Prittriching (umgangssprachlich Burching) ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech.
Geografie Prittriching liegt in der Planungsregion München. Die Gemeinde ist die nördlichste Gemeinde im Landkreis Landsberg am Lech. Im Westen der Gemeinde fließt der Lech. Im Osten begrenzt der Leitenberg, eine Endmoräne, den Siedlungsbereich. Das Dorf wird von der Friedberger Ach, in dieser Region auch als der Verlorene Bach bezeichnet, durchquert.
Die Gemeinde besteht aus den zwei Gemeindeteilen und Gemarkungen Prittriching (Pfarrdorf) und Winkl (Pfarrdorf).
Religion Prittriching ist ein traditionell katholisch geprägtes Pfarrdorf, das nachweislich rund 900 Jahre lang von verschiedenen bedeutenden Klöstern aus dem Oberland und aus Bayerisch-Schwaben geprägt wurde. Die beiden wertvoll ausgestatteten katholischen Kirchen Peter und Paul sowie die Frauenkirche dominieren neben einigen Kapellen bis heute das Ortsbild.
+ Verteilung der religiösen Bekenntnisse nach den Volkszählungen 1987 und 2011Bayerisches Landesamt für Statistik, München 2015: Statistik kommunal 2014, Gemeinde Prittriching, abgerufen am 20. November 2016 Jahr Bevölkerung römisch-katholisch evangelisch-lutherisch andere und religionslose 25. Mai 1987 1863 1702 101 60 9. Mai 2011 2417 1808 181 428
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Prittriching liegt heute eingebettet in eine uralte Kulturlandschaft. Archäologische Prospektionen belegen auf der östlich des Ortes gelegenen Rißmoräne „Leitenberg“ eine bronzezeitliche Siedlung sowie ein frühmittelalterliches Reihengräberfeld. Zudem konnten unmittelbar östlich von diesem Bereich eingeebnete vorgeschichtliche Grabhügel und kaiserzeitliche römische Brandgräber festgestellt werden. Auch an anderen Stellen rund um die Grenzen des heutigen Ortes konnten vor- und frühgeschichtliche Siedlungsstellen sowie eine spätlatènezeitlicher Siedlungsbereich abgegrenzt werden. Der heute etwas weiter westlich vorbeifließende Lech, der bis in die jüngste Zeit für teils verheerende Überschwemmungen sorgte, hatte in vorgeschichtlicher Zeit zumindest zeitweilig ein Flussbett unterhalb der Moräne. Nach geoarchäologischen Untersuchungen war dieser Bereich bis in die Neuzeit stark vernässt. Daher fand zwischen dem Leitenberg und der den Ort durchquerenden Jahnstraße bis ins 20. Jahrhundert keine tiefgreifende bauliche Verdichtung statt.
Durch die geplante Bebauung eines bisher siedlungsgeschichtlich unerschlossenen Gebietes im Karree zwischen Jahnstraße, Eglinger Straße und Leitenbergstraße wurden 2016 archäologische Ausgrabungen notwendig, die das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege verordnet hatte. Dabei konnten nach einer umfassenden Sondage ausschließlich innerhalb eines konzentrierten Abschnitts an der Leitenbergstraße frühgeschichtliche Befunde festgestellt werden. Es handelt sich dabei um zwei runde Lochtennen, die der Keramikherstellung gedient haben. In unmittelbarer Nähe wurde ein rechteckiger, insgesamt über zehn Meter langer Ziegelbrennofen aufgedeckt, der eine halbrunde Apsis besaß, die ursprünglich ebenfalls als solitäre, runde Lochtenne erbaut worden war. Der vom Landesdenkmalamt beauftragte Ausgräber Peter Priadka sowie der Archäologe Lutz Kunstmann verorteten die Anlagen vorsichtig in eine zeitnahe Epoche der Spätantike.Marco Tobisch: Antike Villa unter Baugebiet? In: kreisbote.de, Kreisboten-Verlag Mühlfellner, Weilheim in Oberbayern, 9. November 2016, abgerufen am 20. November 2016 (Augsburger Archäologen legen in Prittriching Brennöfen aus der Spätantike frei);Walter Herzog: Baugebiet: Die Funde gehen zurück bis in die Spätantike. In: augsburger-allgemeine.de, Landsberger Tageblatt, 4. November 2016, abgerufen am 20. November 2016. Die Grabungen bestätigen damit eine Besiedlung des Prittrichinger Raumes in römischer Zeit.
