Außerirdisches Leben ist eine Bezeichnung für Lebensformen, die auf der Erde weder beheimatet noch entstanden sind.Frank White: Walker & Company, New York, 1990, ISBN 978-0-8027-1105-2, S. 11: „[…] a being with origins and existence outside the boundaries of the earth […] that includes any life form originating off the planet earth.“ Der Begriff deckt alle möglicherweise existierenden Arten und Erscheinungsformen von Leben nichtirdischer Herkunft ab, von einfachsten biologischen Systemen (z. B. Mikrosphären, Prionen, Viren und Prokaryoten) über pflanzen- und tierartiges Leben bis hin zu Lebensformen, deren Komplexität der des Menschen entspricht oder sie übersteigt.Peter D. Ward: Life as we do not know it – the NASA search for (and synthesis of) alien life. Viking, New York 2005, ISBN 0-670-03458-4: „What is Life?“ S. 1–23.Michael J. Crowe: Cambridge Univ. Press, Cambridge, 1986, ISBN 0-521-26305-0.Michael J. Crowe: Univ. of Notre Dame Press, Notre Dame, 2008, ISBN 978-0-268-02368-3. Ein außerirdisches Wesen wird auch kurz Außerirdischer oder nach der englischen Bezeichnung Alien (von ) genannt. Das Adjektiv außerirdisch ist gleichbedeutend mit dem Fremdwort extraterrestrisch.

Bislang wurde noch kein Leben außerhalb der irdischen Biosphäre nachgewiesen.

Historische Überlegungen Naturphilosophische Gedanken zur Existenz außerirdischen Lebens lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen. So finden sich etwa schon in Plutarchs Werk Das MondgesichtPlutarch: Das Mondgesicht. Übers. von Herwig Görgemanns, Zürich, 1968. oder Lukian von Samosatas Schrift Ikaromenipp oder die WolkenreiseLukian von Samosata: Ikaromenipp oder die Wolkenreise. Zweisprachige Ausgabe, hrsg. und übers. von Karl Mras, München, 1980. Gedanken über Lebewesen jenseits der Erde. Derartige Texte beziehen sich jedoch wesentlich auf mythische Motive und haben nicht den Anspruch, mithilfe einer rationalen Argumentation Theorien über außerirdisches Leben zu entwickeln.

Giordano Bruno im 16. Jahrhundert meinte, dass das Weltall unendlich sei und dass es auch unendlich viele Lebewesen auf anderen Planeten im Universum gebe. Im späten 17. Jahrhundert veröffentlichte der Astronom Christiaan Huygens seine Schrift Weltbeschauer, oder vernünftige Muthmaßungen, daß die Planeten nicht weniger geschmükt und bewohnet seyn, als unsere Erde. Huygens, zugleich einer der Begründer der Wahrscheinlichkeitstheorie, erkannte, dass er zu keinen gesicherten Erkenntnissen über extraterrestrisches Leben kommen konnte. Dennoch seien einige Annahmen wahrscheinlicher als andere, daher könne man doch zumindest zu „vernünftigen Mutmaßungen“ kommen. Die Idee von „vernünftigen Mutmaßungen“ beeinflusste die Naturphilosophie des 18. Jahrhunderts stark. Christian Wolff berechnete mit Hilfe von Analogieargumenten und „vernünftigen Mutmaßungen“ gar die Größe der Jupiterbewohner auf eines Pariser Fußes,Christian Wolff: Halle, Renger, 1735 also etwa vier Meter.Einen Überblick zu Kant und der Wissenschaftsgeschichte der Suche nach außerirdischem Leben bietet: Eberhard Knobloch: Vielheit der Welten – extraterrestrische Intelligenz. In: Wilhelm Voßkamp: Ideale Akademie. Berlin, Akademie Verlag, 2002, ISBN 3-05-003739-3, S. 185–187. Zu Wolffs Berechnung siehe dort, S. 167, Google Books. Auch Immanuel Kant beschäftigte sich 1755 in seinem Werk Von den Bewohnern der Gestirne mit der Frage, ob es Leben auf anderen Planeten gebe.

Die Spekulationen über außerirdisches Leben nahmen insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu, als die Evolutionstheorie an Verbreitung gewann, die besagt, dass sich das Leben auf der Erde über Zeiträume von Jahrmilliarden über natürliche Mutations- und Selektionsprozesse von einfachsten Lebensformen zu immer größerer Vielfalt, höherer Komplexität und schließlich auch zu Intelligenz entwickelt hat. Diese Vorstellung ließ es möglich erscheinen, dass sich auch auf anderen Planeten auf eine vergleichbare Weise Leben entwickelt hat – insbesondere, nachdem infolge der Aufklärung das traditionelle biblisch-christliche Weltbild immer mehr an Bedeutung verlor und die Astronomie aufgezeigt hatte, dass unsere Sonne ein Stern unter Milliarden ähnlicher Sterne ist.

