten zudem nicht als Grafen bezeichnet werden. Der Tübinger Professor Martin Crusius bemerkte bereits am Ende des 16. Jahrhunderts: „Burckhard und Wezil von Zolorin kommen um. So ist dieses in Hermann des Contract Chronik beygefügt. Es steht unten nichts darbey, weder die Ursach, noch sonst etwas, daraus man erkennen könnte, dass es Grafen von Zollern gewesen wären“ (Übersetzung).Rudolf Seigel. In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte, Sigmaringen 2010, (PDF) Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts stehen die beiden Hohenzollern als die ersten sicher bezeugten Vorfahren am Anfang der Familiengeschichte, da die Nichtexistenz weiter zurückliegender Personen wissenschaftlich bewiesen wurde.

Burkhard I. von Zollern († 1061) Friedrich I. von Zollern († vor 1125), genannt „Maute“, verwandt mit dem Schwabenherzog Friedrich I. aus dem Geschlecht der Staufer Friedrich II. von Zollern († um 1142), Sohn von Friedrich I., um 1170 Abspaltung der HohenbergerHans Jänichen: Grafen von Hohenberg. Neue Deutsche Biographie (1972) Friedrich III. von Zollern (* vor 1171; † um 1200), ab 1192 durch kaiserliche Belehnung Burggraf Friedrich I. von NürnbergRudolf von Stillfried-Rattonitz, Traugott Märcker: Hohenzollerische Forschungen. Theil 1: Schwaebische Forschung. Reimarus, Berlin 1847, S. 108 ff.; .Adolph Friedrich Riedel: Die Ahnherren des preußischen Königshauses bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Berlin 1854, S. 64 ff.; ., Vertrauter der Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa und Heinrich VI.

Urkunden mit Nennung von Familienangehörigen gibt es erst seit Ende des 11. Jahrhunderts. Adalbert von Zollern aus der Nebenlinie Haigerloch, in der Originalquelle „Adelbertus de Zolro“ genannt,Württembergisches Urkundenbuch: Ruotmann von Hausen, Adelbert von Zollern und Graf Alwig von Sulz stiften das Kloster Alpirsbach. besaß mit anderen Adeligen ein Gut im Schwarzwald und stiftete 1095 dort das Kloster Alpirsbach. Über diese Zeit im Zusammenhang mit der Herrschaft Haigerloch ist wenig bekannt.

Friedrich I. von Zollern († vor 1125), genannt „Maute“, war ein Nachfahre des 1061 verstorbenen Burkhard I. und wirkte als erster Vogt des Klosters Alpirsbach.Wilfried Schöntag: Hohenzollern. In: Meinrad Schaab: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Band 2: Die Territorien im Alten Reich. Stuttgart 1995, S. 363 Durch seinen Einsatz für den salischen Kaiser Heinrich V. wurden die Hohenzollern auf der Reichsebene wahrgenommen. Der Graf hielt sich am Hofe des Herrschers auf und war bei Regierungsgeschäften des Reiches und im Investiturstreit aktiv. Der Hohenzoller befand sich 1111 im Gefolge Heinrichs V. bei der Kaiserkrönung durch Papst Paschalis II. In diesem Jahr wurde Friedrich I. nachweisbar als Graf bezeichnet. Auch wurde Friedrich allmählich zum Leitnamen der Hohenzollern.Wilfried Schöntag: Hohenzollern. In: Meinrad Schaab: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Band 2: Die Territorien im Alten Reich. Stuttgart 1995, S. 362

Nach dem Tode Mautes um 1125 erhielt sein Sohn Friedrich II. den Kernbesitz. Die Grafen von Zollern hatten um 1125 eine Herrschaft mit Ministerialen. Über die Lage der Besitzungen ist allerdings wenig bekannt. Im Zusammenhang mit Besitz bei Schenkungen konnten die Orte Höfendorf bei Haigerloch (1095), Beuren (1134), Stetten, Engstlatt, Hart, Streichen und Thanheim bestimmt werden.Joseph Kerkhoff: Territoriale Entwicklung von Hohenzollern (PDF; 1,2 MB); In: Historischer Atlas von Baden-Württemberg, Erläuterungen: Beiwort zur Karte VI, 1975, S. 1.