mini|St. Thaddäus in Augsburg-Kriegshaber St. Thaddäus ist eine römisch-katholische PfarrkircheAugsburg-Kriegshaber: St. Thaddäus beim Bistum Augsburg, abgerufen am 8. März 2025. im Augsburger Stadtteil Kriegshaber und befindet sich an der Einmündung der Reinöhlstraße in die Ulmer Straße unweit des Bahnhofs Augsburg-Oberhausen. Sie wurde zwischen 1939 und 1954 im Stil der Neuen Sachlichkeit nach den Plänen des Architekten Thomas Wechs im damals noch neuen Teil von Kriegshaber erbaut und ist zusammen mit dem nebenstehenden Pfarrhaus als Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen., Denkmalnummer D-7-61-000-1002.
Die Kirche gehört zum Dekanat Augsburg II des Bistums Augsburg und bildet seit dem Jahr 2005 zusammen mit der Kirche Heiligste Dreifaltigkeit die Pfarreiengemeinschaft Augsburg-Kriegshaber.
Geschichte Anfänge und Notkirche (1918–1938) Im Jahr 1918 führten zwei größere Spenden zur Idee einer neuen Kirche im Osten von Kriegshaber. Auf dieser Grundlage kam es 1919 zur Gründung einer Kirchenstiftung, die noch im selben Jahr ein Baugrundstück im Galgental (am südlichen Ende der heutigen Reinöhlstraße) erwarb. Das Projekt geriet jedoch zunächst in Vergessenheit und wurde erst 1932 wieder aufgegriffen, als aufgrund der wachsenden Zahl von Menschen im Neukriegshaber – inzwischen lebten dort etwa 1200 Gläubige – ein Kirchenbauverein ins Leben gerufen wurde.
1935 pachtete die Kirchengemeinde ein Grundstück an der Tunnelstraße für eine Notkirche. Ein Jahr später trat Stadtkaplan Alois Vogg als erster Seelsorger der neuen Gemeinde sein Amt an. Sie war als Expositur von St. Ulrich und Afra eingerichtet. Ebenfalls 1936 wurde schließlich eine hölzerne Notkirche mit kleinem Glockentürmchen aufgestellt und nach der Weihe der erste Gottesdienst gefeiert. Bei diesem Bau handelte es sich um die Notkirche von St. Martin, die von Oberhausen nach Kriegshaber überführt wurde. Im gleichen Jahr erhielt St. Thaddäus den Status einer selbstständigen Seelsorgegemeinde.
Da der ursprüngliche Bauplatz von 1919 nun zu weit von der neuen Bebauung entfernt lag, erwarb die Kirchengemeinde 1937 ein Grundstück an der Ulmer Straße. Wenig später wurde für diesen Bauplatz ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den Thomas Wechs für sich entschied und daraufhin den Auftrag zum Bau der Kirche erhielt. Aufgrund der kriegsbedingten Rohstoffknappheit musste Wechs bei seinen Planungen auf Stahl verzichten, da dieser vorrangig für die Rüstungsindustrie benötigt wurde.Karl Fieger: Baukunst in Augsburg 1918–1945. Wißner-Verlag, Augsburg, 2024, ISBN 978-3-95786-385-0, S. 226
Kirchenbau und Kriegszeit (1939–1945) Der Kirchenbau startete am 8. März 1939. Schon bald drohte durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs allerdings die Baueinstellung wegen akuter Materialknappheit und fehlender Arbeitskräfte. Das Vorhaben konnte nur fortsetzt werden, indem die Gemeinde anbot, die Unterkirche als Luftschutzkeller zu nutzen. Auf diese Weise wurde das Projekt als kriegswichtig eingestuft, sodass Material zugewiesen und Arbeiter bereitgestellt werden konnten. In diesem Zusammenhang entstand auch das angrenzende Pfarrhaus, da der Luftschutzraum jederzeit zugänglich sein musste und dafür rund um die Uhr eine verantwortliche Person vor Ort sein sollte.
Etwas später geriet der Bau erneut ins Stocken. Zudem verlangte die Wehrmacht, die Kirchtürme als Flakstellung nutzen zu können. Der Kirchenverwaltung sah sich gezwungen, dieser Forderung zuzustimmen und erreichte damit zumindest eine Unterstützung bei der Fertigstellung der Dächer. Im März 1942 wurden auf beiden Türmen jeweils ein 2-cm-Flak-Geschütz installiert. Wenig später war auch die Unterkirche vollendet und konnte nach der Weihe am 19. Juli 1942 als Gottesdienst- und Luftschutzraum genutzt werden. Das im Rohbau fertiggestellte Kirchenschiff diente dagegen bis zum Ende des Krieges als Lagerraum.
