Cyrtandra ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Gesneriengewächse (Gesneriaceae). Sie bildet die größte Gattung der Familie Gesneriaceae. Das weite Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Südostasien über Australien bis zu pazifischen Inseln. Die Gattung Cyrtandra enthält viele seltene, nur kleinräumig verbreitete, endemische Arten, die beispielsweise aus diesem Grund gefährdet sind.

Beschreibung mini|Illustration von Cyrtandra aurea mini|Illustration von Cyrtandra navicellata mini|Illustration von Cyrtandra nemorosa

Vegetative Merkmale Je nach Cyrtandra-Art reichen Wuchsformen von ausdauernden krautigen Pflanzen bis zu Sträuchern oder selten kleinen Bäumen. Es werden keine Rhizome gebildet. Die meisten Arten gedeihen terrestrisch, manche als Epiphyten. Die verzweigten oder einfachen, meist selbständig aufrechten oder aufsteigenden Sprossachsen sind im Querschnitt rund oder kantig und verholzen bei den meisten Arten.

Es werden meist wenige Laubblätter gegenständig und in Wirteln, selten wechselständig an der Sprossachse verteilt, gebildet. Bei gegenständigen Laubblättern können innerhalb eines Paares beide gleich oder verschieden sein. Es gibt alle Übergänge von Isophyllie bis extremer Anisophyllie. Im extremsten Fall von Anisophyllie ist das kleine Blatt eines Paares zu einer winzigen, dreieckigen Schuppe reduziert (beispielsweise Cyrtandra dispar, Cyrtandra baileyi). Die Laubblätter sind in einen kurzen bis langen Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Form der Blattspreiten ist variabel und reicht von schmal-lanzettlich bis fast kreisförmig. Der Blattrand ist glatt oder gezähnt. Es liegt Fiedernervatur vor. Die Basis der Blattspreiten ist spitz zulaufend bis keilförmig oder selten herzförmig. Je nach Art sind die Blattspreiten kahl bis dicht, weich, zottig oder seidig behaart. Ein wichtiges anatomisches Merkmal vieler Arten ist das Vorhandensein von Sklereiden (Osteo- und/oder Astrosclereiden) in der Hypodermis und im Mesophyll der Laubblätter.

Blütenstände und Blüten Die Blütenstandsschäfte sind kurz bis lang. Die seitenständigen oder selten kaulifloren Blütenstände können im oberen oder unteren (manchmal unbeblätterten) Teil der Sprossachsen stehen oder manchmal entspringen sie unterirdisch. Die Blüten stehen einzeln oder zu mehreren bis vielen locker oder dicht in zymösen Blütenstände. Es sind zwei gegenständige Tragblätter vorhanden oder sie fehlen. Die Deckblätter sind meist frei oder sind selten verwachsen und bilden einen auffälligen Becher.

Die zwittrigen Blüten sind meist fünfzählig und radiärsymmetrisch bis zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Die meist fünf haltbaren oder abfallenden Kelchblätter sind frei oder verwachsen. Der Blütenkelch ist manchmal zweilippig. Der Kelch endet in zwei bis fünf, selten sechs gleichen oder ungleichen Kelchlappen. Die Farbe der Kronblätter ist meist hell, bei vielen Arten weiß bis gelb, nur wenige Arten sind orangefarben, grün, rötlich über rosa- bis purpurfarben. Die meist fünf Kronblätter sind glocken-, röhren-, trichter- oder stieltellerförmig verwachsen. Die Kronröhre ist meist viel länger als die Kronlappen. Die Blütenkrone ist innen kahl bis flaumig behaart. Die Blütenkrone ist zweilippig. Die zweilappige Oberlippe ist kürzer bis fast so lang wie die dreilappige Unterlippe. Bei der Unterlippe sind alle drei Kronlappen gleich lang oder der mittlere Lappen ist länger als die seitlichen. Die Kronlappen besitzen ein gerundetes bis stumpfes, selten spitzes oberes Ende. Die zwei oder drei Staminodien sind mit der Oberseite der Kronröhre verwachsen. Es sind meist nur zwei fertile Staubblätter vorhanden, selten sind es (bei Arten der früheren Gattungen Protocyrtandra sowie Cyrtandroidea) vier. Die Staubfäden sind auf der Höhe der Mitte an der Unterseite der Kronröhre verwachsen. Die Staubblätter überragen die Blütenkrone meist nicht. Die basifixen bis dorsifixen Staubbeutel hängen zusammen oder sind frei und öffnen sich mit einem Längsschlitz. Die Theken sind meist fast parallel. Der Diskus ist ringförmig oder selten becherförmig und produziert Nektar; oft ist er auch noch auf der Frucht erkennbar. Der oberständige, einkammerige Fruchtknoten ist eiförmig bis länglich. Die zwei Plazenten ragen zweispaltig, zurückgekrümmt nach innen. Der Griffel ist kurz oder lang. Die ungeteilte oder manchmal zweilappige Narbe ist kopfig bis eiförmig verkehrt-dreieckig.

