mini|Außenansicht der Asamkirche Rohr

Die römisch-katholische Asamkirche (offiziell St. Mariä Himmelfahrt) im Markt Rohr in Niederbayern ist die Abteikirche des örtlichen Benediktinerordens und zugleich die Pfarrkirche für den Markt Rohr und die umliegenden Gemeinden. Die barocke Kirche entstand zwischen 1717 und 1723 nach den Plänen von Egid Quirin Asam. Von diesem stammt auch der Hochaltar mit einer plastischen Darstellung der Himmelfahrt Mariens als „theatrum sacrum“.

Geschichte mini|Innenansicht der Asamkirche Rohr

Kurz nach der Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts in Rohr im Jahre 1133 dürfte an der Stelle der heutigen Kirche eine romanische Basilika mit einem massigen freistehenden Turm entstanden sein. Diese wurde ab 1438 restauriert und im spätgotischen Stil umgestaltet. Dabei erhielten die romanischen Rundbogenfenster Spitzbögen, die drei Kirchenschiffe wurden im zeittypischen Stil eingewölbt und die romanische Apsis durch einen eingezogenen, tiefen und polygonal geschlossenen Chor ersetzt. In den Jahren 1618 bis 1620 erhielt die Stiftskirche eine barocke Ausstattung und Stuckierung.Zeschick/Weiss, S. 2–6.

Nachdem das Kloster Rohr samt der Stiftskirche im Jahr 1632, also während des Dreißigjährigen Krieges, zerstört wurde, erholte es sich nach dem Westfälischen Frieden von 1648 erst langsam wieder. In der 48-jährigen Amtszeit von Propst Patritius von Heydon (1682–1730) entstand die Klosterkirche neu. Die Arbeiten an dem barocken Kirchengebäude dauerten von 1717 bis 1723. Architekt und wichtigster Ausstatter der Kirche war der zu Baubeginn erst 25-jährige Egid Quirin Asam, der in Rohr sein erstes eigenständiges Werk schuf, welches zugleich als eines seiner besten gilt. Von ihm stammt auch der Hochaltar mit einer plastischen Darstellung der Himmelfahrt Mariens als „theatrum sacrum“. Ausführende Baumeister waren der aus Wessobrunn stammende Maurermeister und Stuckateur Joseph Baader, welcher 1721 verstarb, und sein Sohn Martin Baader. Auch Egid Quirins Bruder Cosmas Damian Asam war mit zwei Altargemälden und eventuell weiteren Bildwerken in der Entstehungszeit der Kirche beteiligt.Kloster Rohr: Baugeschichte der Asamkirche. Online auf www.kloster-rohr.de; abgerufen am 14. Mai 2023.Kloster Rohr: Baumeister und Künstler beim Bau der Asamkirche. Online auf www.kloster-rohr.de; abgerufen am 14. Mai 2023.

Durch die Auflösung des Klosters 1803 im Zuge der Säkularisation wurde die Klosterkirche zur Pfarrkirche und blieb daher – im Gegensatz zum größten Teil der Konventgebäude – erhalten. Lediglich die bereits 1452 erbaute Heilig-Geist-Kapelle, die Grablege der Abensberger Grafen und der Rohrer Pröpste, wurde zerstört. Seit sich 1946 heimatvertriebene Benediktinermönche aus dem böhmischen Stift Braunau in Rohr niederließen, sind auch die Konventgebäude wieder mit Leben erfüllt. Die Benediktiner widmen sich seither neben ihren klösterlichen Aufgaben und dem Schulbetrieb auch wieder der Pfarrseelsorge in Rohr. Seit 2008 wird auch die Pfarrei Laaberberg vom Kloster Rohr aus seelsorgerisch betreut. In den Jahren 1972 bis 1987 wurden letztmals umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen in der Klosterkirche vorgenommen. Unter anderem hat man dabei den Lettner entfernt, welcher den Chorraum, der Priestern und Mönchen vorbehalten war, vom übrigen Kirchenraum trennte.

