Die Zweite Intifada, auch bekannt als „Al-Aksa-Intifada“ bzw. „Al-Aqsa-Intifada“, war ein gewaltsamer Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis, welcher sich von Jerusalem und Israel auf den Gazastreifen und das Westjordanland ausweitete. Sie begann am 28. September 2000, nachdem der Oslo-Friedensprozess mit den ergebnislosen Verhandlungen in Camp David gescheitert war. Im Unterschied zur Ersten Intifada setzten radikale Palästinenser auf Terroranschläge in Israel, insbesondere auf Selbstmordattentate, auf die die israelische Armee mit Vergeltungsaktionen reagierte.

Mit dem Abschluss eines Waffenstillstands zwischen dem Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas und Israels Ministerpräsidenten Ariel Scharon im ägyptischen Scharm el-Scheich im Februar 2005 war die Zweite Intifada offiziell beendet. Folgen waren der Bau der israelischen Sperranlage,Martin Schäuble, Noah Flug: Die Zweite Intifada und der Bau der Barriere in Bundeszentrale für politische Bildung. 28. März 2008 die Umsetzung von Scharons Abkoppelungsplan und Armut unter den Palästinensern.Welche Folgen die Intifada für Palästina hat in Die Welt. 14. November 2004. Zu Kampfhandlungen und Terrorakten kam es in der Konfliktregion jedoch trotz Phasen wechselseitiger Ruhe weiterhin.

Politische Besetzungen des Namens

Die Zweite Intifada wird mehrheitlich von arabischen Kreisen auch Al-Aqsa-Intifada (), nach der Al-Aqsa-Moschee genannt, weil sie nach Darstellung der Palästinenser ihren Ausgangspunkt bei dieser Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg habe. Von der israelischen Armee wird die zweite Intifada als „אירועי גיאות ושפל“ („Flut-und-Ebbe-Ereignisse“) bezeichnet. Manche israelische Kreise bezeichnen die zweite Intifada auch als Oslokrieg, in Anspielung auf den gescheiterten Oslo-Friedensprozess. In den Medien wird auch der Ausdruck „Terror-Intifada“ verwendet.https://www.zeit.de/2004/31/Pal_8astinahttp://www.spiegel.de/spiegel/a-119513.htmlhttps://www.hagalil.com/archiv/2004/09/terror-0.htmhttps://www.newsweek.com/why-west-financing-palestinian-terrorism-700861https://www.morgenpost.de/politik/article103647025/Israel-muss-seine-Buerger-schuetzen.html

Der Beginn der Zweiten Intifada

Wie angekündigt besuchte der israelische Oppositionspolitiker Ariel Scharon am 28. September 2000 in Begleitung von bewaffnetem Personenschutz und mehr als 1000 PolizistenNoah Flug, Martin Schäuble: Die Geschichte der Israelis und Palästinenser. 2. Aufl., Hanser, München / Wien 2007, ISBN 978-3-446-20907-7, S. 123 den in der Jerusalemer Altstadt unter arabischer Verwaltung stehenden Tempelberg. Nach israelischen Protokollen hatte der palästinensische Sicherheitschef Dschibril ar-Radschub sein Einverständnis für Scharons öffentlich angekündigten Besuch gegeben, sofern dieser keine Moschee betrete.

Zuerst gab es am Besuchstag von Scharon auf dem Tempelberg kleine friedliche Demonstrationen, ansonsten verlief der Besuch ohne Probleme. Am nächsten Tag kam es jedoch zu gewalttätigen Demonstrationen, die in den Folgetagen durch die israelische Polizei unter Waffeneinsatz zurückgedrängt wurden. Dabei wurden vier Personen getötet und etwa zweihundert verletzt, darunter vierzehn Polizisten. Im Gazastreifen und dem Westjordanland begannen daraufhin gewaltsame und bewaffnete Ausschreitungen gegen israelisches Sicherheitspersonal, worauf palästinensische Organisationen und muslimische Kreise die zweite Intifada als allgemeinen, gewaltsamen Aufstand gegen Israel ausriefen. Israelnahe Quellen warfen dem palästinensischen Minister für Medien und Kommunikation vor, er habe eingestanden, die zweite Intifada in taktischem Stil vorher geplant zu haben.vgl. von Website der World Zionist Organization, Weblink abgerufen am 1. Januar 2012 (englisch). Laut dem israelischen Historiker Benny Morris ist es unklar, ob der Aufstand spontan oder auf Befehl der palästinensischen Führung begonnen hat. Morris wirft den palästinensischen Autonomiebehörden vor, nichts zur Beruhigung der Lage beigetragen zu haben.Benny Morris: One State, Two States. Yale 2009, S. 140f

Israel bezeichnete den Polizeieinsatz als notwendig, um einem Landfriedensbruch vorzubeugen und das Gewaltmonopol des Staates durchzusetzen. Das palästinensische Radio hatte dazu aufgerufen, die Moschee zu verteidigen und die kleine schlecht ausgerüstete palästinensische Polizei habe erklärt, nichts gegen gewaltsame Demonstrationen ohne israelische Intervention unternehmen zu können. War die erste Intifada eher ein Aufstand von Angehörigen der einfachen Bevölkerung, so zeichnete sich bei der zweiten Intifada schnell ein verstärkter Einsatz der radikalen Untergrundgruppen, wie der Hamas, auf Seiten der Palästinenser, mit deutlich höherem Gewalteinsatz und Terror ab.