Früchte und Samen Die je nach Art fleischigen (Arten des östlichen Pazifikraumes), ledrigen oder hartwandigen (Arten im westlichen Verbreitungsgebiet) Beeren sind eiförmig bis länglich oder kugelig. Falls der haltbare Blütenkelch vorhanden ist, ist er etwas kürzer bis länger als die Beere. Die winzigen Samen besitzen keine Anhängsel.

Chromosomensätze Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 34, vielleicht selten 2n = 32.

Ökologie Bei manchen Arten in Borneo sowie Sulawesi entspringen die Blütenstände an der Stängelbasis und die Blütenstandsschäfte verlängern sowie krümmen sich und erreichen so den Boden; bei anderen Arten bilden sich die Blüten im Untergrund (beispielsweise Cyrtandra rhizantha); dies nennt man Geoflorie. Die meist hellblütigen Arten werden vermutlich durch Bienen bestäubt (Melittophilie). Die wenigen Arten mit roten oder rötlichen Blüten (beispielsweise Cyrtandra clarkei) werden wohl durch Vögel bestäubt (Ornithophilie). Über die Ausbreitung der hartschaligen Früchte ist nichts bekannt, aber die fleischigen Beeren werden sicher durch Vögel ausgebreitet.

Standorte Die meisten Cyrtandra-Arten gedeihen im Tiefland- und Bergregenwald. Die überwiegende Zahl an Arten kommt in Regenwäldern vor, dagegen gibt es in saisonal trockenen bis ganzjährig trockenen Gebieten keine Arten.

Gefährdung Viele Cyrtandra-Arten sind seltene, nur kleinräumig verbreitete Endemiten. Sie kommen oft nur auf einer Insel vor und dort auch manchmal nur in einem kleinen Gebiet. Viele Arten sind gefährdet. Mindestens eine Art ist in der Natur ausgestorben. Einige Arten gelten als „Critically Endangered“ = „vom Aussterben bedroht“.

Systematik und Verbreitung Die Gattung Cyrtandra wurde 1776 durch Johann Reinhold Forster und seinen Sohn Georg Forster in Characteres Generum Plantarum:quas in itinere ad insulas maris Australis, collegerunt, descripserunt, delinearunt, annis 1772-1775 2. Auflage Seite 5 aufgestellt. Als Lectotypusart wurde 1966 Cyrtandra biflora durch Harold St. John (1892–1991) in Bernice P. Bishop Museum Bulletin, Volume 229, S. 3–5 festgelegt. Der Gattungsname Cyrtandra leitet sich von den griechischen Wörtern κυρτος, kyrtos für gebogen, gewunden und ανδρος, andros für männlich ab; dies bezieht sich auf die gekrümmten Staubfäden der Staubblätter. Synonyme für Cyrtandra sind: Rhynchocarpus , Whitia , Getonia , Cyrtandropsis , Protocyrtandra , Cyrtandroidea und vielleicht Sepikea

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Cyrtandra reicht von den Nikobaren und dem südlichen Thailand über Malesien und den südlichen pazifischen Inseln bis zu den Inseln Hawaiis. Auf den Salomonen gibt es 24 bis 26 Arten. Seit 2013 gibt es auf den Marquesas 11 Arten. Seit 2014 sind Sulawesi 17 Arten beschrieben. Die nördlichsten Vorkommen befinden sich auf einer Insel Taiwans (Cyrtandra umbellifera) und auf den Ryūkyū-Inseln (Cyrtandra yaeyamae). Zentren der Artenvielfalt sind Borneo, Neuguinea und die Pazifischen Inseln; oder andere Autoren schreiben, dass Zentren der Artenvielfalt in Südostasien und Malesien liegen. Cyrtandra ist die artenreichste Gattung der Familie Gesneriaceae und in der Alten Welt, die mit dem weitesten Verbreitungsgebiet.

Die Gattung Cyrtandra wurde durch Clarke 1883 (mit damals nur 157 bekannten Arten) in zwei Untergattungen und 13 Sektionen gegliedert. Diese Gliederung spiegeln aber keine natürlichen Verwandtschaftsgruppen wider und ist deshalb derzeit so nicht anerkannt. Eine Neugliederung dieser Gattung ist dringend erforderlich.

Etwa 600 Arten sind beschrieben, und es werden oft noch neue Arten entdeckt. Doch ist auch nicht jeder beschriebene Name auch akzeptiert. Es gibt eine große Zahl an Synonymen. Beispielsweise gibt es in Hawaii 514 Taxonnamen, aber nur 58 akzeptierte Arten; viele Namen wurden für Taxa vergeben, die Hybriden darstellen, von denen es teilweise nur wenige Exemplare gibt in Gebieten, in denen sich Arten überlappen (siehe auch unten die Auflistung der Synonyme von Hybriden).

