Der Char de Manoeuvre B, später Char de Bataille B1, ist ein von Renault in der Zwischenkriegszeit entwickelter Panzer, der im Zweiten Weltkrieg von den Streitkräften Frankreichs und später der deutschen Wehrmacht eingesetzt wurde.

Entwicklung Hintergrund Die Geschichte des Char B1 geht zurück auf eine Denkschrift von General Jean Baptiste Eugène Estienne aus dem Jahr 1919, als er in seinem Mémoire sur les missions des chars blindés en campagne das Konzept eines Char de Bataille beschreibt. Dieser neue Typ eines Kampfpanzers sollte die feindliche Linien durchbrechen, feindliche Befestigungen und Geschützstellungen zerstören und feindliche Panzer bekämpfen können. Eine militärische Kommission unter General Edmond Buat veranlasste im Januar 1921 ein Entwicklungsprojekt für ein solches Fahrzeug. Um die Kosten für das Fahrzeug überschaubar zu halten, wurde die große Hauptwaffe in der Art eines Sturmgeschützes in der Wanne montiert. Aus Platzgründen war ein seitliches Richten dieser Waffe nur mit dem gesamten Fahrzeug möglich, das Höhenrichten war jedoch umfassend möglich.

Die auf Basis der Kommissionsarbeit erstellte Ausschreibung forderte ein maximales Gewicht von 13 t, eine Panzerungsdicke von 25 mm an den stärksten Stellen, eine möglichst niedrige Wanne, um mit der Haubitze in die Sichtöffnungen von Bunkern feuern zu können, sowie einen kleinen MG-Turm – mit dem Zweck, feindliche Infanterie auf Abstand zu halten. Gleichzeitig sollte der Kommandant durch den Turm besser das Gefechtsfeld beobachten können, damit er seine dreiköpfige Besatzung führen konnte. Es sollten zwei Versionen gebaut werden, ein Unterstützungspanzer mit der 7,5-cm-Kanone und ein Panzer mit einem 47-mm-Panzerabwehrgeschütz an Stelle der 75-mm-Kanone.

Seitens der französischen Industrie hatte man ein großes Interesse an diesem Projekt. Dies hatte in der Vergangenheit zu einem für den Entwicklungsprozess „ungesunden“ Wettbewerb zwischen den Firmen geführt. General Estienne hatte genau dies in der Vergangenheit schon während des Ersten Weltkrieges erlebt und wollte eine ähnliche Situation für den neuen Panzer auf jeden Fall vermeiden. Er nutzte seine Position als Generalinspekteur der französischen Panzertruppen aus und zwang die Industrie in den „Estienne accord“, eine Übereinkunft der Hersteller, ohne Wettbewerbsgedanken in dieses Projekt zu gehen. Um beteiligt zu werden, mussten die Firmen darüber hinaus vorher bestätigen, dass mögliche Patente aus der Entwicklung des neuen Panzers der Armee überlassen würden, und diese die Erlaubnis hatte, aus allen Projekten einen einzigen Typen zu formen. Im Gegenzug wurde der Industrie ein Auftragsvolumen von nicht weniger als 1.000 Panzern zugesagt.

Unter diesen Bedingungen wurden im Jahr 1921 letztlich vier Projekte gestartet. Zwei Fahrzeuge, das SRA und das SRB, waren eine Kooperation von Renault und Schneider. Ein weiteres Projekt wurde von Forges et Aciéries de la Marine et d’Homécourt (FAMH) beigesteuert; der Firma, die bereits den „Saint-Chamond Panzer“ im Ersten Weltkrieg gebaut hatte und welcher nach dem Ort der Produktionsstätte benannt wurde. Das vierte und letzte Projekt stammte von Forges et Chantiers de la Méditerranée (FCM) und trug die Bezeichnung FCM 21. Entsprechend der Vereinbarung hätten Renault und Schneider 250 Fahrzeuge gefertigt, FAMH und FCM je 125, und ein fünfter Hersteller, Delaunay-Belleville, dem man zuvor den Vorschlag eines verbesserten FT-17 gestrichen hatte, sollte einen Kontrakt über 83 Fahrzeuge erhalten. Die übrigen 167 Fahrzeuge sollten später von staatlicher Seite den Herstellern zugeordnet werden.

