Peschmerga (, aus پێش / pêş „nach vorn“ und مەرگە / merg „Tod“; frei übersetzt: „Die dem Tod ins Auge Sehenden“) bezeichnet die Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistan im Irak. Dieser kurdische Begriff existiert seit den 1880er Jahren. Als Peschmerga bezeichnen sich auch die bewaffneten Einheiten der politischen Parteien Komalah und PDK-I im Iran, ebenso wie die Einheiten mehrerer kurdischer Parteien in Syrien.

Name Da die Peschmerga in den sorani- und kurmandschisprachigen Gebieten der Autonomen Region Kurdistan leben, gibt es zwei Schreibweisen für den Begriff. Im Kurmandschi wird der Begriff Pêşmerge und im Sorani پێشمەرگە geschrieben. Der Begriff besteht aus den zwei kurdischen Wörtern pês (für nach vorn) und merg (für Tod) und lässt sich durch Die zum Tod Bereiten interpretieren. Vermehrt wird der Name in den internationalen Medien mit Die dem Tod ins Auge Sehenden übersetzt. In den kurdischen Medien findet man auch häufig die Bezeichnung هێزی پێشمەرگە / Hêzên Pêşmerge (für Partisanenarmee).

Geschichte Die historischen Wurzeln der Peschmerga reichen zurück bis in die Zeit des Unterganges des Osmanischen Reiches sowie der Kadscharen-Dynastie, die sich bis in die 1920er Jahre hinein die Herrschaft über das Gebiet der Kurden aufgeteilt hatten. In dieser Zeit erstarkte die kurdische Unabhängigkeitsbewegung, deren Wurzeln wiederum bis in die 1890er Jahre zurückverfolgt werden können, und es wurden erste Einheiten bewaffneter Kämpfer der Peschmerga aufgestellt.

Der Begriff Peschmerga wurde allerdings erst von dem kurdischen Politiker und Intellektuellen Ibrahim Ahmed geprägt, der zunächst die Demokratische Partei Kurdistans, dann später die Patriotische Union Kurdistans mitbegründete. Seither hat sich der Name für die meisten Kämpfer der kurdischen Parteien und Organisationen etabliert. Damit kann er sich also auf die Kombattanten von ideologisch völlig unterschiedlichen Parteien beziehen, wie die Einheiten der PUK, PDK, Komalah oder der PDKI.

Ab 1961 und wieder ab dem Frühjahr 1969 brachen im Irak Revolten zwischen den Regierungstruppen und den seit 1961 gegen die Zentralregierung unter Mustafa Barzani kämpfenden Peschmerga aus. Zwar unterzeichneten Saddam Hussein und der kurdische Führer Molla Mustafa Barzani 1970 einen Friedensvertrag, der den Kurden politische Autonomie gewährte. Die Kämpfe endeten aber erst 1975 mit der Kapitulation der Kurden. Diese Kapitulation seitens der PDK verärgerte weite Teile der kurdischen Bevölkerung und mündete in der Gründung der PUK. Während des Irakisch-Iranischen Krieges 1980 bis 1988 kontrollierten die Peschmerga erneut einen Großteil der drei kurdischen Provinzen. Nach dem Zweiten Golfkrieg 1991 und der Errichtung der nördlichen Flugverbotszone übernahmen die Peschmerga, im Rahmen der Raperîn, die Kontrolle über die kurdische Region einschließlich größerer Städte wie Sulaimaniyya, Erbil oder Duhok. In der Mitte der 1990er Jahre kam es zum DPK-PUK-Konflikt, der im Jahre 1997 mit einer Einigung endete. Nach dem Irakkrieg und Sturz Saddam Husseins wurden die Peschmerga in die irakische Verfassung mit aufgenommen und als offizielle Armee der Autonomen Region Kurdistan anerkannt. Laut Verfassung dürfen sie auch im restlichen Irak operieren. Dies hängt damit zusammen, dass weite Teile der kurdisch bevölkerten Regionen des Irak derzeit noch nicht offiziell zur Autonomen Region Kurdistan gehören.

Seit 1996 dienen in der Peschmerga auch Frauen.Kämpfende Frauen: Kurdische „Amazonen“ jagen Dschihadisten. In: Kurier. Abgerufen am 24. August 2014. Im Jahr 2007 wurden die Peschmerga-Zeravani, eine militarisierte Gendarmerie, gegründet.