Es gibt 450 bis 600 Arten:

mini|Habitus, Laubblätter und Blüten von Cyrtandra cyaneoides mini|Zygomorphe, fünfzählige Blüten von Cyrtandra cyaneoides mini|Blattunterseiten und zygomorphe, fünfzählige Blüten von Cyrtandra gracilis mini|Cyrtandra grayi mini|Blüte in einem kaulifloren Blütenstand von Cyrtandra kaulantha mini|Cyrtandra menziesii mini|Zweig mit Laubblättern und Blütenstand mit fünfzähligen Blüten nach der Anthese von Cyrtandra platyphylla mini|Cyrtandra waianaeensis

Cyrtandra aclada : Sie kommt auf den Philippinen nur auf Mindanao vor. Cyrtandra acutangula (Syn.: Cyrtandra acutangula nom. nud., Cyrtandra acutangula nom. nud., Cyrtandra utriculosa ): Dieser Endemit der Fidschi-Inseln kommt nur auf Viti Levu vor. Cyrtandra adnata : Dieser Endemit kommt nur auf Sabah vor. Cyrtandra aeruginosa : Dieser Endemit kommt nur auf der philippinischen Insel Luzon vor. Cyrtandra agrihanensis : Dieser Endemit der nördlichen Marianen kommt nur auf Agrihan vor. Cyrtandra agusanensis : Sie kommt auf den Philippinen nur auf Mindanao vor. Cyrtandra albertisii : Sie kommt in Neuguinea vor. Cyrtandra albibracteata : Dieser Endemit kommt nur in Sarawak vor. Cyrtandra aloisiana : Dieser Endemit der Fidschi-Inseln kommt nur auf Viti Levu vor. Cyrtandra alvarezii : Sie kommt auf den Philippinen nur auf Mindanao vor. Cyrtandra amicta : Dieser Endemit der Fidschi-Inseln kommt nur auf Viti Levu vor. Cyrtandra ammitophila : Sie kommt nur in Sarawak sowie Brunei vor. Cyrtandra ampla (Syn.: Cyrtandra grandis var. ampla ) Sie kommt in Sumatra und vielleicht Java vor. Cyrtandra amplifolia : Sie kommt in Papua-Neuguinea vor. Cyrtandra andersonii : Dieser Endemit kommt nur in Sarawak vor. Cyrtandra aneiteensis : Sie kommt in Vanuatu nur auf den Inseln Erromango sowie Aneityum vor. Cyrtandra angularis : Dieser Endemit kommt in Sabah auf Mindanao vor. Cyrtandra angustielliptica : Dieser Endemit kommt nur in Sarawak vor. Cyrtandra angustivenosa : Sie kommt in Samoa nur auf den Inseln Savaii, Upolu sowie Olosega vor. Cyrtandra anisophylla : Dieser Endemit kommt nur auf Sumatra vor. Cyrtandra anisopoda : Dieser Endemit kommt nur in Borneo nur in Samarinda vor. Cyrtandra anthropophagorum (Syn.: Cyrtandra anthropophagorum , Cyrtandra anthropophagorum var. obscura , Cyrtandra anthropophagorum nom. nud., Cyrtandra buttii , Cyrtandra buttii nom. nud.): Dieser Endemit der Fidschi-Inseln kommt nur auf Viti Levu sowie Ovalau vor. Cyrtandra antoniana : Dieser Endemit kommt auf den Philippinen nur in Negros vor. Cyrtandra antuana : Sie kommt nur in Sarawak vor. Cyrtandra apaensis : Sie kommt nur in Sarawak vor. Cyrtandra apiculata (Syn.: Cyrtandra pendula non ): Sie kommt nur auf Tahiti vor. Cyrtandra apoensis : Sie kommt auf den Philippinen nur auf Mindanao vor. Cyrtandra arachnoidea : Sie kommt nur in Sabah vor. Cyrtandra arborescens : Cyrtandra arborescens var. arborescens: Sie kommt in Java und Sulawesi vor. Cyrtandra arborescens var. tesselata : Dieser Endemit in Indonesien kommt nur in Halmahera vor. Cyrtandra areolata : Cyrtandra areolata var. areolata (Syn.: Didymocarpus areolatus ): Sie kommt nur in Sabah vor. Cyrtandra areolata var. grandis : Sie kommt nur in Sabah vor. Cyrtandra arfakensis (Syn.: Cyrtandra arfakensis nom. nud.): Sie kommt nur in Irian Jaya vor. Cyrtandra argentata : Cyrtandra argentata subsp. argentata (Syn.: Cyrtandra argentea ): Sie kommt nur in Sarawak vor. Cyrtandra argentata subsp. latifolia : Sie kommt nur in Sarawak vor. Cyrtandra asikii : Sie kommt nur in Sabah vor.