Utting am Ammersee (bis zum 8. Oktober 1953 Utting) ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech.

Geografie Lage Utting am Ammersee liegt im Bezirk Oberbayern im Landkreis Landsberg am Lech.

Gemarkungen Die Gemeinde gliedert sich in drei Gemarkungen bzw. Gemarkungsteile: Rieden am Ammersee (Gemarkungsteil, weiterer Gemarkungsteil in Dießen am Ammersee), Hechenwang (Gemarkungsteil, weiterer Gemarkungsteil in Windach) und Utting am Ammersee.

Gemeindeteile Die Gemeinde hat drei Gemeindeteile: Gemeinde-teils-schlüsselGemeindeteilTopographischeBezeichnungGemarkungGemarkungs-(Teil-)SchlüsselGemarkungs-(Teil-)Fläche/haBayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung, Stand 31. Dezember 2010Bevölkerung25. Mai 1987Gebäudemit Wohnraum25. Mai 1987Wohnungen25. Mai 1987001Utting am AmmerseePfarrdorfUtting am Ammersee90741490,462604722 1178002AchselschwangGutHechenwang9024-0149,20 4711 24003Holzhausen am AmmerseeKirchdorfRieden am Ammersee9056-1 261,21282110 142 Utting am AmmerseeGemeinde drei Gemarkungen   1900,87 2933 843 1344

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Die ältesten Spuren menschlicher Siedlungstätigkeit in Utting gehen bis ins zweite Jahrhundert v. Chr. zurück (Keltenschanze). Während der Römerzeit führte die wichtige Via Raetia an Utting vorbei und lässt auf einen Fortbestand menschlicher Siedlungstätigkeit im Ort schließen.

Utting leitet sich ab vom germanischen Personennamen Uto, Utto oder Outo; das Suffix „-ing“ bedeutet „zugehörig zu“. Utting bedeutet also: „Siedlung der Leute des Utto“.

Im Jahre 1122 wurde Utting erstmals urkundlich erwähnt und feierte im Jahr 2022 900 Jahre Utting. Bei der Neugründung des Benediktinerklosters zum Heiligen Berg kam Utting 1458 an das Kloster Andechs. Der Ort wurde Teil des Kurfürstentums Bayern und bildete eine geschlossene Hofmark, deren Sitz Utting bis zur Aufhebung des Klosters im Jahr 1803 war. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die ursprüngliche Gemeinde.

20. Jahrhundert Die idyllische Lage am Ammersee und die Nähe zu München machten Utting und Holzhausen zu beliebten Künstlerrefugien. Mitglieder der Künstlervereinigung Scholle und des Simplicissimus lebten oder hielten sich über längere Zeit in Holzhausen auf – darunter: Leopold Durm, Reinhold Max Eichler, Erich Erler, Fritz Erler, Clara Ewald, Matthias Gasteiger und Anna Sophie Gasteiger, Walter Georgi, Kurt Kühn, Adolf Münzer, Paul Neu und Eduard Thöny.

Im Oktober 1949 traf sich die Gruppe 47 im Café Bauer zu einer Versammlung deutschsprachiger Schriftsteller, zu der Hans Werner Richter von 1947 bis 1967 an wechselnden Orten einlud.

1921 gründete Georg Grimm gemeinsam mit Karl Seidenstücker die Altbuddhistische Gemeinde in Utting.

In Utting befand sich von August 1944 bis zur Evakuierung am 22. April 1945 das Außenlager Kaufering V – Utting des KZ Dachau. Die Häftlinge mussten in einer Gerberei Zwangsarbeit verrichten. Von September 1944 bis 26. April 1945 gab es weiterhin das Außenlager X, dessen Häftlinge beim Bau einer unterirdischen Flugzeugfabrik arbeiten mussten.Slomo Pasternak, ein Überlebender, erzählt, wie er Todesmarsch und Befreiung erlebt hat; Inhalt KZ-Kommando Kaufering X (Utting a.Ammersee); Todesmarsch – ein Tondokument aus einem Interview von Anton PossetDer Holocaust im Raum Landsberg Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert zur Erforschung der Landsberger Zeitgeschichte e. V.Die Europäische Holocaustgedenkstätte – ein Ort der Erinnerung an den KZ-Lagerkomplex Kaufering/Landsberg von den Gründern der Gedenkstätte der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert zur Erforschung Landsberger Zeitgeschichte e. V.Münchner Leerstellen – Utting: KZ Aussenlager An 27 Todesopfer dieser Lager erinnert ein KZ-Friedhof im Wald an der Straße zwischen Utting und Holzhausen.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd. 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 196

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 ein Teilgebiet der aufgelösten Gemeinde Hechenwang mit dem Ort Achselschwang eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam der Gemeindeteil Holzhausen aus der Gemeinde Rieden am Ammersee hinzu.

