mini|Georg Elser (1939)

Johann Georg Elser (* 4. Januar 1903 in Hermaringen, Württemberg; † 9. April 1945 im KZ Dachau, Bayern) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Am 8. November 1939 führte er im Münchner Bürgerbräukeller ein Sprengstoffattentat auf Adolf Hitler und nahezu die gesamte nationalsozialistische Führungsspitze aus, das nur knapp scheiterte.

Leben mini|Ort des Geburtshauses in Hermaringen mit Stolperstein von Gunter Demnig im Gehweg

Königsbronn Georg Elser war das nichteheliche Kind von Maria Müller, Tochter eines Wagners und Landwirts. Ein Jahr nach seiner Geburt heiratete sie den Holzhändler und Landwirt Ludwig Elser aus Königsbronn. Durch diese Eheschließung wurde Georg Elser als Sohn von Ludwig Elser legitimiert.Sprengstoffanschlag im Bürgerbräukeller, München am 8. November 1939. Vernehmung des Täters. (Berliner Verhörprotokoll) S. 1. Auf: georg-elser-arbeitskreis.de; abgerufen am 3. November 2020. Ludwig Elser betrieb einen Holzhandelsbetrieb in Königsbronn bei Heidenheim in Württemberg, wo Georg mit seinen Geschwistern aufwuchs.

Georg Elser hatte fünf jüngere Geschwister: Friederike (* 1904), Maria (* 1906), Ludwig (* 1909), Anna (* 1910) und Leonhard (* 1913). Seine Kindheit war geprägt durch frühes Arbeiten am elterlichen Hofe und die Alkoholkrankheit seines Stiefvaters.

Nach dem Besuch der Volksschule in Königsbronn 1910 bis 1917 begann er eine Lehre als Eisendreher in den ehemaligen Königlichen Hüttenwerken Königsbronn. 1919 brach er diese aus gesundheitlichen Gründen ab und begann eine Lehre als Schreiner. Nach Bestehen der Gesellenprüfung als Jahrgangsbester 1922 arbeitete er bis 1925 in verschiedenen Schreinereien in Königsbronn, Aalen und Heidenheim als Bau- und Möbeltischler.Berliner Verhörprotokoll S. 30 ff. Sein beruflicher Werdegang war geprägt durch die Konjunkturschwankungen der deutschen Wirtschaft (Hyperinflation 1923, Weltwirtschaftskrise ab 1930) und die Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Mitglied im Roten Frontkämpferbund Erstes politisches Interesse Elsers zeigte seine Mitgliedschaft im Holzarbeiterverband; er übernahm dort aber nie eine Führungsrolle.

Wie Elser im Berliner Verhörprotokoll erklärte, trat er 1928 oder 1929 in Konstanz dem Roten Frontkämpferbund bei, dem paramilitärischen Kampfverband der KPD. Er sei aber nur zahlendes Mitglied gewesen, habe keine Uniform besessen und keinerlei Funktionärsposten innegehabt.Berliner Verhörprotokoll S. 81. Wie stark seine kommunistische Orientierung und sein Engagement innerhalb der KPD-Organisationen tatsächlich war, lässt sich nicht widerspruchsfrei rekonstruieren.Peter Koblank: Georg Elser und der Rote Frontkämpferbund – War der Bürgerbräuattentäter ein Kommunist?, Online-Edition Mythos Elser 2008.

Leben und Arbeit am Bodensee Sein Wunsch nach einem höheren Lohn und eine aufkommende Sehnsucht in die Ferne ließen ihn nie wirklich sesshaft werden. Für kurze Zeit fand er Arbeit beim Propellerbau bei Dornier in Friedrichshafen.Berliner Verhörprotokoll S. 37.

