Wolfgang Behrendt (* 14. Juni 1936 in Berlin; † 22. Juni 2026) war ein deutscher Boxer, der bei den Olympischen Sommerspielen in Melbourne 1956 die Goldmedaille im Bantamgewicht gewann und damit der erste Olympiasieger der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde. Er startete in der gesamtdeutschen Mannschaft. Im olympischen Finalkampf am 1. Dezember 1956 besiegte er den Südkoreaner Song Soon-chun. Der Sieg brachte ihm auch den zweiten Platz bei der Wahl zum DDR-Sportler des Jahres 1956 (hinter Radsportler Täve Schur).
Karriere Wolfgang Behrendt begann 1947 mit dem Boxsport. Nach seinem Erfolg von 1956 strebte er eine weitere Olympiateilnahme an, wurde aber in der Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 1960 im Federgewicht vom Cottbuser Werner Kirsch im Berliner Sportpalast ausgepunktet. Er trat daraufhin vom aktiven Sport zurück, kehrte jedoch vor den Olympischen Sommerspielen 1964 zum Boxen zurück, um sich nochmals auf eine Olympiateilnahme vorzubereiten. In den innerdeutschen Qualifikationskämpfen für die gemeinsame Olympiamannschaft schied er, diesmal im Leichtgewicht startend, jedoch aus und beendete seine Sportlerlaufbahn endgültig.
Zu seinen weiteren sportlichen Erfolgen zählten ein dritter Platz bei den Europameisterschaften 1955 sowie der Gewinn der DDR-Meisterschaften in den Jahren 1955, 1957 und 1960. Er bestritt insgesamt 201 Amateurkämpfe, von denen er 188 gewann, fünf mit einem Unentschieden beendete und acht verlor, darunter drei Niederlagen in der Altersklasse der Erwachsenen (Senioren).
Behrendt war einige Jahre lang Mitglied des Präsidiums des Boxverbandes der DDR. Trotzdem galt er den Sportfunktionären der DDR offenbar als nicht linientreu genug, da er sich nicht von seiner Westverwandtschaft lossagte. Behrendts Stasi-Akte zeugt von einer intensiven Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit.
Von 1963 bis 1991 war Wolfgang Behrendt Sportfotograf für die Tageszeitung Neues Deutschland. In dieser Zeit berichtete er von acht Olympischen Spielen und bekam unter anderem zwei Goldmedaillen auf Weltausstellungen der Sportfotografie in Damaskus und Peking in der Kategorie „Schwarz-Weiß“. Für die Tätigkeit als Sportfotograf erhielt er in der DDR mehrmals staatliche Auszeichnungen; so wurde er 1968 mit dem Vaterländischen Verdienstorden und 1980 mit dem Orden Banner der Arbeit geehrt.Neues Deutschland, 9. November 1968, S. 8Neues Deutschland, 22. August 1980, S. 4 Weiterhin absolvierte er eine Ausbildung zum Kameraassistenten mit Drehgenehmigung.
Wolfgang Behrendt war verheiratet und hatte zwei Kinder, sein Sohn Mario war ebenfalls Boxer im Bantamgewicht und nahm an den Olympischen Spielen 1980 in Moskau teil. Er pflegte über Jahre seine demenzkranke Frau bis zu ihrem Tod 2016, seine beiden Söhne starben 2022 und im März 2026. Zuletzt lebte er weitgehend zurückgezogen und starb im Juni 2026, kurz nach seinem 90. Geburtstag.
Er engagierte sich als ehrenamtlicher Botschafter der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland Nordhausen e. V. in Tambach-Dietharz. Bis Mitte der 2000er-Jahre war er auch Mitglied im Nationalen Olympischen Komitee des DOSB. In dessen Hall of Fame des deutschen Sports fand Behrendt allerdings bislang keinen Eingang, was u. a. der Sportjournalist Gunnar Meinhardt zu Behrendts 90. Geburtstag aufgriff.
Veröffentlichungen Klaus Schlegel, Wolfgang Behrendt: Fussball – Magnet für Millionen. Sportverlag Berlin, Ost-Berlin 1977, Lizenznummer 140 355/46/77 9005.
Weblinks Sport im Fernsehfunk: Boxmeisterschaften 1959 in Berlin. Deutscher Fernsehfunk vom 23. Februar 1959. (Video im ARD-Retro-Angebot der ARD Mediathek)
Literatur Klaus Ullrich: Momentaufnahmen. Zeitzeugen zum DDR-Sport befragt von Klaus Ullrich., Sportverlag Berlin, Berlin, 1989, S. 49–50
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