Einwohnerentwicklung Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 Einwohner 747 771 995 1519 1351 2882 2589 2652 2933 3388 3565 3759 3989 4355 4562 4527 4561

Politik mini|Rathaus

Gemeinderat + Sitzverteilung im Gemeinderat Jahr GAL CSU SPD LWGLFU FWG gesamt Wahlbeteiligung 2026 5 5 2 2 2 0 16 72,3 % 2020 7 5 2 2 - 0 16 73,62 % 2014 6 6 2 2 - 0 16 71,55 % 2008 5 5 2 1 - 3 16 78,2 % 2002 4 7 2 1 - 2 16 71,1 %

Legende: GAL: Grüne Alternative Liste LWG: Ländliche Wählergemeinschaft FWG: Freie Wählergemeinschaft LFU: Liste für Utting

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2020 Florian Hoffmann (CSU/LWG), gewählt mit 53,6 % der Stimmen. Sein Vorgänger war von 2008 bis 2020 Josef Lutzenberger (Grüne), der nicht mehr zur Wiederwahl stand. Im März 2026 wurde Hoffmann mit 89,9 % (bei keiner Gegenkandidatur) wiedergewählt.

Wappen

Gemeindefinanzen Im Jahr 2012 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 4,098 Mio. Euro, davon waren 19,4 % Gewerbesteuereinnahmen (netto). (PDF; 1 MB)

Gemeindepartnerschaften Auray, Frankreich; seit 1977

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Es gab im Jahr 2020 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 29, im produzierenden Gewerbe 588 und im Bereich Handel und Verkehr 266 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 401 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1600. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zwei, im Bauhauptgewerbe elf Betriebe. Im Jahr 2016 bestanden 20 landwirtschaftliche Betriebe, die eine Gesamtfläche von 1110 ha bewirtschafteten; davon waren 453 ha Ackerfläche und 657 ha Dauergrünfläche sowie 3 ha Weinbau.

Im Jahr 2022 erzielte Utting am Ammersee Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Höhe von 1,7 Millionen Euro. Mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 310 % zählt die Gemeinde zu den steuerlich attraktivsten Standorten Deutschlands. Utting am Ammersee ist etwa steuerlich deutlich günstiger als die Landeshauptstadt München (Gewerbesteuerhebesatz 490 %).

Verkehr Schienenverkehr

mini|Bahnhof Utting Durch Utting verläuft die eingleisige Ammerseebahn von Mering über Geltendorf und Dießen nach Weilheim. Sie ist im Kursbuch der Deutschen Bahn unter der Streckennummer 985 geführt. An der Ammerseebahn befindet sich im Osten der Ortsmitte und etwa 200 Meter vom Ammerseeufer entfernt der Bahnhof Utting. Er wird seit 2008 im Stundentakt durch die Bayerische Regiobahn (BRB) von Augsburg-Oberhausen nach Schongau bedient. In der Hauptverkehrszeit stellen Verstärker zwischen Geltendorf und Peißenberg einen Halbstundentakt her. Alle Züge, die auf der Strecke fahren, halten in Utting. Seit 1991 fährt hier kein Fernverkehr mehr.

Busverkehr Utting ist im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) an den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) integriert. Derzeit (Stand Dezember 2024) verkehren in Utting folgende Buslinien des MVV: (PDF)

814: Landsberg am Lech – Finning – Hechenwang – Utting 891: Weilheim – Raisting – Dießen – Utting – Schondorf – Eching