Entwicklung An der zweiten Intifada beteiligten sich sowohl die religiös-politischen Organisationen (Hamas und Islamischer Dschihad), als auch die linken PFLP und DFLP. Seit 2001 verübten auch Arafats al-Aqsa-Brigaden und andere zur eher konservativen Fatah gehörenden Gruppen Selbstmordanschläge. Die Hälfte aller Anschläge geht auf das Konto der Hamas, etwa ein Fünftel auf das des Islamischen Dschihad, rund ein Drittel auf das der al-Aqsa-Brigaden.

Kennzeichnend für den palästinensischen Kampf war der Einsatz von Selbstmordattentätern, vorzugsweise in Bussen und Restaurants. Israel antwortete mit militärischen Operationen gegen die Infrastruktur des Terrors und der gezielten Tötung von Anführern militanter Organisationen und von für die Attentate Verantwortlichen.

Chronologie 2000 An der etwa zwei Kilometer südöstlich von Netzarim gelegenen Kreuzung wird bereits am 27. September 2000, also einen Tag vor dem Besuch von Ariel Scharon auf dem Tempelberg, eine israelische Militärpatrouille von palästinensischen Scharfschützen angegriffen und dabei ein israelischer Soldat getötet. Dr. Juliane Wetzel: Israel in den Medien.

Tod des zwölfjährigen palästinensischen Jungen Muhammad al-Durrah während einer Schießerei bei Netzarim an derselben Kreuzung vor laufenden Kameras am 30. September 2000. Jedoch ist bis heute umstritten, ob der Junge durch israelische Kugeln ums Leben kam.

Lynchmord von Ramallah am 12. Oktober 2000 an den beiden israelischen Reservisten Vadim Nurzhitz und Yossi Avrahami. Die Grausamkeit des Vorfalls, der von einem italienischen Fernsehteam gefilmt wird, sorgt international für Entsetzen. RP online 12. Oktober 2000

Beschuss von israelischem Gebiet außerhalb des Gazastreifens mit Mörsergranaten und Raketen, vor allem der Stadt Sderot.

Seit Anfang Oktober 2000 führt die israelische Armee zahlreiche Militäraktionen durch, bei denen sie kurzfristig in Autonomiegebiete eindringt und gesuchte Terroristen festnimmt und die Infrastruktur des Terrors zerstört.Israelische Panzer dringen in Westjordanland ein In: Kölner Stadt-Anzeiger.de, 25. Dezember 2001, abgerufen am 4. August 2018.

Nach mehreren Anschlägen mit Autobomben beginnt am 22. Dezember 2000 eine neue Serie palästinensischer Selbstmordattentate. Zuvor gab es laut Angaben der israelischen Regierung 2 Jahre lang keine Selbstmordattentate.Statistik Israelisches Außenministerium