Architektur mini|Deckenfresko im Mittelschiff

Die Klosterkirche Rohr ist ein Zentralbau, der – ausgehend von der Vierung – aus Langhaus mit Seitenkapellen im Westen, geostetem Chor und Querschiff in Nord-Süd-Ausrichtung besteht. Der Grundriss zeigt somit eine deutliche Kreuzform. Durch die niedrigeren Anbauten der Seitenkapellen am Langhaus entsteht jedoch – vor allem von der Westseite aus gesehen – der Eindruck einer basilikalen Bauform. Die Westfassade bildet zudem die Schauseite der Kirche zur Straße hin. Die linke Seite der Schaufassade wird jedoch von dem wuchtigen Kirchturm verdeckt. Dieser war ursprünglich freistehend, wurde durch ein zusätzliches kürzeres Joch auf der Westseite des Langhauses bei dem barocken Neubau in den Kirchenbau integriert. Die Untergeschosse stammen noch aus romanischer Zeit, der barocke Helm und der mächtige Glockenstuhl wurden 1696 bzw. 1697 errichtet. Die Westfassade ist durch Pilaster und Gesimse gegliedert, wobei letztere eine Aufteilung in zwei Geschosse und einen Dreiecksgiebel als oberen Abschluss bewirken. Im unteren Geschoss befindet sich das segmentbogige Portal, im oberen Geschoss ein etwa formgleiches Fenster, welches den dahinter liegenden Orgelprospekt beleuchtet.Kloster Rohr: Architektur der Rohrer Asamkirche. Online auf www.kloster-rohr.de; abgerufen am 14. Mai 2023.

Das Langhaus mit einer Länge von rund 23 Metern und einer Breite von knapp 19 Metern inklusive der Seitenschiffe enthält ein dreijochiges Tonnengewölbe mit Stichkappen. Die Orgelempore auf der Westseite ist einem vierten, kürzeren Joch untergebracht. Der Übergang zu dem Gewölbe mit einer Scheitelhöhe von 18,65 Metern erfolgt oberhalb eines aufwändigen, mehrfach abgesetzten Gesimses. Die sechs Seitenkapellen zwischen den Pilastern des Mittelschiffes öffnen sich über rundbogige Durchgänge und verfügen dementsprechend über Tonnengewölbe in Querrichtung. Sie sind mit ebenfalls rundbogigen Öffnungen untereinander verbunden, wobei die beiden vorderen Seitenkapellen über einen schrägen Durchgang zum Querschiff verfügen. Die beiden Querarme erstrecken sich ausgehend von der Vierung etwa 7,5 Meter nach Norden und Süden, wo sie jeweils mit einem Seitenaltar abschließen. Wegen der unmittelbar anschließenden Konventgebäude ist der rechte Querarm fensterlos. Der Chor mit halbrunder Apsis verfügt ebenfalls über eine Stichkappentonne und wird von dem Hochaltar dominiert. An den Ecken der Vierung befinden sich jeweils Paare von Dreiviertelsäulen, welche die für die Brüder Asam typischen nach oben gerollten Voluten aufweisen. Letztere finden sich auch an den Pilastern im Langhaus.

Ausstattung mini|Hochaltar mit Darstellung der Himmelfahrt Mariens mini|Kanzel

Zentrales und dominantes Ausstattungsstück, auf das der gesamte Kirchenraum ausgerichtet zu sein scheint, ist der Hochaltaraufbau aus dem Jahr 1723 mit einer plastischen Darstellung der Himmelfahrt Mariens als „theatrum sacrum“. Der Aufbau mit einer Sockelhöhe von drei Metern passt sich der Apsisrundung an und besitzt so eine Tiefe von sechs Metern. Er wird flankiert von Rotmarmorsäulen und schließt nach oben segmentbogig ab. Zwischen den Säulengruppen nimmt unten der leere Sarkophag Mariens die gesamte Breite ein. Rundum befinden sich Stuckfiguren von Thomas, Johannes und mehreren anderen Aposteln, die Mariä Himmelfahrt staunend und erregt betrachten. Die Gottesmutter selbst, ebenfalls als Stuckfigur dargestellt, wird vor einem stuckmodellierten blauen Brokatvorhang mit dem Bayernwappen scheinbar von Engeln zum Himmel emporgehoben. Der obere Teil des Altares stellt den Himmel dar; er wird von einem rückwärtigen goldenen Fenster vor allem in der Morgensonne beleuchtet, davon ausgehende golden bemalte Stuckstrahlen verstärken diesen Effekt noch. Vor diesem Hintergrund sind Gott Vater und Gott Sohn zu sehen, die für die kommende Himmelskönigin eine Krone bereithalten. Darunter kann man eine Taube als Symbol der Heiligen Geistes erkennen, die in ihrem Schnabel den Brautring Mariens bereithält.Kloster Rohr: Innenausstattung des Chorraumes der Asamkirche. Online auf www.kloster-rohr.de; abgerufen am 14. Mai 2023. Die an einem dem Betrachter nicht sichtbaren Träger befestigte schwebende Skulpturengruppe erinnert in ihren Umrissen je nach Blickwinkel an ein Kreuz, einen Anker oder ein Herz, worin sich die in gepriesene Trias aus Glaube, Hoffnung und Liebe widerspiegelt; ein in der Barockzeit sehr beliebtes Motiv, das man z. B. auch in St-Sulpice zu Paris als Skulpturenarrangement findet.