Weiterhin gibt es die Einheit Lexoman Parastin (frei übersetzt Die ihre Leben zum Schutz des Volkes einsetzen), bekannt unter dem geläufigeren Namen Dije Terror (Antiterror). Als militärische Antiterroreinheit kümmern sie sich um bevorstehende Attentate und Anschläge. Im Krieg gegen den Islamischen Staat waren sie in den Regionen Chanaqin und Kirkuk mehrmals im Einsatz.

Der Präsident der Autonomen Region Kurdistan und Oberbefehlshaber der Peschmerga, Masud Barzani, ordnete Ende August 2014 die notwendigen Reformen an, um die Peschmerga unter ein einheitliches Kommando zu stellen. Im Rahmen einer vorangegangenen Untersuchung – aufgrund der schnellen ISIS-Landgewinne – wurde die uneinheitliche Kommandostruktur als größter Mangel festgestellt.Sources: Barzani Orders Peshmerga Forces Reformed, United. Abgerufen am 26. August 2014 (englisch). Nach Angaben der US-Denkfabrik Washington Institute for Near East Policy waren die Peschmerga zu jenem Zeitpunkt folgendermaßen gruppiert: 33.000 Soldaten, 30.000 bewaffnete Kräfte (die eher mit Polizeikräften vergleichbar und dem kurdischen Innenministerium unterstellt sind) und 70.000 Kämpfer in Kleinverbänden, die mehr oder weniger stark entweder der Demokratischen Partei Kurdistans oder der Patriotischen Union Kurdistans unterstellt sind. Die politische Rivalität der beiden Parteien erschwert immer wieder die Koordination. Speziell im Raum Kirkuk kämpfen sie gegeneinander um die politische Vorherrschaft.

mini|Peschmerga und US-Soldaten bei der Reinigung ihrer Ausrüstung in Erbil 2005 mini|Peschmerga während des Trainings in Marez nahe Mossul 2010

Ereignisse nach dem Irakkrieg Die US-Armee hatte Ende Mai 2007 die Sicherung der drei kurdischen Provinzen komplett an die Peschmerga übergeben. Zwischen der kurdischen Regionalregierung, dem kurdischen Oberkommando und den US-Streitkräften wurde ein 30 Seiten umfassender Regelungsvertrag getroffen, der den zukünftigen Status der – heute in Regionalgarde umbenannten – Peschmerga beschreibt. Die Peschmerga sind für das Haushaltsjahr 2010 als einheitliche Armee geführt; ihre Bezeichnung lautet Kurdische Grenzgarde. Die exakte Mannstärke ist geheim. Allerdings verlautet aus kurdischen Regierungskreisen, dass die Peschmerga im Gegensatz zu den irakischen Streitkräften in Brigaden unterteilt werden. Es sind 21 Brigaden vorgesehen. Die kurdische Regierung hatte ursprünglich eine Mannstärke von 78.000 Soldaten angestrebt. Aus den Peschmerga werden darüber hinaus zwei neue irakische Divisionen gebildet, die unter irakischem Kommando stehen. Weiterhin heißt es, dass die Peschmerga das Recht haben, alle Ausrüstungsgegenstände bis auf Kampfflugzeuge zu beschaffen, unter anderem auch Kampfhubschrauber und Kampfpanzer. Die amerikanischen Streitkräfte werden die Peschmerga in Zukunft ausbilden. mini|Peschmerga-Soldat mit M16A4

Konfrontationen mit der Türkei Nach der Drohung der Türkei Ende 2007, wegen Aktivitäten der PKK in den Nordirak einmarschieren zu wollen, hatte Masud Barzani sofort Tausende von Peschmergas an der Grenze stationiert. Mittlerweile ist die Situation entspannt. Nach der großen türkischen Bodenoffensive im Nordirak hat die Autonomieregierung 2.000 zusätzliche kurdische Kämpfer an die Grenze geschickt. Laut Fuad Hussein vom Präsidialamt der Kurdenregion im Irak kam es zu einem Feuergefecht zwischen kurdischen Kämpfern und türkischen Streitkräften. Die Sicherheitskräfte der Peschmerga hätten versucht, die Türken daran zu hindern, mit Panzern vorzurücken, sagte er. Dabei sei es zu einem Feuergefecht gekommen. „Diese Berichte sind absolut unwahr und sollen die öffentliche Meinung manipulieren“, behauptete der türkische Generalstab. Auch ein Sprecher der Peschmerga dementierte Husseins Darstellung. Es habe keine Kämpfe mit türkischen Truppen gegeben, sagte er.