Nur in Konstanz lebte und arbeitete er ab 1925 für eine längere Zeit und stellte hölzerne Uhrengehäuse für vorgefertigte Stand-, Kamin- und Tischuhren in der Uhrenfabrik Constantia, Metzner & Co her. Im Jahr 1929 musste die betriebliche Arbeit aufgrund mehrerer Todesfälle in der Betriebsleitung immer wieder unterbrochen werden, bis schließlich die Arbeiten endgültig eingestellt und sämtliche Arbeiter entlassen wurden: „Soviel mir erinnerlich ist, war die Entlassung auf einen Brand in der Firma zurückzuführen“.Berliner Verhörprotokoll S. 41. Bis 1932 blieb Elser am Bodensee und arbeitete dort in unterschiedlichen Schreinereien, wo er jedoch aufgrund von Schließungen und Mitarbeiterentlassungen immer nur für kurze Zeit bleiben konnte. 1930 arbeitete er ein halbes Jahr lang auch als Grenzgänger von Konstanz mit dem Fahrrad aus in Bottighofen in der Schweiz in der Schreinerei Schönholzer als Schreiner.Berliner Verhörprotokoll S. 39 ff. Von 1930 bis 1932 stellte Elser in Meersburg in der Kunkelgasse in der Nachfolgefirma der in Konkurs gegangenen Konstanzer Uhrenfabrik für den Uhrenfabrikanten Rothmund Holzgehäuse her.Berliner Verhörprotokoll S. 42. Nach dem Konkurs von Rothmund musste Elser seine Wohnung in Konstanz aus finanziellen Gründen aufgeben. Er fand eine Unterkunft in Meersburg Am StadtgrabenThomas Warndorf: „Der Zweck ist nicht erreicht.“ Johann Georg Elser In: Museumsverein Meersburg (Hrsg.): Meersburger Spuren. Verlag Robert Gessler, Friedrichshafen, 2007. ISBN 978-3-86136-124-4, S. 76–80. und arbeitete (z. B. Uhrenreparaturen, Schreinerarbeiten) gegen Kost und Logis. Unter den Arbeitskollegen galt Elser als übergenauer Arbeiter.

Im Jahr 1926 trat Elser in den Trachtenverein Oberrheintaler in Konstanz ein und kaufte sich eine Zither; er wurde Mitglied im Zitherclub Konstanz.Berliner Verhörprotokoll S. 55 ff. Er war auch Mitglied des Trachtenvereins Alpenrose und des Abstinentenvereins Kreuzlingen.Georg Elser: Schweizer Ermittlungsbericht. Auf: georg-elser-arbeitskreis.de; abgerufen am 14. Juni 2020.

Elser lernte die Konstanzer Kellnerin Mathilde Niedermann kennen und wurde 1930 Vater eines nichtehelichen Sohnes namens Manfred.Berliner Verhörprotokoll S. 75. Der spätere Ehemann von Niedermann adoptierte Elsers Sohn.Peter Steinbach, Johannes Tuchel: Menschen aus dem Land. Georg Elser. Faltblatt zur Wanderausstellung „Ich habe den Krieg verhindern wollen. Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939“. Dokumentation der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Stuttgart 2010, S. 4.

Zurück in Königsbronn Im August 1932 kehrte Elser allein nach Königsbronn zurück, da der Vater „immer mehr und mehr saufe und […] er einen Acker um den anderen verkaufe, um seine Schulden zu bezahlen“. In Königsbronn war Elser in der Landwirtschaft tätig und fertigte in seiner eigenen Werkstatt Möbel für die umgebende Bevölkerung an.Berliner Verhörprotokoll S. 49 ff.

Von Dezember 1936 bis März 1939 arbeitete er bei der Heidenheimer Firma Waldenmaier, eine Armaturenfabrik (heute: Erhard GmbH & Co. KG), zunächst als Hilfsarbeiter in einer Gussputzerei und ab dem Sommer 1937 in der Versandabteilung, wo er bis März 1939 die Prüfung der Materialeingänge übernahm.Berliner Verhörprotokoll S. 60 ff. Ab November 1938 entwendete er über einen längeren Zeitraum 250 Pressstückchen Pulver, die er später zusätzlich zu dem Dynamit, das er im April und Mai 1939 in einem Steinbruch stahl, für seine selbst gebaute Bombe verwendete. Berliner Verhörprotokoll S. 101 f.

1933 lernte Georg Elser die verheiratete Elsa Härlen, geb. Stephan (1911–1994) kennen. Er hatte eine Liebesbeziehung mit ihr und möglicherweise ein oder zwei Kinder. Nach deren Geburt zog sie 1936 von ihrem Ehemann weg ins Haus ihrer Eltern nach Jebenhausen und ließ sich dann scheiden. Nach ihrer Erinnerung war von Heirat mit Elser die Rede, doch dann hätten sie sich „auseinander gelebt“ und im Januar 1939 zum letzten Mal getroffen. Tatsächlich distanzierte sich Elser von Familie und Freunden, auch von Elsa Härlen, damit sie später nicht als Mitwisser verdächtigt würden.