Bei den Luftangriffen auf Augsburg Ende Februar 1944 wurde auch St. Thaddäus von Stabbrandbomben getroffen. Die in Brand gesetzten Strohballen konnten jedoch schnell gelöscht werden. Da die Kirche der Heiligsten Dreifaltigkeit während dieser Angriffe schwere Schäden erlitt, wich deren Gemeinde für ihre Gottesdienste in die Unterkirche von St. Thaddäus aus. Außerdem fanden dort katholische Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern Europas eine vorübergehende Unterkunft.
Fertigstellung und Renovierung (seit 1946) Nach Kriegsende ließ die Kirchenverwaltung 1947 die Bauarbeiten fortsetzen, sodass Bischof Joseph Kumpfmüller die Kirche am 17. Oktober 1948 weihen konnte. Im Jahr 1950 erfolgte die Erhebung der Expositur zur Stadtpfarrei. Anschließend wurde die Innenausstattung vervollständigt: 1951 kam eine neue Orgel hinzu und 1953 schloss man die Arbeiten an Taufbecken sowie Turmkapelle ab. Die Vollendung des Uhrturms im Jahr 1954 markierte den Abschluss der Gesamtbauarbeiten. 1956 erhielt der Glockenturm schließlich seine Glocken.
1966 entwarf der Künstler Toni Schneider-Manzell einen modernen Kreuzweg für die Kirche. 1977 folgte eine umfassende Außenrenovierung, bei der die Fassade und Teile des Daches instand gesetzt wurden. Zwischen 1981 und 1985 führte der Architekt Adolf Kreutzer gemeinsam mit den Künstlern Georg Bernhard und Erhard Hößle eine Innenrenovierung durch. In diesem Zuge erhielt die Apsis einen neuen Glasfensterzyklus.
Architektur mini|Ansicht der Westfassade mit den beiden Türmen Die St. Thaddäuskirche ist eine nach Osten ausgerichtete Saalkirche mit neun Achsen. Im Westen erhebt sich ein Doppelturm, deren nördlicher Turm 45 Meter hoch ist und die Uhr sowie das Geläut beherbergt. Der südliche Turm ist mit 26 Metern deutlich niedriger ausgebildet und mit einem Wetterhahn bekrönt. Beide Türme besitzen ein Zeltdach. Im Osten schließt der Kirchenraum mit einem oktogonalen Chorraum ab, der sich turmartig über das Kirchenschiff erhebt. Dieser Chorraum bildet das architektonische Gegengewicht zu den Westtürmen und ist mit einem niedrigen Pyramidendach bedeckt.Karl Fieger: Baukunst in Augsburg 1918–1945. Wißner-Verlag, Augsburg, 2024, ISBN 978-3-95786-385-0, S. 227
Die schwierigen äußeren Umstände der Bauzeit spiegeln sich in der zurückhaltenden, aber wirkungsvollen Gestaltung der Kirche wider. Thomas Wechs setzte auf eine klare und einfache Formensprache. Strebepfeiler am Langhaus, am Uhrturm und an der Chorrotunde enden mit einem kupferbedeckten Kaffgesims. Diese Gestaltung sollte nicht nur einen Bezug zum Mittelalter herstellen, sondern auch eine zusätzliche Stützfunktion bieten, da aufgrund der Rohstoffknappheit kein Bewehrungsstahl für Stahlbeton zur Verfügung stand.
Die Außenwände sind als Klinkerfassade ausgeführt. Dabei wurden auch Klinkerfehlbrände eingestreut. Im Ergebnis zeigt sich die Fassade in einem mittleren Rot.
Innenraum Vorraum Beim Betreten der Kirche gelangt man zunächst in einen hohen Vorraum, der durch je ein Fenster auf der Süd- und Nordseite erhellt wird. Die Wände des Vorraums bestehen aus unverputztem Mauerwerk, das durch Lisenen gegliedert ist. An deren oberen Ende befinden sich Kapitelle, auf denen Rundbögen aufliegen. Dazwischen spannen sich flache Ziegelgewölbe, die dem Raum eine klare Struktur verleihen.Karl Fieger: Baukunst in Augsburg 1918–1945. Wißner-Verlag, Augsburg, 2024, ISBN 978-3-95786-385-0, S. 228
Kirchenschiff und Chor mini|Blick vom Hochchor über das Kirchenschiff zur Orgel mini|Innenansicht mit Blick zum Altarraum An den Vorraum schließt sich hinter drei Rundbogenöffnungen das Kirchenschiff an. Der Innenraum ist als lichter Einheitsraum gestaltet und kommt ohne Säulen aus. Das Sichtmauerwerk ist in Weiß gehalten, wodurch der Raum hell und weit wirkt. Die großen Rundbogenfenster zwischen den äußeren Pfeilern lassen viel natürliches Licht in den Kirchenraum strömen. Die Pfeiler selbst sind außen angeordnet und zeichnen sich im Innenraum als Lisenen zwischen den Fenstern ab. Auf halber Höhe dieser Lisenen sind Apostelfiguren angebracht, die ursprünglich aus der Kirche St. Joseph stammen und 2015 hierher überführt wurden. Unter den Apostelfiguren verlaufen flache Arkaden, die in die Rundbogenfenster übergehen. In der östlichen Abschlusswand befinden sich beiderseits des Altarraumöffnung zwei weitere Arkaden, die die beiden Seitenaltäre aufnehmen.