Am 13. Mai 1924 konnten vier Prototypen im „Atelier de Rueil“ vorgestellt werden, wo diese verglichen wurden und eine 20 km lange Teststrecke bewältigen mussten. Anhand der Fahrzeugausfälle während dieser Tests wurde offensichtlich, dass es aus der Entwicklung heraus noch viele technische Probleme gab, die es zu beseitigen galt. Der SRA fiel sogar im wörtlichen Sinn auseinander. Motorreparaturen konnten nicht durchgeführt werden, da man an diese konstruktionsbedingt nicht herankam. Alle Projekte setzten auf eine dreiköpfige Besatzung, doch variierten erheblich in Größe, Form und der Art wie das Geschütz gerichtet wurde.

SRA Der SRA war mit 19,5 t das schwerste Fahrzeug. Er war 5,95 m lang, 2,26 m hoch und 2,49 m breit. Die 75-mm-Kanone war auf der rechten Seite der Wanne montiert und ein gegossener Turm mit 30 mm Panzerung trug 2 Maschinengewehre. Es wurde über ein „epizyklisches“ Getriebe und hydraulische Scheibenbremsen gesteuert. Ein System, welches sich in der Erprobung als nicht präzise genug herausstellte.

Von vorne gesehen gab es beim SRA bereits erhebliche Ähnlichkeiten mit dem späteren Char B1. In der Seitenansicht orientierte sich die Konstruktion jedoch noch stark an anderen Modellen der Zeit, wie zum Beispiel dem englischen Medium Mark D. Dazu gehörte das „Snake“-Kettensystem, bei dem das hintere Antriebsrad höher lag als das vordere Leitrad. Die Federung basierte auf Blattfedern und ein Renault Sechszylinder mit 180 PS ermöglichte eine Maximalgeschwindigkeit von 17,5 km/h, was bei einem 400-l-Tank eine Reichweite von 140 km ermöglichte.

SRB Der SRB war, obwohl er mit 7,00 m etwas länger war, mit 18,5 t Gesamtgewicht etwas leichter als der SRA. Bei einer nahezu gleichen Höhe von 2,28 m und einer Breite von 2,5 m war das geringere Gewicht in erster Linie auf die Bewaffnung mit der doch kleineren 47-mm-Panzerabwehrkanone zurückzuführen. Entsprechend dem geringeren Gewicht konnte mit 18 km/h eine geringfügig höhere Maximalgeschwindigkeit erreicht werden. Jedoch war durch einen kleineren Tank von 370 l die Reichweite auf 125 km reduziert. Bei diesem Projekt wurde ein besseres hydraulisches Federungssystem, ein hydraulisches „Naeder“-Getriebe von der Firma Chaize und eine „Fieux“-Kupplung verwendet. Letzter war kombiniert mit einem Getriebe des Herstellers Schneider. Die Ketten stammten vom FT-17 und waren für die Nutzung am SRB modifiziert worden. Der Kettenumlauf auf der oberen Seite war höher als beim SRA und ermöglichte es auf der linken Seite eine Tür einzubauen.

FAHM Der „Saint Chamont“-Entwurf war 5,2 m lang, 2,4 m hoch und 2,43 m breit. Die 75-mm-Haubitze war in der Mitte der Wanne platziert und der Maschinengewehrturm war aus 25-mm-Stahlplatten zusammengenietet. Der weniger leistungsfähige 120-PS-Motor von Panhard, ermöglichte mit einem hydro-pneumatischen Federungssystem eine Maximalgeschwindigkeit von 18,2 km/h. Das geringe Tankvolumen von 230 l reduzierte seine Reichweite auf knapp siebzig Kilometer. Das „Snake“-Kettensystem wurde auf jeder Seite mit einem eigenen Getriebe vom Typ „Jeanny“ gesteuert.