Vor diesem Altaraufbau befindet sich das hufeisenförmige Chorgestühl der Mönche, das von aufwändigen Schnitzereien bekrönt wird. Davor wiederum befindet sich der eigentliche, reich verzierte und vergoldete Hochaltar, der auch den Tabernakel enthält. Im Gegensatz zu dem liturgisch funktionslosen rückwärtigen Aufbau ist dieser Altar eher klein gehalten. Zwei gewundene Säulenpaare und ein kleiner Altaraufbau mit zwei außen liegenden Voluten tragen einen Aufsatz mit Christusfigur und verzierenden Vasen, die gerade noch in die dahinter befindliche Himmelfahrtsdarstellung hineinragen. Aus der Ferne verschmelzen beide Altaraufbauten zu einer Einheit. Eine rotmarmorne Kommunionbank trennt den leicht erhöhten Altarbereich vom Kirchenschiff ab. Genau darüber, am Chorbogen befindet sich eine Stuckfigurengruppe, die den heiligen Augustinus in der Glorie zeigt.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Vierung, an der Öffnung zum Langhaus hin, befindet sich auf 1721 datierte das Wappen des Rohrer Propstes während der Erbauungszeit der Kirche, Patritius von Heydon. In den beiden Querarmen befindet sich je ein gerundeter Seitenaltar mit Säulenaufbau, ebenfalls durch eine Kommunionbank abgetrennt. Die Anlehnung an die Gestaltung des Chorraumes ist unverkennbar. Die Konzeption der Seitenaltäre und die Stuckfiguren werden Egid Quirin Asam zugeschrieben, die Aufbauten entstanden 1721 oder 1722 und damit ein bis zwei Jahre vor dem Hochaltar. Der nördliche (linke) Seitenaltar enthält ein Altarblatt mit einer Darstellung der Apostelfürsten Petrus und Paulus, auf dem sich der Erschaffer Cosmas Damian Asam als junger Mann mit rotem Mantel und Hut mit Federbusch selbst verewigt hat. Bei den flankierenden Stuckfiguren handelt es sich um die Heiligen Georg (links) und Florian (rechts). Der südliche (rechte) Seitenaltar zeigt ein Gemälde von der Apotheose des heiligen Josef aus dem Jahr 1721, gefertigt von dem Landshuter Maler Johann Jakob Plezger. Im Tabernakel wird eine Kopie des gotischen Gnadenbildes aus der Abteikirche Braunau verwahrt. Die Stuckfiguren stellen hier die Heiligen Ambrosius (links) und Monika (rechts) dar.Kloster Rohr: Innenausstattung des Kirchenschiffes der Asamkirche. Online auf www.kloster-rohr.de; abgerufen am 14. Mai 2023.

In der vorderen Seitenkapelle links befindet sich der Rosenkranzaltar, wiederum mit einem Altarblatt von Johann Jakob Plezger. In der dahinter liegenden Seitenkapelle, gegenüber dem ehemaligen Seiteneingang der Kirche, steht der besonders ausgezeichnete Nepomukaltar. Das Altarblatt stammt aus der Werkstatt Cosmas Damian Asams. Es ist von vier Stuckfiguren umgeben, die als allegorische Darstellung der vier Kardinaltugenden Weisheit (unten links), Mäßigkeit (unten rechts), Gerechtigkeit (oben links) und Tapferkeit (oben rechts) gesehen werden können. In der hinteren Seitenkapelle links befindet sich ein Apollonia-Bild, welches ebenfalls aus der Werkstatt Cosmas Damian Asams stammen dürfte. In der vorderen Seitenkapelle rechts befindet sich ein dem heiligen Augustinus geweihter Altar, der seit 1982 ein von Cosmas Damian Asam 1720 gemaltes Bild enthält. Dargestellt ist das Wasserwunder des heiligen Korbinian. Das Gemälde befand sich ursprünglich in der ehemaligen Korbinianskapelle des Klosters Weihenstephan. Zuvor befand sich an gleicher Stelle bereits ein im 19. Jahrhundert entstandenes Bild des heiligen Sebastian im Nazarenerstil. Die mittlere Seitenkapelle enthielt bis zur Säkularisation den heute zugemauerten Zugang zur Kirche vom Konventgebäude. Heute sind hier ein Gemälde von der Verklärung Christi von einem unbekannten Künstler und der romanische Taufstein aus dem 13. Jahrhundert untergebracht. Die hintere rechte Seitenkapelle enthält den Christophorus-Altar mit der Kopie einer Figur des heiligen Benedikt vom Portal der Abteikirche Braunau.