2001 Am 4. Februar 2001 steuert ein Palästinenser einen Bus in Asur nahe Cholons südlich von Tel Aviv absichtlich in eine Sammelstelle für Anhalter. Acht Israelis sterben.Die folgenschwersten Palästinenser-Attentate der neuen Intifada in Handelsblatt, 9. September 2001 Am 4. März 2001 sprengt sich ein Hamas-Terrorist nahe dem Marktplatz von Netanja in die Luft. Zwei Frauen und einen alten Mann reißt er mit in den Tod. Am 18. Mai 2001 zündet ein Hamas-Terrorist am Eingang des Einkaufszentrums „Hascharon“ in Netanja eine unter dem Mantel verborgene Sprengladung. Fünf Israelis und der Attentäter sterben. Am 16. April 2001 wird Israel erstmals mit einer Kassam-Rakete beschossen.Israel (Außenministerium): „The Hamas terror war against Israel“ (deutsch: Der Hamasterrorkrieg gegen Israel), 30. November 2008, gesehen am 3. Januar 2009. Am selben Tag schlagen fünf Mörsergranaten auf dem Stadtgebiet von Sderot ein. Am 17. April 2001 beginnt die israelische Armee zur Beruhigung der Lage mit kurzzeitigen Besetzungen von Teilen der Autonomiegebiete. Damit soll die Sicherheitslage stabilisiert, Waffenwerkstätten zerstört, gesuchte Terroristen verhaftet und politischer Druck auf Arafat ausgeübt werden. Selbstmordattentat in einer Warteschlange vor einer Diskothek in Tel Aviv im Juni 2001 mit 20 Toten Am 9. August 2001 sterben bei einem Selbstmordanschlag in der Jerusalemer Pizzeria Sbarro 16 Menschen, darunter sieben Kinder und eine Schwangere, weitere 130 Menschen werden verletzt.Israel schließt das Orient-Haus In: Kölner Stadt-Anzeiger.de, 10. Juli 2001, abgerufen am 2. August 2018.Chronology of Terrorist Attacks in Israel, Part VII: 2001 In: Johnstonsarchive.net, Englisch, abgerufen am 2. August 2018. Gezielte Tötung des PFLP-Führers Abu Ali Mustafa am 27. August 2001 Ein palästinensischer Selbstmord-Attentäter tötet am 9. September 2001 in Naharija an der Eisenbahnstation drei Israelis, mindestens 46 werden zum Teil schwer verletzt.Vier Tote und 46 Verletzte bei Selbstmordanschlag in Israel In: Kölner Stadt-Anzeiger.de, 9. September 2001, abgerufen am 2. August 2018. In Elei Sinai werden bei einem Anschlag am 2. Oktober 2001 zwei junge Israelis erschossen und weitere 15 zum Teil schwer verletzt. Die Täter benutzen Schusswaffen und werfen auch mehrere Handgranaten.Waffenruhe in Israel in Gefahr In: Kölner Stadt-Anzeiger.de, 3. Oktober 2001, abgerufen am 4. August 2018. Am 2. Dezember 2001 wird im gleichen Ort ein Israeli erschossen und vier weitere zum Teil schwer verletzt.Attentat im Gazastreifen – Ein Israeli getötet, vier verletzt In: Israelnetz.de, 2. Dezember 2001, abgerufen am 4. August 2018. Am 17. Oktober 2001 wird der israelische Minister für Tourismus, Rechaw’am Ze’ewi in einem Hotel in Jerusalem ermordet. Am 28. Oktober 2001 verüben zum ersten Mal von der Palästinensischen Autonomiebehörde angestellte Sicherheitskräfte ein Attentat auf Israelis. Die beiden Attentäter fahren mit ihrem Fahrzeug durch Chadera und schießen mit M-16 Schnellfeuergewehren wahllos auf Passanten. Die Attentäter töten vier Frauen, Lidia Marco 63 Jahre, Ayala Levy 39 Jahre, Sima Menachem 30 Jahre, Smadar Levy 23 Jahre und verletzen 44 Menschen zum Teil schwer, bevor sie von der israelischen Polizei getötet werden.Trotz Attentaten, Armee schliesst Rückzug aus Bethlehem und Beit Jala ab In: Israelnetz.de, 29. Oktober 2001, abgerufen am 27. Juli 2018. Ein palästinensischer Terrorist erschießt am 10. November 2001 vor Kfar Hess den israelischen Sicherheitsbeamten des Moshaw, Aharon Ussishkin (50), zwei weitere Personen werden schwer verletzt.Israeli von palästinensischen Terroristen erschossen In: Israelnetz.de, 12. November 2001, abgerufen am 27. Juli 2018. Bei einem Granaten-Angriff am 24. November 2001 auf Kefar Darom im Gazastreifen werden ein Israeli getötet und zwei weitere verletzt.Selbstmordattentat im Gazastreifen – Zwei Grenzsoldaten verwundet In: Israelnetz.de, 26. November 2001, abgerufen am 30. Juli 2018. Am 27. November 2001 töten in Afula zwei palästinensische Attentäter aus Dschenin zwei Israelis und verletzen mehr als 50 zum Teil schwer, als sie auf dem Marktplatz der Stadt mit Maschinengewehren wahllos um sich schießen.Zinni: Sharon muß sich auch mit Siedlungsbau auseinandersetzen In: Israelnetz.de, 28. November 2001, abgerufen am 30. Juli 2018. Am 29. November 2001 zündet ein palästinensischer Selbstmordattentäter eine Bombe in einem Linienbus, als dieser ein Ausbildungscamp der israelischen Armee nahe Chadera passiert. Dabei werden drei Israelis getötet, darunter Inbal Weiss (22) und Ichiav Alshayd (28). Mindestens neun weitere Menschen werden teils schwer verletzt.Drei Tote bei Selbstmordanschlag – Tausende Palästinenser feiern In: Israelnetz.de, 30. November 2001, abgerufen am 31. Juli 2018.