Mittelalterliche Gründung Möglicherweise können die Ortsgründungen mit der Endung -ing auf frühe germanische Besiedlungen zurückgeführt werden. Da sich die lokalen Orte mit der Endung -ing ganz grob am Verlauf der beiden alten Römerstraßen, der Via Claudia Augusta und der Brennerstraße orientieren, könnte es nach dem Rückzug des römischen Militärs an geeigneten Plätzen zu Neubesiedlungen entlang der alten Trassen gekommen sein. Teilweise könnten auch sporadischen Kontinuitäten auf den römerzeitlich genutzten Fluren vorhanden gewesen sein oder die Neusiedler ließen sich an noch existierenden romanisierten Gehöften nieder.Wilhelm Liebhart: Historischer Atlas von Bayern. Schwaben Reihe II Heft 2: Die Reichsabtei Sankt Ulrich und Afra zu Augsburg. Studien zu Besitz und Herrschaft (1006–1803). Laßleben, Kallmünz 1982, ISBN 3-7696-9931-9, S. 579.
Eine erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1096 zurück. Brigirchinga wurde damals in einer Güterbeschreibung der Domdekanei Augsburg verzeichnet. In diesem Jahr hatte der gebannte Kaiser Heinrich IV. (1050–1106) mit Hermann (um 1060–1133) einen neuen Bischof von Augsburg erhoben. Damals lag Prittriching im Machtbereich der Welfen. Das Kloster Wessobrunn hatte dort Besitzungen.Wilhelm Liebhart: Historischer Atlas von Bayern. Schwaben Reihe II Heft 2: Die Reichsabtei Sankt Ulrich und Afra zu Augsburg. Studien zu Besitz und Herrschaft (1006–1803). Laßleben, Kallmünz 1982, ISBN 3-7696-9931-9, S. 28. Wie die beiden katholischen Kirchen im Ort noch heute zeigen, bestand das Dorf ursprünglich aus zwei Ansiedlungen, dem Ober- (Sankt Peter und Paul) und dem Unterdorf (Frauenkirche).Thomas Horst: Die älteren Manuskriptkarten Altbayerns: eine kartographiehistorische Studie zum Augenscheinplan unter besonderer Berücksichtigung der Kultur- und Klimageschichte. Teilband II: Katalog (= Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 161), Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-10776-4, S. 335.
12. bis 14. Jahrhundert Das älteste erhaltene Urbar aus den Jahren 1160/1165 zählt für Bridrichinen im Klosterkämmereramt der Augsburger Benediktinerabtei Sankt Ulrich und Afra 15 Hufen, eine Mühle und eine Taverne. Dieser klösterliche Grundbesitz geht auf Schenkungen und Zukäufe zurück. Im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts wurden durch die Ministerialenfamilien de Prittriching und de Steinbach zusammen sechs Schenkungen vollzogen. So stiftete unter anderem Bernhard de Steinbach seinen ganzen Besitz (totum allodium) im Herzogtum Baiern (norica terra), darunter Grund in Prittriching, an die Augsburger Abtei, als er sich dorthin vor 1150 zurückzog, um seinen Lebensabend zu verbringen.Wilhelm Liebhart: Historischer Atlas von Bayern. Schwaben Reihe II Heft 2: Die Reichsabtei Sankt Ulrich und Afra zu Augsburg. Studien zu Besitz und Herrschaft (1006–1803). Laßleben, Kallmünz 1982, ISBN 3-7696-9931-9, S. 579.
Weitere Schenkungen betrafen unter anderem eine Adelheid, die ein wohl in Prittriching gelegenes Gut (praedium) dem Augustinerchorherrenstifts Dießen überließ. Als Salmann trat hier ein Konrad de Ambingen auf. Zeugen waren Marcelinus und Heinrich de Pridrichingen. Der Priester Adalbero von Schmiechen übergab die Rechte dem Kloster. Eine andere Schenkung in dieser Zeit geht an das Kloster Raitenbuch. Ein Heinrich mit seiner Gemahlin überlassen ein Gut der Benediktinerabtei Sankt Ulrich und Afra. Hier treten als Zeugen unter anderem Arnis, Macelinus, Ulrich und Berthold de Prittriching als Zeugen auf. Wizemann de Bridirichingen stiftet an die Abtei ein kleines, in Prittriching gelegenes Landgut sowie ein Haus (praediolum et unus doma). Ein weiterer Heinrich spendet aus demselben Ort an Ulrich und Afra eine Hufe (una hoba) wobei unter anderem Burggraf Witego sowie Siegfried de Prittriching seine Zeugen sind. Roland de Briderchingen verkauft für 20 Talente ebenfalls ein praedium. Zeugen sind hier unter anderem die Brüder Konrad und Heinrich de Weilheim und Wizemann de Prittriching.Wilhelm Liebhart: Historischer Atlas von Bayern. Schwaben Reihe II Heft 2: Die Reichsabtei Sankt Ulrich und Afra zu Augsburg. Studien zu Besitz und Herrschaft (1006–1803). Laßleben, Kallmünz 1982, ISBN 3-7696-9931-9, S. 76. Neben dieser genauer aufgelisteten Auswahl an Schenkungen erhielten auch die Klöster Wessobrunn und Kloster Benediktbeuern Besitz in Prittriching.