Am 5. August 1939 zog Elser nach München, um dort seinen Anschlag auf Hitler vorzubereiten. Er wohnte bis zum 31. August in der Blumenstraße 19 und zog dann wegen niedrigerer Mietkosten ab dem 1. September in die Türkenstraße 94 um.Berliner Verhörprotokoll Berliner Verhörprotokoll S. 138 ff.

Attentat im Bürgerbräukeller

Motive Elser war von Anfang an ein Gegner des Nationalsozialismus und verweigerte den ab 1933 im täglichen öffentlichen Leben von jedem „Volksgenossen“ erwarteten Hitlergruß. Nach Augenzeugenberichten verließ er den Raum, wenn Hitler-Reden im Rundfunk übertragen wurden.

Laut dem nach seiner Verhaftung angefertigten „Berliner Verhörprotokoll“Berliner Verhörprotokoll war Elser der Auffassung, dass sich seit der Machtübernahme Hitlers im Jahre 1933 die Lebensbedingungen der Arbeiter verschlechtert hätten:Lothar Frick (Hrsg.): „Ich habe den Krieg verhindern wollen.“ Der Hitler-Gegner Georg Elser und sein Attentat vom 8. November 1939 – die Motive, Vorbereitungen und Folgen. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-945414-09-5, S. 9.

Spätestens im Zusammenhang mit der von Elser als „Septemberkrise 1938“ bezeichneten Sudetenkrise kam laut diesem Protokoll neben der „Verbesserung der sozialen Verhältnisse der Arbeiterschaft“ als weiteres Motiv für den Bombenanschlag die „Vermeidung eines Krieges“ hinzu:Berliner Verhörprotokoll S. 91 f.

Als Elsers Zeitbombe am 8. November 1939 im Bürgerbräukeller explodierte, hatte der von ihm befürchtete Krieg bereits zwei Monate zuvor am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen begonnen. Dieser Krieg befand sich nach dem schnellen deutschen Sieg über Polen in der Phase des sogenannten Sitzkriegs und entwickelte sich in den nächsten Jahren zum Zweiten Weltkrieg.

Planung und Vorbereitung mini|Eine der NSDAP-Versammlungen im Bürgerbräukeller mini|Aus diesem Steinbruch in Königsbronn-Itzelberg entwendete Elser den Sprengstoff für seine Bombe

Elser wusste, dass Hitler vor jedem Jahrestag seines gescheiterten Putschversuchs vom 9. November 1923 abends im Münchner Bürgerbräukeller eine Rede hielt. Daher fuhr er am 8. November 1938 mit der Bahn nach München, fand ein Zimmer für eine Nacht und ging am späten Abend in den Bürgerbräukeller, wo die Versammlung bereits vorüber war und die Absperrungen aufgehoben waren. Er erkannte die Möglichkeit, oberhalb des Galerieabsatzes über dem Rednerpult einen Sprengsatz einzubauen.Ulrich Renz: Georg Elser. Ein Meister der Tat. DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen, 2009, ISBN 978-3-87181-767-0, S. 29–31.

Anfang April 1939 fuhr er erneut nach München, ging auf die Galerie des Bürgerbräukellers und maß die Säule aus, in die er eine Zeitbombe einbauen wollte. Im selben Monat heuerte er als Arbeiter im Steinbruch von Georg Vollmer in Königsbronn-Itzelberg an, um dort 105 Dynamit-Sprengpatronen und 125 Sprengkapseln für seine Zeitbombe zu entwenden.Berliner Verhörprotokoll S. 118.Gespräch mit Zeitzeuge Wilhelm Schwenk. Auf: georg-elser-arbeitskreis.de; abgerufen am 6. November 2015. Bereits während seiner Arbeit von Dezember 1936 bis März 1939 bei der Armaturenfabrik Waldenmaier in Heidenheim hatte er dort 250 Pressstückchen Schießpulver entwendet. In Heidenheim kaufte er Gewehrmunition und stellte in einem abgelegenen Obstgarten seiner Eltern in Königsbronn praktische Versuche an. Dazu baute er ein Modell, um mittels Gewehrpatronen eine Sprengkapsel zu zünden.Ulrich Renz: Georg Elser. Ein Meister der Tat. DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen, 2009, ISBN 978-3-87181-767-0, S. 36–39.