Zunächst konzentrierten sich die Spekulationen über außerirdisches Leben auf die erdnächsten Himmelskörper: den Mond und die Planeten unseres eigenen Sonnensystems, insbesondere die beiden Nachbarplaneten der Erde, Mars und Venus. Daneben wurde lange spekuliert, ob unser Stern damit, dass er Planeten besitzt, einen Sonderfall im Universum darstellt oder ob Planeten im Universum in großer Zahl vorhanden seien.

1854 theoretisierte William Whewell, der Mars hätte Ozeane, Land und möglicherweise Lebensformen. Nach Teleskopbeobachtungen der Marskanäle, die sich später als optische Täuschung herausstellten, explodierten Ende des 19. Jahrhunderts die Spekulationen über Leben auf dem Mars förmlich. So veröffentlichte der amerikanische Astronom Percival Lowell 1895 sein Buch Mars, gefolgt von Mars and its Canals (Mars und seine Kanäle) 1906, in denen er vorschlug, dass die Kanäle die Arbeiten einer längst vergangenen Zivilisation („Marsianer“) wären. In den ersten wissenschaftlich untermauerten Vorstellungen von der Venus als Weltkörper galt dieser erdähnliche Planet durch seine größere Sonnennähe als eine lebensfreundlichere, junge und sehr warme Welt der Urzeit, die unter der undurchdringlichen Wolkendecke von Dschungel und Wüsten geprägt sei. Das hat sich dann auch in der später aufgekommenen wissenschaftlichen Phantastik der Literatur und der Filmkunst niedergeschlagen, besonders in Form verschiedener „Venusianer“. Mit der Erkundung der wirklichen Bedingungen, vor allem seit den ersten Messergebnissen der Sonde Mariner 2 1962, wurde dann klar, dass die Venus nicht tropisch und lebensfreundlich, sondern sehr heiß und trocken ist.

Heutige Sicht Existenzwahrscheinlichkeit Für die Existenz von intelligentem Leben außerhalb der Erde werden insbesondere die Tatsachen angeführt, dass es allein in der Milchstraße zwischen 200 und 400 Milliarden Sterne gibt und diese wiederum nur eine von mehr als 100 Milliarden Galaxien im sichtbaren Universum ist. Die Wahrscheinlichkeit der Existenz solchen Lebens wird zum Beispiel mit der Drake-Gleichung abgeschätzt.Sebastian von Hoerner: Sind wir allein? – SETI und das Leben im All. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49431-5, S. 151–152.Drake Equation. Bei: daviddarling.info. Abgerufen am 1. Februar 2010.

Wenn man die Betrachtung auf „intelligentes Leben“ einengt, ist zu berücksichtigen, dass sich nicht jedes Leben in einer „typischen“ Biosphäre durch die Evolution zwangsläufig früher oder später auch zu intelligenten Lebensformen entwickelt. Auch können bestimmte Lebensformen wieder aussterben, sodass ihr durchschnittliches „Zeitfenster“, gemessen an den Jahrmilliarden umfassenden Zeiträumen der Lebensentwicklung auf Planeten, möglicherweise nur sehr kurz ist.

Bis Oktober 2020 konnte die Astronomie 5225 Exoplaneten nachweisen, darunter auch erdähnliche Himmelskörper (Gesteinsplaneten). Des Weiteren wurden in unserem eigenen Sonnensystem Hinweise auf flüssiges Wasser außerhalb der Erde (das gemeinhin als eine der notwendigen Voraussetzungen für Leben gilt) gefunden, vor allem auf den Eismonden des äußeren Sonnensystems wie etwa dem Jupitermond Europa, was Anlass zu neuen Spekulationen über außerirdisches Leben gab.Karl Urban: Abschied von der habitablen Zone. Auf: Spektrum.de. 14. August 2017.AMQ: Habitable Zone und Gezeitenheizung. Auf: Spektrum.de. 14. Oktober 2008.

Einer angepassten Form der Drake-Gleichung zufolge, die das zum Stand 2016 bekannte Wissen über Exoplaneten einschließt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Planet in einer habitablen Zone eine „technologische Spezies“ hervorbringt, größer als etwa 10−24. Somit ist die Menschheit wahrscheinlich nicht der einzige Fall einer technologischen Spezies im beobachtbaren Universum.