Einigen Angaben zufolge soll die Pfarrkirche Sankt Paul, die später in Peter und Paul umgeweiht wurde, zwischen 1173 und 1204 gegründet worden sein.Pankraz Fried, Sebastian Hiereth: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Doppelband 22/23. Landgericht Landsberg und Pfleggericht Rauenlechsberg. Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1971, S. 169. Festzuhalten ist jedoch lediglich, dass laut einer überlieferten Urkunde Ortlieb, der Propst des Klosters Dießen, die Kirche in Prittriching noch vor 1204 aus eigenem Vermögen gegründet haben soll. Trotz dieser Überlieferung ist es jedoch wahrscheinlicher, dass der Propst die Kirche lediglich neu ausstatten ließ, da das Gotteshaus eine Eigenkirche des Andechser Markgrafen Heinrich IV. von Istrien (um 1175–1228) war.Waldemar Schlögl (Bearb.): Die Traditionen und Urkunden des Stiftes Dießen 1114–1362 (= Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte Band 22/1), München 1967, S. 33, Fußnote 192. Möglicherweise bestand eine Absprache zwischen dem Propst und Heinrich IV. zur Überlassung der Kirche an das Stift. Wie die de Prittrichings und die de Steinbachs beschenkten auch die Grafen von Andechs ihr Hauskloster Dießen mit reichen Besitzungen. So erhielt Dießen von Heinrich IV. am 2. August 1213 unter anderem den vom Kloster selbst neu ausgestatteten Prittrichinger Kirchensatz Sankt Peter als Jahrtagsstiftung, einer zeitlich begrenzen kirchlichen Stiftungsform, die bis zum 24. März 1223 lief.Waldemar Schlögl (Bearb.): Die Traditionen und Urkunden des Stiftes Dießen 1114–1362 (= Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte Band 22/1), München 1967, S. 45. Unmittelbar im Anschluss an das Ende der Jahrtagsstiftung inkorporierte der Augsburger Bischof Siegfried III. von Rechberg († 1227) die Kirche noch am 24. März 1223 dem Kloster Dießen.Waldemar Schlögl (Bearb.): Die Traditionen und Urkunden des Stiftes Dießen 1114–1362 (= Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte Band 22/1), München 1967, S. 118. Im Jahr 1453 wurde dann auch die Pfarrei selbst in das Stift Dießen eingegliedert. Dieses Inkorporationsverhältnis, das am 20. April 1453 durch Papst Nikolaus V. (1397–1455) bestätigt wurde, bestand bis zur Säkularisation in Bayern.
Nach der bayerischen Landesteilung im Jahr 1255 fielen die zunächst welfischen und dann staufischen Besitzungen im Ammergau und am Lech an den oberbayerischen Landesteil. Prittriching kam so an das nach 1268 entstandene Amt Landsberg.Pankraz Fried, Sebastian Hiereth: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Doppelband 22/23. Landgericht Landsberg und Pfleggericht Rauenlechsberg. Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1971, S. 34.
Am 7. September 1271 werden die Truchsessen Berthold von Waldburg und sein Onkel Eberhard als Lehensträger eines halben bischöflichen Zehnten in Prittriching urkundlich genannt. Auf Bitten ihres Oheims Siegfried von Algertshausen gaben sie dem Augsburger Bischof Hartmann von Dillingen († 1286) dieses Lehen zurück, nachdem sie es zunächst von diesem erhalten hatten. Anschließend übereignete der Bischof am 16. Oktober 1271 dieses halben Zehnten dem Stift Dießen.Waldemar Schlögl (Bearb.): Die Traditionen und Urkunden des Stiftes Dießen 1114–1362 (= Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte Band 22/1), München 1967, S. 172–173.