Die Decke des Kirchenschiffs besteht aus schlichten Fichtenbrettern und gliedert sich in drei Teile. Der Mittelteil zwischen der Orgelempore und dem Altarraum ist konchenartig geformt, während sich links und rechts davon ebene Flächen befinden. In Längs- und Querrichtung unterteilen Holzbalken die Deckenansicht in rechteckige Felder. Bei der Innenrenovierung 1981 wurden 18 dieser ebenen Felder von Georg Bernhard mit dekorativen, ballartigen Ornamenten ausgemalt.
Der Kirchenboden ist mit Solnhofener Platten im römischen Verbund verlegt, was dem Raum eine solide und zugleich elegante Basis verleiht.
Am östlichen Ende des Schiffs öffnet sich der Blick auf den achteckigen Altarraum mit darüber schwebendem Hängekreuz, der durch zwei Rundbögen vom Kirchenschiff getrennt ist.
Turmkapelle mini|Turmkapelle Hinter einer Glastür in der Vorhalle liegt die 1953 fertiggestellte Turmkapelle, deren achteckiger Grundriss sich an den Ecken durch pfeilerartige Mauervorsprünge abzeichnet. Diese gehen an der Decke in eine kuppelähnliche Wölbung über. Wände und Decke bestehen aus Sichtmauerwerk. Zwölf große Kerzen auf schwarzen Metallschalen sorgen für eine feierliche Atmosphäre. Tageslicht fällt durch vier kleine, farbig verglaste Rundbogenfenster in den Raum.
Den Boden bedeckt ein Mosaik aus dunklen Basaltsteinen, in das drei konzentrische Kreise aus hellem Jurakalk eingefügt sind. Über dem Altar ist ein Mosaik-Kruzifix von Elisabeth Hoffmann-Lacher in das Mauerwerk eingelassen. Dort steht außerdem ein massiver Tabernakel aus Stahl mit der Inschrift „Wer dieses Brot isst, wird ewig leben.“ Die Gestaltung der Schriftzüge auf den Tabernakeltüren und den Altarsteinplatten übernahm Lisa Beck aus der Pfarrei St. Thaddäus. Hinter drei abnehmbaren Marmorplatten am Altarsockel befindet sich eine Nische, die während der Karwoche zum Heiligen Grab umgestaltet wird.
In der Kapelle liegt das „Totenbuch der Pfarrei St.Thaddäus Augsburg-Neukriegshaber“, in dem alle Verstorbenen der Pfarrei seit der Gründung 1936 aufgelistet sind. Am 2. Mai 1999 wurde der neue Volksaltar geweiht. Ein Ambo folgte im Frühjahr 2001. Im Dezember 2001 konnte die Ausstattung durch eine geschnitzte Madonna von Schwester Bernardine Weber CJ aus München-Nymphenburg ergänzt werden. Da die Turmkapelle nicht beheizbar ist, finden nur im Sommerhalbjahr zwischen Ostern und Allerheiligen die Werktagsmessen hier statt.
Unterkirche Die Unterkirche der Pfarrkirche wurde 1942 geweiht und war zunächst sowohl Gottesdienstraum als auch Luftschutzkeller. Ihr Zentrum bildete ein kreisförmiger Chor mit einem Altar in der Mitte, umgeben von Rundbogenöffnungen, die zu angrenzenden Räumen führten. Im angrenzenden Hauptraum – als Langhaus angelegt – waren lange Holzbänke für die Gemeinde aufgestellt. Architektonisch prägen kräftige Pfeiler und Rundbögen unter einer gewölbten Decke das Bild, während die Wände aus Sichtmauerwerk bestehen.
Anfang der 1970er Jahre sah sich die Gemeinde einem wachsenden Platzbedarf gegenüber. Daher wurde die Unterkirche ab 1973 in zwei Bereiche geteilt: Der ehemalige Chor und die Seitenräume wurden durch eine neue Mauer vom Hauptraum abgetrennt und zum Versammlungs- und Jugendtreff umgestaltet. Diese Räume konnten 1974 eingeweiht werden. Der verbliebene längliche Hauptraum wurde durch den Architekten Adolf Kreutzer und den Künstler Georg Bernhard zum Gottesdienstraum umgestaltet und 1975 geweiht. Eine gemauerte Treppe führt seither vom linken Seitenschiff der Oberkirche hinab in den auch als „Werktagskirche“ bezeichneten Raum. Dort schaffen ein Teppichboden und eine grüne Bestuhlung einen Kontrast zum roten Ziegelmauerwerk. Rund 100 Personen finden hier Platz.