FCM 21 Der FCM 21 war der leichteste der vier Prototypen, mit einem Gewicht von nur 15,64 t. Er war eigentlich ein verkleinerter Char 2C, der größte Panzer der französischen Armee, gebaut von FCM. Durch eine Breite von nur 2,05 m und einer Länge von 6,5 m wirkte das Fahrzeug sehr in die Länge gezogen. Der verhältnismäßig große, genietete Turm hatte ein stroboskopische Kuppel, die vom Char 2C übernommen worden war, jedoch seine Gesamthöhe auf 2,52 m brachte. Wie auch beim Char 2C war kein wirkliches Federungssystem für die 12 schmalen Laufrollen auf den beiden Seiten eingebaut worden. Die 75-mm-Haubitze in der Mitte der Wanne konnte durch einzelne Bremsen auf jeder Seite des „Snake“-Fahrwerks horizontal gerichtet werden. Der Motor war der gleiche wie beim FAHM, ein Panhard, der dem FCM 21 eine maximale Geschwindigkeit von 17,4 km/h ermöglichte. Angesichts des geringsten Gewichts hatte er mit seinem 500-l-Tank mit 175 km die größte Reichweite.

Ergebnis der ersten Versuche Im März 1925 entschied General Estienne, dass der künftige Panzertyp im Bezug auf Form und mechanische Teile auf dem SRB basieren sollte. Die 75-mm-Kanone sollte eingebaut und eine auf dem Holt-System entwickelte Kette von FCM, die Firma hatte hierfür ein eigenes Forschungsprojekt durchgeführt um die Druckverteilung zu optimieren, verwendet werden. Die FAMH-Federung wurde eingeplant, doch das wurde später wieder geändert. Einige spezielle Forderungen kamen von Etienne persönlich. So sollte ein von innen einstellbares Rad für die Kettenspannung vorhanden sein und der Motorraum sollte über einen kleinen Durchgang vom Kampfraum aus erreichbar gemacht werden. Außerdem sollte die Frontpanzerung 40 mm betragen.

Im November 1925 erhielt Renault den Auftrag ein Holzmodell zu fertigen, welches Anfang 1926 fertig gestellt wurde. Am 27. Januar 1926 wurde entschieden, dass drei Prototypen, des nun Tracteur 30 genannten Fahrzeugs, gebaut werden sollten, dessen finalen Entwurf ein Ingenieur namens Alleaume von der Firma Schneider in Zusammenarbeit mit der Section Technique des Chars de Combat (STCC) erstellt hatte. Den ersten Prototyp sollte Renault liefern, die nächsten beiden FCM und FAHM.

Erste Prototypen Erste Prototypen standen 1931 zur Verfügung. Drei Exemplare wurden 1932 in den jährlichen Manövern des französischen Heeres erprobt.

Die Serienfertigung des Typs Char B1 bis mit einer längeren Kanone begann erst 1937 – bis zum Mai 1940 waren 361 Stück an die Truppe ausgeliefert, die in Panzerdivisionen (Divisions Cuirassées de Réserve) zusammengefasst wurden.

Technische Beschreibung Es handelte sich um ein kompaktes Fahrzeug mit umlaufender Kette und einem kleinen Turm, in dem sich eine 47-mm-Kanone sowie ein Koaxial-Maschinengewehr (Reibel, Kaliber 7,5 mm) befanden. In der Wannenfront waren ein weiteres Maschinengewehr und eine seitlich jeweils nur um ein Grad schwenkbare 75-mm-Haubitze mit kurzem Rohr eingebaut, die nur durch Drehung des ganzen Fahrzeugs seitlich gerichtet werden konnte.

Produktion Die Gesamtproduktion betrug ungefähr 405 Fahrzeuge. Die Panzer wurden nur zum Teil (182 Stück) bei Renault hergestellt und hießen daher eigentlich nicht Renault Char B1 – diese Bezeichnung kommt jedoch gelegentlich in der Literatur vor.

Char B1