Bildung Im Jahr 2021 existierten folgende Einrichtungen: drei Kindergärten: 229 Kindergartenplätze und insgesamt 209 Kindern eine Volksschule: acht Lehrkräfte, 142 Schüler in sechs Klassen Im Gemeindeteil Holzhausen befindet sich das BVS-Bildungszentrum der Bayerischen Verwaltungsschule. Volkshochschule Ammersee-Nordwest: Die vhs ist die kommunale Einrichtung der Gemeinde Utting am Ammersee und der Verwaltungsgemeinschaft Schondorf am Ammersee mit ihren Mitgliedsgemeinden Eching am Ammersee, Greifenberg und Schondorf am Ammersee.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Der Sprungturm, das Wahrzeichen von Utting am Ammersee St. Leonhard: barocker Saalbau von Klosterbaumeister Michael Natter; Bauzeit 1707 bis 1712. Keltenschanze: gut erhaltene Viereckschanze 1,5 km westlich des Ortes; 2. Jahrhundert v. Chr. Römerstraße: die Trasse der Römerstraße Augsburg-Brenner ist in der Uttinger Flur an mehreren Stellen noch deutlich zu erkennen. Künstlerhaus Gasteiger: Anwesen des Künstlerehepaares Gasteiger mit weitläufigem Park, Wohnhaus und kleinem Museum; Fertigstellung 1913. Altes Strandbad mit hölzernem 10-m-Sprungturm Großer Biergarten im „Freizeitgelände Utting“ Evangelisch-Lutherische Christuskirche (im August 2021 abgebrannt)

Bodendenkmäler

Bildergalerie

Naturerlebnis Rad-Wanderweg Ammersee-Lech Rad-Wanderweg Ammer-Amper Naturschutzgebiet „Seeholz“ Freizeitgelände Utting mit Badeanlagen, Hochseilgarten, Minigolf und Campingplatz Summerpark Ammersee-Schifffahrt

Vereine Neben katholischen und evangelischen kirchlich geprägten Vereinen (Kirchenchöre, Landfrauen, Leonhardiverein), Maibaumfreunde, Musikvereinen, Gesangsverein Liedertafel und Sportvereinen gibt es Dorfgemeinschaften in Holzhausen und Achselschwang.

Wiederkehrende Veranstaltungen Tanz in den Mai (April) Maibaumaufstellen (alle drei Jahre) / Fest der Maibaumfreunde (Mai) Seefest am Campingplatz (Juni) Regatten Kunsthandwerkermarkt im Summerpark (Juli) Seebühne Utting im Summerpark (Juli); hier spielen seit 1997 Profi- und Laienschauspieler. Von Goldoni bis Shakespeare, die Freilichtbühne erfreut jährlich durch Inszenierungen von Florian Münzer.Informationsseiten der Seebühne Utting. Pfarrfest der katholischen Kirchengemeinde in Holzhausen (Juli) Leonhardiritt (November) GeDENKzeit der kath. PG. Utting-Schondorf; stille Prozession vom Mahnmal am ehem. Dyckerhoff-Gelände über das Mahnmal der Kriegsgefangenen (Holzhauser-Str.) zum jüdischen Friedhof (9. November) Christkindlmarkt am alten Feuerwehrhaus am Wochenende des ersten Advent (November / Wochenende am ersten Advent) Fackelzug zur Wintersonnenwende (Dezember)

Sport Größter Sportverein des Ortes ist der TSV Utting, der in den Abteilungen Badminton, Basketball, Eisstockschießen, Fußball, Skifahren, Tischtennis, Turnen (Breitensport) und Wassersport anbietet. Daneben beheimatet Utting diverse Seglerclubs (Augsburger Segler-Club e. V., Bayerische Seglervereinigung e. V., Segler-Gemeinschaft Utting e. V., Uttinger Segler-Club Ammersee e. V.), den Yacht-Club Utting e. V. (YCU'88) und den Tennisclub TC Utting.

Persönlichkeiten Gottfried John (1942–2014), deutscher Schauspieler; lebte von 2008 bis zu seinem Tod in Utting Mathias Schröder (1941–2023), deutscher Schriftsteller und Arzt Georg Grimm (1868–1945), Mitbegründer der „Buddhistische Gemeinde für Deutschland“ Albert Heinzinger (1911–1992), von den Nationalsozialisten verfolgter späterer Maler, Zeichner und Holzschneider; lebte von 1975 bis zu seinem Tod in Utting Hans S. Neunzig (* 1932), deutscher Lektor, Übersetzer und Schriftsteller, Programmchef beim C. Bertelsmann Verlag, zuvor Leiter der Nymphenburger Verlagshandlung, lebte in Utting

Literatur Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Todesmarsch und Befreiung – Landsberg im April 1945: Das Ende des Holocaust in Bayern. ISBN 3-9803775-1-2. Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert: Das KZ-Kommando Kaufering 1944/45: Die Vernichtung der Juden im Rüstungsprojekt „Ringeltaube“. ISBN 3-9803775-3-9.

Weblinks

Gemeinde Utting am Ammersee

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Landsberg am Lech Kategorie:Ersterwähnung 1122 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)

Kategorie:Ort am Jakobsweg (Münchner Jakobsweg)