Eine weitere Spekulation betrifft die mögliche interstellare Ausbreitung von Leben in der Milchstraße. Falls nach der Kardaschow-Skala technologisch fortgeschrittene Lebensformen zu interstellaren Reisen fähig wären und zudem ihre Zivilisation über Jahrmillionen aufrechterhalten könnten, müssten sich Spuren davon finden lassen. Die Tatsache, dass sich bis heute keine Anzeichen dafür finden, wird auch als Fermi-Paradoxon bezeichnet.

Weitere Faktoren sind die begrenzte habitable Zone in der Umgebung einer Sonne nach Włodzisław Duch und die begrenzte Anzahl von für komplexe Systeme verwendbaren chemischen Elementen wie Kohlenstoff und Silizium. Der Rare-Earth-Hypothese zufolge ist das Fermi-Paradoxon keineswegs paradox. Die Entstehung und die nachgewiesene kontinuierliche Entwicklung von komplexen vielzelligen Lebewesen auf der Erde seit Milliarden von Jahren sei nur einer vergleichsweise unwahrscheinlichen Konstellation vor allem astrophysikalischer und geologischer Bedingungen geschuldet.J. Veizer (1976) in B. F. Windley (Hrsg.): The Early History of the Earth. John Wiley and Sons, S. 569, London.

Der amerikanische Astronom und Exobiologe Carl Sagan schätzte die Anzahl an Zivilisationen nur auf zehn. Der amerikanische Physiker Seth Shostak meinte 2018, dass es in der Milchstraße 10.000 außerirdische Zivilisationen geben könnte. Tom Westby und Professor Christopher Conselice von der Universität Nottingham schätzen jedoch in einer Studie, dass es in der Milchstraße aktuell circa 36 außerirdische Zivilisationen geben könnte. Bei 10.000 Zivilisationen läge der Abstand zwischen ihnen durchschnittlich bei rund 1.000 bis 2.000 Lichtjahren. Bei 36 Zivilisationen läge der durchschnittliche Abstand bei 17.000 Lichtjahren. Es ist jedoch denkbar, dass einige untergegangene Zivilisationen Maschinen, Sonden oder ähnliche Systeme geschaffen haben, die diese überdauern.

Erscheinungsformen Es wird vermutet, dass außerirdische Lebensformen, die sich unabhängig vom Leben auf der Erde entwickelt haben, sich mehr oder weniger deutlich von den uns bekannten Lebensformen auf der Erde (Mikroorganismen, Pflanzen, Tieren) unterscheiden könnten. Es ist aber auch gemäß der Hypothese der Panspermie denkbar, dass irdisches Leben nicht auf der Erde entstand, sondern durch Asteroiden auf die Erde gebracht wurde. Vor allem einfache außerirdische Lebensformen könnten somit den irdischen ähnlich sein.

Die Spekulationen über die Art außerirdischer Lebensformen lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: diejenigen, die dem Leben auf der Erde, insbesondere humanoiden Lebensformen, nach dem Prinzip der konvergenten Evolution ähneln, Lebensformen, die sich von irdischem Leben völlig unterscheiden, niedere Lebensformen (Mikroorganismen).

Außerirdisches Leben könnte sogar auf ganz anderen chemischen Elementen und Verbindungen, wie sie als organische Kohlenstoffverbindungen bekannt sind (siehe Organische Chemie), aufgebaut sein. Die Annahme, dass außerirdisches Leben nur auf Kohlenstoffbasis vorstellbar ist, wird polemisch als Kohlenstoffchauvinismus bezeichnet.Peter D. Ward: Life as we do not know it-the NASA search for (and synthesis of) alien life. Viking, New York 2005, ISBN 0-670-03458-4: Carbon/water chauvinism-how universal is CHON life? S. 61 ff. & Non-CHON life. S. 73–85. Einen Hinweis lieferte Ende 2010 eine Studie der NASA, wonach das Bakterium GFAJ-1 das Halbmetall Arsen in sein Erbgut einbaut;Arsen-Bakterium: Nasa entdeckt spektakuläre Lebensform. Spiegel Online, 2. Dezember 2010. Kritiker dieser Studie bemängeln jedoch unter anderem verunreinigte Proben und die Instabilität eines auf Arsen basierenden Erbguts.Forscher zanken über vermeintliche Nasa-Aliens. Spiegel Online, 2. Februar 2011. Im Juni 2012 wurde bekannt, dass GFAJ-1 – entgegen bisherigen Annahmen – lediglich freies Arsenat, nicht aber biochemisch integriertes Arsen enthält. Stattdessen gleicht der Aufbau seiner Nukleinsäuren dem der bekannten Bakterien.taz: NASA-Forschungsbericht zurückgewiesen. 9. Juli 2012.