Konfrontationen mit dem Iran In der Vergangenheit kam es des Öfteren auch zu Auseinandersetzungen zwischen kurdischen Peschmerga und der Iranischen Revolutionsgarde. Auftakt der bewaffneten Auseinandersetzungen im Jahre 2007 war der gewaltsame Tod von zehn kurdischen Demonstranten in Marivan. Im August 2007 starteten die Streitkräfte des Iran eine größere Offensive gegen die Präsenz der PJAK im Nordirak und nahmen Lager der PJAK und kurdische Dörfer unter Artilleriebeschuss. Der Iran hatte keine offizielle Erklärung über Operationen im Irak abgegeben. Protest kam von der kurdischen Regionalregierung der Autonomen Region Kurdistans. Die iranische Regierung will mit dem Bau einer Sperrmauer am Grenzübergang zum Irak die PJAK aus dem Iran heraushalten.

Konfrontationen mit dem Irak Im Oktober 2017 überrannte die irakische Armee mit verbündeten Schiiten Milizen überraschend Kirkuk, nachdem der irakische Premierminister Haider al-Abadi die Offensive als Reaktion auf das vorherige Unabhängigkeitsreferendum der Kurden angekündigt hatte.

Obwohl zunächst gut aufgestellt, flohen die Peschmerga beim Beginn der Kämpfe zusammen mit etwa einer halben Million Menschen aus der Stadt.rudaw.net

Verteidigung gegen IS-Truppen und Sieg über den IS in Sindschar mini|Peschmerga auf einem T-55 außerhalb Kirkuks im Juni 2014 Die Peschmerga sicherten im Juni 2014 nach der Flucht irakischer Truppen die Regionen um Kirkuk und nördliche Teile von Mossul vor Angriffen des IS. Die Einheiten handelten auf direkten Befehl der Regierung der Autonomen Region Kurdistan. Über die Grenzen dieser Region rückten die Peschmerga in die umstrittenen Landesteile des Irak vor, sodass diese Regionen nun de facto zum kurdischen Autonomiegebiet zählen.

Seit Juni 2014 kämpfen Peschmerga der PUK, verstärkt durch Kämpfer der PYD und PKK und unterstützt durch Angriffe der irakischen Luftwaffe, im Raum Chanaqin gegen den IS. Dort bekämpfen auch schiitische Milizen den IS, der in der Bevölkerung Angst und Schrecken verbreitet.

Von Rojava aus konnten sich dann die bewaffnete Milizen der kurdischen Partei PYD, die YPG, einen Korridor bis nach Sindschar erkämpfen und so einen Fluchtweg für die kurdische Minderheit ermöglichen. Dies war vor allem auch dadurch möglich, dass die Einheiten der PYD bereits jahrelange Erfahrung im Kampf gegen den IS und andere terroristische Gruppierungen hatten. Im Anschluss an den Rückzug der Peschmerga sammelten sich selbige im sicheren Autonomen Gebiet und marschierten kurz darauf wieder Richtung Sindschar, um die Region gemeinsam mit der YPG zu befreien. Hierbei kamen dann auch modernere Waffen aus Deutschland und anderen westlichen Staaten zum Einsatz. https://www.youtube.com/watch?v=pnuo1S2lvgE

Seit Beginn der Kämpfe im Juni 2014 wurden mehr als 5.500 Peschmerga verletzt und mehr als 1.500 getötet (Stand: Juli 2015), wobei ca. 70 % der Fälle auf Unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtungen (IEDs) zurückzuführen sind.

Mitte November 2015 startete die kurdische Armee die bisher größte Bodenoffensive des Nahen Ostens gegen den IS. Hierbei wurden vor allem die Gebiete um das Sindschargebirge befreit, darunter auch Teile der für die kurdische Religionsminderheit der Jesiden wichtigen Stadt Şengal. Die Stadt Şengal ist seitdem stark umkämpft. Schließlich gelang den Peschmerga-Einheiten mit einer mehrmonatig vorbereiteten Operation, unter alliierter Luftunterstützung, am 12. und 13. November 2015 die komplette Befreiung Sindschars. Dies stellte einen weiteren wichtigen strategischen, zudem moralischen und psychologischen Sieg über den IS dar. Seither proklamiert die kurdische Regionalregierung (KRG) die Stadt Sindschar als Teil der Autonomen Region Kurdistan. Die USA sagten beim Wiederaufbau der Stadt Unterstützung für die KRG zu. Kritik